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Die Strassentauben von Basel-

den uns wortwörtlich auf Schritt und Tritt begegnenden Mitbewohner unserer Stadt

Wenn wir unsere Innenstadt überqueren, kommen uns die Strassentauben als eine der auffälligsten Erscheinungen entgegen. Die Strassentaube hat sich optimal an die städtischen Lebensbedingungen angepasst, wobei sie zum Brüten vor allem Nischen oder dunkle Räume grösserer Gebäude aufsuchen. Hierfür ist das vor allem durch Gebäude geprägte Grossrelief der Basel Stadt sehr geeignet, sodass den Strassentauben äquivalente Strukturen ihrer ursprünglichen Lebensräume geboten werden. Die Strassentauben, bei denen es sich um verwilderte Haustauben handelt, stammen ursprünglich von der Felstaube Columbia livia des Mittelmeergebiets ab.

snc/ ali yilmaz

Strassentauben: Bereicherung oder Plage?

Vielen Menschen sind die Tauben sehr wichtig, sie ermöglichen das Beobachten von Tieren, die frei sind. Sie machen die Stadt lebendig und lassen grösseres Tierverständnis aufkommen. Es gibt jedoch auch eine Kehrseite. Während die Strassentaube für einige Menschen Kinderersatz oder Lebensinhalt darstellt, ist sie für andere eine Plage. Wieso eigentlich? Diese Frage lässt sich im Zusammenhang mit der Taubenfütterung und sich daraus entwickelnden grossen Taubenbeständen beantworten. Grosse Taubenpopulationen führen zu Problemen, auf die wir auf den folgenden Zeilen eingehen werden:

Viele Tierfreunde denken, dass das Füttern der Tiere eine Wohltat darstellt. Jedoch ist dies ein grosses Irrtum. Denn das Taubenfutter stellt eine einseitige Ernährung dar und führt bei den Tieren zu einem Mangel an Mineralstoffen und Vitaminen. Darüber hinaus führt die Fütterung zu einem übermässigen Anwachsen der Taubenpopulationen, was verschiedene Schwierigkeiten verursacht:

• Der Taubenkot ist ein idealer Nährboden für Schimmelpilze, dessen Aktivitäten sogar Gestein zerstören können

• Der hohe Taubenbestand lässt bei den Tauben selber Probleme bei der Suche nach Nistplätzen entstehen. Die Nistplatznot lässt auf die vorhandenen Brutplätze grossen Druck entstehen, dessen Folge Stress, Krankheiten und Parasitenplagen sind, die in erster Linie die Tauben selber treffen

• Aus den Nistplätzen können Parasiten auswandern und auch den Menschen befallen

• Der Taubenkot lässt Schäden und Verunreinigungen an den Gebäuden und Denkmälern entstehen

• Durch den Mangel an Mineralstoffen und Vitaminen aufgrund ungeeignete Nahrungszufuhr (Fütterung) fressen die Tauben, was sehr aartuntypisch ist, an den Knospen und Blättern von Grünalgen, was der Pflanze schadet.

• Kranke Tiere, die normalerweise in der natürlichen Wildnis den Feinden als erste zum Opfer fallen, können durch das Fehlen der Feinde in der Stadt unnatürlich lange überleben und können somit die Krankheiten auch auf andere Individuen übertragen.

Das Ziel muss heissen, die Tauben auf die natürliche Nahrungssuche zu überlassen, sodass die Populationen nicht explodieren und es sich eine angemessen grosse und gesunde Taubenpopulation in der Stadt entwickeln kann.

