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Marche Blanche,

27. September 2003: 

In 12 Städten der Schweiz waren

Tausende auf den Strassen, um

vor allem gegen die Ausnutzung

der Kinder als pornographische

Objekte zu demonstrieren.

Kinder sind keine sexuellen Objekte 

Am letzten September-Wochenende (27.09.2003) waren in 12 Städten der Schweiz Tausende auf den Strassen, um vor allem gegen die Ausnutzung der Kinder als pornographische Objekte zu demonstrieren. Das Echo der Veranstaltungen, die Marche Blanche genannt werden, ist noch immer aktuell.

Lehrer, Beamte, Sozialbeauftrage, sogar Staatsanwälte und Polizisten sind unter den Kunden des Kinderpornographiegeschäftes. Dieser illegale Sektor wird von Tag zu Tag grösser. Der Kinderhandel ist weiterhin eine gesellschaftliche Wunde. 

snc deutsch: özen aytaç

Lehrer, Beamte, Sozialbeauftrage, sogar Staatsanwälte und Polizisten sind unter den Kunden des Kinderpornographiegeschäftes. Dieser illegale Sektor wird von Tag zu Tag grösser. Der Kinderhandel ist weiterhin eine gesellschaftliche Wunde. Nach Schätzungen des UNO-Kinderhilfswerks Unicef wird in der Schweiz mindestens jedes fünfte Mädchen und jeder zehnte Knabe sexuell missbraucht.

Die Schweigemärsche, die am letzten September- Wochenende in 12 Schweizer Städten stattfanden, hatten dass Ziel, der Öffentlichkeit die Qualen ins Bewusstsein zu rufen, die viele jugendliche Opfer leiden müssen. Die Proteste, die Marche Blanche genannt werden, haben von Zeit zu Zeit auf das Problem hingewiesen, als es fast schon so schien, als wäre das Thema nicht mehr spruchreif, wurde es erfolgreich wieder aktuell.

Im Kanton St. Gallen nahm die Schweizer Justizund Polizeiministerin Ruth Metzler Stellung. Diese Stellungsnahme wird so gedeutet, dass die Schweizer Regierung sich für den Schutz der Kinder einsetzen wird. Es sieht auch so aus, als würde das grosse Interesse der Medien die Frage, «warum werden solche Dinge nicht verhindert», noch lauter und noch weiter rufen lassen.

Die Schuldigen haben kein gemeinsames Profil

Die Meinung der Spezialisten ist, dass die Realität in der Vergangenheit gezeigt hat, dass das Problem so gross ist, dass es mit gesetzlichen oder polizeilichen Vorsichtsmassnahmen nicht unter Kontrolle gebracht werden kann.

Seit vergangenem April beispielsweise ist es verboten, in der Schweiz, pornographisches Material, für das Kinder ausgenutzt worden, zu produzieren, zu kaufen, zu verkaufen und aufzubewahren. Es ist eine Straftat. Als anderes Beispiel kann die Gesamtschweizerische Operation «Genesis» gezeigt werden. Die Schweizer Polizei bereitete sich in geheimer Mission vor und führte die Operationen im vergangenen Herbst durch. Es wird daran erinnert, dass die Schweizer Polizei durch einen Tipp von Interpol, mit Hinweis aus amerikanischer Quelle, mit den Untersuchungen begonnen hat und somit auch gesehen hat, dass die Situation viel schlimmer ist, als angenommen. Zuerst wurden gesamtschweizerische Operationen durchgeführt, diese Operationen unterlagen einem Zentralplan und wurden in vielen Wohnungen und Geschäften durchgeführt. Die Kantone wurden über die Ergebnisse unterrichtet, somit begann das zweite Glied der Operation aktiv zu werden. Neben denen, deren Namen auf der «Liste» standen, wurden auch viele Menschen inhaftiert, weil sie pornographisches Material besassen, oder die Kinder sexuell missbrauchten.

Es wurde mitgeteilt, dass die Ergebnisse aus der Operation «Genesis» noch immer untersucht werden. Diese zeigen, dass das Problem gross ist, weiter weiss man nun, dass das Täterprofil der einzelnen Personen nicht übereinstimmt. Man sieht, dass die Ausnutzung der Kinder für pornographische Befriedigungen nicht von bestimmten Personen aus bestimmten sozialen Schichten durchgeführt werden, in Frage kommt jeder.

«Wir müssen die Gewohnheit, nichts zu sehen loswerden»

Untersuchungen in anderen Ländern haben ähnliche Ergebnisse gebracht. Nach Informationen, die die deutsche Polizei der Schweizer Polizei gegeben hat, so die Justiz- und Polizeiministerin Ruth Meztler, befindet sich die Schweiz unter den 166 Ländern, in denen in 26500 Fällen in irgendeiner Weise Kinder dafür ausgenutzt werden. Metzler weisst auf eine andere, erschrekkende Realität hin: Auch Frauen konsumieren Kinderpornographie; im Netz der Produktion und des Verkaufes nehmen sie immer mehr Platz ein. Die Spezialisten sind sich darüber einig, dass das eine neue Entwicklung ist. An diesem Punkt wurde darauf hingewiesen, dass die Londoner Polizei bisher noch keine weibliche Schuldige untersucht hat.

Es wird im Verlaufe der Diskussionen darüber, ob die Ausbeutung der Kinder, um sexuelle Befriedigung zu erhalten, ein psychologisches Problem oder eine soziopsychologische Formung ist, mit Schrecken beobachtet, dass es immer mehr zu einem sozialen Verhalten wird. Der Punkt, den Ruth Metzler besonders unterstrichen hat, auch wenn die Sache nicht offen gesehen werden kann, und die Gesellschaft sich Gedanken darüber macht: «Wir müssen die Gewohnheit, nichts zu sehen loswerden».

Dieses Jahr erhielt die Vereinigung Marche Blanche auch von Justiz- und Polizeiministerin Ruth Metzler Schützenhilfe. Die Bundesrätin unterstützte deren Anliegen in einer Rede am Schweigemarsch in St. Gallen und rief dazu auf, bei Verbrechen gegen Kinder nicht wegzuschauen.