Die Sackgebühr wirkt und kommt gut an

BERN. 70 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz zahlen heute die Abfallentsorgung nach dem Verursacherprinzip. Wieder verwertbares Material wird vermehrt separat gesammelt.

Schafft Praktikumsplätze für die Jungen!

BERN. Jean Luc Nordmann, Direktor für Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (seco), appelliert an die Unternehmen, mehr Praktikumsplätze für junge Stellensuchende zu schaffen. Die Arbeitslosenversicherung (ALV) bezahlt bis zu 75 Prozent der Kosten.

Konsumentenstimmung verharrt auf niedrigem Stand

BERN. Nach der Umfrage, die das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) quartalsweise bei rund 1'100 Haushalten durchführt, verharrte die Konsumentenstimmung im Juli 2003 mit -35 Punkten praktisch auf dem vor drei Monaten erreichten niedrigen Indexstand (April 2003 -36 Punkte).

 

 

7. August 2003

Die Sackgebühr wirkt und kommt gut an

70 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz zahlen heute die Abfallentsorgung nach dem Verursacherprinzip. Wieder verwertbares Material wird vermehrt separat gesammelt. So landete trotz einem Bevölkerungswachstum von 3,9 Prozent in den letzten zehn Jahren 15 Prozent weniger Abfall im Kehrichtsack. Die Sackgebühr wird von der Bevölkerung gut akzeptiert und hilft, die Entsorgungskosten zu senken.

BERN. Das Verursacherprinzip fördert die Abfalltrennung: Sobald eine Gemeinde die Sackgebühr eingeführt hat, muss sie im Durchschnitt rund 30 Prozent weniger brennbare Abfälle abführen als vorher. Dafür steigt die Menge der separat gesammelten und verwerteten Abfälle um den gleichen Prozentsatz an. Aber nicht nur die Sackgebühr wirkt positiv: Auch der Ausbau der Separatsammlungen und intensive Öffentlichkeitsarbeit animieren die Leute, den Abfall getrennt zu entsorgen. Dies ist das Resultat der BUWAL-Studie "Die Sackgebühr aus Sicht der Bevölkerung und der Gemeinden". Sie wurde im Auftrag der Schweizerischen Bau-, Planungs- und Umweltschutzdirektorenkonferenz erarbeitet.

Sackgebühr wird von der Bevölkerung akzeptiert Weiter bringt die in 13 Gemeinden durchgeführte Studie zu Tage, dass das Verursacherprinzip für die Abfallentsorgung bei der Bevölkerung grosse Akzeptanz geniesst: 88 Prozent aller Befragten in Gemeinden mit Sackgebühr halten das Prinzip für sinnvoll und 87 Prozent beurteilen die Kosten als angemessen. Die Bevölkerung wird auch sensibler für Abfallfragen: 50 Prozent der Befragten gaben an, dass sie nach der Einführung der Sackgebühr ihr Verhalten änderten. In Gemeinden ohne Sackgebühr halten 73 Prozent das Verursacherprinzip für sinnvoll.

Mit der Einführung der Sackgebühr optimieren viele Gemeinden ihre Sammellogistik und Entsorgungswege. Dadurch sinken die Entsorgungskosten. Zudem ist die Verwertung der zunehmend separat gesammelten Abfälle meist billiger als die Verbrennung. Das Verursacherprinzip hat nicht dazu geführt, dass in der Schweiz deutlich mehr Abfälle wild deponiert oder illegal verbrannt werden. Der so entsorgte Anteil an der gesamten Abfallmenge beträgt 1 bis 2 Prozent und ist in Gemeinden mit Sackgebühr tendenziell etwas höher als in Gemeinden ohne Sackgebühr.

Noch zu viel rezyklierbares Material im Hauskehricht Das Verursacherprinzip hat einen Einfluss auf die Zusammensetzung des Kehrichts. Dies zeigt die zweite BUWAL-Studie "Erhebung der Kehrichtzusammensetzung 2001/2002": Der Anteil verwertbarer Abfälle (z.B. Papier und Glas) in Abfallsäcken der Gemeinden mit Sackgebühr ist deutlich kleiner als jener in Gemeinden ohne Sackgebühr. Generell stellte sich heraus, dass im Vergleich zu 1992/1993 in der Schweiz trotz einer Bevölkerungszunahme von 3,9 Prozent 15 Prozent weniger Kehricht im Abfallsack landet. Signifikant zurückgegangen sind die Anteile von Karton und Papier im Kehricht. Anteilmässig zugenommen haben indes biogene Abfälle (Speisereste, Rüstabfälle) und sogenannte Verbundwaren (Windeln, Spielzeuge, Sportgeräte, Schuhe). Der Rückgang von verwertbaren Stoffen wie Papier und Glas und die Zunahme der nicht verwertbaren Verbundstoffe zeigt, dass die Information der Bevölkerung und die Förderung sowie der Ausbau von separater Abfallsammlung und -verwertung wirken.

Mit 27 Prozent tragen die biogenen Abfälle am meisten zur Kehrichtmenge bei. Es folgen 16 Prozent Papier (darunter auch nicht verwertbare Servietten, Handtücher, Taschentücher usw.), 14 Prozent Verbundwaren und 13 Prozent "übrige Kunststoffe". Je besser die Separatsammlungen ausgebaut sind, umso geringer wird der Anteil an rezyklierbarem Material im Abfall.

