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Dr.
Tarık Yılmaz erzählt:
Generationenkampf
innerhalb der Familie
Der
Fremde in uns
Das
Seminar mit dem Titel “Kulturkampf innerhalb der Familie, der
Fremde in uns” von Doktor Tarık Yılmaz, das er im
Verein Regenbogen in Basel abgehalten hatte, wurde mit grossem
Interesse verfolgt. Dies ist auch ein Zeichen dafür, dass
dieses Thema aus der Perspektive der Migranten und Migrantinnen
sehr wichtig ist.
snc:
özen aytaç - sevim civil
Bevor
wir zu dem Seminar von Dr. Tarık Yılmaz gegangen sind,
haben wir auch eine kleine Vorbereitung getroffen. Es fällt
einem zuerst die Pubertätsphase ein, wenn man “Kulturkampf
innerhalb der Familie” hört. Natürlich ist der Kulturkampf
nicht nur auf die Pubertätsphase begrent, es ist aber offen,
dass die Probleme vor allem in dieser Zeit durchlebt werden.
Mit
den ersten Schritten in das Jugendlichwerden beginnt für die
Eltern eine Zeit, in der sie es nicht so einfach haben. Diese
Zeit ist für die Jugendlichen naütlich nicht minder einfach.
Eigentlich teilen alle Eltern mit Kindern in der Pubertätsphase
das gleiche Leid. Dies ist ein natürliches Gesetz. Jugendliche
erleben überall auf der Welt in der Pubertätsphase gleiche
oder ähnliche Probleme.
Die
Gesetze der Pubertät haben nichts mit Zeit, Nationalität,
Kultur oder Bildungsstil zu tun. Die Aussage von Christine
Swientek "Pubertät ist die Zeit, in der die Eltern
schwierig werden" hat grosse Bedeutung. Es kann viel über
die Pubtertät gesagt werden, wir möchten uns aber zurück
ziehen und Sie mit dem Seminar von Dr. Tarik Yilmaz alleine
lassen.
Die
Art von Dr. Yılmaz, die das Beobachten und Verstehen zu
vereinacht
Dr.
Tarık Yılmaz hat es vorgezogen, dass mit Interesse
verfolgte Thema auf einen Bereich mit wirklich durchlebten
Problemen zu begrenzen. Er hat also den Kulturkampf innerhalb
der Familie mit der Migration an die Hand genommen. Er hat alltägliche
Probleme mit realistischen Beispielen verbunden. Diese Strategie
hat für die Zuhörer und Zuhörerinnen eine einfache
Mitverfolgung des Themas und die Möglichkeit der Suche von Lösungen
für die Probleme mit sich gebracht.
Dr.
Yılmaz hat gesagt, dass die grosse Beteiligung am Seminar,
notabene an einem Sonntag, zeigt, dass das Thema grosses
Interesse weckt, und dass die Menschen Lösungen suchen möchten.
Eine
ideale Familie findet man nur in Romanen oder Filmen
”Eine
ideale Familie, in der alles gut läuft, die Menschen keine
Probleme haben, alle sich sehr gut versehen, alles offen
besprochen werden kann, gibt es nur in Romanen oder Filmen. Es
kann in der Familie einige Schwierigkeiten und Probleme geben.
Diese können sogar positiv sein und die Familienmitglieder
positiv beeinflussen. Meinungsverschiedenheiten sind nicht immer
schlecht. Wir können etwas von dem Gegenüber lernen, wir können
ihn besser verstehen. Es ist unmöglich, sich eine Familie
vorzustellen, in der es keine Konflikte gibt, im wahren Leben
gibt es so etwas nicht.”Mit dieser allgemeinen Bewertung ist
Dr. Yılmaz das Thema angegangen. Er hat auf die möglichen
Konflikte innerhalb der Familie hingewiesen.
