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Bis vor kurzem war Dr. Tarik Yilmaz ein wichtiger Akademiker der Psychatrischen Klinik des Kantonsspitals Basel. Er ist international anerkannt und hat viele akademische Arbeiten verfasst. Heute arbeitet er in der Türkei.

Es ist sehr wichtig, dass eine solche Person auch ausserhalb der akademischen Arbeit präsent ist. Tarık Yılmaz ist ein Mensch, der in vielen Bereichen Achtung verdient. Sein akademischer Erfolg ist bekannt. Für uns ist aber wichtiger, dass er nie die Gewohnheit verloren hat, mit einfachen Menschen zusammen zu sein, dass er sich nicht unnahbar gibt, dass er sehr bescheiden ist. 

(foto: snc - sevim civil)

Dr. Tarık Yılmaz erzählt:

Generationenkampf innerhalb der Familie

Der Fremde in uns

Das Seminar mit dem Titel “Kulturkampf innerhalb der Familie, der Fremde in uns” von Doktor Tarık Yılmaz, das er im Verein Regenbogen in Basel abgehalten hatte, wurde mit grossem Interesse verfolgt. Dies ist auch ein Zeichen dafür, dass dieses Thema aus der Perspektive der Migranten und Migrantinnen sehr wichtig ist.

snc: özen aytaç - sevim civil 

Bevor wir zu dem Seminar von Dr. Tarık Yılmaz gegangen sind, haben wir auch eine kleine Vorbereitung getroffen. Es fällt einem zuerst die Pubertätsphase ein, wenn man “Kulturkampf innerhalb der Familie” hört. Natürlich ist der Kulturkampf nicht nur auf die Pubertätsphase begrent, es ist aber offen, dass die Probleme vor allem in dieser Zeit durchlebt werden.

Mit den ersten Schritten in das Jugendlichwerden beginnt für die Eltern eine Zeit, in der sie es nicht so einfach haben. Diese Zeit ist für die Jugendlichen naütlich nicht minder einfach. Eigentlich teilen alle Eltern mit Kindern in der Pubertätsphase das gleiche Leid. Dies ist ein natürliches Gesetz. Jugendliche erleben überall auf der Welt in der Pubertätsphase gleiche oder ähnliche Probleme.

Die Gesetze der Pubertät haben nichts mit Zeit, Nationalität, Kultur oder Bildungsstil zu tun. Die Aussage von Christine Swientek "Pubertät ist die Zeit, in der die Eltern schwierig werden" hat grosse Bedeutung. Es kann viel über die Pubtertät gesagt werden, wir möchten uns aber zurück ziehen und Sie mit dem Seminar von Dr. Tarik Yilmaz alleine lassen. 

Die Art von Dr. Yılmaz, die das Beobachten und Verstehen zu vereinacht

Dr. Tarık Yılmaz hat es vorgezogen, dass mit Interesse verfolgte Thema auf einen Bereich mit wirklich durchlebten Problemen zu begrenzen. Er hat also den Kulturkampf innerhalb der Familie mit der Migration an die Hand genommen. Er hat alltägliche Probleme mit realistischen Beispielen verbunden. Diese Strategie hat für die Zuhörer und Zuhörerinnen eine einfache Mitverfolgung des Themas und die Möglichkeit der Suche von Lösungen für die Probleme mit sich gebracht.

Dr. Yılmaz hat gesagt, dass die grosse Beteiligung am Seminar, notabene an einem Sonntag, zeigt, dass das Thema grosses Interesse weckt, und dass die Menschen Lösungen suchen möchten.

Eine ideale Familie findet man nur in Romanen oder Filmen

”Eine ideale Familie, in der alles gut läuft, die Menschen keine Probleme haben, alle sich sehr gut versehen, alles offen besprochen werden kann, gibt es nur in Romanen oder Filmen. Es kann in der Familie einige Schwierigkeiten und Probleme geben. Diese können sogar positiv sein und die Familienmitglieder positiv beeinflussen. Meinungsverschiedenheiten sind nicht immer schlecht. Wir können etwas von dem Gegenüber lernen, wir können ihn besser verstehen. Es ist unmöglich, sich eine Familie vorzustellen, in der es keine Konflikte gibt, im wahren Leben gibt es so etwas nicht.”Mit dieser allgemeinen Bewertung ist Dr. Yılmaz das Thema angegangen. Er hat auf die möglichen Konflikte innerhalb der Familie hingewiesen.

