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Buntes
"Nationalitätengemisch"
in Basel-Stadt
Der
Kanton Basel-Stadt ist traditionell ein Melting Pot
(Schmelztiegel) bezüglich der Bevölkerungsstruktur. Fragen der
Migration und Integration sind heute wie früher von grosser
Wichtigkeit. Um bestehende Probleme lösen zu können, ist zuerst
ein genaues Bild der Basler Wohnbevölkerung notwendig.
snc/
georges bertschinger
fotos: mehmet gürz
Überraschend
ist; wie die Autoren der Studie "Bevölkerungsstruktur und
Bevölkerungsdynamik beider Basel" von 1999 feststellen, dass
der höchste Wert des Ausländeranteils in Basel-Stadt mit knapp
40% im Jahr 1900 erreicht wurde. 1910 war mit 51 100 Ausländern
der Spitzenwert der absoluten Ausländerzahl zu verzeichnen. Im
Jahr 1996 wurde er mit 52 200 ausländischen Einwohnerinnen und
Einwohnern überschritten.
Der
Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung ist ein wichtiger
Aspekt der Bevölkerungsstruktur in Basel-Stadt und
Basel-Landschaft. Doch wie definieren die Statistiker überhaupt
die ausländische Wohnbevölkerung? Dazu zählt das Bundesamt für
Statistik die Niedergelassenen und die Jahresaufenthalter, das
Statistische Amt des Kantons Basel-Stadt ausserdem die
Saisonniers, die Asylbewerber und die vorübergehend Aufgenommenen
wie z.B. Kriegsflüchtlinge.
Auswirkungen
der Wirtschaftskrise
Ab
1910 nahm die schweizerische Wohnbevölkerung alle zehn Jahre um
etwa 2 bis 5% zu. Das sind geringe Wachstumsraten, teils zurückzuführen
auf den gesellschaftlichen Wandel, teils auf die Wirtschaftskrise
und die so provozierte geringe Mobilität. Später, von 1941 bis
1970, legte die Zahl der Schweizer Bevölkerung sprunghaft von 4,3
auf 6,3 Millionen zu.
Die
Bevölkerung in Basel wies bis in die fünfziger Jahre ein markant
stärkeres Wachstum aus als die ganze Schweiz. Die Einwohnerzahl
verdoppelte sich von 112 200 im Jahr 1900 auf 225 600 1960.Die
Fachleute des Statistischen Amtes erklären diese Zunahme vor
allem mit der Land-Stadt-Wanderung. Ab den sechziger Jahren ging
vorerst die Wachstumsrate, in den Siebzigern zudem die absolute
Zahl von 234 900 auf 99 400 Personen (1990) zurück
Heute
leben in Basel-Stadt 30% Ausländer aus Italien, 15% aus der Türkei,
13% aus Deutschland. Weitere bedeutende Ausländergruppen sind die
Spanier (12%), sowie die Zuwanderer aus Ex-Jugoslawien (11%).
Anfang des letzten Jahrhundert indessen machten die Deutschen mehr
als 75% der Ausländer und 33% der Gesamtbevölkerung aus. Hintan
standen die Italiener mit etwa 6%.
Landschaft:
Spiegelbild der Wirtschaftsentwicklung
Bezüglich
Ausländerquote steht der Kanton Basel-Landschaft dem Stadtkanton
in nichts nach. Hier verlief die Bevölkerungsentwicklung fast bis
zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ähnlich wie in Basel-Stadt,
doch nachher begann sich die Zunahme ausländischer und inländischer
Arbeitskräfte zu beschleunigen. Die Bevölkerung stieg von 94500
(1941) auf 233 500 im Jahr 1990 an. Bis 1970 steigerte sich die
Bevölkerungszahl sogar auf den doppelten Wert von 1950. Diesen
frappanten Zuwachs führen die Experten des Statistischen Amtes
vor allem auf die Zuwanderung von in- und ausländischen Arbeitskräften
zurück. Die schweizerische und die internationale Wirtschaft
setzten nun zu einem Konjunktursprung an, der im industriellen
Sektor und im Dienstleistungsbereich die Nachfrage vor allem nach
unqualifizierten, aber auch gut qualifizierten Arbeitskräften erhöhte.