Im
Weiteren sagte Dr. Tarık Yılmaz:
”Wir
sind momentan in einer speziellen Situation, fern von familiären
Problemen, die sich aufgrund der Migration ergeben. Denkt euch
mal, die Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten
Generation wären in der Türkei nur die Unterschiede einer
Generation, hier sind mehrere dazwischen. Wieso gibt es mehr
Unterschiede? Weil die 2. Generation, würden wir in der Türkei
leben, uns einen Schritt voraus wäre und besser als wir leben würde.
Die 2. Generation lebt hier in der Schweiz in einer bestimmten
Gesellschaft, geht in Schweizer Schulen und lebt in einer ganz
anderen, speziellen Situation. Die Migranten und Migrantinnen,
die hier leben,sind in einer ganz besonderen Position. Es ist
schwierig, sie mit Familien aus der Türkei zu vergleichen.”
Dr.
Yılmaz hat mit Sorgfalt auf diese spezielle Situation
hingewiesen und die Situation, die die Migration mit sich bringt
so definiert:
Ein
Problem, das mit unseren begrenzten Wissen nicht gelöst werden
kann
”Jede
spezielle Situation benötigt spezielle Vorkehrungen, spezielle
Hingabe und spezielles Denken. Unser begrenztes Wissen ist nämlich
nur für ein normales Leben. Eine spezielle Situation müssen
wir mit spezieller Hingabe annehmen. Vielleicht können wird ein
Beispiel für die Verschiedenheit der Jugendlichen und der
Eltern nennen. Zwischen der ersten und der zweiten Generation
besteht ein durchschnittlicher Altersunterschied von 20 Jahren.
Die erste Generation hat mit dem heutigen Alter der Jugendlichen
in der Türkei gelebt. Die Jugendlichen leben in dem gleichen
Alter ihrer Eltern in der Schweiz. Dies bringt eine Reihe von
Problemen mit sich. Dies müsst ihr aus euren Köpfen streichen:
Vielleicht sind die Jugendlichen die einzige Generation, die
nicht so akzeptiert werden, wie sie sind.”
Die
Gründe dafür, dass die Jugendlichen nicht so akzeptiert
werden, wie sie sind
Dr.
Tarık Yılmaz hat die Gründe für die Nichtakzeptanz
der Jugendlichen so definiert:”Die zweite Generation wächst
weder mit der türkischen, noch mit der Schweizer Kultur auf,
sie lebt mit beiden Kulturen. Sie lebt in verschiedenen
Lebenssituationen mit verschiedenen Kulturen. Die zweite
Generation wird weder von uns, noch von den Schweizern als ein
Kulturgemisch akzeptiert. Die erste Generation, die hier lebt, möchte
die Jugendlichen so sehen, als wären sie in der Türkei
aufgewachsen, die Schweizer hingegen möchten sie als Schweizer
ansehen. Die erste Generation wird von den Schweizern als Ausländer
akzeptiert, die hier her als Migranten und Migrantinnen
zugezogen sind. Die zweite Generation ist eine Generation, die
zwischen beiden Welten steht und nicht akzeptiert wird.”
Diese
Generation erwartet von uns ein spezielles Interesse und Verständnis
"Die
Konflikte zwischen den Generationen haben ihren Ursprung in
einem Kultur-Wirrwar. Dies bedeutet, dass wir in der Sichtweise
der ersten Generation erwarten, dass sie unsere Werte und
Traditionen annehmen und sich danach halten. Die, die ich
fragte, als sie zu uns kamen und Informationen einholten,
sagten, dass ihre Kinder in der Schweiz leben werden. Sie
sagten, dass es für die Kinder sehr schwer wäre in die Türkei
zurückzukehren, sie wollen, dass die Kinder hier erfolgreich
sind, zur Schule gehen eine Ausbildung absolvieren oder die
Universität besuchen. Dies alles wollen wir, auf der anderen
Seite ist unser Wunsch aber, dass die 2. Generation unsere
Kultur und Tradition annimmt und danach lebt.”
