«Jugendliche
trinken mehr denn je, und wir bemerken einen Trend zum exzessiven
Rauschtrinken», stellt Polizeidirektor Jörg Schild fest, und
Justizminister Hans Martin Tschudi ist mehr als beunruhigt über
die Tatsache, dass in Basel wöchentlich über tausend Minderjährige
alkoholische Getränke konsumieren.
Studien
der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol und andere
Drogenfragen (SFA) belegen, dass in der Schweiz 16 Prozent der 11-
bis 16-jährigen wöchentlich Alkohol trinken, Tendenz steigend.
Neben dem steigenden Konsum von Bier, dem eher männliche
Jugendliche zusprechen, macht zunehmend der Konsum von vor allem
bei Mädchen beliebten Alcopops Sorge. 23 Prozent der verkauften
Alcopos werden von unter 18-Jährigen konsumiert.
Lädeli
sind Problemfelder
Unter
Federführung des Justiz- und des Polizeidepartements hat eine
interdisziplinäre Arbeitsgruppe das Massnahmenpaket «Alkohol-
und Jugendschutz» erarbeitet. Neben einer bereits verschickten
schriftlichen Aufforderung an alle Personen, die im Kanton
Basel-Stadt Alkohol verkaufen dürfen, also Handel und
Restaurationsbetriebe, sich an die gesetzlichen
Jugendschutzbestimmungen zu halten, bietet der Kanton den
Alkoholverkaufsstellen und Restaurants einen kostenlosen Kurs zum
Thema «Alkoholverkauf und Jugendschutz» an. Laut Jörg Schild
halten die meisten Restaurants und die Grossverteiler die
Jugendschutzbestimmungen ein. Mehr Kummer machen die vielen
kleinen «Quartierlädeli», die beim Verkauf von Alkohol an
Jugendliche erwischt werden. In den letzten zwei Jahren sind gegen
21 Betriebe Ermittlungen eingeleitet und deren Betreiber verzeigt
worden. Nun sollen die Kontrollen ab sofort massiv verstärkt
werden. Wer verzeigt wird, kann seine Bewilligung verlieren.
Plakatwerbeverbot
Zwar
ist im Kanton Basel-Stadt die Plakatwerbung für alkoholische Getränke
und Tabak auf öffentlichem Grund seit 1997 verboten, nun soll
aber die Plakatwerbung auf privatem Grund, welcher öffentlich
einsehbar ist, ebenfalls verboten werden. Der entsprechende
Ratschlagsentwurf für eine ergänzende Gesetzesänderung wird dem
Parlament zugeleitet. Überprüft werden soll auch die Einhaltung
des Jugendschutzes bei den Werbeblocks in den Kinos.
Problemzonen
Jugendhäuser
Besonderes
Augenmerk legt Hans Martin Tschudi auf die Beratung und
Information über Jugendschutzbestimmungen und deren Einhaltung im
Bereich Freizeit: «Den Jugendlichen sollen mit alkoholfreien Räumen
in den von uns subventionierten Jugendtreffpunkten Alternativen
geboten werden.» Einen Sonderfall sieht er beim Sommercasino: «Das
Sommercasino ist ein Konzertlokal für junge Erwachsene, aber auch
hier werden wir die Bestimmungen des Jugendschutzes durchsetzen.»
Georges Hennig, Leiter des Sommercasinos, hat jedenfalls
durchblicken lassen, dass künftig Alcopos nicht mehr verkauft würden.
Ebenfalls im Blickfeld der regierungsrätlichen Bemühungen stehen
Sportvereine und Fasnachtscliquen, denen diesbezügliche
Informationen und Beratungen angeboten werden.
Prävention
und Repression
Repression,
also kompromisslose Durchsetzung der gesetzlichen Bestimmungen, da
sind sich Jörg Schild und Hans Martin Tschudi einig, ist die eine
Schiene, Prävention ist die andere. An den Basler Schulen wird an
den verschiedenen Schulstufen mit Präventionstagen und anderen Präventionsangeboten
aufgeklärt und informiert. Das PMD organisiert ab 7. Klassenstufe
eigene Informationsangebote. Ausserdem wird das Programm «Gesunde
Schule» weitergeführt.
Basler
Kinder werden immer dicker
Rund
ein Viertel der Basler Schulkinder sind übergewichtig. Die
Gesundheitsdaten, die der Schulärztliche Dienst (SÄD) in den
letzten 25 Jahren erhoben hat, belegen aber auch, dass bei den
Kindern vermehrt psychosomatische Symptome auftreten und der
Impfschutz zu wünschen übrig lässt.
Laut
Andreas Bächlin, stellvertretender Leiter beim SÄD, ist die
Gewichtszunahme der Basler Kinder und Jugendlichen alarmierend: «Vor
25 Jahren brachte knapp jedes zehnte Schulkind zu viele Pfunde auf
die Waage, heute ist annähernd jedes vierte Schulkind zu dick.»
Bereits bei den Kindergartenkindern ergaben die langfristigen
Untersuchungen eine Gewichtszunahme von knapp einem Kilo. Bei den
Drittklässlern wurde eine Zunahme um 2,6 Kilo, von 32,0 auf 34,6
Kilogramm, registriert, und geradezu dramatisch präsentiert sich
die Gewichtszunahme bei den Schülerinnen und Schülern des 9.
Schuljahres, wo eine Zunahme um 6,4 Kilogramm, von 55, 5 auf 61,9
Kilogramm, festgestellt wurde. Ebenfalls festgestellt wurde, dass
Kinder ausländischer Eltern dicker sind als Schweizer Kinder.
Impflücken
Die
langfristigen Erhebungen des SÄD, die wegen ihrer Kontinuität
und der Fülle ihrer Daten als einmalig in der Schweiz gelten,
weisen auch zum Teil erhebliche Impflücken für gefährliche
Krankheiten auf. Rund ein Viertel der Jugendlichen in der 7.
Klasse sind nicht oder ungenügend gegen Kinderlähmung geschützt.
Auch gegen klassische Kinderkrankheiten, wie bei Röteln, Mumps
oder Masern werde zu wenig geimpft, erläuterte Thomas Steffen,
Leiter des SÄD: «Es darf doch nicht sein, dass rund 10 Prozent
der Kinder immer noch an Masern erkranken.» Deshalb bietet das SÄD
ein niederschwelliges Impfangebot, verbunden mit einer Beratung,
an.
Gesund
durch die Schule
Neben
Übergewicht und Impflücken haben die Erhebungen des SÄD auch
ergeben, dass sich das Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen
verschlechtert hat. Jeder fünfte Jugendliche klagt über
Kopfschmerzen, jeder siebte über häufige Rückenschmerzen, jeder
achte hat oft Bauchschmerzen und jeder zwanzigste leidet unter
Schlafstörungen. Mit der Broschüre «Gesund durch die Schule»
sollen nun die Eltern über Prävention und die Aufgaben und
Aktivitäten des Schulärztlichen Dienstes informiert werden. Die
Broschüre wird bei der ersten Vorsorgeuntersuchung abgegeben und
kann beim SÄD bezogen werden.