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Interview
mit Andreas Hatt
Seit
den Selbstmord-Attacken vom 11. September 2001 in den USA ist
unter den vielen darauffolgenden Veränderungen auch die Frage
nach der Sicherheit auf Flughäfen
in den Mittelpunkt der Diskussionen gerückt. Die Frage, wie eine
bessere Sicherheit in den Flughäfen gewähr leistet werden kann,
beschäftigt die Verantwortlichen heute mehr denn je. Verschärft
wird die Lage zur Zeit auch wegen der Irak-Krise.
Im
Folgenden ein Gespräch mit Andreas Hatt, dem Pressesprecher des
internationalen EuroAirport Basel-Mulhouse.
snc
interview:
özcan gümüs
foto:
mehmet gürz
snc:
Werden die
Sicherheitschecks von den Französischen Behörden durchgeführt?
Andreas
Hatt: Ja, denn politisch gesehen sind Sie, wenn Sie bei der
Zentralwäscherei über den Kreisel auf die Zollstrasse zum
Flughafen fahren, in Frankreich. Das heisst, sollten Sie auf der
Zollstrasse einen Unfall haben, ist die französische Polizei zuständig,
obwohl Sie im Schweizer Sektor sind.
Wie
sprechen sie sich mit der den französischen Behörden bezüglich
der Sicherheit am Flughafen ab? Ist der Flughafen in Schweizer und
Französische Sektoren aufgeteilt?
Was
die Sicherheit anbetrifft, sind die französischen Behörden zuständig.
Die Schweizer Zoll- und Polizei-Behörden sind zuständig für
Ein- und Ausreise von Menschen und Gütern in die und aus der
Schweiz. Wenn Sie also ankommen und in die Schweiz einreisen,
werden Sie von den Schweizer Behörden kontrolliert. Auch bei der
Ausreise aus dem Schweizer Sektor sitzt ein Basler Polizist am
Schalter. Bei der Ein- und Ausreise nach und von Frankreich werden
Sie von der französischen Polizei und vom französischen Zoll
kontrolliert. Selbstverständlich findet auch eine Zusammenarbeit
zwischen den Schweizer und den französischen Behörden statt. Und
wenn Sie zum Beispiel nach England fliegen, werden die Pässe der
Passagiere am Gate beim Einsteigen ins Flugzeug nochmals
kontrolliert. Die Verantwortung für die Sicherheit liegt aber, da
der Flughafen auf französischem Boden liegt, vollständig bei den
französischen Behörden. Der Schweizer Sektor ist ein
zolltechnischer Sektor.
Ist
die Kontrolle nach dem 11. September 2001 noch intensiviert
worden?
Eine
genaue Kontrolle gab es schon immer. Nach dem 11. September
letzten Jahres wurden die Sicherheitskontrollen aber verschärft.
So dürfen Sie beispielsweise keine Taschenmesser mehr an Bord
mitnehmen, was früher kein Thema war. Fast alle Schweizer tragen
ja bekanntlich ein Taschenmesser auf sich. Generell wurde auch der
Zugang zum Pistenbereich, wir nennen das am Flughafen
„Reservierte Zone“, zusätzlich eingeschränkt und die
Kontrollen verschärft. Ohne Begleitung durch eine autorisierte
Person und ohne Besucher-Ausweis hatte man nie Zugang zum Bereich
hinter den Zutrittskontrollen. Auch das Flughafenpersonal
unterliegt strengeren Sicherheitskontrollen. Bei über 6000
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Flughafen müssen naturgemäss
gewisse Vorsichtsvorkehrungen eingehalten werden.
Wie
reagieren die Fluggäste auf die neuen Sicherheitsmassnahmen?
Da
gehen die Meinungen der Leute logischerweise auseinander. Wir
haben, als das letzten Herbst anfing, wiederholt darüber
kommuniziert, haben auch darauf aufmerksam gemacht, dass man früher
an den Flughafen kommen sollte, weil die Sicherheitskontrolle bei
der Ausreise mehr Zeit beansprucht. In den Stosszeiten braucht es
natürlich mehr Zeit, wenn Nagelscheren, Taschenmesser und weitere
nicht zugelassene Gegenstände im Handgepäck mitgeführt und
nicht im aufgegebenen Gepäck verstaut werden. Die Vorschriften
sind auch überall angeschrieben. Auf den Bildschirmen wird
ebenfalls darauf hingewiesen. Wenn also trotz allem bei jemandem
ein Taschenmesser oder ein Manicureset im Handgepäck auftaucht,
dann liegt das in der Eigenverantwortung des Passagiers, wenn der
betreffende Artikel von den Sicherheitsbehörden konfisziert wird.
