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"Sprache:
das wichtigste
Kommunikationsmittel"
Warum
sollen ausländische Mitbürger und Mitbürgerinnen Deutsch
lernen? Auf den ersten Blick scheint die Sache klar zu sein: Eine
differenzierte Verständigung zwischen der Deutschschweizer und
der zugewanderten Bevölkerung ist nur über die deutsche Sprache
möglich. Doch der Erwerb der Sprache des Gastlandes gestaltet
sich nicht für alle Fremdsprachigen gleichermassen einfach und
selbstverständlich. So hat das Erlernen einer Zweitsprache nicht
in allen Kulturen den gleichen Stellenwert. Erschwerend kommt
hinzu, dass es keine gezielte Zusammenarbeit zwischen den
Anbietern von Deutschkursen und Migrations-Organisationen gibt.
snc
dossier:
sevim civil - beate kogon
foto:
mehmet gürz
Migranten
sollen mehr mitgestalten können
Um
diesen Problemen auf den Grund zu gehen und nach Lösungen zu
suchen, fand im Theater Basel ein Symposium statt. "Deutsch
lernen – wozu?" lautete der Titel der Veranstaltung vom 21.
September. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem Michael
Schindhelm, Direktor des Theaters Basel, und Francis Matthey, Präsident
der Eidgenössischen Kommission für Ausländerfragen.
Vertreter
und Vertreterinnen des Bundes, von Kantonen,
Migrations-Organisationen und Deutschkurs-Anbietern diskutierten
über die Bedeutung des Spracherwerbs, mit dem Ziel,
fremdsprachige Menschen zum Lernen der deutschen Sprache und zur
kulturellen Beteiligung am Leben des Gastlandes zu motivieren.
Dabei wurden die sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen
Entfaltungsmöglichkeiten der Einwanderer sowie das
gesellschaftspolitische Mitgestaltungspotenzial in den Vordergrund
gestellt.
Bessere
Integration ins Bildungssystem
Es
gibt verschiedene Möglichkeiten der Verständigung – darauf
machte Francis Matthey in seinem Referat aufmerksam. "In
unserer Gesellschaft ist jedoch die Sprache das wichtigste
Kommunikationsmittel", legte er dar. Deshalb sei die
Beherrschung der Landessprache von zentraler Bedeutung für die
Integration. Je besser Migrantinnen und Migranten Deutsch
sprechen, desto besser können sie sich ins Bildungssystem und in
die Arbeitswelt integrieren. Nicht nur das: Schweizern und
Schweizerinnen fällt es leichter, Zugewanderte zu akzeptieren,
die sich darum bemühen, die Sprache des Gastlandes zu erlernen.
Das Beherrschen der Sprache der einheimischen Bevölkerung kann
eine wesentliche Rolle bei Einbürgerungs-Entscheiden spielen.
Mehrsprachigkeit
als bedeutender Wert
Heisst
das nun, dass sich Migranten und Migrantinnen dem Druck der
Mehrheit beugen und gar auf die Verwendung der Muttersprache
verzichten sollen? Diese Frage beantwortete Francis Matthey mit
einem klaren Nein. Zwei- und Mehrsprachigkeit seien zu fördern
und zu unterstützen. "In unserem Kontext heisst das: Pflege
der Muttersprache und Erlernen der Ortssprache." Früher sei
man davon ausgegangen, dass vor allem die Kinder von Zugewanderten
möglichst rasch von der Herkunftssprache Abstand nehmen sollten.
Diesbezüglich habe ein Meinungsumschwung stattgefunden:
"Heute wird Mehrsprachigkeit als ein Wert an sich angesehen.
In vielen Bereichen, unter anderem in der Arbeitswelt, gilt das
Beherrschen von mehreren Sprachen als Vorzug", erläuterte
Matthey. Mehrsprachigkeit bringe weitere Fähigkeiten mit sich:
Wer verschiedene Sprachen spreche, sei meist auch in der Lage,
sich kompetent auf verschiedenen sozialen Ebenen zu bewegen und
unterschiedliche Gedanken oder Handlungsmuster zu verstehen.
Doppel-Funktion
der Migrations-Organisationen
Francis
Matthey betonte, dass es für alle, die in die Schweiz einwandern,
von grosser Bedeutung sei, die Ortssprache zu erlernen. Er erwähnte
auch jene Menschen, die nicht sehr darin gefördert würden, eine
der Landessprachen zu erlernen. Matthey vertrat die Meinung, dass
auch Leute, die in internationalen Konzernen tätig sind und längere
Zeit in der Schweiz leben, sich um die Sprache des Gastlandes bemühen
sollten.
Den
Migrations-Organisationen schreibt Matthey zwei Funktionen zu.
Einerseits würden sie sich für die Pflege der heimatlichen
Sprache und Kultur einsetzen; andererseits sollten die Mitglieder
aber auch motiviert werden, Deutsch zu lernen, um Zugang zu allen
gesellschaftlichen Bereichen im Einwanderungsland zu erhalten.
"Die zugewanderten Menschen sind ein Teil unserer
Gesellschaft", sagte Francis Matthey. "Ich wünsche mir,
dass wir uns dieser Herausforderung stellen, auch wenn sie nicht
immer leicht ist."
"Populismus
gewährt langfristig keinen Erfolg"
"Ohne
gemeinsame Sprache ist keine Integration möglich", hielt der
Basler Regierungsrat Jörg Schild, Vorsteher des Polizei- und
Millitär-Departements, fest. Er räumte allerdings ein: "Im
deutschsprachigen Raum Deutsch zu sprechen, bedeutet nicht
unbedingt, sich gut zu verstehen. Schauen Sie sich nur die
politischen Debatten an. Man muss auch zuhören können, wenn
andere Meinungen geäussert werden."
Mit
Populismus liessen sich längerfristig keine Erfolge erzielen –
für dauerhafte Gebäude brauche es ein seriöses Fundament.
Schild führte die Basler Gesellschaft als Beispiel für
erfolgreiche Integration an: "Denken Sie an an das
Theater-Ensemble, an die Mannschaft des FC Basel oder an die
Gastro-Landschaft, die die Basler Integrations-Geschichte
spiegelt."
Er
wies aber auch auf Fehler hin, die bei der Einwanderungspolitik
gemacht worden seien. So seien die Mütter und Kinder, die im
Familiennachzug hierher kamen, zu spät, nämlich erst bei der
Einschulung der Kinder, erfasst worden. "Deshalb leben
Menschen bei uns, die ihre Kinder nur ungenügend auf ihrem Weg
durch die Schule und das Erziehungssystem begleiten konnten",
legte Schild dar.
"Einwanderer
rascher über Integrationsziele informieren"
Diesen
Mangel gelte es mit speziellen Angeboten aufzuarbeiten.
Gleichzeitig solle es keine neuen Defizite geben: "Die
fremdsprachigen Zuzüger sollen schon bei ihrer Anmeldung über
Kursangebote und die Ziele der Integrationspolitik informiert
werden."
Jörg
Schild versicherte, dass die Basler Integrations-Behörden
zusammen mit dem Partnerkanton Baselland und dem Bund weiter zügig
an der Umsetzung des Leitbildes arbeiten würden. Man sei auf
einem guten Weg, bis zum Ziel bleibe aber noch viel zu tun.
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