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"20
Minuten" landet einen Volltreffer in der Schweizer Presse
Die
Pendlerzeitung "20 Minuten" ist
die
meistgelesene Zeitung in der
Schweiz
Mit
den kurzen Nachrichtenzusammenfassungen unter der grossen
Überschrift, voller Werbungen gespickt auf oberflächlich
gestalteten Seiten, hat die Gratiszeitung "20 Minuten"
eine grosse Zahl an Lesern gewinnen können. Die Recherchen der
WEMF, der AG für Werbemedienforschung, zeigen "20
Minuten" als die meistverteilte und meistgelesene
Tageszeitung der Schweiz. Obwohl die nach dem
Katastrophenereignis vom 11. September 2001 geschrumpfte
Werbepalette die Zeitungsbranche in finanzielle Schwierigkeiten
bringen konnte, hat "20 Minuten" ihren Erfolg nur mit
Einnahmen aus Werbungen erzielen können, was sogar die Experten
erstaunen lässt.
snc
deutsch/ ali yilmaz
snc
dossier/
sevim
civil - zafer sayar
Von
den frühen Morgenstunden der Schweiz kann man sich ein gutes
Bild machen: Menschen aus allen Gesellschaftsschichten versuchen
mit den öffentlichen Verkehrsmittel pünktlich zu ihrer Arbeit
zu gelangen. An einer Tram- oder Busstation wird es sogar mit
der Zeit vorausschaubar, wer wann in welche Richtungen pendeln
muss. Die Fahrgesellschaft bei zwei nacheinanderfahrenden Bussen
gleicher Richtung erfährt beispielsweise selten eine
Veränderung. Wenn jemand nun das für ihn bestimmte
Fortbewegungsmittel verpasst, fällt es der Tramgesellschaft auf
und man schliesst auf ein unglückliches Ereignis: Falls die
fehlende Person sich nicht verschlafen hat, ist sie krank, hat
Ferien oder etwas anderes ist geschehen. Die Zwischenfälle
ausgenommen, ist es im Laufe der Zeit sogar möglich, die
Fahrgäste nach den Sitzplätzen zu bestimmen.
Das
Morgenschema erfährt eine Neuigkeit
Es
fällt auf, dass der seit Jahren bekannte Morgenrhythmus sich in
seinem Bild um eine Neuigkeit bereichert hat. In den öffentlichen
Verkehrsmitteln werden mehr und mehr Zeitungen gelesen. Zu
beachten ist hier, dass die meisten Leser sich mit einer Zeitung
beschäftigen. Diese neue Morgenlektüre heisst "20
Minuten". Obwohl sie auf normales Zeitungspapier gedruckt
wird, konnte sich "20 Minuten" mit dem neuen
Tabloid-Format durchsetzen und erscheint mit bunten Farben und
vielen Bildern.
Der
Mini-Gratiszeitung "20 Minuten" gelingt es, mit den
kurzen Nachrichten unter der grossen Überschrift, mit vielen
Werbungen auf oberflächlich präsentierten Seiten eine grosse
Zahl von LeserInnen zu beschäftigen. Nach den letzten
Auswertungen der unabhängigen Ag für Werbemedien- forschung WEMF
ist sie die täglich am meisten gelesene und verteilte Zeitung im
Lande. Somit überflügelt sie den langjährigen Spitzenreiter
"Blick" und kann mit seinen 782`000 LeserInnen den
Thronsessel besteigen. unter der grossen Überschrift. Gefolgt
wird die kleine Zeitung von "Blick". Er vermochte je
Ausgabe 736`000 Personen zu erreichen. Der
"Tagesanzeiger" behauptet sich mit 573`000 LeserInnen
auf dem dritten Platz. Die restlichen Tageszeitungen sind wie
folgt gereiht: "Berner Zeitung",
"Mittellandzeitung", "Le Matin", "Neue
Zürcher Zeitung", "Neue Luzerner Zeitung",
"Südostschweiz", "24 Heures", "St.Galler
Tagblatt" und "Baslerzeitung".
