Die wichtigsten Ereignisse in

der Schweiz werden unter die

Lupe genommen.

snc recherchiert, damit Sie

mehr wissen.

snc-dossiers >>>

dossiers/migration >>>

 

Die Lebensmittelmarken werden verbrannt, geheime Lager werden geschlossen…

Die Schweiz verabschiedet sich vom

kalten Krieg

Weil die Schweiz mit dem Ende des Kalten Krieges die nationale Sicherheitspolitik verändert, werden die Lebensmittelmarken verbrannt, die geheimen Lagerräume, in welchem die Nahrungs- und Grundbedarfsmittel deponiert wurden, geschlossen, die an den Brücken angemachten Sprengstoffe abmontiert und die Armee reduziert.

snc/ ali yilmaz

Die kleine Schweiz stand während den zwei Weltkriegen ohne eigene Teilnahme mitten im Feuergefecht und hatte Angst, von den Riesen verschlungen zu werden. Obwohl die traditionelle Neutralitätspolitik der Schweiz von den Grosstaaten akzeptiert wurde, hielten sich die Schweizer/innen jahrelang die Gefahr der möglichen Kriege vor Augen. Es wurden in dieser Hinsicht detaillierte Pläne entwickelt, zum Beispiel wie die zivilen Kräfte im Falle einer Invasion die Landesverteidigung unterstützen sollen, oder auf welche Weise den verschiedenen Bedürfnissen des Volkes in einer Situation begegnet werden soll.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und mit dem Beginn des Kalten Krieges erlebten die Schweizer/innen die Bedrohung eines kommenden Krieges noch intensiver. Trotz der Neutralitätspolitik der Schweiz wurde in dieser Phase als zentrale politische Orientierung, das von den USA angeführte System bevorzugt und klar gegen die UDSSR Stellung genommen. Die Schweiz nahm während des Kalten Krieges die Hitze des Konflikts in nie da gewesener Intensität wahr.

Mit dem Auseinanderfallen der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges Anfang der 90ger Jahre wurde, wie auch in vielen Ländern der Welt, die nationale Sicherheitspolitik unter die Lupe genommen.

Bundespräsident Samuel Schmidt und Armeechef Christophe Keckeis informierten die Truppenkommandanten

Am Donnerstag, 19. Mai 2005 in der Kaserne Bern benachrichtigte Bundespräsident Samuel Schmidt und Armeechef Christophe Keckeis die Truppenkommandanten über die Entscheide des Bundesrates vom 11. Mai 2005. Die milizverträglichen Beschlüsse, die der Bundesrat am 11. Mai 2005 aus seiner Beurteilung der sicherheits- und finanzpolitischen Lage gezogen hat, sehen eine Schwergewichtsverschiebung in der Schweizer Armee vor: Die Kapazitäten für den Verteidigungsauftrag im klassischen Sinn werden reduziert, und Sicherungskräfte, die kombiniert mit den Verteidigungskräften die Aufgabe der Landesverteidigung teilen, konzentrieren sich primär auf den Schutz von Bevölkerung und Infrastruktur. Bundespräsident Samuel Schmidt wies insbesondere hin auf globale Trends wie Terrorismus, Massenvernichtungswaffen, Informationskriegsführung oder anderen asymmetrischen Risiken, die der Sicherheit der Schweiz bedrohlich werden könnten. Samuel Schmidt sagte:

"Verteidigung heute heisst, unsere hochtechnisierte Gesellschaft, sowie Verkehrs- und Energie- Infrastruktur im Herzen Europas zu schützen und der Schweiz ermöglichen, ihre Rolle als Gastgeberin internationaler Konferenzen ausüben zu können." Der Chef der Armee, Koprskommandant Christophe Keckeis fügte hinzu, dass durch die Spezialisierung der Truppenkörper auf Verteidigung oder Existenz- und Raumsicherung die Qualität der Ausbildung und die Handlungsfreiheit erhöht werde und dass damit die Politik schneller und besser auf veränderte Lagen reagieren kann. "Zusammen mit einer Kostensenkung durch die Verringerung der kostenintensiven Truppenteile für die Verteidigung führt d?es insgesamt zu einer erhöhten Glaubwürdigkeit der Armee", so der Armee. Chef Christophe Keckeis.

