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Visa
Skandal
Schengen-
Beitritt wird heiss
diskutiert
Nach
dem deutschen Visa- Skandal, der die Schwächen des Schengen-
Abkommens aufzeigt, ist der Schengen- Beitritt für die Schweiz
fragwürdig geworden, über den die Schweizer und Schweizerinnen
im Juni 2005 mit der Volksabstimmung entscheiden werden.
snc
deutsch/ ali yilmaz
snc
dossier/ sevim
civil
Für
den Ausbruch des deutschen Visa- Skandals ist das deutsche
Auswärtige Amt verantwortlich, da es die Visa- Abteilungen
seiner Botschaften und Konsulate aufgefordert hatte, die
Einreiseanträge in Zweifelsfällen grosszügig zu behandeln,
dies mit der Begründung, die Ausländerpolitik liberaler und
offener zu gestalten. Als Folge davon stieg die Zahl der
ausgestellten Touristenvisen auf drastische Höhen an, wobei
festgestellt werden konnte, dass in diesem Zusammenhang
Missbräuche begangen wurden. Nach offiziellen Angaben befinden
sich um die 5 Millionen Personen im offenen Schengen- Raum, die
als Touristen gekommen, jedoch nicht mehr abgereist sind.
Geschätzt werden eine Million Ukrainer und andere Osteuropäer,
die seit dem Jahr 2000 in den Schengen- Raum einreisen konnten.
Während der deutsche Visa- Skandal auf einer falschen
politischen Führung basiert, gibt es auch andere Vorfälle, die
die Schwächen des Schengener Abkommens auszeigen. Auch in der
portugiesischen Botschaft in Angola war ein auffallender
Aufstieg der Zahl vergebener Visa zu beobachten. Die
Schleusekriminalität ist hier am Aufblühen. Für wenige
amerikanische Dollar war/ist es den Angolanern (afrikanischer
Staat)möglich, ein Schengen- Touristenvisum zu erwerben. In
Asien sind ähnliche Geschehnisse zu beobachten.
Missbräuchliche
Visaaustellungen auch an Schweizer Botschaften
Nach
Deutschland hat nun auch die Schweiz ihren Visa- Skandal. Im
Vergleich zum grossen Nachbarn, wo der Skandal sich auf die
politische Ebene beschränkt, handelt es sich bei der Schweizer
Affäre um das Fehlverhalten einzelner Diplomaten oder
hochrangiger Beamter. Das EDA, das weltweit jährlich über eine
Million Visa ausstellt, erhielt Anfang Dezember 2004 Hinweise auf
missbräuchliche Visaaustellungen an der Schweizer Botschaft in
Peru. Einem Mitarbeiter der Schweizer Botschaft in Peru wurde eine
Bestechung zwecks missbräuchlicher Visaaustellung angeboten. Aus
diesem Grund ergab sich der Verdacht, dass schon seit einiger Zeit
Einreisevisa in missbräuchlicher Form ausgestellt wurden. Das EDA
hat rasch reagiert und die Angelegenheit wurde der Schweizer
Bundesanwaltschaft anvertraut. Die gerichtspolizeilichen
Ermittlungsverfahren sind momentan am Laufen. Am 7. März 2005
wurde ein Mitarbeiter des EDA aufgrund Bestechungsvorwürfe in
Untersuchungshaft genommen. Bis die gerichtspolizeilichen
Ermittlungen, die im Moment am Laufen sind, abgeschlossen sind,
wird die Identität der in Gewahrsam stehenden Person der
Öffentlichkeit vorenthalten.
Neben
der Peru- Affäre sollen in mindestens drei anderen Schweizer
Botschaften Hunderte weitere Einreisevisa für die Schweiz gegen
Bargeld verkauft worden sein.
SVP-
Die Schengen Gegner
Die
SVP, die schon von Anfang an gegen das Schengener- Abkommen
eingestellt war, das die Grenzen zwischen der EU und der Schweiz
enger werden lässt und die eigenständige Schweizer Visa- Politik
an Brüssel abtreten lässt, forderte vergangene Woche eine
Debatte im Nationalrat über die Auswirkungen des deutschen
Visa-Skandals auf die Schweiz. Weil das Büro des Nationalrats die
SVP- Anfrage nicht für dringlich erklärt habe, ist in den SVP-
Reihen die Meinung verbreitet, dass man im Parlament nicht über
Schengen gesprochen haben möchte. Nach der Partei versucht der
Bundesrat die Angelegenheit zu vertuschen, damit das Schengen-
Abkommen nicht gefährdet wird. "Wenn das heute bestehende
System der Visaaustellung solche Fehler aufweist, dann darf man
nicht zusätzlich öffnen", äussert sich die SVP.
