Die wichtigsten Ereignisse in

der Schweiz werden unter die

Lupe genommen.

snc recherchiert, damit Sie

mehr wissen.

snc-dossiers >>>

 

 

 

Swiss unter den Flügeln von

Lufthansa

Alle Entscheidungsträger erklärten sich einverstanden, dass sich die Swiss am 22. März 2005 unter die Flügel von Lufthansa begibt. Mit der stufenweise einsetzenden Übergangsphase soll die Swiss als eine auf eigenen Beinen stehender Gesellschaft in die Deutsche Lufthansa- Firma integriert werden. Beide Seiten legten mit ihren Erklärungen an die Medien dar, dass sie sich sicher sind, dass der Zusammenschluss für beide grosse Vorteile bringen wird.

snc deutsch/ ali yilmaz

snc dossier/ sevim civil

An der Medienkonferenz, die von beiden Gesellschaften gemeinsam getragen wurde, nahmen Hauptverantwortliche der Vereinbarung bezüglich Zusammenschluss der Flugfirmen teil. Dem zu Folge soll der Verkauf von Swiss phasenweise erfolgen. Lufthansa wird zuerst mit 11 %, später dann mit einem 49 % Anteil Partner der Swiss. Nach erfolgreichem Abschluss der Zwischenstufen, wird Lufthansa der alleinige Teilhaber der Aktien sein.

An der Unterzeichnungszeremonie wurde zum Ausdruck gebracht, dass das Zusammenschmelzen der Swiss mit der Lufthansa viele Vorteile mit sich bringen wird. Betont wurde, dass aus der Sicht der Schweiz wie auch von Deutschland die Zielzentren- und Netze sich vermehren werden, und somit ein Programm mit vielen Flügen zu erlangen ist, was auch aus der Sicht der Reisenden eine günstige Lage darstellen wird. Ausserdem ist Lufthansa der Meinung, dass sie durch die Integration der Swiss in ihr eigenes Unternehmen auch international sehr konkurrenzfähig sein wird. Die Lufthansa- Zuständigen haben es auch nicht ausgelassen, zu betonen, dass der Einstieg in einen Markt mit hohem wirtschaftlichem Potenzial sehr wichtig ist.

Dass Swiss auf den eigenen Beinen steht, ist ein wichtiges Thema. Das an der gemeinsam vorbereiteten Medienkonferenz bekannt gegebene Firmenmodell definiert die Swiss, deren Zentrum und Verwaltung weiterhin ihren Sitz in der Schweiz haben wird, als ein autonomes Unternehmen mit eigener Ausrüstung und Besatzung.

Was hat man in politischer Hinsicht dazu gelernt?

Dass die neue nationale Fluggesellschaft Swiss drei Jahre nach seiner Gründung von der Deutschen Fluggesellschaft Lufthansa übernommen wurde… ist dies aus der Sicht des Schweizer Flugverkehrs ein beängstigendes Ende oder ein positiver Wendepunkt? Auf diese Frage eine Antwort zu finden sieht momentan sehr schwierig aus. In diesem Punkt ist es vielleicht am besten, sich an die Wörter der Wirtschafts- und Politikwelt vom 22. Oktober 2001 zu erinnern… Ja, es sind inzwischen vier Jahre vergangen und das Resultat steht fest…

Der neue Eigentümer der Swiss ist nun die zweitgrösste private Fluggesellschaft Europas, Lufthansa… Die Erwartung, dass Lufthansa für den Schutz des Züricher Flughafens und dessen Arbeitsplätze eine Garantie gibt, sieht nicht sehr real aus. Diese strenge Haltung der Lufthansa wird von den Experten auch positiv bewertet, und man sagt:

"Swiss hat dem politischen Willen entsprechend, was eine finanzielle Quelle darstellt, im Namen des Schutzes seiner Arbeitsplätze eine Zeit lang Flüge ohne wirtschaftliche Gewinne durchgeführt, jedoch konnte sie keinen Erfolg erzielen."