Liegt
der Erfolg an dem Format oder an der Gratisverteilung
Die
Experten weisen darauf hin, dass nicht nur "20 Minuten",
sondern jetzt auch "Blick" die Formatgrösse halbiert
hat und somit grössere Leserzahlen erzielt. Diese Entwicklung
kann ein wichtiger Faktor für die Zunahme der Leserzahl sein,
aber man muss sich in Erinnerung rufen, dass "Blick"
eine Boulevard-Zeitung ist mit einer befestigten
Lesergemeinschaft. Die Zeitung strotzt von phänomenalen
Nachrichten in leichtverständlicher Sprache, und tritt mit vielen
Bildern und sehr bunten Farben in Erscheinung. Doch "20
Minuten" kann es sich leisten, nur mit kurz ausgewerteten
Nachrichten aus den Pressediensten den Erfolgsbarometer zu
steigern. Dass "Blick" innerhalb eines Jahres 15`000,
jedoch "20 Minuten" 90`000 neue LeserInnen interessieren
konnte, zeigt nach den Experten die Bedeutung der Gratisverteilung
für einen Erfolg.
Trotz
Schrumpfen der Werbepalette Erfolg nur durch Reklameeinnahmen
"20
Minuten" zielt auf Pendler in den Agglomerationen und besitzt
ein weitverbreitetes und gutorganisiertes Verteilungsnetz. Obwohl
die einzige Einnahmequelle der Gratiszeitung der Werbesektor ist,
hat "20 Minuten" keine Mühe zu überleben, und erreicht
sogar einen finanziellen Aufstieg.
Nach
der Katastrophe vom 11.September 2001 hat sich der Umfang der
Werbung verkleinert und finanzielle Probleme trafen die
schweizerischen Pressedienste, mit denen sie immer noch zu
kämpfen haben. Dass "20 Minuten" sich trotz dieser Lage
auf den Beinen halten kann, macht die erfolgreiche Existenz der
Pendlerzeitung noch erstaunlicher.
Der
Kuchen ist kleiner geworden: Nur die Zeitschriften und Zeitungen
bluten
Die
Statistik zeigt, dass der Reklamemarkt nach dem 11.September
2001abgenommen hat. Im Jahre 2000 war der Kuchen 5,781 Milliarden
schwer, bis 2003 gab es dann eine Abnahme auf 5,123 Milliarden
Franken. Die Untersuchungen legen dar, dass die Defizite im Sektor
Werbung 658 Millionen Franken betragen, ebenso lösen sie
Verwunderung aus. Die Werbung im Bereich von Fernsehen und
weiteren Sektoren verzeichnet keine finanzielle Defizite, sie
konnte sogar Gewinne erzielen. Die Einnahmen im Bereich der
Werbung stagnieren nur in der Zeitungs- und Zeitschriftenbranche.
Im Jahre 2000 betrug die Grösse der Einnahmen 3,32 Milliarden,
bis zum Jahr 2003 gab es dann einen Rückschritt auf 2,302
Milliarden Franken. Somit erzielte die Zeitungen und Zeitschriften
einen Verlust von insgesamt 730 Millionen Franken.
Es
ist verblüffend, dass "20 Minuten" es geschafft hat zu
bestehen, obwohl sich die Pendlerzeitung mit dem abnehmenden
Werbemarkt konfrontieren musste. Noch erstaunlicher ist die
Tatsache, dass die Leistung nur mit den Verdiensten aus dem
Werbesektor erreicht wurde. "20 Minuten" eröffnet damit
einen neuen Paragraph in der Geschichte der Schweizer Presse.
Sonntagszeitungen
und Zeitschriften
Wenn
die Tageszeitungen Ferien haben liest man die Sonntagszeitungen
In
der aktuellen Auswertung der WEMF werden auch die
Sonntagszeitungen erwähnt, welche erst erscheinen, wenn
Tageszeitungen frei haben. Einer der grossen Zeitungen erscheint
auf französisch, die restlichen drei treten in deutscher Sprache
auf.
Die
Auswertungen zeigen "Sonntagsblick" mit seinen 997 000
LeserInnen als die meistgelesene Zeitung. Gefolgt wird der
Spitzenreiter von "Sonntagszeitung" mit 790`000,
"Matin dimanche" mit 601000 und von der "NZZ am
Sonntag" mit 433`000 LeserInnen.
