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Kopftuch
beschäftigt Migros
Der
Migros- Genossenschafts- Bund versucht zur Zeit mit intensiver
Bemühung, Antwort auf eine kritische Frage zu finden. Ist es
den Arbeiterinnen in den Migrosfilialen erlaubt, im
Verkauf oder an der Kasse, also Stellen mit Kundenkontakt, ein
Kopftuch zu tragen? Eine Lösung auf diese Frage zu finden
bereitet den Migros-Personalchefs grosse Mühe, und soll in
diesem Monat veröffentlicht werden.
snc
deutsch/ ali yilmaz
snc
dossier/ zafer sayar
Eine
junge muslimische Frau, die seit mehreren Jahren in einer
Migrosfiliale in Zürich im Gemüseverkauf arbeitet, fragte in
den vergangenen Monaten den Filialeleiter: "Darf ich in der
Zukunft bei der Arbeit ein Kopftuch tragen?". Während der
Chef, zum ersten Mal einer solchen Situation konfrontiert, eine
passende Antwort auf solch eine Frage zu finden versucht,
begründete die im Türkischen verwurzelte junge Frau ihr
Anliegen mit diesen Wörtern: " Ich möchte in der Zukunft
meinen Glauben leben."
Der
Filialeleiter, verblüfft, dass ihn das seit Jahren ohne Kopftuch
arbeitende Personal plötzlich mit diesem Anliegen begegnet,
realisierte, dass es nicht in seinem Zuständigkeitsbereich lag,
über diese Frage zu entscheiden. Er wandte sich an die
zuständigen Bereichspersonalchefs der Genossenschaft Migros
Zürich.
Die
Chefs wenden sich an den Migros- Genossenschafts-Bund
Die
Personalchefs der Migros Zürich, Urs Stolz und Remo Carini,
erkennen die Sensibilität des Problems, und entschliessen sich,
die kritische Frage an den Migros- Genossenschafts- Bund
weiterzuleiten. Vorerst aber bat Carini die junge Arbeiterin, aufs
Kopftuch zu verzichten, bis eine Antwort aus der Zentrale bekannt
gegeben wird. Urs Stolz seinerseits sagte, dass rechtlich gesehen
der Arbeitgeber das Kopftuch nicht verbieten darf, ausser es sind
Arbeitsbereiche betroffen, in denen das Kopftuch aus
sicherheitstechnischen oder hygienischen Gründen problematisch
wäre.
Der
Personalchef Carini bestätigte, dass Niemand wisse, wie die
Kunden auf eine Kopftuch tragende Verkäuferin reagieren würden,
jedoch vernachlässigte er nicht, von seinen Erfahrungen
ausgehend, dieses Beispiel zu nennen; "Wir wissen, dass eine
in Türkisch geführte Unterhaltung zwischen Arbeitnehmern keine
Sympathie auf Seiten der Kundschaft hervorruft."
Dass
die Personaldirektoren der Migros Zürich Carini und Stolz
besonders besorgt sind, lässt sich leicht beobachten. Sie
erwähnen, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit die rassistischen
Tendenzen gegen Kassiererinnen zunehmen werden, und richten die
Aufmerksamkeit auf die Schutzmassnahmen, die getroffen werden
müssen, damit das Personal von solchen Begegnungen verschont
bleibt.
Wie
steht es um die Zentrale?
Der
Personaldirektor beim Migros- Genossenschafts- Bund John
Leuenberger gab bekannt, dass man sich im Moment in einer
vertieften und vielseitig gedachten Bewertungsphase befinde. In
diesem Monat soll die definitive Entscheidung fallen und der
Öffentlichkeit präsentiert werden.
Die
Informationen, die sich in die Medien eingeschlichen haben,
berichten, dass die Entscheidung in den Hauptpunkten schon
getroffen sei. Nach ihnen wird Migros an den Arbeitsplätzen kein
allgemeines Verbot für das Kopftuch aufstellen. Jedoch müssen
den betroffenen Frauen Stellen ohne Kundschaft angeboten werden.
Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird man in Zukunft im Verkauf
keinem Kopftuch tragenden Personal mehr begegnen.
Der
wichtigste Grund, wieso Migros in seiner Entscheidung dermassen
langsam und vorsichtig handelt, ist die Angst vor der Reaktion
muslimischen Kunden.
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