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Die
Schweizer Wählerschaft wurde durch die "islamistischen
Bedrohung" verängstigt
Die
Ausländerfeindlichkeit hat
gewonnen, die jungen MigranntInnen
haben verloren
Die
Ergebnisse der Volksabstimmungen, die die MigrantInnen direkt
angehen, sind am 26. September zum Vorschein getreten. Das
Gesetz, das die Einbürgerung für die Jugendlichen im
ausländischen Status vereinfachen sollte, ist von der Mehrheit
der Wählerschaft nicht angenommen worden. Die
Mutterschaftsversicherung hingegen hat die Unterstützung der
WählerInnen erhalten und ist gesichert.
snc
deutsch: özen aytaç
dossier:
sevim civil
-zafer sayar
Man
wusste, dass die Ergebnisse der Volksabstimmung vom Sonntag, 26.
September, wie nur wenige, die MigrantInnen direkt betraf. Als
es darum ging zu entscheiden, ob die ausländisch verwurzelten
Kinder und Jugendlichen auf vereinfachtem Wege in die Schweizer
Bürgerschaft eintreten können, wusste man schon, dass eine
ausserordentliche Situation bestand. Die
Mutterschaftsversicherung, die auch von der Meinung der
Wählerschaft abhing, betraf die ausländischen und Schweizer
Frauen in gleicher Weise - auch ein Grund, warum die MigrantInnen ihr
Augenmerkmal direkt auf die Volksabstimmung gerichtet hatten.
Die
MigrantInnen waren nicht nur neugierig und interessiert; was ganz
sicher ist, sie hatten auch Hoffnung. Die vereinfachte
Einbürgerung nämlich und das Mutterschaftsversicherungsgesetz
waren im Parlament von einer grossen Mehrheit angenommen worden. Der
Nationalrat hat das Gesetz zur Vereinfachung der Einbürgerung der
2. Generation mit 140 gegen 41 Stimmen angenommen, im Ständerat
hingegen stimmte niemand gegen die neue Gesetzesvorlage. Auch die
automatische Einbürgerung der 3. Generation wurde mit ähnlichen
Ergebnissen im Parlament angenommen. Im Nationalrat ist das neue
Gesetz 149 gegen 40, im Ständerat einstimmig, mit 38 Stimmen,
angenommen worden. Auch die Mutterschaftsversicherung hat im
Parlament grosse Unterstützung erfahren.
14.00
Uhr: Die Ablehnung des Einbürgerungsgesetzes ist sicher
Zur
Mittagszeit des Sonntags am 26. September ist die Hoffnung der
MigrantInnen so langsam vernichtet. Die ersten Ergebnisse der
Volkswahl trugen Zeichen, die ein Nichtannehmen signalisierten. Um
14.00 Uhr war die Ablehnung des vereinfachten
Einbürgerungsgesetzes sicher. Obwohl die Stimmen noch ausgezählt
wurden, war es nun ganz sicher, die meisten BürgerInnen der
Kantone hatten mit Nein gestimmt. Alle die wussten, dass neben der
Mehrheit der Wählerschaft auch die Mehrheit der Kantone ihre
Zustimmung geben mussten, wussten, dass das Ergebnis von nun an
nicht mehr zu ändern war. Dem neuen Einbürgerungsgesetz haben
nur die französischen Kantone und Basel-Stadt zugestimmt, die
restlichen 14 deutschsprachigen Kantone und der Tessin stimmten
gegen den Gesetzesentwurf. In keinem Kanton änderten die Stimmen,
die noch weiter gezählt wurden, das Ergebnis. Bei der
Mutterschaftsversicherung bestand eine andere Besorgnis. Man
bemerkte, dass die Wählerschaft das Mutterschaftsgesetz
befürwortete.
16.00
Uhr: Nein der Wählerschaft zum Einbürgerungsgesetz
Nachdem
es ganz sicher war, dass der Kantone Mehrheit gegen die
vereinfachte Einbürgerung gestimmt hatte, schloss sich gegen
16.00 Uhr auch die Wählerschaft dieser Entscheidung an: Nein!
Inoffizielle Zahlen besagen, dass die vereinfachte Einbürgerung
der 2. Generation mit 58 % und die direkte Einbürgerung der 3.
