|
Energie
aus der Tiefe
Die
IWB zusammen mit Partnern wollen das Projekt "Geothermische Energie" innerhalb von fünf Jahren
vervollständigen. Das Geothermie- Kraftwerk, welches
Investitionen von 80 Millionen Franken auslöst und dessen Bau
in Basel vorgesehen ist, soll weltweit zum ersten Mal für eine
kommerzielle Anwendung eingesetzt werden. Die Anlage für
"zuverlässige, saubere und nachhaltige Energie" wird
Strom und Wärme für 5000 Haushalte liefern, und dient als
Vorbild für Nachfolgeprojekte.
snc
deutsch/ ali yilmaz
snc
dossier/
sevim
civil - zafer sayar
Wie
funktioniert die Energiegewinnung
Das
Projekt "Deep Heat Mining" hat das Ziel, eines der
weltweit ersten geothermischen Heiz- Kraftwerke nach dem
"Hot- Fractured- Rock- Verfahren" zu bauen. Das Prinzip
des "Hot- Fractured- Rock- Verfahren" funktioniert auf
folgende Weise:
Das
in einer Tiefe von 5000 Metern vorhandene heisse Gestein wird als
Durchlauferhitzer eingesetzt. Zuerst wird diese Tiefe mit
Bohrungen erschlossen. Durch die Injektionsbohrung wird dann
Wasser in das bestehende Kluftsystem hineingepresst, so dass die
weit verzweigten Haarrisse aufgebrochen und die vorhandenen
Klüfte erweitert werden. Das hineingepresste Wasser erwärmt sich
auf dem Weg durch die Ritzen auf 200 Grad. Durch eine andere oder
mehrere Bohrungen, sogenannte Produktionsbohrungen, wird
anschliessend das im geothermischen Reservoir erhitzte Wasser an
die Erdoberfläche zurückbefördert. An der Oberfläche wird dem
erwärmten und unter Druck stehenden Wasser über einen
Wärmeaustauscher Wärme entzogen. Dieser überträgt die Wärme
zur Stromerzeugung auf einen Generatorkreislauf. Das Wasser,
welches Wärme gespendet hat, wird nun an einen Sekundärkreislauf
abgegeben. Die niedrig- siedende Flüssigkeit kann eine weitere
Dampfturbine antreiben, und überträgt mit Hilfe eines weiteren
Wärmetauscher die Restwärme an das Fernwärmenetz. Das
abgekühlte Wasser wird schliesslich in einem geschlossenen
Kreislauf durch die Injektionsbohrung ins heisse Gestein
zurückgeführt und erwärmt sich von Neuem.
Die
Ergebnisse der Forschungsbohrungen sind positiv ausgefallen
In
den Jahren 1994- 1997 konnte das Team des Europäischen "Hot-
Dry- -Rock" Forschungsprojekts in Soultz- sous- Forets
wichtige Fortschritte erzielen. Soultz- sous- Forets, gelegen im
französischen Teil des Oberrheingrabens, wurde als Standort
dieses Vorhabens ausgesucht, weil es im Zentrum der Wärmeanomalie
in Mitteleuropa liegt. Somit konnte man die Arbeiten in relativ
geringer Tiefe von ungefähr 3000- 4000 Metern durchführen. Zwei
Tiefenbohrungen und über vier weitere Bohrungen wurden im
Versuchsfeld vorgenommen. Da schon 1993 und 1994 erfolgreiche
hydraulische Injektions- und Produktionsversuche durchgeführt
wurden, war man erfahren genug und konnte die beiden
Tiefenbohrungen sicher in den Boden einbauen. In beiden
Tiefbohrungen konnten zwei ausgedehnte Risssysteme erzeugt werden.
Die weiteren Bohrungen dienen als Lauschwerkzeuge. Sie können
Wasserbewegungen im Untergrund verfolgen. Die Zirkulationstests
von 1996 und 1997 bewiesen die grundsätzliche Tauglichkeit des
Systems, und die Grundlagenforschung konnte als abgeschlossen
betrachtet werden. Die Anstrengungen in Soultz- sous- Forets haben
gezeigt, dass das unterirdische Zirkulationssystem unter
kalkulierten Bedingungen kontrolliert werden kann.
Das
weltweit erste kommerziell genutzte geothermische Heizkraftwerk in
Basel
Die
Deep Heat Mining- Technologie besitzt aufgrund ihrer
Durchführbarkeit das Interesse an Gebieten, wo das kristalline
Gestein in einer Tiefe von höchstens 6000 Metern eine Temperatur
von 200 Grad Celcius aufweist. Die Schweiz besitzt viele solche
Gebiete. Besonders gut geeignet für die Nutzung der Erdwärme ist
der Standort Basel mit der notwendigen geologischen
Beschaffenheit. Diese Feststellung haben intensive
Untersuchungsbohrungen hervorgebracht.