Information statt Zwang Das im Umweltschutzgesetz des Bundes vorgeschriebene Verursacherprinzip hat sich in der Deutschschweiz grösstenteils durchgesetzt. In der Westschweiz führte erst der Kanton Freiburg Sackgebühren flächendeckend ein. In den anderen Westschweizer Kantonen und dem Tessin setzt vorerst nur eine Minderheit der Gemeinden auf verursachergerechte Gebühren. Weil sich in Gemeinden ohne Sackgebühr trotz hoher grundsätzlicher Zustimmung 40 Prozent der Bevölkerung skeptisch bezüglich der praktischen Umsetzung des Verursacherprinzips zeigen, pflegt und empfiehlt das BUWAL primär Information und Öffentlichkeitsarbeit. Zudem unterstützt es jene Kantone aktiv, die das Verursacherprinzip verankern wollen.

Information steht für das BUWAL auch an erster Stelle im Kampf gegen mit Abfällen verunreinigte Plätze und Strassen. Dieses Littering verteuert vor allem in den Städten die Strassenreinigung und verärgert die Leute. Ursachen für das Littering sind nicht die Sackgebühr, sondern das geänderte Konsumverhalten (z.B. Fast-Food, Verpflegung im Freien) sowie Bequemlichkeit und die Geringschätzung des öffentlichen Raums.

Schafft Praktikumsplätze für die Jungen!

BERN. Jean Luc Nordmann, Direktor für Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (seco), appelliert an die Unternehmen, mehr Praktikumsplätze für junge Stellensuchende zu schaffen. Die Arbeitslosenversicherung (ALV) bezahlt bis zu 75 Prozent der Kosten.

„Das grösste Handicap der jungen Schul-, Studien- und Lehrabgänger ist ihre mangelnde Berufserfahrung“, sagt Jean-Luc Nordmann. „Mit einem Praktikum können sie Erfahrungen im Berufsleben sammeln und haben nachher grössere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.“

Auch die Unternehmen profitieren von den halbjährigen Berufspraktika: Sie erhalten qualifizierte Mitarbeitende, die sie ohne Risiko testen können. Zudem trägt die Arbeitslosenversicherung (ALV) bis zu 75 Prozent der Kosten. Im Jahr 2002 finanzierte die ALV mit 7,4 Millionen Franken rund 800 Berufspraktika.

Jean-Luc Nordmann ruft die Unternehmen auf, diese Möglichkeit vermehrt zu nutzen und sich mit den Kantonalen Arbeitsämtern in Verbindung zu setzen. „Die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz ist nicht alarmierend“, sagt Nordmann. „Und gerade deshalb müssen wir alles tun, damit es so bleibt.“

Eine weitere arbeitsmarktliche Massnahme der ALV sind Motivationssemester für Jugendliche. Die Motivationssemester helfen Schulabgängern und Jugendlichen, ihre beruflichen Ziele zu definieren und eine Lehrstelle zu finden. 2002 nahmen rund 2800 junge Frauen und Männer an diesen Motivationssemestern teil.

Konsumentenstimmung verharrt auf niedrigem Stand

BERN. Nach der Umfrage, die das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) quartalsweise bei rund 1'100 Haushalten durchführt, verharrte die Konsumentenstimmung im Juli 2003 mit -35 Punkten praktisch auf dem vor drei Monaten erreichten niedrigen Indexstand (April 2003 -36 Punkte).

Die drei Teilindizes, die der Berechnung des Konsumentenstimmungsindex zugrunde liegen, entwickelten sich unterschiedlich. Die Haushalte schätzten die Entwicklung in den vergangenen 12 Monaten (-90 Punkte) weniger pessimistisch ein als noch bei der Erhebung vom April 2003 (-99 Punkte). Hingegen verschlechterte sich gemäss ihrer Einschätzung die finanzielle Lage ihres Haushalts in den vergangenen Monaten etwas (-19 Punkte im Juli 2003 gegenüber -12 Punkten im April 2003). Die finanzielle Lage ihres Haushalts mit Blick auf die kommenden zwölf Monate sehen sie nach wie vor positiv (+2 Punkte).

Die übrigen Indikatoren, die nicht in den Konsumentenstimmungsindex einfliessen, entwickelten sich ebenfalls uneinheitlich. Die erwartete Wirtschaftsentwicklung in den kommenden 12 Monaten stuften sie signifikant besser ein als noch vor drei Monaten (-16 Punkte im Juli 2003 nach -28 Punkten im April 2003). Mehr Haushalte als noch vor drei Monaten gaben an, sparen zu können. Der Zeitpunkt für grössere Anschaffungen (Autos, Haushaltmaschinen, Möbel etc.) wurde etwas weniger ungünstig erachtet als noch vor drei Monaten. Die Sicherheit der Arbeitsplätze ist mit -124 Punkten nochmals schlechter eingestuft worden als im April 2003 (-118 Punkte). Im Urteil der Konsumenten hat der Preisauftrieb in den vergangenen Monaten weiter etwas nachgelassen und auch für die kommenden Monate erwarten sie eine leichte Abnahme der Teuerung.

 

 

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