Generation mit 52 % abgelehnt worden sind. Die Perspektive der
MigrantInnen wurde nach der Entscheidung der Kantone durch die
Wählerschaft nur noch mehr verdunkelt. Der Grund dafür war, dass
trotz Ablehnung der Kantone, weitere Schritte hätten eingeleitet
werden können. Die Grundlage würde bestehen. Mit der
Unterstützung des Volkes hätte das neue Einbürgerungsgesetz in
kürzester Zeit noch einmal auf der Tagesordnung stehen können.
Durch das Nein der Wählerschaft aber, sind viele Tore der Lösung
verschlossen worden.
Das
Volk wurde mit Slogans wie "der Islam kommt"
verängstigt
Die
Ablehnung, trotz offener und klarer Unterstützung der Schweizer
Regierung im Parlament, zeigt, dass die Lösung des
Migrationsproblems in der Schweiz noch viele Jahre bedarf. Eine
andere Realität, die die Ergebnisse in sich tragen, ist, dass die
grosse, ausländerfeindliche Propaganda der Schweizer Volkspartei
(SVP) Früchte getragen hat und das Volk beeinflusst werden
konnte. Die SVP hat mit Inseraten in der Zeitung, in Propagandabroschüren und
auf Plakaten die Ausländerfeindlichkeit zur
rassistischen Ebene befördert und die Bedeutung der "grossen
Gefahr des Islams" als Material Nr. 1 genutzt. Für die
politischen Beobachter ist der Realisierungsweg wichtiger als die
Ergebnisse der Volksabstimmung und die Möglichkeit Niederlage der
jugendlichen MigrantInnen. Das Schweizer Volk wurde mit einer
ausländerfeindlichen Propaganda bombardiert. Dies hat im Volk
eine nicht leicht zu verbindende Wunde geöffnet.
18.00
Uhr: Schweiz hat nun eine "Mutterschaftsversicherung"
Zur Mittagszeit stand bereits fest, dass 55 % der Wählerschaft
das Gesetz der Mutterschaftsversicherung befürworteten, man
wusste nur noch nicht, wie die kantonale Mehrheit aussehen würde.
Die deutsch und italienisch sprechenden Kantone liessen diesmal
die französisch sprechenden Kantone nicht im Stich. Der Tessin,
Zürich, Bern, Basel-Stadt und Basel-Land schlossen sich der
Unterstützung der französischen Kantone an und bildeten die
Mehrheit. Das Schweizer Fernsehen teilte das Ergebnis wie folgt
mit: "Wie bei dem Grundgesetzreferendum 1999 schlossen sich
auch diesmal die grossen deutschsprachigen Kantone den
französisch und italienisch sprechenden der Romandie an und die
Mutterschaftsversicherung konnte das Hindernis überwinden."
Nein
zur Post-Initiative
Die
Initiative "Schliessung der Post" wurde auch zur
Entscheidung an die Wählerschaft gebracht, obwohl sie im Schatten
der Einbürgerungs- und der Mutterschaftsversicherungs-Inititative
stand. Das Volk wurde dazu geladen, gegen die Schliessung der
Postfilialen in kleinen Ortschaften zu stimmen. Das Ergebnis
konnte erst zu später Abendstunde erkennbar werden. Die
Ablehnung, mit einem ganz kleinen Unterschied, kam mit 50,23 %
zustande.
Hohe
Wahlbeteiligung
Die
nicht erwartete hohe Wahlbeteiligung wurde damit erklärt, dass
die Schweizer Wählerschaft zu den wichtigen Themen
"Einbürgerung" und "Mutterschaftsgesetz"
nicht einfach Andere entscheiden lassen wollte. Die Teilnahme an
Volkswahlen ist in der Schweiz durchschnittlich 40 %. Am 26.
September haben 53 % der Wählerschaft, so die Zahlen am Abend,
teilgenommen.
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