Seitdem
der Grosse Rat von Basel Stadt den Investitionsbetrag der
Industriellen Werke Basel (IWB) von 32 Millionen Franken genehmigt
hat, sind, neben den technischen und geologischen nun auch die
finanziellen Vorraussetzungen für die Realisierung des Projekts
gegeben. Die IWB, gemeinsam mit Partnern, namentlich der Elektra
Baselland (EBL), dem Gasverbund Mittelland und der Geothermal
Explorers, haben die Firma Geopower Basel AG gegründet, und
investieren zusammengerechnet rund 40 Millionen Franken, um das
Projekt voranzutreiben.
Als
Standort für das weltweit erste kommerziell genutzte
Heizkraftwerk ist das Werkhofgelände des IWB in Kleinhüningen
vorgesehen. Hier kann die Wärme ins IWB- Fernwärmenetz
eingeschleust werden, was eine entsprechende Reduktion von
Erdgasverbrauch in den Kesselanlagen der IWB bewirken soll.
Die
Bauentwicklung für das geothermische Heizkraftwerk soll in zwei
Teilschritten erfolgen.
•
In einer Explorationsphase wird das geothermische Reservoir
schrittweise erschlossen. o In einer Ausbauphase werden
zusätzliche Bohrungen vorgenommen und die oberirdischen
Heizkraftwerksanlagen gebaut.
Die
Tiefenbohrungen für das Geothermie- Kraftwerk beginnen im
Frühling 2005. Die erste Bohrung dauert rund ein halbes Jahr,
zwei weitere erfolgen innerhalb der nächsten zwei einhalb Jahre.
Im Jahre 2008 soll dann der Startschuss für den Endausbau fallen,
so dass das geothermische Heizkraftwerk ab Ende 2009 Strom und
Wärme für 5000 Haushalte liefern kann.
Weil
solche innovative Projekte mit Risiken verbunden sind, wird
schrittweise gehandelt. Nach jedem Schritt sollen Experten aus
Geologie, Geophysik und Bohrtechnik gründliche Analysen
durchführen, bevor die nächste Baustufe angegangen wird.
"Somit kann das vorhandene Risiko möglichst gering gehalten
werden," so der Verwaltungsratspräsident der Geopower Basel
AG, Heinrich Schwendener.
Ein
vorteilhaftes Projekt
Da
die bisherigen Vorabklärungen relativ positiv ausgefallen sind,
steht dem zukunftsweisendem Projekt wenig im Weg. Heinrich
Schwendener informiert, dass Erdwärme als einzige erneuerbare
Energie eine lokal unerschöpfliche Quelle darstellt. Sie ist von
der Tageszeit und vom Klima unabhängig und steht als
Energiespender ständig zur Verfügung. Zu erwähnen ist, dass es
sich um einheimische Ressourcen handelt, welche die Schweiz
unabhängiger von Öl und Erdgas machen. Auch die Einwirkung auf
die Umwelt ist minimal. Im Vergleich zu vielen anderen
erneuerbaren Energien nehmen die geplanten geothermischen Anlagen
einen kleinen Platz an der Oberfläche ein, und arbeiten zudem
noch fast emissionsfrei. Die daraus resultierende Reduktion des
jährlichen CO2- Ausstosses beträgt 1% der gesamten CO2-
Emissionen der Kantone Basel -Stadt und Basel -Landschaft. Diese
Tatsache passt in die Energiepolitik der Kantone, und das Projekt
wird dementsprechend unterstützt.
Die
Schweiz ist eines der führenden Länder in Sachen Deep Heat
Mining. Die nötigen technischen Mittel können hier entwickelt,
und später bei Nachfrage ins Ausland exportiert werden, was eine
Stützung der Schweizer Industrie gewährleisten könnte.
Das
Ziel eines Geothermie- Kraftwerks ist es aber nicht nur, die
Umwelt zu schonen, es soll ebenfalls in der Lage sein, Energie zu
attraktiven Verhältnissen bereitzustellen. Zu diesem Zweck wurden
Studien durchgeführt, mit denen die Konkurrenzfähigkeit des
geothermischen Heizkraftwerks mit anderen erneuerbaren Energien
unter die Lupe genommen wurde. Man kam zum Schluss, dass bei
ausschließlicher Stromproduktion die Rücklieferung der gesamten
Energie, welche für die Herstellung, Installation, Wartung und
Demontage aufgewendet wurde, einen Zeitraum von 3,2 Jahren in
Anspruch nimmt. Berücksichtigt man nun das Fernwärmenetz in
Basel, mit dem Fernwärme sehr gut genutzt werden kann, so nimmt
die sogenannte Amortisationszeit um die Hälfte ab. Da die
Gestehungskosten für den Strom aus dem Heizkraftwerk mit 15
Rappen pro Kilowattstunde äußerst marktkräftig sind, und der
Bund bisher keine Hindernisse aufgestellt hat, steht dem Projekt
Deep Heat Mining eine blendende Zukunft bevor. Es könnte weltweit
ein vorbildliches Beispiel darstellen, wie man aus zuverlässigen
Quellen saubere und nachhaltige Energie gewinnen kann.
|