Im Weiteren sagte Dr. Tarık Yılmaz:

”Wir sind momentan in einer speziellen Situation, fern von familiären Problemen, die sich aufgrund der Migration ergeben. Denkt euch mal, die Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten Generation wären in der Türkei nur die Unterschiede einer Generation, hier sind mehrere dazwischen. Wieso gibt es mehr Unterschiede? Weil die 2. Generation, würden wir in der Türkei leben, uns einen Schritt voraus wäre und besser als wir leben würde. Die 2. Generation lebt hier in der Schweiz in einer bestimmten Gesellschaft, geht in Schweizer Schulen und lebt in einer ganz anderen, speziellen Situation. Die Migranten und Migrantinnen, die hier leben,sind in einer ganz besonderen Position. Es ist schwierig, sie mit Familien aus der Türkei zu vergleichen.”

Dr. Yılmaz hat mit Sorgfalt auf diese spezielle Situation hingewiesen und die Situation, die die Migration mit sich bringt so definiert:

Ein Problem, das mit unseren begrenzten Wissen nicht gelöst werden kann

”Jede spezielle Situation benötigt spezielle Vorkehrungen, spezielle Hingabe und spezielles Denken. Unser begrenztes Wissen ist nämlich nur für ein normales Leben. Eine spezielle Situation müssen wir mit spezieller Hingabe annehmen. Vielleicht können wird ein Beispiel für die Verschiedenheit der Jugendlichen und der Eltern nennen. Zwischen der ersten und der zweiten Generation besteht ein durchschnittlicher Altersunterschied von 20 Jahren. Die erste Generation hat mit dem heutigen Alter der Jugendlichen in der Türkei gelebt. Die Jugendlichen leben in dem gleichen Alter ihrer Eltern in der Schweiz. Dies bringt eine Reihe von Problemen mit sich. Dies müsst ihr aus euren Köpfen streichen: Vielleicht sind die Jugendlichen die einzige Generation, die nicht so akzeptiert werden, wie sie sind.”

Die Gründe dafür, dass die Jugendlichen nicht so akzeptiert werden, wie sie sind

Dr. Tarık Yılmaz hat die Gründe für die Nichtakzeptanz der Jugendlichen so definiert:”Die zweite Generation wächst weder mit der türkischen, noch mit der Schweizer Kultur auf, sie lebt mit beiden Kulturen. Sie lebt in verschiedenen Lebenssituationen mit verschiedenen Kulturen. Die zweite Generation wird weder von uns, noch von den Schweizern als ein Kulturgemisch akzeptiert. Die erste Generation, die hier lebt, möchte die Jugendlichen so sehen, als wären sie in der Türkei aufgewachsen, die Schweizer hingegen möchten sie als Schweizer ansehen. Die erste Generation wird von den Schweizern als Ausländer akzeptiert, die hier her als Migranten und Migrantinnen zugezogen sind. Die zweite Generation ist eine Generation, die zwischen beiden Welten steht und nicht akzeptiert wird.”

Diese Generation erwartet von uns ein spezielles Interesse und Verständnis

"Die Konflikte zwischen den Generationen haben ihren Ursprung in einem Kultur-Wirrwar. Dies bedeutet, dass wir in der Sichtweise der ersten Generation erwarten, dass sie unsere Werte und Traditionen annehmen und sich danach halten. Die, die ich fragte, als sie zu uns kamen und Informationen einholten, sagten, dass ihre Kinder in der Schweiz leben werden. Sie sagten, dass es für die Kinder sehr schwer wäre in die Türkei zurückzukehren, sie wollen, dass die Kinder hier erfolgreich sind, zur Schule gehen eine Ausbildung absolvieren oder die Universität besuchen. Dies alles wollen wir, auf der anderen Seite ist unser Wunsch aber, dass die 2. Generation unsere Kultur und Tradition annimmt und danach lebt.”