Mittelfristig sollen die Kapazitäten ausgebaut werden, die der Friedensförderung dienen. Der Aufwuchskern, der sich aus den Verteidigungskräften bildet, und rund die Hälfte der heute vorgesehenen Truppen ausmacht, soll mit der ganzen Palette der Mittel ausgerüstet und ausgebildet werden. Der technologische Stand soll mit vergleichbaren Armeen Schritt halten können, was mittelfristig eine grössere Investition in die Rüstung mit sich trägt.

Von der Armee 61 zur Armee XXI

Nach dem Zweiten Weltkrieg, an dessen Ende in diesem Monat die ganze Welt gedachte, in der Zeit des Kalten Krieges standen zwei waffenstarke Militärbündnisse gegenüber, die Sowjetunion und die USA. Die Schweiz sah vor, eine starke Verteidigungsarmee aufzustellen, die Armee 61, damit einer möglichen Bedrohung begegnet werden konnte.

Ab 1989 kam es zu einer raschen Änderung in der europäischen Geschichte. Die Berliner Mauer fiel, die Sowjetunion brach zusammen, der Warschauer Pakt zerfiel und Deutschland vereinigte sich wieder. Danach folgten die Balkankriege, die 300`000 Menschen das Leben kosteten und grosse Flüchtlingsströme auslösten.

Der erste Golfkrieg und die Globalisierung der Weltwirtschaft veränderten die Welt weiterhin, genauso wie der Aufstieg des Internets, das grosse Einflüsse auf das gesellschaftliche Verhalten von fast jedem einzelnen von uns ausübt.

Die Schweiz musste auf die aktuelle weltpolitische Lage reagieren, und sie beschlossö die Armee deutlich zu verkleinern. Der Nachfolger der Armee 61 war die Armee 95. Die 800000 Armeeangehörigen wurden in ihrer Zahl halbiert, sodass die Armee 95 400000 Mann stark war. Aus dem EMD wurde das VBS.

Die Sicherheitspolitik der Schweiz wurde vom Bundesrat und Parlament unter dem Titel "Sicherheit durch Kooperation" vorgestellt. Es folgten zahlreiche Auslandeinsätze, beispielsweise in West- Sahara, Namibia, Bosnien, Kosovo, sodass mittlerweile Tausende Schweizerinnen und Schweizer einen uniformierten Dienst im Ausland geleistet haben.

Dann kam die Jahrtausendwende. Die Anschläge vom 11. September 2001 in New York, vom 11. März 2004 in Madrid, Kriege in Afghanistan und Irak, darüber hinaus die Verantwortung der Schweiz als Gastgeberin von internationalen Konferenzen wie WEF und G8 erforderten das Überdenken der momentanen Situation in der Armee. Schon wieder musste die Milizarmee der Schweiz den neuen Erfordernissen angepasst werden.

Das Volk hat der Armee XXI, die so flexibel organisiert sein soll, dass sie ohne grundlegende Reformen den neuen Ansprüchen entsprechend angepasst werden kann, am 18. Mai 2003 mit 76% zugestimmt. Die neue Schweizer Armee, die Armee XXI, reduz?ert den Bestand der Armee von 400000 auf 220000 Angehörigen. Ende 2005 soll der Gesamtbestand der Armee 272000 Angehörige betragen, dieser Bestand wird dann in den nächsten Jahren kontinuierlich sinken, bis die Verringerung auf 220000 Angehörigen erfolgt ist. Zusätzlich wurde das Dienstalter herabgesetzt, das Durchdienermodell eingeführt und die Rekrutierung verbessert. Die Erwerbsersatzentschädigung wird auch erhöht. Anstatt 43 Franken pro Tag erhalten die Armeedienstleistenden in der Rekrutenschule 54 Schweizer Franken. Diese Ansätze gelten für Dienste, die nach dem 1. Juli 2005 beginnen und für die Dienste, die vorher begonnen haben und am 1. Juli noch nicht abgeschlossen sind.

