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Micheline Calmy- Rey: Die offizielle Reise wurde auf einseitigen

Entscheid des türkischen Aussenministeriums abgesagt.

Türkei-Schweiz: Diplomatische Krise

Die einseitige Absage der offiziellen Reise der Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey hat zwischen der Türkei und der Schweiz eine diplomatische Krise hervorgerufen. Die Reaktion der Türkei, die in den Schweizer Medien ein grosses Echo gefunden hat, wurde von der Aussenministerin Calmy-Rey als übertrieben beurteilt. Die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern durch das Waadtländer Kantonsparlament soll der Beweggrund des türkischen Aussenministeriums gewesen sein.

snc deutsch: özen aytaç

foto: sevim civil

BERN. (30.09.03) Die offizielle Reise der Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey wurde auf einseitigen Entscheid des türkischen Aussenministeriums abgesagt. Die Entscheidung wurde vergangenen Sonntag der Schweizer Botschaft in Ankara mitgeteilt. Der Grund für die diplomatische Krise zwischen den beiden Ländern ist der Entscheid des Kantonsparlamentes Waadtland, mit dem es das Massaker an den Armeniern anerkannte.

Simon Hubacher, Pressesprecher des Schweizer Aussenministeriums, bestätigte die Richtigkeit des offiziellen Entscheides der Türkei und die Mitteilung dieser an den Schweizer Botschafter Kurt Wyss in Ankara. In dem geplanten und abgesagten Reiseprogramm Calmy- Reys, so Hubacher, war neben den Besuchen in Ankara und Istanbul, auch ein Besuch der Deza- Projekte im Osten und Süd-Osten geplant. Der Sprecher des Aussenministeriums sagte der snc, dass es für Länder nie leicht war, mit der eigenen geschichtlichen Vergangenheit abzurechnen.

Metin Örnekol, türkischer Botschafter aus Bern, wurde in das Schweizer Aussenministerium zitiert. Die Diplomaten beider Länder äusserten sich gegenüber den Medien nicht zu der Tagesordnung des Treffens. Die Medienverantwortliche der türkischen Botschaft in Bern, Sibel Gal, informierte darüber, dass Botschafter Örnekol nicht wolle, dass ein Kommentar zu diesem Thema gegeben werde. Auch das Schweizer Aussenministerium hat sich mit einem ähnlichen Verhalten in Schweigen gehüllt.

Die Schweizer Aussenministerin Calmy- Rey sprach, nachdem die diplomatische Krise öffentlich geworden war, als erste zur Öffentlichkeit und gab an, dass sie die Haltung der Türkei für übertrieben und schwer verständlich hält. Die Entscheidung eines Kantonsrates, nicht die offizielle Haltung der Schweiz, so Calmy-Rey, hat den Stein seitens der Türkei ins Rollen gebracht, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern «doch etwas kompliziert» gemacht. 

Die Krise in den Schweizer Medien 

Die Krise zwischen der Türkei und der Schweiz hat in den Schweizer Medien ein grosses Echo gefunden. Bei Radio und Fernsehen waren die Geschehnisse die Exklusiv-Nachrichten. Zeitungen und das Internet haben sich bemüht, Stunde um Stunde immer neue Informationen weitergeben zu können.

Die neue Zürcher Zeitung stellte die Frage, ob die Türkei mit ihrer Haltung ähnliche Entscheidungen anderer Kantone verhindern wolle. Die Zeitung Blick bewertete die Haltung der Türkei als einen unglaublich schwierigen Skandal mit dem Titel «Ankara war verärgert: die Reise von Calmy-Rey wurde abgesagt». Nach Äusserung der Zeitung Le Temps legt sich die Türkei Steine auf den Weg Richtung EU. 

Die Medien haben zwar Unterschiede in den Nuancen ausgemacht, der Punkt, aber bei dem sie sich alle trafen, war: Die Türkei hat mit der Parteiergreifung für die Geschehnisse, die in der Zeit des osmanischen Reiches, 1915-1918, erlebt wurden und international als Völkermord qualifiziert wurden, sich nur Schaden zugefügt. Die Hintergründe des Völkermords an den Armeniern von 1915 –1918 wurden in allen Medien hervorgehoben. 

1915 – 1918 in der Schweizer Politik 

Die Ereignisse, die 1915 – 1918 im osmanischen Reich stattfanden, werden in der Politik der Schweiz und auch in fast allen anderen europäischen Ländern diskutiert. 

Die Anerkennung des Völkermordes durch die Schweiz wurde bereits durch mehrere parlamentarische Vorstösse verlangt. Zuletzt wurde das Postulat Zisyadis durch den Nationalrat im März 2001 knapp abgelehnt, gleichzeitig aber eine Petition des Vereins der Völkermordgegner aufgenommen. Darin wurde der Bundesrat wörtlich aufgefordert, im Dialog mit der Türkei den Völkermord zu thematisieren. Die Annahme der Petition durch den Nationalrat bedeutet implizit die Anerkennung des Völkermordes. 