Die Rolle von der Nichtvereinbarung von Tradition und Sitten

Über die Nichtvereinbarung von Tradition und Sitten erzählte Dr. Tarık Yılmaz folgendes:”Bei einer Konfliktsituation, ein Konflikt zwischen der Lebensweise der Jugendlichen und unseren Erwartungen, beharrt die erste Generation immer mehr auf Tradition und Werte. Sie will, dass die Gesetze, die zu Hause bestehen, angenommen werden. Dies bringt natürlich mehr Konflikte in anderen Bereichen mit sich.

Eine Wurzel dieser Konflikte ist die Verschiedenheit der Erwartungen. Unsere Erwartung ist, dass die zweite Generation unseren Werten entspricht. Zweitens stehen wir immer vor Werten, Traditionen und Sitten. Wir, die erste Generation, haben manche Punkte von zu Hause aus sich zu eigen gemacht. Dies wird so akzeptiert und es wird auch erwartet, dass die Kinder sich daran halten. Wenn die Kinder sich nicht daran halten, gibt es zu Hause Schwierigkeiten.”

Wie können wir die Konflikte verhindern?

An diesem Punkt hat Dr. Tarık Yılmaz die ZuhörerInnen auf indirekte Weise zu einer Diskussionsrunde eingeladen und sie so fortgesetzt:”Nehmen wir mal an, dass eines der Grundpunkte die Werte sind. Wie weit muss man sich an Traditionen halten? Wie können wir Konflikte verhindern?

Die erste Generation sollte ein bisschen mehr nachgeben. Dies erzeugt aber meisstens eine Zweispurigkeit. Der Vater hat beispielsweise zu bedenken, dass er die Autorität und die Kontrolle im Hause verlieren wird. Er sagt, dass das Kind Betäubungsmittel nehmen wird und ein schlechtes Umfeld bekommt. Er sagt, dass das Kind sich an die Regeln im Hause halten muss.

Die Sackgasse, in der sich die Jugendlichen befinden

Dr. Tarık Yılmaz sagte zu der Sachgasse, in der sich die Jugendlichen befinden, folgendes:

”Auf der anderen Seite ist die Perspektive der Jugendlichen. Von Ihnen wird erwartet, dass sie erfolgreich sind, ihre Schule oder die Ausbildung gut abschliessen. Wir erwarten, dass sie genauso erfolgreich wie die Schweizer sind, wenn sie aber auf der anderen Seite damit beginnen, sich wie sie zu benehmen, bauen wir ungekannte und unverstandene Mauern von Traditionen und Regeln auf. Denkt mal darüber nach, dass die zweite Generation nur die Regeln von den Eltern sieht, ein vorher gibt es für sie nicht. Die zweite Generation in der Türkei nimmt diese Werte von den Freunden, der Schule und von der Bildung an, es gibt nicht mehr Probleme. Diese Werte gibt es hier, ausserhalb der Familie, nicht. Genau dann beginnt eine Verwirrung in den Köpfen der Jugendlichen. Auf der einen Seite wird gefordert, dass sie erfolgreich sind wie die Schweizer, auf der anderen Seite sollen sie aber nicht so wie die Schweizer sein.”

Sind Traditionen und Sitten gute oder schlechte Dinge?

Darauf beziehend, dass das Unverständnis in diesen Situationen Schwierigkeiten mit sich bringt, sagte Dr. Tarık Yılmaz:

”Woher kommen die Dinge, die wir Werte und Traditionen nennen? Sind das gute Dinge? Oder sind es schlechte Dinge? Immer wenn wir über Tradition und Sitte sprechen, haben wir gute Dinge in unseren Gedanken. Es ist aber gut, die Wurzeln anzuschauen. Wir erwarten nämlich, dass die erste Generation flexibel ist und unbedingt ein wenig nachgibt. Es ist aber sehr schwierig von der ersten Generation zu erwarten, dass sie ein wenig von dem zurück streitet, an das sie glaubt und als richtig akzeptiert hat. Wenn aber nicht ein wenig aufgegeben wird, können die Konflikte nicht fortgeführt und erarbeitet werden. Ganz im Gegenteil, die Konflikte nehmen grössere Dimensionen an und äussern sich in Gewalt."