Die
Rolle von der Nichtvereinbarung von Tradition und Sitten
Über
die Nichtvereinbarung von Tradition und Sitten erzählte Dr. Tarık
Yılmaz folgendes:”Bei einer Konfliktsituation, ein
Konflikt zwischen der Lebensweise der Jugendlichen und unseren
Erwartungen, beharrt die erste Generation immer mehr auf
Tradition und Werte. Sie will, dass die Gesetze, die zu Hause
bestehen, angenommen werden. Dies bringt natürlich mehr
Konflikte in anderen Bereichen mit sich.
Eine
Wurzel dieser Konflikte ist die Verschiedenheit der Erwartungen.
Unsere Erwartung ist, dass die zweite Generation unseren Werten
entspricht. Zweitens stehen wir immer vor Werten, Traditionen
und Sitten. Wir, die erste Generation, haben manche Punkte von
zu Hause aus sich zu eigen gemacht. Dies wird so akzeptiert und
es wird auch erwartet, dass die Kinder sich daran halten. Wenn
die Kinder sich nicht daran halten, gibt es zu Hause
Schwierigkeiten.”
Wie
können wir die Konflikte verhindern?
An
diesem Punkt hat Dr. Tarık Yılmaz die ZuhörerInnen
auf indirekte Weise zu einer Diskussionsrunde eingeladen und sie
so fortgesetzt:”Nehmen wir mal an, dass eines der Grundpunkte
die Werte sind. Wie weit muss man sich an Traditionen halten?
Wie können wir Konflikte verhindern?
Die
erste Generation sollte ein bisschen mehr nachgeben. Dies
erzeugt aber meisstens eine Zweispurigkeit. Der Vater hat
beispielsweise zu bedenken, dass er die Autorität und die
Kontrolle im Hause verlieren wird. Er sagt, dass das Kind Betäubungsmittel
nehmen wird und ein schlechtes Umfeld bekommt. Er sagt, dass das
Kind sich an die Regeln im Hause halten muss.
Die
Sackgasse, in der sich die Jugendlichen befinden
Dr.
Tarık Yılmaz sagte zu der Sachgasse, in der sich die
Jugendlichen befinden, folgendes:
”Auf
der anderen Seite ist die Perspektive der Jugendlichen. Von
Ihnen wird erwartet, dass sie erfolgreich sind, ihre Schule oder
die Ausbildung gut abschliessen. Wir erwarten, dass sie genauso
erfolgreich wie die Schweizer sind, wenn sie aber auf der
anderen Seite damit beginnen, sich wie sie zu benehmen, bauen
wir ungekannte und unverstandene Mauern von Traditionen und
Regeln auf. Denkt mal darüber nach, dass die zweite Generation
nur die Regeln von den Eltern sieht, ein vorher gibt es für sie
nicht. Die zweite Generation in der Türkei nimmt diese Werte
von den Freunden, der Schule und von der Bildung an, es gibt
nicht mehr Probleme. Diese Werte gibt es hier, ausserhalb der
Familie, nicht. Genau dann beginnt eine Verwirrung in den Köpfen
der Jugendlichen. Auf der einen Seite wird gefordert, dass sie
erfolgreich sind wie die Schweizer, auf der anderen Seite sollen
sie aber nicht so wie die Schweizer sein.”
Sind
Traditionen und Sitten gute oder schlechte Dinge?
Darauf
beziehend, dass das Unverständnis in diesen Situationen
Schwierigkeiten mit sich bringt, sagte Dr. Tarık Yılmaz:
”Woher
kommen die Dinge, die wir Werte und Traditionen nennen? Sind das
gute Dinge? Oder sind es schlechte Dinge? Immer wenn wir über
Tradition und Sitte sprechen, haben wir gute Dinge in unseren
Gedanken. Es ist aber gut, die Wurzeln anzuschauen. Wir erwarten
nämlich, dass die erste Generation flexibel ist und unbedingt
ein wenig nachgibt. Es ist aber sehr schwierig von der ersten
Generation zu erwarten, dass sie ein wenig von dem zurück
streitet, an das sie glaubt und als richtig akzeptiert hat. Wenn
aber nicht ein wenig aufgegeben wird, können die Konflikte
nicht fortgeführt und erarbeitet werden. Ganz im Gegenteil, die
Konflikte nehmen grössere Dimensionen an und äussern sich in
Gewalt."
