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Welche Rolle spielen MigrantInnenvereine im Integrationsprozess?

(foto: snc - nuriye polat)

MigrantInnenvereine-

Ghetto oder schützender Hafen

Heidi Mosimann

BERN. (01.03.04) Welche Rolle spielen MigrantInnenvereine im Integrationsprozess? Unter diesem Titel diskutierten am letzten Samstag VertreterInnen von MigrantInnenvereinen aus Lateinamerika, Afrika, Europa, Asien und Fachpersonen aus schweizerischen Organisationen. In der Plenumsdiskussion forderten MigrantInnen vorallem die Anerkennung ihrer Leistungen, und dass mehr MigrantInnen in Entscheidungspositionen gewählt und strukturelle Hürden abgebaut werden.

Integration ist in aller Munde und ihre Wichtigkeit unbestritten. Integrationsprozesse werden in Literatur und Praxis vielfältig beschrieben und die Sicht, dass Integration von MigrantInnen ein wechselseitiger Prozess zwischen der Aufnahmegesellschaft und den Zugewanderten sein muss, setzt sich langsam durch. Kontrovers diskutiert wird aber immer noch der Beitrag, den MigrantInnenvereine zur Integration ihrer Mitglieder leisten: Ghetto oder schützender Hafen, um wieder gestärkt in die oft fremd anmutende Umwelt hinauszugehen? Engagiert diskutierten diese Frage 50 VertreterInnen von MigrantInnenvereinen aus Asien, Lateinamerika, Europa, Afrika mit schweizerischen Organisationen an einer Veranstaltung, welche von der Informationsstelle für Ausländerinnen- und Ausländerfragen isa in Zusammenarbeit mit Grupo atitude, Samahang Pilipina und wisdonna (cfd-Migrantinnenwerkstatt) am Samstag in der Kirchgemeinde Paulus organisiert wurde.

In ihren Begrüssungsrede hob Frau Dr. Gerda Hauck, Leiterin der Koordinationsstelle Integration der Stadt Bern die Leistungen der MigrantInnenvereine für die Zivilgesellschaft hervor. Sie erinnerte aber auch daran wie wichtig die gegenseitige Anerkennung, Fairness und der Kontakt "auf gleicher Augenhöhe" sowie der regelmässige Dialog zwischen Verwaltung, Politik und MigrantInnenvereinen sei.

Der "ponto d'incontro" der grupo atitude, die Frauengruppe Samahang Pilipina, das Red de Apoyo Social (untertützt durch die mexikanischen Botschaft) oder das Projekt Häusliche Gewalt und Migration von wisdonna zeigten exemplarisch auf wie vielfältig die Integrationsangebote der MigrantInnenvereine in der Stadt Bern bereits sind. Betont wurde dies zusätzlich durch den "Markt" an dem gegen 20 Organisationen ihre Angebote präsentierten. Die isa informierte kurz über ihre Unterstützungsmöglichkeiten bei der Eingabe von Projekten und das neue Schwerpunktprogramm der Eidgenössischen Ausländerkommission.

Folgenden klare Forderungen wurden in der Plenumsdiskussion, die die Veranstaltung abschloss, gestellt:

• Anerkennung der Arbeit und der Ressourcen von MigrantInnenvereinen

• Vermehrter Zugang von MigrantInnen zu Entscheidungspositionen

• Gemischte Teams in Verwaltung und sozialen Dienstleistungsorganisationen

• Mehr Raum und Infrastruktur für Vereine zur Verfügung stellen

• Abbau von gesellschaftlichen Hürden, z.B. die Anerkennung von ausländischen Diplomen auch aus Drittstaaten, analog zum Personenfreizügigkeitsabkommen

• Politische Absichtserklärungen sollen auch finanzielle Unterstützung beinhalten

• Antidiskriminierungsarbeit auch auf gesetzlicher Ebene

Eine Erkenntnis der Tagung war, dass MigrantInnenvereine vermehrt politisch aktiv werden müssen und eine verstärkte Vernetzung nötig ist. Angeregt wurde, dass auf kantonaler Ebene ein ähnlicher Zusammenschluss geplant wird wie auf schweizerischer Ebene das Forum für die Integration von MigrantInnen. Die isa sagte für ein solches Projekt ihre logistische und administrative Unterstützung zu. Ein erstes Vorbereitungstreffen wurde bereits vereinbart zwischen den anwesenden spanisch und portugiesischsprechenden Vereinen. Die Veranstaltung zeitigte damit ein konkretes Ergebnis im Rahmen der Vernetzung.