Erhält
man die konfiszierten Artikel zurück?
Nein,
das ist bei der grossen Anzahl Passagiere leider nicht möglich.
Wir haben gewisse Anstrengungen unternommen und beispielsweise
geprüft, ob wir die konfiszierten Gegenstände über karitative
Organisationen einer nützlichen Verwendung zuführen könnten,
allerdings ohne Erfolg. Leider müssen wir, obwohl das ziemlich
hart klingen mag, die konfiszierten Gegenstände vernichten
lassen. Bei rund zehntausend Passagieren und hunderten von
konfiszierten Gegenständen pro Tag ist das einfach nicht anders möglich.
Kommt
eine biometrische Gesichtsfelderkennung für den Flughafen Basel
Mulhouse auch in Frage?
Das
wurde meines Wissens bei uns noch nicht diskutiert. Gemäss
Medienberichten ist das am Flughafen Zürich ein Thema, wo ein
entsprechendes Projekt der Behörden in Vorbereitung ist oder
schon läuft. Offiziell habe ich darüber noch nichts mitbekommen.
Es gibt andere solche Projekte, wie die Registrierung und Prüfung
von Fingerabdrücken, was gemäss Informationen in den Medien bei
den Zollübergängen in die Schweiz eingeführt werden soll. Das
ist etwas, was von den zuständigen Behörden auch bei uns eingeführt
werden könnte. Bezüglich Iriserkennung vom Auge ist bei uns
nichts vorgesehen.
Seit
Anfang des Jahres 2002 wird das Gepäck der ausreisenden Fluggäste
vollständig durch Röntgenapparate kontrolliert. Dies ist eine
generell gültige Auflage des internationalen Verbandes der
Fluggesellschaften, die wir beim Ausbau umsetzten konnten.
Zielsetzung für die Zukunft ist, dass nichts mehr in ein Flugzeug
eingeladen wird, was nicht kontrolliert wurde. Wenn am Bildschirm
ein nicht identifizierbares Objekt bemerkt wird, dann erfolgt eine
zweite Kontrolle. Sollte dann immer noch eine Unklarheit bestehen,
muss das Gepäck in Anwesenheit der Passagiere identifiziert
werden.
Im
Sinne einer grösstmöglichen Sicherheit werden unsere Fluggäste
ein bis zwei Mal in der Stunde in drei Sprachen aufgefordert, ihr
Gepäck nicht unbeobachtet stehen zu lassen und auch kein Gepäck
von fremden Menschen anzunehmen.
Was
passiert mit Gepäckstücken, die aufgefunden werden?
Die
französische Polizei sperrt den Bereich um den Koffer ab und
sprengt ihn mit Hilfe eines Roboters. Bis heute wurde allerdings
keine Koffer mit gefährlichem Inhalt gefunden. Da auch hier die
Sicherheit vor geht, muss man bei jedem gefundenen Koffer
annehmen, dass ein Attentat geplant sein könnte.
Hat
der 11. September eine Verstärkung der Sicherheitsmassnahmen mit
sich gebracht? Sind die bestehenden Massnahmen erweitert worden?
Neue
Massnahmen wurden nicht ergriffen, die bestehenden waren ja schon
gut, wurden aber verschärft. Eine systematische Kontrolle hat
schon immer existiert. Es sind aber mehr Sicherheitsbeamte als früher
im Einsatz.
Bedeutet
das, dass auch die Mitarbeiter vermehrt kontrolliert werden?
Auf
anderen Flughäfen werden die Mitarbeiter bereits kontrolliert,
bei uns wird diese Massnahme eingeführt. Es liegt im Interesse
aller Beteiligten, dass Mitarbeiter und Fluggäste kontrolliert
werden. |