Logisch, dass in dieser Periode die ausländische Wohnbevölkerung
in Basel-Landschaft von 6600 auf 38600 Personen hoch kletterte.
Im
Baselbiet alles gleich? Bei weitem nicht, denn die Situation hier
sei von starken regionalen Gegensätzen geprägt, sagt August
Lienin, Chefstatistiker beim Statistischen Amt. Vorwiegend die
Agglomerationsgemeinden Binningen, Birsfelden und Münchenstein
und grosse Ortschaften wie Sissach, Liestal oder Gelterkinden
leiden unter Bevölkerungsschwund. Gleichzeitig wuchs jedoch die
Gesamtbevölkerung des Kantons Basel-Landschaft um 7%.
Am
meisten Einwohner aus Italien
Auch
der Fokus auf die Ausländerquote im Baselbiet zeigt Ähnlichkeiten
mit Basel-Stadt: Um etwa 1910 erreichte der Anteil der
nicht-schweizerischen Bevölkerung einen Spitzenwert von 14%.
Dieser befand sich trotzdem auf deutlich tieferem Niveau als in
der Stadt. In den fünfziger Jahren habe ein starkes Wachstum des
Ausländeranteils statt gefunden. Bis ins Jahr 1970 versechsfachte
er sich auf 38600 Einwohner (18%) und erklimmte sogar einen höheren
Prozentsatz als in Basel-Stadt. Der heutige Ausländeranteil im
Kanton Basel-Land beträgt fast 17%.
Ein
Vergleich der Heimatländer bringt ebenfalls Parallelen hervor:
die meisten Ausländer stammten anfangs aus Deutschland, gefolgt
von Italien (27%) sowie Frankreich (19%). Aber 1990 verschoben
sich die Herkunftsregionen wie in der Stadt: 34% Italien, 5% Türkei,
11% Ex-Jugoslawien und 9% Spanien bzw. Portugal. Die
Alterspyramide der ausländischen Bewohner von Basel-Land weist
nicht genau dasselbe Profil wie die der Schweizer auf. Gingen
zahlreiche italienische, spanische und türkische Immigranten für
eine beschränkte Anzahl Jahre in die Schweiz zu arbeiten, winkte
als Fernziel gleichwohl eine Rückkehr in die Heimat. Nach
etlichen entbehrungs- und arbeitsreichen Jahren in der Ferne
wollten diese "Gastarbeiter" dereinst einen finanziell
gut abgesicherten dritten Lebensabschnitt zuhause verbringen. Die
meisten von ihnen machten mit dieser Absicht Ernst.
Noch
"echte" Alterspyramide
Anders
die sogenannten "Secondos": In der Schweiz aufgewachsen,
ausgebildet und mit Einheimischen befreundet, stellen sich ihnen
die Rückkehr in die Heimat ihrer Eltern und ein Verbleib in der
Schweiz als gleichwertige Alternativen dar. Die Erfahrung lehrt,
dass sich sogar eine Mehrzahl von ihnen für die neue Heimat
entscheidet. Die (statistische) Folge ist eine Alterspyramide, die
diesen Namen verdient, d.h. die alte Generation hat gegenüber der
jungen, erwerbstätigen Generation nicht immer grösseres Gewicht.
Bei den ausländischen Einwohnern in Basel-Land und Basel-Stadt
wird die Alterspyramide nach oben also verjüngt.
Quellen:
Bevölkerungsstruktur
und Bevölkerungsdynamik beider Basel, Amt für Statistik BS und
Institut für Geographie Uni Basel, Basel, 1999.
Statistisches
Jahrbuch des Kantons Basel-Stadt, Statistisches Amt, Basel, 2000
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