Die
Recherchen haben ergeben, dass die deutsche Sonntagspresse im
Vergleich zu letztes Jahr ein Viertel der Leserschaft eingebüsst
hat. Aber die Experten sind der Ansicht, dass die wichtige
Bedeutung der öffentlichen Meinungsbildung trotz Verlusten bei
den Leserzahlen gewahrt ist.
Bitterer
Konkurrenzkampf zwischen den Zeitschriften: "Ktip",
"Beobachter" und "Schweizer Illustrierten"
Die
WEMF berichtet, dass die drei grossen Zeitschriften
"Ktipp", "Beobachter" und "Schweizer
Illustrierte" sich einen heissen Kampf um die Throne leisten.
Die "Ktip", welche die Pressepolitik für den
Konsumentenschutz zurechtgebogen hat, konnte mit seinen 1,109
Millionen LeserInnen zum ersten Mal die Spitzenposition
übernehmen und die Zeitschrift "Beobachter" mit 1,090
Millionen LeserInnen von seinem Platz verdrängen. Jedoch liegt
"Schweizer Illustrierte" mit seiner 1,4 Millionen
grossen Anhängerschaft den beiden grossen Zeitschriften schon
dicht auf den Fersen. "Facts" allerdings hat im Hinblick
auf letztes Jahr 50`000 LeserInnen verloren und erreicht eine 471`000
grosse Leserschaft. Der Rückstand zu den drei grossen
Zeitschriften ist zu gross.
Die
von den grossen Einkauffilialen Coop und Migros verteilten
Gratiszeitschriften erscheinen wöchentlich und können eine
grosse Leserschaft umfassen. Die "Coop-Zeitung" wird von
3,210Millionen , und das "Migros-Magazin" von 2,78
Millionen Menschen gelesen.
Wie
wird die zahl der LeserInnen ermittelt?
Die
Zahl der LeserInnen ist ebenso wichtig wie die Verkaufs- und
Abonnementverhältnisse
Die
Arbeiten der Untersuchungsämtern geben einen kurzen Einblick auf
das Verhältnis, in welchem die Menschen Zeitschriften und
Zeitungen konsumieren. 97 % der Bevölkerung soll nach den Angaben
mindestens eine Tageszeitung und 94% von ihnen wenigstens eine
Zeitschrift lesen. Man weist darauf hin, dass das Wachstum der
Leserschaft genauso wichtig ist wie der Aufstieg der Verkaufs- und
Abonnementahlen. Wenn man nun die Leserzahlen der drei grossen
Tageszeitungen nach den Angaben der WEMF ansieht, so ist die
Reihenfolge auf diese Art strukturiert: "20 Minuten" 782`000,
"Blick" 736`000 und "Tages-Anzeiger" 573`000.
In den Archiven wird aber nicht die Gesamtzahl der LeserInnen
gespeichert. Die eingetragenen Zahlen geben nur eine Übersicht
über die Verteilung von "20 Minuten" (329`000) und
ermitteln die Verkaufs- und Abonnementergebnissen bei
"Blick" (275`000) und "Tages-Anzeiger" (237`000).
Je nach Zeitung ändert sich das bild zwar, aber man kann mit
gutem Gewissen behaupten, dass die zahl der Leserschaft ungefähr
2,5 mal grösser ist als die eingehenden Verkaufs- und
Verteilungszahlen. Die Zahl 2,5 variert je nach
Zeitungsgesellschaft von der Ziffer 2 bis 4. Von was hängt diese
Beobachtung ab?
4
von 1000 wurden befragt
Es
wird berichtet, dass sich die Arbeiten der WEMF auf die
Alterskategorie ab 14 Jahren beschränken und dabei auf Personen
zielen, die mindestens in einer der vier amtlichen Sprachen in der
Schweiz lesen können. Die potenzielle Leserschaft umfasst 5,645
Millionen Menschen.
Es
wurden auf 1000 Individuen 4 untersucht. Insgesamt wurden also mit
24 000 Menschen telefonisch Befragungen durchgeführt. Die
Tatsache, dass nur 4 von 1000 befragt wurden, lässt trotzdem
nicht den Gedanken einer ungenügenden Untersuchung aufkommen.
Für die Schweiz ist die Expertenorganisation WEMF mit ihren
Forschungen eine zuverlässige Informationsquelle.
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