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Liebeskette durch die ganze Welt

Ali Eldeniz fühlte sich ungefähr vor sieben Monaten körperlich nicht wohl und ging zu einem Arzt. Der Arzt vermutete, dass es sich um eine Grippe handeln könnte. Da jedoch die Rücken- und Brustschmerzen nicht abnahmen, ging Ali Eldeniz zu einem anderen Arzt, es wurden Röntgenaufnahmen gemacht, Bluttests durchgeführt und er wurde sofort in das Spital eingewiesen. Alles geschah so rasch, sodass Ali Eldeniz zuerst die Situation gar nicht realisierte, er fühlte sich ausserhalb der Geschehnisse. Erst als seine Familie zu ihm kam, konnte er sagen: „Ja, es wurde Leukämie festgestellt, und ich bin davon betroffen.“

Zum Glück ist der neue, der plötzlich entstandene Einbruch im Leben von Ali Eldeniz nicht nur von schwarzen, dunklen Wolken bedeckt… Gleichzeitig brachte die neue Situation Farben, geprägt von Liebe, Zusammenhalt, vom Teilen und von Hoffnung, die notwendig sind an schwierigen Tagen.

Auf der einen Seite Ali Eldeniz, auf der anderen die Menschen, die ihn lieben, und wiederum andere Menschen, die obwohl sie Ali Eldeniz nicht kennen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort Blut gespendet haben, verwandelten das Dunkle in bunte Farben. 

Nun räumen wir den Platz und lassen Ali Eldeniz sprechen. Aber zuerst möchten wir Sie sehr gerne auch in dieses Netzwerk voller Liebe einladen. Falls sie Blut  spenden, um festzustellen, ob es geeignet ist oder nicht, wären wir Ihnen sehr dankbar, denn Sie könnten, auch wenn Ihr Blut Ali Eldeniz nicht helfen könnte, einer ganz unbekannten Person das Leben verlängern…

Weitere Informationen, falls Sie Blut spenden wollen, finden Sie auf der Website www.alieldeniz.com. Falls Sie Kontakt mit der Familie Eldeniz aufnehmen möchten, wählen Sie folgende Telefonnumer: 0041 (0)76 255 00 11

Basel/ Salman Sicakyüz - Sevim Civil - Ali Yilmaz

"Lassen wir Ali Eldeniz leben" Komiteemitglieder mit Ali Eldeniz zusammen...

Lieber Ali, wir danken dir sehr, dass du uns diese Gelegenheit gibst. In den vergangenen sechs Monaten wurden in den Medien zahlreiche Nachrichten über dich veröffentlicht. Als erstes möchten wir dir die folgende Frage stellen. Vor ungefähr sechs Monaten haben die Ärzte bei dir eine Leukämie- Diagnose gemacht. Wie hast du dich gefühlt, als du es erfahren hast?

Ich bin zu einem Arzt gegangen, weil ich mich nicht gut gefühlt habe. Der Arzt vermutete eine Grippe, beziehungsweise Muskelverspannungen als Ursache für die Rückenschmerzen. Die Rücken- und Brustschmerzen dauerten weiter an und ich hatte Probleme, zu atmen. Daraufhin habe ich mich entschlossen, einen Arzt aufzusuchen, dem ich vertraue und auch kenne, und wollte durch ihn eine Blutuntersuchung machen lassen.

Der Arzt hat eine Röntgenaufnahme gemacht und mich später für eine Blutabnahme in das Labor geschickt. Danach wurde ich entlassen und sollte auf das Resultat warten. Als ich zu Hause war, war ich sehr erschöpft, legte mich hin und schlief auf der Stelle ein. Erst als das Telefon klingelte, wurde ich wach. Es war der Arzt, und er wollte, dass ich sofort zu ihm komme.

Der Arzt liess mich wissen, dass die Leukämie- Krankheit festgestellt worden sei, und obwohl ich diese Krankheit kenne, entstand in mir eine innere Leere. Danach wurde ich sofort in ein Krankenhaus eingewiesen. Dort wurde ich von den Ärzten empfangen. Zuerst wollte ich nicht glauben, dass dies alles wahr sein konnte, ich fühlt mich ausserhalb der Geschehnisse.

Ich habe so reagiert, als ob es mich nichts anginge. Erst als meine Familie zu mir kam, habe ich allmählich verstanden „Ja, es wurde eine Leukämie- Diagnose festgestellt, und davon bist du betroffen…“

Plötzlich befand ich mich in einem Krankenhaus. Dies alles kam mir zuerst fremd vor. Man hat nicht einmal die Zeit, nachzudenken. Im Krankenhaus nahm man mich sofort in die Isolationsstation. Es kam mir vor, als ob alle diese Ereignisse nicht mich betreffen.