"Falls die eigenständige Visa- Politik, die schon jetzt
Fehler aufweist, an Brüssel abgegeben wird, so können alle, die
in irgendeiner Art und Weise zu einem Einreisevisum gekommen sind,
sich frei innerhalb des Schengen- Raumes aufhalten und sich darin
unbehindert bewegen."
Blocher
steht hinter dem Bundesrat
Als
er noch ein National- Rat war, hatte er den Schengen- beitritt
bekämpft, heute aber, als Justizminister, steht er hinter dem
Bundesrat. Der Bundesrat hat es nicht als notwendig empfunden,
konkret Massnahmen zu ergreifen", so Blocher. Er lenkte die
Aufmerksamkeit darauf, dass die Angelegenheit der EU- Kommission
überlassen wird. Er erwähnt, dass bei einer Teilnahme an
Schengen missbräuchliche Praktiken wie das Visa- Vergehen mit
Hilfe der Visa-Datenbank VIS schneller entdeckt werden. Er sagte
ausserdem, dass im Grenzraum mobile Grenzbeamte Kontrollen
durchführen und Personen im Besitz von missbräuchlichen Visa
ausweisen, falls die Beweise dies zulassen.
Die
Schengen Befürworter befürchten bei der Visa- Affäre keinen
direkten Einfluss auf die Schengen- Abstimmung im Juni. Für den
FDP- Präsident Fulvio Pelli, illustrierten die Vorfälle nicht
die Anwendung des Schengenrechts, sondern dessen Fehlanwendung.
Franco
Frattini verspricht, dass sich die Visa- Affäre nicht wiederholt
Franco
Frattini, der in der EU- Kommission sitzt, verspricht der Schweiz,
falls sie dem Abkommen beitritt, den Schengen- Vertrag
mitgestalten zu können. Er weist darauf hin, dass im Zuge der
Zusammenarbeit der EU mit der Schweiz die Aussengrenzen besser
geschützt würden, und die Kontrollen wirksamer ausfallen. Er
spricht vom verstärkten Austausch von Informationen, von dem auch
die Schweiz profitieren kann. Falls jedoch ein Notfall eintritt,
und die Grenzen der Schweiz bedroht sind, so könne die Schweiz,
falls sie Mitglied wird bei Schengen, jederzeit sich vom Vertrag
suspendieren und Grenzkontrollen für eine befristete Zeit wieder
einführen. Was die Visa- Affäre angeht, verspricht er, dass
solche missbräuchliche Aktivitäten in der Zukunft stärker
bekämpft werden, sodass sich eine Sicherheit einstellt. Bis Ende
Jahr soll die EU- Kommission ein neues Verfahren mit klaren
Instruktionen an die beratenden Vertretungen der Mitgliederstaaten
vorbereiten, sodass die Regeln präziser ausfallen. Er betont,
dass das Problem beim deutschen Konsultat in Kiew daran lag, dass
Visa- Antragsteller auch ohne eindeutige Beweise für ihre
Reisemotivation im Zweifel ein Visum erhalten haben. Nun kann ein
Tourist nur für eindeutig touristische Reisen ein Visum erwerben.
Frattini sagt, dass das zukünftige Schengen- System technologisch
verbessert sein wird, das heisst, dass auch biometrische Daten wie
digitales Foto und Fingerabdruck erfasst werden. Da die
Vorbereitungen für ein ausgereiftes System noch im Gang sind,
muss die Schweiz, falls sie dem Schengen- Abkommen zustimmt, nach
dem Beitritt bis ins Jahr 2007 warten müssen, bis das neue System
tauglich ist. Er erwähnt auch, dass die Mitglieder gemeinsam an
der Weiterentwicklung des Systems mitarbeiten, an Diskussionen
teilnehmen und abstimmen können, falls sie von einer Sache direkt
oder indirekt betroffen sind.
Abkommen
zu Schengen und Dublin >>>
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