Die Armee wird sich in der Zukunft mehr auf die innere Sicherheit konzentrieren als auf eine militärische Bedrohung nach Aussen, da die Osterweiterungen von EU und Nato unserem Kontinent eine zusätzliche Stabilität vermittelt.

Die Lebensmittelmarken werden verbrannt

Die Resultate, die sich auch auf das tägliche Leben auswirken, können heute in offener Weise beobachtet werden. Die Zeitschrift "Beobachter" veröffentlichte mit dem Titelthema "Armee Ade" aufschlussreiche Informationen bezüglich der sich verändernden Schweiz.

Die Lebensmittelmarken, die mit der Erfahrung der erlebten Tage des Zweiten Weltkrieges für kritische Zeiten vorbereitet wurden, haben den Kalten Krieg hinter sich gebracht, ohne gebraucht zu werden.

Laut "Beobachter" sind nun mehr als eine Million Lebensmittelmarken, die in einem Zivilschutzbunker mitten in Bern deponiert wurden, auf dem Weg zu ihrer Vernichtung. In den anderen Kantonen sieht die Situation ähnlich aus… Alle diese Marken, die bis vor drei Monaten in allen Kantonen für kritische Zeiten bereit standen, begehen auf Verlangen der Regierung in den nächsten Tagen ihre letzte Reise in die Kehrichtverbrennungsanlage.

In der Zeit des Kalten Krieges, in der die Schweiz einer latenten Bedrohung gegenüberstand, wurden in den Lagern alles Mögliche deponiert, was in einer Notlage vorhanden sein sollte: Textilien, Leder, Glühbirnen, Reifen für Büsse, Brillengläser etc. Diese Arbeiten wurden unter strengster Geheimhaltung durchgeführt. Kein Bürger traute sichö Namen von Lagerhäusern oder der Standorte wie Surava oder Lütisburg öffentlich laut auszusprechen, denn es bestand die Gefahr, als Landesverräter dazustehen.

Die geheimen Lager: das Ende der Ära

Eine Zeit lang sah die Situation so aus… Nicht nur der Sturz der Berliner Mauer, ebenso die Sparpolitik seitens des Parlaments und der Regierung bestimmten das Schicksal der geheimen Nahrungsdepots, die während langer Zeit eine sehr wichtige Bedeutung hatten. Die zuständigen Personen teilten mit, dass es nicht mehr darum geht, eine politisch und wirtschaftlich weitgehend isolierte Schweiz mit Nahrungsdepots flächendeckend zu versorgen. Deshalb wurde beschlossen, die geheimen Lager, welche die Kapazität besitzen, die Bevölkerung im Notfall mit Grundbedürfnismittel für vier Monate zu decken, vollständig abzubauen.

Diese politische Veränderung kann man mit Zahlen betrachtet… Während die Schweizer Bevölkerung 1990 mittels Steuern 795 Millionen Franken für die Kosten der Pflichtlager aufbrachte, sank dieser Aufwand im Jahre 2003 auf 132 Millionen Franken.

Die Lager für Seife, Waschmittel, Kohle, Tee, Kakao und Saatgut werden bis Ende Jahr fast vollständig geleert. In den nächsten zwei Jahren sollen die Depots für Gerste, Hafer und Mais, und bis 2008 die Lager für Eisen- und Stahlprodukte, Metalle, Elektromaterial, Akkus, Batterien und Textilrohstoffe geschlossen werden. Damit sich das Preisgleichgewicht nicht verschiebt, sollen die in grosser Anzahl vorhandenen Produkte Schritt für Schritt in den Markt geführt werden.