Errinnerungsfoto mit Salman Sıcakyüz...

Musstest du lange im Isolationssektor bleiben?

Insgesamt waren es vier Monate und eine Woche.

Als du im Isolationsraum bleiben musstest, warst du eine sehr lange Zeit alleine. Wie hast du es ausgehalten?

Wenn man weiss, wieso man in einem Isolationsraum ist, macht dies die Situation nicht viel schwieriger. Trotzdem war es mir unwohl. Ich wollte, dass Menschen mich besuchen kommen und sich mit mir unterhalten. Man wartet mit offenen Augen, dass die Mutter und der Vater da sind. Da an den Abenden keine Besuche erlaubt sind, habe ich Fernsehen geschaut.

Welche Resultate hat die Chemotherapie in deiner Isolationszeit erbracht?

Entsprechend den Statistiken sagt man, dass die erste Therapie eine 80 prozentige Verbesserung erziele, jedoch traf dies bei mir nicht ein. Das Resultat ergab, dass meine Chromosomen auf eine komplexe Weise auseinandergerissen und dann auf eine funktionslose Weise wieder zusammengefügt wurden. Das haben mir die Ärzte gesagt.

Da die erste Therapie nichts nutzte, sagte man mir, dass eine zweite, schwerer dosierte Chemotherapie, bei der eine 60 prozentige Erfolgschancen besteht, von Nutzen wäre.

Die zweite Therapie ergab mehr oder weniger eine gute Wirkung, jedoch gibt es bei der Leukämie-Krankheit Probleme, das wichtigste betrifft das Knochenmark. Falls das Knochenmark nichts produziert, so stirbt die Leukämie, wird gesagt. Nach einer Zeit wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen.

Zwei Wochen später wurde festgestellt, dass die Leukämie-Zellen von Neuem anfingen sich zu vermehren. Die Ärzte gaben mir zu wissen, dass meine Leukämie- Krankheit nicht mit einer Chemotherapie besiegt werden kann, und wenig weitere Therapie- Möglichkeiten existieren. Das zu hören hat mich schockiert. Die Ärzte, die mir am Anfang gesagt haben, dass ich eine gute Chance habe, die Krankheit zu bestehen, gaben mir nun zu verstehen, dass nur noch 10 bis 20 Prozent Überlebensmöglichkeit besteht.

Die Ärzte haben sich für eine dritte schwere Chemotherapie und dann für eine Knochenmarkstransplantation entschieden. Da kein passender Spender gefunden wurde, hat sich mein Vater, dessen Knochenmark zu 50 Prozent geeignet ist, als Spender bereit erklärt. Dies hat natürlich gute wie auch schlechte Seiten. Dies war nun unsere Hoffnung.

"Seit die Krankheit ausgebrochen ist, haben wir die Hoffnung nie verloren..."

Nach der Spende haben die ersten zwei Monate gute Resultate hervorgebracht. Wie hast du diese Zeit erlebt?

Wir waren voller Hoffnung. Die Ärzte ließen uns wissen, dass die Therapie mehr als die Erwartungen erfülle. Man sagt, auch wenn der Spender zu 100 Prozent geeignet wäre, könnten Komplikationen entstehen. Der für mich zuständige Arzt gab mir zu wissen, dass die Krankheit sehr wahrscheinlich besiegt sei. Wir hatten sehr glückliche zwei Monate erlebt.

Nach der Transplantation musstest du drei mal in der Woche zu einer ärztlichen Kontrolle. Du kamst nach Hause, und deine Verwandten waren sehr glücklich, dass du die Krankheit besiegt hattest. Jedoch erfuhrst du, dass die Krankheit von neuem zu wüten begann. Wie hast du reagiert?

Als ich nun die ersten Anschwellungen auf meinem Kopf bemerkte, gab mir dies ein komisches Gefühl im Bauch. Wahrscheinlich psychologisch bedingt, begann ich mich zu übergeben. Die neuen Tests ergaben, dass die Leukämie wieder da war.

Man fühlt sich zuerst wie erleichtert, später sagt man sich von neuem, dass der Kampf noch nicht vorbei ist, dass weiter gekämpft werden muss, um gesund zu werden.

Hattest du ein Bedürfnis nach einer psychologischer Betreuung? Haben die Ärzte dir  einen Vorschlag gemacht?

