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Interview
mit Thomas Kessler
Basel
ist wieder Vorreiter:
In
Kürze das Integrationsgesetz
Nach
der Veröffentlichung des Basler Integrationsleitbilds und des
Handlungskonzeptes sind fast vier Jahre verstrichen. Was für
Neuerungen hat es wohl in der Integrationspolitik in dieser Zeit
gegeben? Genau um Antworten für diese Frage zu erhalten treffen
wir uns auf ein neues mit dem Basler Integrationsdelegierten
Thomas Kessler.
Zu
den bisherigen Terminen mit Herrn Kessler haben wir uns in
seinem Büro im Polizei- und Militärdepartement getroffen.
Diesmal aber treffen wir uns im Nadelberg in Basel. Ich finde
den Gedanken gut, dass der Kanton ausserhalb des Departementgebäudes die Integrationsarbeiten
weiterführt und gehe hinein. In
diesem einfachen, aber warmen Büro fange ich an, Herrn Thomas Kessler meine
Fragen zu stellen.
snc
interview
und foto: sevim civil
snc:
Das Basler Integrationsleitbild und das Handlungskonzept wurden am
10. September 1999 durch eine Pressekonferenz der breiten Öffentlichkeit
vorgestellt. Seitdem sind mehr als vier Jahre vergangen und nun
sind wir im fünften Jahr. Konnten Sie bisher den eigentlichen
Plan einhalten?
Thomas
Kessler: Den Fortschritt überprüfen wir sehr genau und wir
halten den Plan ein. Die Ziele, die formuliert wurden und das
Handlungskonzept, das dazu gehört, setzen wir systematisch um.
Was man jetzt schon sagen kann, ist, dass wir sehr gut im Plan
sind. Die Integrationspolitik ist etabliert, die Projekte wurden
lanciert und die Kooperation mit Baselland und Bund wurde
institutionalisiert. Nach der Evaluation findet, noch in diesem
Jahr, das Kontrolling und die Steuerung der Projekte statt.
Wie
sieht die Fortsetzung des Integrationsleitbildes aus?
Die
wichtigsten Punkte wurden erreicht und die sämtlichen Themen des
Integrationsleitbildes wie die Bereiche Sprachförderung,
Stadtteilentwicklung, Information, Mediation usw. wurden realisiert. Dies führt dazu, dass wir dieses Jahr ein
kantonales Integrationsgesetz zur Diskussion stellen werden. So
wird die Fortsetzung des Leitbildes auf hoher politischer Ebene
stattfinden.
Das
Leitbild war für die fünf Jahre eine ausgezeichnete Grundlage.
Die Definition des Begriffs Integration im Leitbild bewährt sich
heute noch und bildet in jedem Projekt eine gute Grundlage, um
Erfolg zu messen. D.h. gewinnt jemand, der Deutschkurse besucht,
mehr Chancen, mehr Kompetenzen oder Autonomie?
Die
Arbeit ist soweit etabliert, dass wir von der Behörde sagen, der
Wunsch nach einem Integrationsgesetz ist in den beiden Parlamenten
der Kantone Basel-Stadt und Baselland da.
Die
Behörden sind auch verpflichtet Gesetzesvorschläge zu machen.
Wir haben einen solchen Vorschlag ausgearbeitet und werden diesen
mit der Behörde des Kantons Baselland verfeinern. Noch in diesem
Jahr werden die beiden Regierungen das Gesetz für beide Kantone
ihren Parlamenten vorlegen. Und dies ist nach dem Leitbild wie ein
zweiter logischer Schritt, in dem man die Politik im Gesetz
definiert und eine Grundlage schafft. Dann sind wir in der Schweiz
die ersten, die über ein modernes Gesetz verfügen.
In
den Kantonen Neuenburg und Genf gibt es zwar ein solches Gesetz,
aber dort wird es über die Organisation geregelt. Das Gesetz, das
wir vorschlagen werden, geht noch weiter. Es befasst sich vorallem
mit den Grundsätzen, mit Förderbereichen, mit der Integration
und wird von den Regierungen geregelt. Es geht also mehr um den
Inhalt als die Organisation.
Gibt
es neue Projektideen?