Der richtige Weg: Sind die Traditionen und Sitten nützlich oder nicht nützlich...

Dr. Tarik Yilmaz, der auf die Nützlichkeit und das Gegenteil von Traditionen und Sitten hingewiesen hat, brachte zu diesem Thema ein interessantes Beispiel: ”Zu seiner Zeit hat ein Philosph namens Friedrich Nieztsche in Basel gelebt. Er sagte: In der Geschichte gab es früher nützlich und nicht nützlich. Wenn etwas getan wurde und es nützlich war, war es gut. Wenn es unnützlich war, war es schlecht. Mit der Zeit hat man nützlich und unnützlich vergessen. Alles ist als gut oder schlecht geblieben. Später sind Werte, Traditionen und Sitten zum Vorschein getreten.”

Die Infragestellung der Werte

Einer der interessantesten Punkte des Seminares war die Infragestellung der Werte. Dr. Tarık Yılmaz: ”Wenn es um Werte geht, gibt es bei uns gut, richtig und falsch. Wir sehen die Werte nicht als nützlich oder unnützlich an. Eine Tradition kann nützlich sein, sie kann aber auch unnützlich sein und Schaden anrichten.”

Ergebnis

Doktor Tarık Yılmaz hat zuletzt auf die Wichtigkeit von gegenseitigem Geben hingewiesen. Beide Seiten sollten flexibler handeln und auch mal Fehler akzeptieren. Die Lösungswege können nur mit Kommunikation offen gehalten werden, so Dr. Tarik Yilmaz.

Nach dem Seminar, als wir in unserer Redaktion die Bewertung durchgeführt haben, sind wir auf folgendes Ergebnis gestossen: Es war eine Freude Dr. Tarık Yılmaz zuzuhören. Es ist so schön, Wissenschaft mit einem gesunden Menschenverstand in Verbundenheit zu sehen.

Notiz der Redaktion

Zum ersten Mal wird über das Seminar von Dr. Tarık Yılmaz, “Kulturkampf innerhalb der Familie - Der Fremde in uns”, das in Basel auf türkisch gehalten wurde, auf deutsch, spanisch und portugiesisch geschrieben. 

Das Seminar wurde vorher von Bizim Radio, das in Basel und Umgebung auf der Frequenz von Radio X sendet, und von der Zeitung Gazete, das in der gesamten Nordwestschweiz verteilt wird, präsentiert. Bizim Radio und die Zeitung Gazete berichteten damals in ihrer Anfangsphase nur auf türkisch. Beide haben heute die Grundsprachen türkisch-deutsch.

«snc» ist in der glücklichen Situation, dass Journalisten aus verschiedenen Bereichen in der redaktion mitarbeiten. Durch die verschiedenen Archive und copyright´s auf deutsch, spanisch, portugiesisch und türkisch ist «snc» zu einem reichen, unvergleichlichen Archiv gekommen. 

Die Übersetzung des Seminars von Dr. Yılmaz in das Deutsche hat zwei grosse Hauptgründe: Erstens ist das Thema noch heute aktuell.Zweitens, das grosse und erfreuliche Interesse der Universitäten an «snc», dass immer grösser wird. Viele AkademikerInnen und StudentInnen haben sich bei dem Thema Migration «snc» als Hauptinformationsquelle gewählt. Ein ähnliches Interesse wurde bei den Schweizer Medien, Gewerkschaften und Informationszentren beobachtet.

Wir möchten an diesem Punkt die gute Nachricht darüber geben, dass der snc die letzten Vorbereitungen zur Aktivierung des Links "migration" trifft. Somit können alle Archive, aktuelle Geschehnisse in kurzer Zeit von allen Interessenten genutzt werden.