Die Uneinigkeiten bezüglich des Flugfelds dauern an

Beim Verkauf des Schweizer National- Fluggesellschaft an die Deutsche Firma war der am meisten kritisierte Punkt die Veröffentlichung, dass Deutschland dem Zürcher Flughafen keinen besonderen Status zukommen lassen wird. Der Zürcher Flughafen wird durch die von der Deutschen Regierung einseitig angewandten Flugbegrenzungen in negativer Weise beeinträchtigt. Ausserdem haben die Dienste der Schweiz an Süddeutschland in Bezug auf die Flugsicherheit noch keine Gegenleistung erfahren.

Beide Staaten wollen sich noch ein Jahr Zeit lassen, um eine Lösung für die vorhandenen Probleme zu finden. Die Zuständigen geben zu wissen, dass das Thema Gegenleistung fürdie Dienste der Schweiz im Zusammenhang mit der Flugsicherheit, ungefähr 20 bis 40 Millionen Franken, schnell zu einer Lösung gelangen wird. Jedoch sieht die Situation bei der Ordnung der Flugzahlen nicht so einfach aus. Kann die Schweizer Regierung ihr nach den geltenden Schweizer Gesetzen gegebenes Vetorecht für interkontinentale Flüge auch auf internationaler Ebene durchsetzen lassen? Oder wird sie innerhalb eines Jahres eine neue zwischenstaatliche Vereinbarung mit Deutschland treffen? Die Zeit wird dies beleuchten.

Die Globalisierung kann auch die Schweiz treffen

Experten sind der Meinung, dass der Erfolg des Schweizer Staats nicht durch den Verkaufspreis der Swiss bestimmt wird, sondern im Zusammenhang mit der Anzahl der vom Züricher Flughafen ausgehenden Direktflüge auf andere Kontinente steht.

Dass der Verkaufsvertrag am 22. März von einem Holländer und zwei Deutschen unterzeichnet wurde, ist kennzeichnend für die Dynamiken einer globalisierten Fluggesellschaft, jedoch ist auch die Meinung vertreten, dass die Situation die schlechte Leistung des Schweizer Flugwesens verbildlicht.

Die Experten sind in diesem Punkt einig. Falls die mit der Globalisierung auftretenden raschen Veränderungen auf dem Weltmarkt nicht korrekt wahrgenommen werden, ist es gut möglich, dass die Gesellschaften der internationalen Konkurrenz nicht standhalten können. Wenn man die Situation aus dieser Perspektive betrachtet, erkennt man, dass die Schweiz bezüglich der Swiss die Prüfung nicht bestanden hat. Falls die Schweizer Wirtschaftspolitik denselben Weg einschlägt, ist es zu befürchten, dass nach dem Flugwesen auch die Post, die Telekommunikation und die Eisenbahn den Weltriesen zum Opfer fallen.

Die erste Reaktion der Schweizer Medien

Die Schweizer Medien sind sich einig in dem Punkt, dass ausser dem Zusammenschluss der Swiss mit der Lufthansa keine andere Alternative vorhanden ist. Jedoch gerieten die begangenen Fehler der Vergangenheit stark unter Kritik.

Dem Titel: "der Kranich hat sich in Zürich nieder gelassen" der Aargauer Zeitung, welche die Übernahme der Swiss durch Lufthansa beschreibt, wurde eine interessante Karikatur beigelegt. Der Deutsche Landwirt, der die Swiss symbolisierende Ente am Hals hält, fragt sich selber: "Soll ich füttern, oder schneiden?"

Die Berner Zeitung war auch unter den Zeitungen, die der Nachricht eine Karikatur bescherten. Ein riesiger Vogel trägt in seinem Schnabel einen kleinen Schweizer, der mit ausgestreckter Hand "Grüezi" sagt.

Die Lausanner Zeitung "24 Heures" hat mit der Aussage, "die Swiss ist nicht mehr Schweizer," die Thematik voll ins Herz getroffen.

"Tages Anzeiger" seinerseits hat den Verkauf der Swiss mit diesen Wörtern gedeutet:

"Wir dürfen uns nicht anschmieren. Die Schweizer Wirtschaftgeschichte erfährt einen bitteren Moment. Der Schweizer Zivilflug hat sein Ende gefunden."