Ein ähnliches Postulat, wartet bereits seit anderthalb Jahren darauf, auf die Tagesordnung des Nationalrates zu gelangen. Die Mehrheit der Parlamentarier hat ihre Unterschrift unter das Postulat gesetzt. Sie fordern, dass die Schweiz ein Zeichen der Gerechtigkeit für die vergessenen Opfer setzt und die Türkei dazu bewegt, den Vorwurf des Völkermordes an den Armeniern zu akzeptieren. Demnach sollte die Türkische Regierung für das systematische Massaker zu der Zeit des osmanischen Reiches, 1915 – 1918, keine Partei ergreifen und damit die Verantwortung für ein Land übernehmen, dass vor seiner Zeit bestand. 

Der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte: Waadtland 

Man wusste, dass diese Entwicklungen der «armenischen Frage» diplomatische Probleme zwischen der Schweiz und der Türkei hervorbringen würde. Der letzte Tropfen, der das diplomatische Fass zum überlaufen brauchte und zu einer Krise formte, war die Entscheidung eines Kantonalrates. Der Grosse Rat des Kantons Waadtland hat in seiner Tagung am vergangenen Dienstag «das Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich» anerkannt und damit gezeigt, dass dies Diskussion auch auf kantonaler Ebene ihre Aktualität wahrt. Das Kantonsparlament hatte als zweiter Kanton nach Genf den Völkermord an den Armeniern in den Jahren 1915-1918 offiziell anerkannt.

echos

APK-Präsident

Reimann

Aussenpolitische Kommission reist nicht in die Türkei

BERN. (02.10.03) Die Aussenpolitische Kommission (APK) teilte mit, dass die für November geplante Informationsreise in die Türkei, wurde verschoben. Die Entscheidung wurde aufgrund der einseitigen türkische Absage des Besuches von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey gefasst.

Der APK-Präsident Reimann betonte, dass die Verschiebung der Reise keine Gegenreaktion auf die Ausladung von Aussenministern Calmy-Rey durch Ankara sei. Weiter wies Reimann darauf hin, dass bei der gegenwärtigen Stimmungslage der politische Dialog mit Vertretern des türkischen Parlaments und Aussenministeriums nicht mit der nötigen Offenheit und Gelassenheit erfolgen könne. Der Kommissionspräsident äusserte, dass bei dem Besuch auch die Geschehnisse von 1915 – 1918, zur Zeit des osmanischen Reiches, angesprochen werden sollten. Der damalige Völkermord im osmanischen Reich sollte mit Ankara zusammen bewertet werden, wegen der extremen Reaktion der Türkei könne man zum aktuellen Zeitpunkt aber nicht über dieses Thema sprechen.

       

Nach Aufruf

Couchepins kam

der Bundesrat

zusammen.

Auch die Türkei war in der Tagesordnung des Bundesrates

BERN. (03.10.03) Nach Aufruf des Bundespräsidenten Pascal Couchepin kam heute der Bundesrat zusammen. Aus technischen Gründen wurde die Tagung, die auf nächste Woche vorgesehen war, heute einberufen.

Der Regierungssprecher Achille Casanova teilte mit, dass die Strompanne in Italien vom 28. September, die Annullation des Besuchs, den Bundesrätin Micheline Calmy-Rey der Türkei abstatten sollte, und den Stand der Beratungen im Parlament über das Entlastungsprogramm für den Bundeshaushalt an der Tagesordnung standen.

Bundesrat Moritz Leuenberger legte dar, wie es nach heutiger Einschätzung zur Strompanne, in Italien kam, die sich auch schlecht auf die Schweiz auswirkte. Die genauen Gründe dieses Stromunterbruchs sind noch nicht bekannt. Der Vorsteher des UVEK informierte den Bundesrat über die von seinem Departement getroffenen Massnahmen, insbesondere über den Entscheid, eine unabhängige Untersuchung einzuleiten, um diese Angelegenheit zu klären.

Einen detaillierten Bericht legte die Bundesrätin Calmy-Rey in Bezug auf die Annullation des Türkei-Besuchs vor. Sie bedauerte den Entscheid der türkischen Behörden, den sie als unverhältnismässig betrachtet. Sie betonte, gemäss einer Erklärung ihres türkischen Kollegen sei die Reise nicht annulliert, sondern lediglich verschoben worden.

Zuletzt brachte Bundesrat Kaspar Villiger die Hoffnung zum Ausdruck, dass es im Rahmen der Differenzbereinigung möglich sein wird, dem angestrebten Entlastungsziel näher zu kommen. In Bezug auf das Entlastungsprogramm hat das Parlament laut Bundesrat Kaspar Villiger eine beachtliche Leistung erbracht, denn in kurzer Zeit haben Kommissionen und beide Räte dieses wichtige und umfangreiche Geschäft beraten können. Das Resultat ist noch ungenügend und entspricht den Erwartungen des Bundesrates noch nicht.

Skandal mit Geheimdienst (27.10.03) >>>