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An Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren darf kein Alkohol verkauft

werden. Trotz dieser eigentlich klaren Gesetzesbestimmung...

(foto: snc - sevim civil)

Basler Jugendliche missbrauchen

Alkohol und werden immer dicker

An Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren darf kein Alkohol verkauft werden. Spirituosen und Alcopops dürfen erst an über 18-Jährige abgegeben werden. Trotz dieser eigentlich klaren Gesetzesbestimmung hat nun die Basler Regierung angesichts zunehmenden Alkoholmissbrauchs bei Jugendlichen ein Massnahmenpaket geschnürt, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Sorgen macht aber auch die Tatsache, dass die Basler Kinder immer dicker werden und vermehrt unter psychosomatischen Symptomen leiden.

snc: niklaus freundlieb

«Jugendliche trinken mehr denn je, und wir bemerken einen Trend zum exzessiven Rauschtrinken», stellt Polizeidirektor Jörg Schild fest, und Justizminister Hans Martin Tschudi ist mehr als beunruhigt über die Tatsache, dass in Basel wöchentlich über tausend Minderjährige alkoholische Getränke konsumieren.

Studien der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol und andere Drogenfragen (SFA) belegen, dass in der Schweiz 16 Prozent der 11- bis 16-jährigen wöchentlich Alkohol trinken, Tendenz steigend. Neben dem steigenden Konsum von Bier, dem eher männliche Jugendliche zusprechen, macht zunehmend der Konsum von vor allem bei Mädchen beliebten Alcopops Sorge. 23 Prozent der verkauften Alcopos werden von unter 18-Jährigen konsumiert.

Lädeli sind Problemfelder

Unter Federführung des Justiz- und des Polizeidepartements hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe das Massnahmenpaket «Alkohol- und Jugendschutz» erarbeitet. Neben einer bereits verschickten schriftlichen Aufforderung an alle Personen, die im Kanton Basel-Stadt Alkohol verkaufen dürfen, also Handel und Restaurationsbetriebe, sich an die gesetzlichen Jugendschutzbestimmungen zu halten, bietet der Kanton den Alkoholverkaufsstellen und Restaurants einen kostenlosen Kurs zum Thema «Alkoholverkauf und Jugendschutz» an. Laut Jörg Schild halten die meisten Restaurants und die Grossverteiler die Jugendschutzbestimmungen ein. Mehr Kummer machen die vielen kleinen «Quartierlädeli», die beim Verkauf von Alkohol an Jugendliche erwischt werden. In den letzten zwei Jahren sind gegen 21 Betriebe Ermittlungen eingeleitet und deren Betreiber verzeigt worden. Nun sollen die Kontrollen ab sofort massiv verstärkt werden. Wer verzeigt wird, kann seine Bewilligung verlieren.

Plakatwerbeverbot

Zwar ist im Kanton Basel-Stadt die Plakatwerbung für alkoholische Getränke und Tabak auf öffentlichem Grund seit 1997 verboten, nun soll aber die Plakatwerbung auf privatem Grund, welcher öffentlich einsehbar ist, ebenfalls verboten werden. Der entsprechende Ratschlagsentwurf für eine ergänzende Gesetzesänderung wird dem Parlament zugeleitet. Überprüft werden soll auch die Einhaltung des Jugendschutzes bei den Werbeblocks in den Kinos.

Problemzonen Jugendhäuser

Besonderes Augenmerk legt Hans Martin Tschudi auf die Beratung und Information über Jugendschutzbestimmungen und deren Einhaltung im Bereich Freizeit: «Den Jugendlichen sollen mit alkoholfreien Räumen in den von uns subventionierten Jugendtreffpunkten Alternativen geboten werden.» Einen Sonderfall sieht er beim Sommercasino: «Das Sommercasino ist ein Konzertlokal für junge Erwachsene, aber auch hier werden wir die Bestimmungen des Jugendschutzes durchsetzen.» Georges Hennig, Leiter des Sommercasinos, hat jedenfalls durchblicken lassen, dass künftig Alcopos nicht mehr verkauft würden. Ebenfalls im Blickfeld der regierungsrätlichen Bemühungen stehen Sportvereine und Fasnachtscliquen, denen diesbezügliche Informationen und Beratungen angeboten werden.

Prävention und Repression

Repression, also kompromisslose Durchsetzung der gesetzlichen Bestimmungen, da sind sich Jörg Schild und Hans Martin Tschudi einig, ist die eine Schiene, Prävention ist die andere. An den Basler Schulen wird an den verschiedenen Schulstufen mit Präventionstagen und anderen Präventionsangeboten aufgeklärt und informiert. Das PMD organisiert ab 7. Klassenstufe eigene Informationsangebote. Ausserdem wird das Programm «Gesunde Schule» weitergeführt.

Basler Kinder werden immer dicker

Rund ein Viertel der Basler Schulkinder sind übergewichtig. Die Gesundheitsdaten, die der Schulärztliche Dienst (SÄD) in den letzten 25 Jahren erhoben hat, belegen aber auch, dass bei den Kindern vermehrt psychosomatische Symptome auftreten und der Impfschutz zu wünschen übrig lässt.

Laut Andreas Bächlin, stellvertretender Leiter beim SÄD, ist die Gewichtszunahme der Basler Kinder und Jugendlichen alarmierend: «Vor 25 Jahren brachte knapp jedes zehnte Schulkind zu viele Pfunde auf die Waage, heute ist annähernd jedes vierte Schulkind zu dick.» Bereits bei den Kindergartenkindern ergaben die langfristigen Untersuchungen eine Gewichtszunahme von knapp einem Kilo. Bei den Drittklässlern wurde eine Zunahme um 2,6 Kilo, von 32,0 auf 34,6 Kilogramm, registriert, und geradezu dramatisch präsentiert sich die Gewichtszunahme bei den Schülerinnen und Schülern des 9. Schuljahres, wo eine Zunahme um 6,4 Kilogramm, von 55, 5 auf 61,9 Kilogramm, festgestellt wurde. Ebenfalls festgestellt wurde, dass Kinder ausländischer Eltern dicker sind als Schweizer Kinder.

Impflücken

Die langfristigen Erhebungen des SÄD, die wegen ihrer Kontinuität und der Fülle ihrer Daten als einmalig in der Schweiz gelten, weisen auch zum Teil erhebliche Impflücken für gefährliche Krankheiten auf. Rund ein Viertel der Jugendlichen in der 7. Klasse sind nicht oder ungenügend gegen Kinderlähmung geschützt. Auch gegen klassische Kinderkrankheiten, wie bei Röteln, Mumps oder Masern werde zu wenig geimpft, erläuterte Thomas Steffen, Leiter des SÄD: «Es darf doch nicht sein, dass rund 10 Prozent der Kinder immer noch an Masern erkranken.» Deshalb bietet das SÄD ein niederschwelliges Impfangebot, verbunden mit einer Beratung, an.

Gesund durch die Schule

Neben Übergewicht und Impflücken haben die Erhebungen des SÄD auch ergeben, dass sich das Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen verschlechtert hat. Jeder fünfte Jugendliche klagt über Kopfschmerzen, jeder siebte über häufige Rückenschmerzen, jeder achte hat oft Bauchschmerzen und jeder zwanzigste leidet unter Schlafstörungen. Mit der Broschüre «Gesund durch die Schule» sollen nun die Eltern über Prävention und die Aufgaben und Aktivitäten des Schulärztlichen Dienstes informiert werden. Die Broschüre wird bei der ersten Vorsorgeuntersuchung abgegeben und kann beim SÄD bezogen werden.