Ein Psychologe kam. Da jedoch meine Moral gut war, brauchte ich ihn nicht. Nur falls er von sich aus kam, wollte ich mit ihm reden. Meine Familie, Freunde und Ihr gebt mir viel Unterstützung und Moral. Deswegen hatte ich nie einen Psychologen nötig.

"Ich möchte mich bei allen bedanken, die an dieser Arbeit mitgewirkt haben, und auch denjenigen Menschen, die Blut gespendet haben, und dies nicht nur für mich, sondern im Namen aller bedürftigen Personen."

Ali, du weisst, dass ein Komitee mit dem Namen "Lassen wir Ali Eldeniz leben" gegründet wurde. Darüber hinaus wurde eine Website mit deinem Namen aufgestellt und es wurden Veranstaltungen gemacht.

Obwohl es ungefähr sieben Milliarden Menschen gibt, existieren in der Welt in Blutbanken nur etwa 11,5 Millionen Einheiten. Diese Zahl ist im Verhältnis sehr gering. Es macht den Eindruck, als ob die Menschen sich der Bedeutung nicht bewusst sind.

Konntest du die Arbeit des Komitees mitverfolgen, und welche Wirkung hat sie auf dich?

Ich möchte offen sein. Diese Arbeiten geben mir sehr viel Hoffnung. Ich möchte mich bei allen bedanken, die an dieser Arbeit mitgewirkt haben, und auch denjenigen Menschen, die Blut gespendet haben, und dies nicht nur für mich, sondern im Namen aller bedürftigen Personen.

In der Schweiz, in Deutschland, Frankreich, Kanada und in der Türkei hat man mit Blutspende-Kampagnen begonnen. Heute sind viele Menschen, in erster Linie Kinder, an Leukämie erkrankt. Was möchtest du dazu sagen?

Falls die Leukämie- Krankheit nicht einen Menschen selber betrifft, oder Verwandte beziehungsweise Familienmitglieder, so wird es als eine Krebs- Art aufgefasst. In den europäischen Länder scheint es mir, dass die Menschen besser über Leukämie informiert sind. Vielleicht gibt es hier deswegen mehr Spender.

Ich glaube in der Türkei gibt es in dieser Hinsicht weniger organisierte Strukturen. Zum Beispiel wollten viele aus meinem Dorf spenden, jedoch kamen sie mit den Hindernissen nicht zu Recht. Ich wünsche mir eine Verbesserung für die Zukunft.

Jedoch bin ich sehr glücklich, und auch stolz, dass durch die gemachten Kampagnen mehr als 2000 Menschen gespendet haben.

Ja, dies ist sehr schön. Kannst du uns mehr über dich erzählen Ali?

Wenn man in einem Krankenhaus im Isolationsraum verweilen muss, macht man sich, ob man will oder nicht, Gedanken über den Tod und das bisherige Leben. Ich habe gesehen, dass ich eine sehr schöne Kindheit hatte. Ich habe eine sehr gute Familie. Da mein Vater Lehrer ist und auch aufgrund seiner politischen Ausrichtung, waren wir in unserer Kindheit von einer Ecke der Türkei zur anderen gezogen. Diese Zeit war sehr schön. Am Schwarzen Meer haben wir die Lazen, In Hatay die Araber kennen gelernt, und dieser kulturelle Einfluss hat mein Leben bereichert.

Als mein Vater in die Schweiz kommen musste, blieben wir in unserem Dorf "Kirni Pazarcik K. Maras". Mit 11 Jahren kam ich dann auch in die Schweiz.

In der Schweiz hast du eine neue Sprache gelernt, und es stand eine neue Kultur vor dir. Hattest du Schwierigkeiten, dich in der Schweiz zurecht zu finden?

Bis ich mit dem Uni- Leben begann, hatte ich keine Schwierigkeiten gehabt, jedoch war es für mich nicht einfach, mich für eine Studienrichtung zu entscheiden.

An der Uni habe ich zuerst Archäologie studiert, dies war mein Kindheitstraum, ich wollte es versuchen und ausleben. Jedoch musste ich feststellen, dass die Arbeitsmöglichkeiten gering sind.

Später fing ich mit Nanowissenschaften an, denn Nanotechnologie wird unsere Zukunft bestimmen, und die Arbeitsperspektiven sind sehr gross.

Mich persönlich interessiert am meisten das Biologische, zum Beispiel, wie man ein Menschenleben verlängern kann...

Ali Eldeniz und seine Mutter...

Ali, du hast gesagt, dass du über den Tod nachgedacht hast. Diese Realität teilen wir alle Lebewesen. Was kannst du uns über den Tod sagen?

