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Der
aufgrund diplomatischer Probleme verspätete Besuch ist
erfolgt
Calmy-
Rey ist endlich in der Türkei
angekommen
Die
Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für auswärtige
Angelegenheiten, Micheline Calmy- Rey, hat den geplanten
offiziellen Besuch, welcher durch die einseitige Entscheidung
seitens der Türkei vor ein- einhalb Jahren beschlossen wurde,
endlich in Realität umgesetzt. Die Ministerin aus der Schweiz
hat neben den Regierungszuständigen auch mit den zivilen
Organisationen und dem ökonomischem Umfeld Verbindungen
hergestellt.
snc
deutsch/ ali yilmaz
snc
dossier/ sevim
civil
Nachdem
die Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für
auswärtige Angelegenheiten, Bundesrätin Micheline Calmy- Rey
am ersten Tag ihres dreitägigen Aufenthalts in der Türkei eine
Unterredung mit dem Staatspräsidenten Ahmet Necdet Sezer
geführt hatte, besuchte sie das Grabdenkmal Atatürks und
hinterliess einen Kranz. Als jedoch Calmy- Rey sich mit dem
türkischen Aussenminister und Vizepräsidenten Abdullah Gül an
einer Versammlung traf, wurden die Beziehungen zwischen den
beiden erörtert. Beide Staatsfunktionäre brachten zum
Ausdruck, dass sie in Bezug auf die Anerkennung des Völkermords
an den Armeniern verschiedener Meinung sind, dass sie jedoch
einig darin sind, für die Aufarbeitung der Armenienfrage eine
Historikerkommission einzusetzen. Dieses Thema hatte zu einer
diplomatischen Krise zwischen den beiden Ländern geführt.
Gül,
der eine Rede hielt an der in Ankara organisierten gemeinsamen
Medienzusammenkunft, erklärte der Bundesrätin die türkische
Sicht über die Armenienfrage und die geschichtlichen Geschehnisse
in ausführlicher Form, äusserte allerdings aber auch, dass beide
Länder, die Türkei und die Schweiz, die Thematik aus
verschiedenen Perspektiven angehen.
Der
Grund, wieso zwischen beiden Ländern eine diplomatische Krise
hervorgerufen wurde, ist die Anerkennung des Völkermords an den
Armenier durch den Kanton Waadt im Jahre 2003, welche auch der
Öffentlichkeit bekannt gegeben wurde.
Gül
ist nicht einverstanden mit der Anerkennung des Völkermords an
den Armeniern, und zeigt sich überzeugt, dass die Ursache für
uneinigkeit bei den im Ausland lebenden Armeniern liegt, wie sie
die Situation dargelegt haben.
Ein
anderes Thema der Verantwortlichen beider Länder für
aussenpolitische Angelegenheiten waren die Menschenrechte.
Während Calmy- Rey die in dieser Richtung durchgeführten
Reformen der Türkei lobte, liess sie es auch nicht aus, die im
vergangenen März von der Polizei angewandte Gewalt gegen
weibliche Demonstrantinnen, auf diplomatische Art, jedoch mit
einer klaren Stimme zu kritisieren. Die Bundesrätin sagte:
"Ich hoffe, dass die Beachtung des politischen Willens auch
im täglichen Leben zur Geltung kommt."
Die
beiden Verantwortlichen für auswärtige Angelegenheiten ihres
Landes, die auch über die ökonomischen Beziehungen diskutierten,
erwähnten, dass sie sich in diesem Punkt eine effizientere
Arbeitsform übernehmen wollen, und in diesem Zusammenhang über
die Aufhebung des Doppelbesteuerungs- System nachgedacht wird.
Calmy-
Rey in Diyarbakir
Am
zweiten Besuchstag reiste Calmy- Rey nach Diyarbakir, ein Gebiet,
das unter den Gebieten mit vielen kurdischen Einwohnern eine
besondere Stellung einnimmt. In ihren Unterhaltungen und
Äusserungen brachte sie zum Ausdruck, wie wichtig für sie die
Minderheiten und die Menschenrechte sind. Die Vorsteherin für
auswärtige Angelegenheiten der Schweiz verteidigte die Position,
dass die Frauen und die Minderheiten besser geschützt werden
sollen, und betonte, dass in diesem Bereich die Reformen bisher
nicht genügend umgesetzt wurden. Micheline Calmy- Rey, die im
Südosten der Türkei, in Diyarbakir, sich mit VertreterInnen der
Zentral- und Lokalverwaltung, ebenso wie mit RepräsentantInnen
verschiedener Nichtregierungsorganisationen traf, hat zum Ausdruck
gebracht, dass die Türkei besonders in den letzten Jahren
bezüglich der Menschenrechte mit wichtigen Einsätzen Reformen
eingeleitet hat. Nachdem Calmy- Rey sich mit der
Nichtregierungsorganisation Ka- Mer, die sich mit Unterstützung
der Schweiz für die Förderung von Frauenrechten einsetzen,
unterhalten hat, lenkte sie die Aufmerksamkeit auf die nicht recht
funktionierende Umsetzung der Reformen.
Calmy-
Rey, gab zu wissen, dass für sie, als eine Schweizerin, die
Minderheitsrechte eine besondere Stellung einnehmen, und betonte,
dass das Vorhandensein von Mitteln, die für den Schutz der
kulturellen Rechte von Minderheiten sorgen, unausweichlich sind.
