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Der Diamant galt schon immer als Symbol der Unvergänglichkeit, der Erinnerung und der Liebe.

Aus menschlicher Asche Diamanten herstellen

Zwischen den vier monotheistischen Religionen sind unterschiedliche Betrachtungsweisen bezüglich der Verbrennung von Leichen vorhanden. Während die jüdischen und muslimischen Traditionen eine Beerdigung vorschreiben, ist es von Seiten der protestantischen und katholischen Kirche zugelassen, die Kremation von Leichen individuell zu verantworten. Die in westlichen Breiten der Erde zunehmend bevorzugte Abschiedsmöglichkeit, die Einäscherung von Leichen, kann nun ausgeschmückt werden. In der Schweiz ist es heute möglich, aus menschlicher Asche Diamant herzustellen. Dies ist kein wissenschaftliches Märchen , sondern real: Nach dem Tod möchten immer mehr Menschen zum Diamanten geschliffen werden.

snc/ zafer sayar

deutsch: ali yilmaz

Die Geschäftsidee mit den Diamanten entstand zuerst in den Köpfen von zwei findigen Unternehmer. Der heute 38 jährige Veit Brimer und der 24 jährige Rinaldo Willy, beide Schweizer, fingen die Entdeckung des zum Erfolg führenden wirtschaftlichen Wegs mit einer Lagebesprechung an. Die Alternative zum Begräbnisritual, die Feuerbestattung in speziell eingerichteten Öfen, hat sich in der Schweiz zu einem gesellschaftlichen Gebrauch verankert. Nachdem Europa während Jahrhunderten die auf sehr alte Traditionen zurückgreifende Methode der Einäscherung eingestellt hatte, griff sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts diesen Gebrauch wieder auf. Die Schweiz war in dieser Hinsicht eines der ersten Länder. Sie eröffnete 1889 das dritte europäische Krematorium in Zürich. Mit der Erlaubnis der katholischen Kirche das Kremationsverfahren im Jahre 1963 waren auch die Blockaden der christlichen Gläubigen abgeschwächt worden. Von nun an war es eine Individuelle Entscheidung, was nach dem Tod mit dem leblosen Körper geschehen soll. In der Folge dazu war ein ständiger Anstieg der Feuerbestattung zu beobachten.

Die Frage kam nun auf: Könnte die aus der Feuerbestattung entstehende, staubige und unansehnliche Asche nicht verwertet werden? Die Angehörigen des Verstorbenen können anstatt eine Grabnische auf einem Friedhof als Ruhestätte zu wählen, die nach der Kremation gewonnene Asche auch im Familiengarten verstreuen oder in einer Urne zu Hause in einer edlen Ecke aufbewahren. Brimer und Willy erkannten dies und realisierten, dass ihr Vorhaben, aus Asche Diamant herzustellen, in Zukunft Erfolg verspricht ist und daraus vielleicht sogar eine neue gesellschaftliche Tradition entstehen könnte.

Von Asche zu Diamant

Ja, die Asche von leblosen Körpern lässt sich mit Hilfe entwickelter Technologie in Diamanten umwandeln. Die Schweizer Unternehmer Willy und Brimer wissen genügend über Physik und Chemie bescheid, und besitzen auch Kenntnisse über die Bestandteile des menschlichen Organismus. Sie deuteten auf Parallelen hin, die zwischen den Aggregatzuständen des Wassers und der Diamantherstellung nach der Kremation bestehen. Der Diamant ist nichts weiteres als ein anderer Zustand der Asche, wie es beim Wasser Eis und Dampf sind.

Ihre ersten Berechnungen liessen für das Projekt eine blendende Zukunft vorausahnen. Aus psychologischer Hinsicht war die Urne mit der Asche zwar ein Andenken an den Verstobenen, aber ihr Anblick wirkte kalt und grau. Obwohl auch schöne Tage zusammen erlebt worden sind, kommt Trauer auf. Jedoch war der Diamant nicht so; denn mit jeder Bewegung strahlte er ein anderes Licht aus. Sie galt schon immer als Symbol der Unvergänglichkeit, der Erinnerung und der Liebe.