Bevor ich erkrankt bin, lautete mein Philosophie über den Tod folgendermassen:

Wie es schon die antiken Philosophen sagten, interessiert mich der Tod nicht, denn später ist alles zu Ende. Das einzige Ziel ist es ,angenehm zu sterben, genauso sollte man ein gutes Leben mit viel Zusammenhalt führen...

Auf der anderen Seite hinterlässt der Verstorbene viele Menschen zurück. Man macht sich Gedanken über Dinge, die man verlieren kann und fängt an zu denken: " Du bist erst 27 Jahre alt, du kannst noch einmal so lange Leben." Ich bin zum Schluss gekommen, dass der Tod unausweichlich ist, dass man kämpfen muss und die Moral nie verlieren darf. Der Tod kommt, wenn es soweit ist.

Das Wichtigste ist, dass der Mensch zu seinen Lebzeiten glücklich ist, oder dies wenigstens anstrebt. Wenn jemand seine Familie und Freunde glücklich sieht, ist dies eben die Quelle, die mich auch selber glücklich macht.

Sich glücklich zu fühlen, ist eines der gesündesten Gefühle, um eine Krankheit zu besiegen. Deswegen wünschen wir dir, dass du glücklich bist...

Ich glaube, in diesem Punkt spüre ich eine grosse Kraft mit mir. Beispielsweise hat das Komitee in meinem Namen in Lörrach eine schöne Veranstaltung organisiert. Als ich dort war, fühlte ich mich sehr ergriffen. Ich wusste, dass die Menschen, die da waren, für mich und für andere kranke Menschen da waren, und dies hat mich sehr berührt.

Man behauptet, dass in der Schweiz zum ersten mal Menschen aus der Türkei und den Balkan-Ländern solch eine grosse Wirkung erzielt haben. Es ist Tatsache, dass auch wir, die in Europa leben, von der Leukämie- Krankheit betroffen sind, jedoch fehlte hier eine Instanz, beziehungsweise eine betreuende Organisation.

Was denkst du persönlich über den "Pro Ali Eldeniz- Contra Leukämie"- Verein?

Bis zum heutigen Tag waren alle Arbeiten sehr erfreulich. Ich möchte, dass diese Bemühungen fortschreiten. Leukämie gab es schon vor mir, und es wird auch nach mir weiter existieren. Man muss die Menschen über alle Krankheiten besser informieren und sie sensibilisieren.

Ali Eldeniz und sein Vater mit nahen Verwandten...

An der Blutspende-Kampagne haben bisher mehr als 2200 Menschen teilgenommen. Daraus ergab sich auch ein sehr erfreuliches Resultat, denn 3 kranke Personen haben genau die richtigen Spender gefunden. Obwohl die Kampagne für dich gestartet wurde, wurden dabei weitere drei Personen glücklich. Was denkst du darüber?

Ich nehme es nicht auf mich, jedoch ist dies wie beim Einpflanzen eines Baumes, dessen Früchte später reifen. Natürlich war ich sehr glücklich. Als ich dies hörte, war ich im Krankenhaus, und meine Moral hat sich dabei gesteigert. Hoffentlich werden sich noch mehr Menschen erfreuen können.

Wir möchten dich nicht noch weiter aufhalten. Gibt es noch etwas, was du hinzufügen möchtest?

Ja, dies wird sehr schwierig werden. Jeder Mensch könnte mit so einer Krankheit konfrontiert werden. Man darf den Faden dabei nicht verlieren. Jeder soll sein Leben in seinen vollen Zügen leben. Je mehr Menschen man kennt, je mehr man im sozialen Gefüge Menschen glücklich macht und ihnen hilft, desto glücklicher wird der Mensch selber. Man soll bewusst leben und nie die Hilfsbereitschaft gegenüber anderen Menschen verlieren. Ich möchte, dass die Menschen sensibler werden, beispielsweise in Hinsicht auf die seltene und schwer zu bekämpfende Krankheit Leukämie.

Was möchtest du am liebsten in deinem Leben tun?

Ich möchte die Welt bereisen, und ich werde es auch tun...

Wir danken dir sehr, Ali, und wünschen dir eine gute und erfolgreiche Genesung.

Ali Eldeniz, mit Freunden... "Jeder soll sein Leben in seinen vollen Zügen leben. Je mehr Menschen man kennt, je mehr man im sozialen Gefüge Menschen glücklich macht und ihnen hilft, desto glücklicher wird der Mensch selber."

 

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