Basel liefert ein modellhaftes Beispiel

Da die Nahrungsgrundlage der wichtigste Faktor für die Grösse der Taubenbestände ist, und die unachtsame Fütterung der Strassentauben durch die Basler Bürger die Populationen immens anwachsen liessen, wurde 1976 in Basel in diesem Zusammenhang, um die Bestände in den Griff zu bekommen, ein Taubenfütterungsverbot erlassen, welches jedoch auf Druck der Bevölkerung noch im selben Jahr wieder aufgehoben wurde. 1988 wurde die Basler Taubenaktion unter der Leitung des Tierschutzes beider Basel in Kooperation mit der Universität und dem Sanitätsdepartement ins Leben gerufen, mit der Absicht, der Bevölkerung bewusst zu machen, dass das nicht kontrollierte Füttern von Tauben zu einer Bestandsexplosion führt, sodass der Stadt hygienische Schwierigkeiten wiederfahren und Probleme mit Krankheitsübertragung durch die Strassenvögel entstehen können. Gewollt war ein kleiner, aber dafür gesunder Taubenbestand. Es wurden Taubenschläge errichtet, die heute noch kontrolliert werden. Ein Taubenwart betreut den Schlag, reinigt ihn regelmässig, kontrolliert die Tiere und wechselt wenn nötig Eier aus. Gleichzeitig wurde die Bevölkerung mit dem Motto "Tierschutz heisst Tauben nicht füttern" aufgeklärt, dass das Füttern von Tauben den Tieren selber schadet. Die meisten Menschen verstanden die Aussage, sodass das unkontrollierte Füttern so stark eingeschränkt wurde, und die Population von Strassentauben innerhalb von wenigen Jahren erheblich sank. Heute leben in der Stadt Basel gesunde Tauben, was auch alle Tierfreunde erfreut. Dieses Modell zur Bekämpfung von Problemen im Zusammenhang mit Strassentauben war ein vorbildliches Beispiel, sodass es von vielen Städten im In- und Ausland übernommen und erfolgreich umgesetzt wurde.

Die Geschichte der städtischen Tauben

Die Felsentaube ist der Vorfahre der Feldtauben und aller anderen Haustaubenrassen. Die Felsentauben sind leider aufgrund von Vermischungsvorgängen mit Haustauben in ihrer ursprünglichen genetischen Identität stark bedroht. Man bezweifelt, ob nach einer seit Jahrtausenden andauernden Taubenzucht überhaupt noch reine Felsentaubenbestände existieren.

Feldtauben sind nur wenig domestizierte Nutztauben. Sie liegen in ihrer Lebensweise und ihrem Erscheinungsbild sehr nahe bei der ursprünglichen Form.

Seit der römischen Zeit bis ins letzte Jahrhundert hinein waren die Tauben ein wichtiger Bestandteil des landwirtschaftlichen Erwerbes, da sie sehr robust und anspruchslos waren und sich weitgehend eigenständig im Landwirtschaftsland zu ernähren wussten. Aus ihrem Kot lässt sich für die Menschen Dünger gewinnen, und ihr Fleisch wurde für die Versorgung verwendet.

Die meisten unserer Haustauben wurden ursprünglich aus solchen Feldtauben gezüchtet. Haustauben sind alle im Haus gehaltenen Tauben, die vom Züchter versorgt werden. Früher hielt man die Haustaube oft mitten in der Stadt in Dachbodenschlägen. Bei den Rassetauben gab man Wert auf das im Zuchtstandart festgelegte Aussehen, und bei den Brieftauben wurde nach der Heimkehrleistung selektiert.

Nun aber, nach der frühen Domestikation der Felsentaube, die wahrscheinlich in die Zeit der Entdeckung des Ackerbaus vor 10000 Jahren zurückzuführen ist, konnten sich die Haustauben und Feldtauben aus der menschlichen Obhut befreien und siedelten sich in Städten an. Erste Spuren von Straßentauben stammen aus dem Alten Mesopotanien. Keilschriftliche Dokumente berichten von einem Strassenkotvogel, gemeint sind sehr wahrscheinlich die Tauben.

Auch das Alte Rom berichtet von Strassentauben. Römischen Schriftsteller haben in ihren Schriften festgehalten, dass an den Dächern von Wohnhäusern Strassentauben brüteten.