Eine mögliche, aber teuere Technologie

Während die beiden gleichgesinnten Köpfe sich über den Erinnerungswert eines Diamanten, verglichen mit der Asche, einig wurden, standen sie bei den technologischen Entwicklungen nicht Abseits. Der erste künstliche Diamant wurde 1955 in den Laboratorien der USA hergestellt. Der aus der erzwungenen Kristallisation von Kohlenstoff gewonnene Diamant fand auf Grund seiner Härte in der Industrie als Bohrer beim Zahnarzt, oder zum Schleifen von Werkzeugen seine Verwendung, jedoch konnte er nicht als Edelstein verwertet werden. Die gleichen Tatsache ist auch in der Natur wahrzunehmen. Einige Diamantensorten eignen sich für die Industrie, und andere für das Juweliergewerbe. In den Laboratorien der Vereinigten Staaten von Amerika wurden 1970 künstliche Diamanten produziert, die die Qualität eines Edelsteins erfüllen konnten. Es hat sich aber herausgestellt, dass die Beschaffungskosten einiges höher liegen, als es bei den natürlich vorkommenden Diamanten der Fall ist.

Immenser Druck in Moskau

In der wissenschaftlichen Akademie Moskaus konnte mit einem entworfenen Plan erfolgreich Diamant produziert werden. Ohne diesen Erfolg könnte die in der Schweiz entstandene Träumerei vielleicht nicht so rasch in die Realität umgesetzt werden.

In Moskau wurden unter wirtschaftlich günstigen Bedingungen die notwendigen Druck- und Temperaturverhältnisse erreicht. Hier war nicht die Temperatur ausschlaggebend, sondern der Druck. Der Kohlenstoff wurde, falls es von Nöten war, zuerst durch ein chemischen Verfahren von anorganischen Stoffen befreit. Der restliche Kohlenstoff wurde dann bei einer Temperatur von 1500 Grad Celcius und unter einem Druck von 60000 bar zwei Wochen lang gepresst. Diesen Druck könnte man sich im Ozean in einer Tiefe von 600 Kilometern vorstellen, jedoch beträgt der tiefste Punkt der Weltmeere etwas mehr als 10 Kilometer. Kohlenstoff liess sich also mit dieser Vorgehensweise leicht in Diamanten umkristallisieren. Die Maschine, mit der der synthetische Diamant hergestellt wurde, besass die Grösse von einem Kühlschrank. Der durch das Apparat gewonnene Diamant erfüllte nun die Eigenschaften eines Edelsteins, konnte aber trotzdem von einem natürlich vorkommenden Diamant unterschieden werden, was seinen Wert sinken liess. Auch wenn ein Diamantenexperte die dazu nötige Kompetenz nicht erbringen kann, waren die Laborräume genügend ausgestattet, um die Differenzen zu ermitteln. Auch wenn im Hinblick auf die USA die Erzeugungskosten tiefer lagen, bewiesen Nachforschungen in Moskau, dass der künstliche Diamant in seinen Besonderheiten als Edelstein nicht mit den natürlichen Diamanten konkurrieren kann. Die beiden jungen Unternehmer, von starker wirtschaftlicher Denkreife geprägt, haben, indem sie moralische und psychologische Faktoren als ökonomische Quelle benutzen, in diesem Punkt das nötige Gleichgewicht gefunden.

Diamant zu 1 Karat ist nicht schwierig

In der Sprache der Diamanten bedeutet ein Karat ein Fünftel Gramm Kreisschnitt eines Diamanten, welcher einen Durchmesser bis zu 6 Millimeter haben kann... Somit ist der Diamant zu 1 Karat nicht grösser als eine Erbse. Die zwei schlauen Schweizer kamen auf die Idee, die Technologie von Moskau für die Herstellung von 0.5 und 1 Karat Diamanten zu optimieren. Die Erfolgschancen waren gross. Als es bekannt wurde, dass ausser einer einfachen Laboreinrichtung und einer circa 1.5 Meter hohe Anlage nicht mehr viele Instrumente benötigt werden, fingen die Fantasien an, sich frei zu bewegen. Den Kunden, welche sich mit der Asche der geliebten Person an ihre Firma wandten, mussten sie mit einer grossen Liste von Möglichkeiten begegnen.

Nach dem Tod zum Diamanten werden: In Form eines Rings, oder auf einem Sockel?

