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Erwachsene in der Schweiz:

Sehr gut im Rechnen und

mittelmässig im Lesen

Die Bevölkerung in der Schweiz ist sehr gut in Alltagsmathematik, gut im Problemlösen und mittelmässig im Lesen. Dies geht aus einer internationalen Erhebung über die Grundkompetenzen von Erwachsenen hervor, die in der Schweiz vom Bundesamt für Statistik (BFS) in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich durchgeführt wurde.

Laut dem Erhebungsbericht erzielten in der Schweiz die Männer in allen Testbereichen bessere Ergebnisse als die Frauen. Dieses Ergebnis steht in krassem Gegensatz zum Befund der PISA-Studie, die den 15-jährigen Mädchen im Lesen einen deutlichen Vorsprung gegenüber den gleichaltrigen Knaben attestiert.

Norwegen an der Spitze

In der ALL-Erhebung (Adult Literacy and Lifeskills Survey) erzielte Norwegen in drei von vier Testbereichen das Spitzenergebnis, während die Schweiz im vierten Bereich - der Alltagsmathematik - vorne lag. Mit einem guten Ergebnis im Problemlösen folgt die Schweiz dem führenden Norwegen auf dem Fuss. Die mittelmässigen Leistungen in den beiden Lese- Disziplinen bringen ihr hingegen nur den vierten Rang hinter Norwegen, Kanada und den Bermudas ein. Die USA liegen immer hinter der Schweiz zurück, wenn auch manchmal nur knapp. In sämtlichen vier Testbereichen bildet Italien jeweils das Schlusslicht der Teilnehmerländer. Sechs Länder haben an der Studie teilgenommen: die Schweiz, Norwegen, Italien, Kanada, die USA und die Bermudas; hinzu kommt der mexikanische Gliedstaat Nuevo León für eine beschränkte Auswahl von Tests.

Viele geschlechtsspezifische Parallelen zwischen ALL und PISA; Schweiz eine Ausnahme

In der PISA-Studie übertreffen die Mädchen die Knaben im Lesen deutlich. Auch in der ALLErhebung ist dies mehrheitlich so, ausser in der Schweiz und in Italien. Sowohl in PISA als auch in ALL sind die jungen Männer besser in Mathematik als die Frauen. Während in PISA keine nennenswerten geschlechtsspezifischen Unterschiede festgestellt wurden, haben in der ALL-Studie die kanadischen, die norwegischen und vor allem die bermudischen Frauen im Problemlösen etwas besser abgeschnitten als die Männer. Nur in der Schweiz und in Italien übertreffen die Männer die Frauen in allen Bereichen.

Unterschiedliche Leistungen der Eingewanderten

In der Schweiz, in den USA und in Kanada haben die seit längerem (seit mehr als fünf Jahren) Immigrierten klar unterdurchschnittlich abgeschnitten, die seit kurzem Immigrierten hingegen nur wenig schlechter als die im Land Geborenen. In diesem Paradox widerspiegeln sich zweifelsohne die seit einigen Jahren bei der Einwanderung angewandten Selektionskriterien. Seit kurzem Immigrierte verfügen in der Regel über eine Ausbildung oberhalb der Sekundarstufe II.

Ein bedeutender Teil der Bevölkerung erreicht nicht ein wünschenswertes Niveau

Neben den Leistungsdurchschnitten stellen die Anteile der schwachen und mittleren Leistungen aussagekräftige Parameter dar. Laut der ALL-Erhebung verfügt ein bedeutender Anteil der Bevölkerung nicht über das Mindestmass an Grundkompetenzen für eine volle Teilnahme an der modernen Gesellschaft. In vielen Fällen erreicht dieser Anteil beinahe 50 Prozent, wobei er je nach Land, Testbereich oder Untergruppe stark variiert.

Kompetenzen nehmen mit zunehmendem Alter ab

In allen Ländern zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Grundkompetenzen nehmen mit zunehmendem Alter immer schneller ab. In der Schweiz z.B. verfügen von den 16- bis 25-Jährigen 9%, von den 26- bis 45-Jährigen 12% und von den 45- bis 65-Jährigen bereits 21% nur über ein rudimentäres Textverständnis. Diese Situation erklärt sich nur teilweise durch die Anhebung des durchschnittlichen Bildungsniveaus in den letzten Jahrzehnten.

Unterschiedliche Leistungen nach Sprachregion

Innerhalb der Schweiz unterscheiden sich die sprachregionalen Leistungsdurchschnitte grundsätzlich relativ wenig, einige Differenzen sind jedoch statistisch signifikant. Die deutsche Schweiz schneidet insbesondere in Alltagsmathematik, aber auch in den beiden Lesekompetenzbereichen besser ab als die übrigen Sprachregionen. Daneben tut sich die französische Schweiz in der Problemlösung hervor, ohne sich jedoch klar von der deutschen Schweiz absetzen zu können.