Der
richtige Weg: Sind die Traditionen und Sitten nützlich oder
nicht nützlich...
Dr.
Tarik Yilmaz, der auf die Nützlichkeit und das Gegenteil von
Traditionen und Sitten hingewiesen hat, brachte zu diesem Thema
ein interessantes Beispiel: ”Zu seiner Zeit hat ein Philosph
namens Friedrich Nieztsche in Basel gelebt. Er sagte: In der
Geschichte gab es früher nützlich und nicht nützlich. Wenn
etwas getan wurde und es nützlich war, war es gut. Wenn es unnützlich
war, war es schlecht. Mit der Zeit hat man nützlich und unnützlich
vergessen. Alles ist als gut oder schlecht geblieben. Später
sind Werte, Traditionen und Sitten zum Vorschein getreten.”
Die
Infragestellung der Werte
Einer
der interessantesten Punkte des Seminares war die
Infragestellung der Werte. Dr. Tarık Yılmaz: ”Wenn
es um Werte geht, gibt es bei uns gut, richtig und falsch. Wir
sehen die Werte nicht als nützlich oder unnützlich an. Eine
Tradition kann nützlich sein, sie kann aber auch unnützlich
sein und Schaden anrichten.”
Ergebnis
Doktor
Tarık Yılmaz hat zuletzt auf die Wichtigkeit von
gegenseitigem Geben hingewiesen. Beide Seiten sollten flexibler
handeln und auch mal Fehler akzeptieren. Die Lösungswege können
nur mit Kommunikation offen gehalten werden, so Dr. Tarik Yilmaz.
Nach
dem Seminar, als wir in unserer Redaktion die Bewertung durchgeführt
haben, sind wir auf folgendes Ergebnis gestossen: Es war eine
Freude Dr. Tarık Yılmaz zuzuhören. Es ist so schön,
Wissenschaft mit einem gesunden Menschenverstand in
Verbundenheit zu sehen.
Notiz
der Redaktion
Zum
ersten Mal wird über das Seminar von Dr. Tarık Yılmaz,
“Kulturkampf innerhalb der Familie - Der Fremde in uns”, das
in Basel auf türkisch gehalten wurde, auf deutsch, spanisch und
portugiesisch geschrieben.
Das
Seminar wurde vorher von Bizim Radio, das in Basel und Umgebung
auf der Frequenz von Radio X sendet, und von der Zeitung Gazete,
das in der gesamten Nordwestschweiz verteilt wird, präsentiert.
Bizim Radio und die Zeitung Gazete berichteten damals in ihrer
Anfangsphase nur auf türkisch. Beide haben heute die
Grundsprachen türkisch-deutsch.
«snc»
ist in der glücklichen Situation, dass Journalisten aus
verschiedenen Bereichen in der redaktion mitarbeiten. Durch die
verschiedenen Archive und copyright´s auf deutsch, spanisch,
portugiesisch und türkisch ist «snc» zu einem reichen,
unvergleichlichen Archiv gekommen.
Die
Übersetzung des Seminars von Dr. Yılmaz in das Deutsche
hat zwei grosse Hauptgründe: Erstens ist das Thema noch heute
aktuell.Zweitens, das grosse und erfreuliche Interesse der
Universitäten an «snc», dass immer grösser wird. Viele
AkademikerInnen und StudentInnen haben sich bei dem Thema
Migration «snc» als Hauptinformationsquelle gewählt. Ein ähnliches
Interesse wurde bei den Schweizer Medien, Gewerkschaften und
Informationszentren beobachtet.
Wir
möchten an diesem Punkt die gute Nachricht darüber geben, dass
der snc die letzten Vorbereitungen zur Aktivierung des Links
"migration" trifft. Somit können alle Archive,
aktuelle Geschehnisse in kurzer Zeit von allen Interessenten
genutzt werden.
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