Sie haben auch so getan. Die Kunden konnten dank den vorentworfenen Modellen leichter entscheiden, welche Form und Grösse der Diamant einnehmen soll. Ebenfalls wurde nicht vergessen, den Kunden über die Aufbewahrungs- und Verwendungsmöglichkeiten des erhaltenen Diamanten aufzuklären. Beispielsweise könnte der Diamant auf einem Granitsockel befestigt, und an einer passenden Stelle aufgestellt werden. So würde die verstorbene Person symbolisch im gelebten Raum seinen Platz aufzunehmen. Des weiteren könnte der Diamant zu einem Ring oder Kollier verarbeitet werden, ganz nach den Wünschen der Kunden. Alles ist möglich und hängt nur von der Vorstellungskraft der Kunden ab. Ein Ring tragen, ausgeschmückt mit dem Diamanten, der aus der Asche des verstorbenen Ehepartners gewonnen wurde,... Es war in jeder Hinsicht klar, dass diese Vorstellung ein grosses Potenzial an Kunden anzog, jedoch hätte eine religiöse Kritik sehr vieles zunichte machen können. Die beiden jungen Geschäftsmänner hatten in diesem Zusammenhang grosse Befürchtungen.

Die Kirchen senden grünes Licht

Die muslimischen und jüdischen Traditionen erlaubten, abgesehen von den späteren Vorgängen, keine Verbrennung von leblosen Körpern. Die Leichen durften einzig im Boden vergraben und dem Zerfall überlassen werden. Brimer und Willy waren sich dieser Tatsache bewusst, dass die Anhänger beider religiöser Richtungen sich nicht für ihre Sache interessieren werden. Angst machte ihnen nur die Reaktion der katholischen und protestantischen Kirchen.

Seit 1963 ist zwar auf Seiten der katholischen Kirche die Kremation zugelassen, aber die Erlaubnis: " sie dürfen aus der Asche ihrer Grossmutter einen Ring machen" wurde nie erteilt. Als diese Thema die Öffentlichkeit erreichte, hielten sich die Stimmen der christlichen Religionsmänner zuerst zurück. Diese Ruhe dauerte aber nicht lange. Die verschiedenen Stellungsnahmen bestätigten, dass die Kirchen keine Hürde darstellen. Das Vorhaben, aus Asche des Verstorbenen Diamant herzustellen, soll nicht als sündhaft abgestempelt werden, es soll lediglich der individuellen Entscheidung überlassen werden. Es wurde nicht verurteilt, doch waren Zweifel vorhanden, ob das Verfahren sinnvoll sei.

Ein sensationeller Anfang

Die jungen Schweizer Unternehmer haben diese Nachricht mit Freuden empfangen, und konnten nun ihre Konzentration vollständig auf die angefangene Arbeit richten. Der Wind wehte hinter ihnen. Die Medien sprachen ununterbrochen von ihnen, und sie wurden schon in der Umsetzungsphase eine Berühmtheit, so dass der Bedarf an einer Werbungskampane nicht mehr vorhanden war. Personen, die nach dem Tod zu Diamanten werden wollen, oder nicht mehr lebende Angehörige als Diamant in Erinnerung behalten wünschen, ergänzen das entnommene Wissen aus der Presse mit Besuchen auf der Internetseite der Firma. Somit werden die Beziehungen von selber hergestellt.

In welcher Zeit und für welchen Preis lässt sich der Diamant erstellen?

Die Firma unter dem Namen "Algordanza" erfuhr vergangenen Juli ihre Eröffnung, Sie beschäftigt sich mit der Umwandlung von leblosen Körpern zu Diamanten. Der Preis und die Herstellungsdauer sollen hier je nach Grösse und Qualität des Edelsteins varieren. Der Diamant zu 0.5 Karat kostet laut Prospekt circa 6000 Franken, das günstigste Angebot. Dieser hat aber die Grösse einer Erbse. Falls nun der Bedarf nach einer grösseren Struktur vorhanden ist, müssen die Hände tiefer in die Hosen greifen. Jedoch, egal wie grosszügig man ist, kann der Durchmesser von 6 Millimetern nicht überschritten werden, denn die aktuelle Technologie lässt dies nicht zu.

Welchen Anteil besitzt der Tote an dem Diamant?

Es ist bekannt, dass in den Krematorien die leblosen Körper mit Sarg und Kleidern in die Verbrennung geführt werden. Der daraus gewonnene Diamant setzt sich zwar zum grössten Teil aus den Bestandteilen des Verstorbenen zusammen, aber es sind auch Holz und Kleider in die Arbeit eingeflossen. Dem sind sich die beiden findigen Unternehmer bewusst, und sagen :" Die Kunden sind verantwortlich für die Asche." Man kann den Schluss ziehen, dass der "reine Diamant" sich nur herauskristallisieren lässt, falls die Leiche ohne Sarg und Kleider dem Feuer ausgeliefert wurde. Ob die Krematorien bereit sind für diesen Prozess, ist noch nicht sicher.