In
Basel werden wir spezielle Akzente setzen. Vorallem in den
Quartieren werden wir Projekte intensivieren. Die Öffentlichkeitsarbeit
wird in der Nähe der Leute stattfinden, d.h. wir planen in den
Vereinen und Quartieren mehr Events und Veranstaltungen.
Auch
in den einzelnen Migrantenvereinen werden wir besser präsent
sein. Für die türkisch-kurdische Bevölkerung sind mehr
Integrationsprojekte geplant, weil die Entwicklung in der Türkei,
die Zivilisierung in der Diskussion um Kurden zum Beispiel auch
hier in Basel positive Effekte erzielt hat wie die Bereitschaft,
sich für die Integration zu engagieren und weniger die Situation
in der Heimat zu reflektieren. Wir sind in diesem Zusammenhang
sehr kooperativ und planen für die gesamte Bevölkerung, die aus
der Türkei kommt und sich auch als kurdisch definiert, zusätzliche
Projekte.
Bis
jetzt ist für die Bevölkerung aus der Türkei die türkische
Sprache verwendet worden und bewusst sind nicht die Untersprachen
aus der Türkei gepflegt worden. Die Türkei ist extrem
multikulturell, wo 39 andere Sprachen gesprochen werden.
Wir
haben das Prinzip der Hauptsprachen und wir weichen nur dort davon
ab, wo spezielle Gründe vorhanden sind wie es bei den Leuten, die
sich kurdisch definieren, der Fall ist.
Unser
Ziel ist der individuelle Erfolg bei der Integration. Wenn es Gründe
gibt, wieso jemand unsere Angebote wie zum Beispiel in den
Beratungstellen der GGG oder anderen Insitutionen nicht nützt,
dann analysieren wir die Situation sehr genau, um herauszufinden
wo die Probleme liegen.
Bei
den Leuten, die sich kurdisch definieren, herrscht sehr oft aus
politischen und kulturellen Denkanstössen heraus Skepsis gegenüber
den Institutionen, die von uns subventioniert werden. Diese
Skepsis nehmen wir ernst und wir probieren, die Kompetenz in den
Institutionen zu verbessern, wie zum Beispiel die Leute auch auf
kurdisch zu beraten.
Aber
hier braucht es noch einen positiven und konstruktiven
Zwischenschritt. Wir werden beispielsweise Projekte unterstützen,
die schweizererische Politik auf deutsch und kurdisch erklären. Das machen wir bei den Tamilen, weil die Tamilen
auch ähnliche Probleme wegen Konflikte im Heimatland haben wie
die kurdische Bevölkerung.
Wie
bewerten Sie letzten Bundesratswahlen?
Die
Situation im Bund ist sehr kompliziert, weil es sehr verschiedene
politische Kräfte gibt, die einwirken. Der stärkste Faktor ist
nach den letzten Wahlen die politische Entwicklung, wobei unklar
ist, in welche Richtung sie gehen wird. Mehr
Wirschaftsfreundlichkeit heisst eigentlich mehr Liberalität des
Arbeitsmarkts, mehr Freizügigkeit. Wirtschaft selber hat
verschiedene gegenläufige Interessen. Die wirschaftsfreundlichen
Kräfte, die mehr Handelsfreiheit wollen, haben andere Interessen
als die, die mehr Heimatschutz wollen.
Zum
Beispiel sind in der Person vom Herrn Blocher beide Tendenzen verkörpert.
Sein Unternehmen arbeitet international und ist auf sehr liberale
Regelungen angewiesen und seine Wählerschaft denkt umgekehrt,
mehr national, konservativ, defensiv und möchte keine
Globalisierung, sondern mehr Heimatschutz und hohe Subventitionen
für Landwirtschaft und Strassenbau. Das sind widersprüchliche
Interessen in einer Person, in einer Partei, die mit den
Sozialdemokraten zusammen am meisten Stimmen gewonnen haben. So
ist es unklar, welche Kräfte mehr Gewicht haben. Es geht nicht
nach Links und Rechts, sondern nach einer anderen Linie. Nach
Internationalität, offensiv; Globalisierung, oder umgekehrt
defensiv; national mit Hürde...
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