Am
dritten Tag stand Ökonomie an der Tagesordnung
Micheline
Calmy- Rey kam am dritten Besuchstag in Istanbul mit der
Ökonomie- Welt zusammen. Calmy- Rey, die erwähnt, dass während
der Expansionsphase der EU der Bewegungsraum für die bilateralen
Beziehungen der Schweiz mit anderen EU- Anwärtern enger geworden
ist, betonte die wichtige Bedeutung der vorhandenen Beziehungen
der Schweiz mit der Türkei, die weiterhin gewahrt werden sollen.
Calmy-
Rey, die zum Ausdruck brachte, dass ihr Besuch ein klares Signal
in Bezug auf die Stabilisierung und Entwicklung der Beziehungen
der Schweiz zu der Türkei ist, erinnerte daran, dass in der
Schweiz annähernd 80 Tausend türkische StaatsbürgerInnen, und
umgekehrt in der Türkei ungefähr 50 Tausend Schweizer und
Schweizerinnen leben.
Die
Mitgliedschaft der Türkei in der EU und die Schweiz
Falls
die Türkei als EU- Mitglied akzeptiert wird, müssen gleichzeitig
auch die bilateralen Vereinbarungen der Schweiz mit der EU
ausgedehnt werden. Man weiss, dass das Interesse der Schweiz an
der Türkei in erster Linie ökonomisch ist.
Die
Schweiz hat im Vergleich zu 2003 im Jahre 2004 17% mehr in die
Türkei exportiert. Die Zahlen vom Jahr 2004 legen auf den Tisch,
dass innerhalb eines Jahres 42 weitere Schweizer Firmen begonnen,
die Schweiz in der Türkei zu vertreten.
In
den in der Türkei gelegenen Schweizer Firmen, wie Novartis,
Nestle, Givaudan oder Syngenta, sind über 9 Tausend
Arbeiter/innen beschäftigt.
Der
dunkle Vorhang wurde immer noch nicht beleuchtet Calmy- Reys
Absage für den Türkeibesuch
Der
für den September 2003 vorgesehene Besuch der Vorsteherin des
Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten,
Bundesrätin Micheline Calmy- Rey, wurde durch eine einseitige
Entscheidung von Ankara abgesagt. Die wahren Gründe für die
Absage, welche zwischen den beiden Staaten eine diplomatische
Krise verursacht hat, sind immer noch nicht klar geworden.
Der
Öffentlichkeit wurde berichtet, dass das Aussenministerium der
Türkei die Entscheidung wegen der Anerkennung des Völkermords an
den Armeniern durch den Kanton Waadt getroffen hat. Das Resultat
der gespannten diplomatischen Lage war der Beschluss der
Eidgenössischen Kommission für auswärtige Angelegenheiten, den
offiziellen Arbeitsbesuch in die Türkei abzusagen.
Das
türkische Aussenministerium hat in einer später erfolgten
Erklärung bekannt gegeben, dass die Reise nicht abgesagt, sondern
verschoben wurde. Auch Abdullah Gül hat es vermieden,
detaillierter das Thema anzusprechen. Calmy- Rey ihrerseits hat
diese für sie übertriebene und schwer zu verstehende Reaktion
auf diplomatischem Weg kritisiert, und hat ihr Trauer im
Zusammenhang mit dem Vorfall zum Ausdruck gebracht.
Der
Vorfall löste in der Schweizer Öffentlichkeit eine grosse
Reaktion aus, indem die Handlungsweise von Ankara stark kritisiert
wurde.
Ist
das wahre Problem ein anderes?
Jedoch
zeigte sich, dass sich die Situation nach einer kurzen Zeit in
einer anderen Richtung entwickelte. Die zwischenstaatliche
diplomatische Krise drang auch in die Schweizer Regierung.
Nach
nicht zu beschreitenden Darstellungen nahm Calmy- Rey, einen Monat
bevor der Türkeibesuch abgesagt wurde, in Lausanne an einer
Jahreskonferenz der dem Ministerium angehörigen Abteilung, die
auch die Türen offen hielt für Besucher, teil. Beim später
gegebenem Coctail gesellte sich ein kurdisch verwurzelter Migrant
neben Calmy- Rey, und bat sie, sich mit der Situation von Abdullah
Öcalan auseinander zusetzen. Die Vorsteherin des Eidgenössischen
Departements für auswärtige Angelegenheiten erinnerte mit
höflichen Wörtern daran, dass derartiges Begehren auf
schriftlichem Weg erfolgen sollten. Danach entfernte sie sich.
Als
letztes erfährt Calmy- Rey
Behauptungen
zur Folge wurde dieser Vorfall von den MIT- Agenten in einer nicht
korrekten Weise weitergeleitet. Es wurde gemeldet, dass Calmy- Rey
Kontakt zu PKK pflegt. Die Meldung erreichte neben der Türkei
auch den politischen Nachrichtendienst der Schweiz. Der Schweizer
Nachrichtendienst überbraachte, bevor er die Wahrhaftigkeit
geprüft hatte, die Meldung an damalige Polizeiministerin Metzler.
Diese teilte ihrerseits diese Information dem damaligen
Bundespräsident. Calmy- Rey wurden die Informationen zu den
Entwicklungen lange Zeit verschwiegen.
Die
Bundesrätin wurde erst nach der Regierungssitzung, welche dem von
Ankara ausgehenden Absage des Türkeibesuchs galt, über die
Situation benachrichtigt. Dieses Mal entfachte sich eine
politische Krise.
Die
ernste Behauptung, die der MIT- Bericht in gleicher Weise auch
nach Ankara übermittelte steht weiterhin im Raum.
Politische
Beobachter sind der Meinung, dass eine Verständigung erreicht
wurde, damit die politische und diplomatische Krise nicht noch
erweitert wurde, sei es zwischen Ankara und Bern, oder sei es im
Hinblick auf die Beziehungen innerhalb der Schweizer Regierung.
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