Neue Krisenszenarien und das Schrumpfen der Armee

Das neue Feindesbild wird heute in anderer Form dargestellt und die neuen Strategien richten sich nach ihnen. Heut zu Tage muss man sich gegen ansteckende Krankheiten, Terror und Sabotage verteidigen. Demnach deponiert die Schweiz seit einiger Zeit ungefähr 10`000 Blutplasmasäcke, 120`000 Masken gegen Sars, Antibiotika gegen Grippe und andere notwendige Medikamente.

Bis ins Jahr 2010 wird Armeeausrüstung im Wert von 10 Milliarden Franken verkauft werden. Die Zahl der Armeekräfte ist von 800 Tausend auf 220 Tausend reduziert worden.

Laut "Beobachter" werden 90 Kubikmeter Zelt und 100`000 gebrauchte Armeeuniforme zusammengebracht, um in den bevorstehenden Monaten verbrannt zu werden. Ausserdem werden ungefähr 2000 Sprengladungen, die meist an Brücken, oder an Grenzschutzgebäuden installiert sind, in eine harmlose Form gebracht. Gleichzeitig sollen siebentausend Munitionslager eliminiert werden. Nur schon diese Arbeit kostet jährlich um die 20 Millionen Franken.

Die Schweizer Armee hat 30 "Tiger"- Flugzeuge an die USA und an Österreich verkauft. Das Bundesamt für die Landesverteidigung plant ebenfalls den Verkauf der vorhandenen "Leopard"- Panzer.

Durch ein spezialisiertes Schweizer Unternehmen sollen Mitte Mai 2005 rund 200 Panzer 68 liquidiert und verwertet werden. Da diese Panzer in der Armee nicht mehr zum Einsatz kommen und der Lagerraum für andere Zwecke ausgenutzt wird, und weil kein Käufer für die 40 Jährigen Panzer gefunden werden konnte, hat das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) entschieden, die Panzer zu liquidieren. Ein Teil wird an interessierte Sammler, an Museen und Waffenplätze gehen, der Rest wird verwertet.

Die Gesamtgrösse des Gebiets unter der Verwaltung der Armee, die gleichzeitig der grösste Immobilienbesitzer der Schweiz ist, entspricht der Grösse des Kantons Zug. Die Zuständigen bringen zum Ausdruck, dass 93% des Gebiets unter den Diensten der Armee ausserhalb der Bauzonen liegen. Darum werden sie nicht verkauft. Mit den Gebieten die zum Verkauf angeboten werden können, vermutet man, dass jährlich Einnahmen in der Grösse von 30 Millionen Franken gemacht werden.

Diese Ereignisse zeigen, dass für jene, welche das Begehren vorbringen, die Armee ins Museum wegzuschieben, hiermit eine positive Antwort gefunden wurde. Jedoch geht die Verkleinerung der Armee dem traditionellen Armeetempo widersprechend so schnell vor sich, dass sogar die Armeegegner offen zugeben, soviel nicht erträumt zu haben.

Die meisten Medikamente werden vernichtet

Die zuständigen Personen betonten, dass die Sparpolitik der Regierung auch Entscheidungen mit sich bringt, die nicht leicht zu treffen sind, und erwähnten, dass die in den Depots gelagerten Medikamente nicht für humanitäre Hilfszwecke verwendet werden können. Dies hänge damit zusammen, dass in Bezug auf das Gebrauchsdatum der Medikamente keine Verantwortung übernommen werden kann. Gleichzeitig versucht man, die Gegenstände, die keinen Zweifel an ihrer Verwendbarkeit zulassen, sofort zu nutzen. Es wurde bekannt, dass bloss hunderte von Krankenbetten in die Ukraine versandt wurden, nachdem 6 der 12 Krankenhäuser im Untergrund geschlossen wurden.