Die griechische Kykladeninsel Tinos ist bekannt für ihre schönen Taubenhäuser, deren älteste schon im 18. Jahrhundert erbaut wurden. Die griechische Insel ist ein Beispiel dafür, wie sich aus extensiv gehaltenen Feldtauben Strassentaubenbestände bilden können. In Tino besass damals jede Familie als Statussymbol eine eigene Kapelle und ein Taubenhaus. Darin konnten durchschnittlich 100 Paare brüten. Da die natürlichen Nahrungsvorkommnisse dieser Tauben, hauptsächlich Samen und Wildkräuter, dermassen karg sind, können pro Jahr nur drei bis vier Bruten aufgezogen werden. In der freien Landschaft sind die Lebensbedingungen schwieriger, jedoch sieht die Situation in der Stadt anders aus. Mit der Zunahme des Tourismus in der Stadt Tinos in den letzten Jahren hat sich ein Strassentaubenbestand entwickelt, der sich vor allem von Abfällen ernährt. Die Stadttauben haben nun aus der Sicht der Nahrungsbeschaffung einfachere Bedingungen. Die Nahrung muss nicht mehr mühselig in der kargen Landschaft gefunden werden, sie liegt direkt auf den Strassen.

Die ersten freilebenden Tauben haben unsere Städte sehr wahrscheinlich aufgrund der felsenähnlichen Gegebenheiten aufgesucht, damit sie brüten konnten. Damit wir uns ein Bild über die Bedeutung der menschlichen Bauten für das Vorkommen von Tauben machen können, blicken wir in der Geschichte zurück bis nach Ägypten von 332 vor Chr. bis 640 nach Chr., dies war eine Blütezeit. Das Nildelta ist ganz flach, weist keine Felsen auf, und ist deswegen für die Taube ein ungeeigneter Platz zum Brüten, sodass hier natürlicherweise keine Felsentauben vorkommen. Nun aber möchte der Mensch die Tauben zu sich ziehen, und bietet ihnen in Form von Taubentürmen Brutmöglichkeiten an, sodass das Überleben für die Tauben möglich ist. Die Türme waren überfüllt von Feldtauben, die als Nistplatz keine andere Möglichkeit besaßen als die Bauwerke zu benutzen. Der Taubenkot wurde als wertvoller Felddünger eingesetzt, und die Nestlinge dienten als Nahrung. Der Taubenkot wurde darüber hinaus als Geschmacksmittel bei Früchten und Gemüse verwendet. Für die Tauben diente die Stadt zu erst als eine Ersatzfelsenküste, wobei die Landschaft als Nährboden benutzt wurde. Mit der Neuzeit aber entstanden in der Stadt Nahrungsgrundlagen, sodass die Landschaft zur Nahrungsbeschaffung unattraktiv wurde und an Bedeutung verlor.

In Basel gab es Ende des 19. Jahrhunderts Strassentauben. Sie ernährten sich von Abfällen an Marktplätzen und damals noch im offenen Birsigbett, in welchen Geflügel und Schweine gehalten wurden.

Am Anfang des 20. Jahrhunderst gingen jedoch die Taubenbestände in vielen europäischen Ländern zurück, auch in Basel. Als die Strassen noch nicht so konstruiert waren, wie wir sie jetzt kennen, trugen die Strassen einen Belag aus Holz, in dessen Risse und Löcher sich Nahrung für die Tauben ansammelte. Durch die fortschreitende Asphaltierung der Strassen gingen die Taubenbestände zurück, weil deren Reinigung keine Nahrungsreste mehr hinterliess. Auch der Ersatz der Zugpferde durch motorbetriebene Verkehrsmittel war ein entscheidender Faktor für das Schrumpfen der Strassentaubenpopulationen, da verschüttetes Getreide zur Ernährung diente.