Mysteriöse Lungenentzündung: Bedrohung für die Welt

GENF. Warnung: Eine neuartige, hochansteckende Lungenentzündung ist ausgebrochen.

Alte Schweizer Bevölkerung

NEUENBURG. Die Schweizer Bevölkerung ist älter geworden. Insgesamt über 787 Menschen waren landesweit mehr als 100 Jahre alt.

Swissair: Sicherstellung der Untersuchungskosten

ZÜRICH. Wegen der Sicherstellung der Untersuchungskosten hat die Zürcher Justiz Bankkonten mehrerer ehemaliger Swissair-Chefs vorsorglich sperren lassen.

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 
 
 

17. März 2003

Mysteriöse Lungenentzündung: Bedrohung für die Welt

Warnung: Eine neuartige, hochansteckende Lungenentzündung ist ausgebrochen.

Mehrere Todesfälle und 150 Infektionen sind derzeit bekannt. Ein Gegenmittel  besteht noch nicht.

GENF. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Reisende vor einer neuartigen, hochansteckenden Lungenentzündung gewarnt. In Asien erkrankten Hunderte von Menschen. Einige davon starben. Derzeit gibt es keine Behandlungsmöglichkeiten. Die neue Erkrankung wird „Severe Acute Respiratory Syndrome“ genannt. Die WHO bezeichnet sie als weltweite Gesundheitsgefahr. Am Samstag beging sie einen seltenen Schritt und gab einen dringenden Reisehinweis heraus. Er richtet sich auch an alle Fluggesellschaften.

In den vergangenen Tagen waren im Zusammenhang mit der Lungenentzündung mehrere Todesfälle und 150 Infektionen gemeldet worden. Hauptsächlich aus China, Hongkong, Singapur und Vietnam.

Der Tod von zwei Mitgliedern einer kanadisch-chinesischen Familie, die von Hongkong nach Kanada geflogen waren, wird mit der Viruserkrankung in Zusammenhang gebracht. Ausserdem ist ein infizierter US-Amerikaner, der von Hanoi in die chinesische Sonderregion gebracht wurde, in den vergangenen Tagen im Spital gestorben. Insgesamt zählen die Gesundheitsbehörden in Vietnam mehrere Dutzend Krankheitsfälle. Im französischen Spital von Hanoi wurden am Montag noch 31 Patienten behandelt. Am Samstag war dort eine Krankenschwester an der Lungenkrankheit gestorben.

Auch in Europa ist die mysteriöse Lungenentzündung eingetroffen. Der hochansteckende Typ hat erstmals Deutschland erreicht. Ein Arzt aus Singapur mit verdächtigen Krankheitssymptomen wurde am Samstag in die Isolierstation des Uniklinikums Frankfurt am Main gebracht. Der Mann befand sich auf dem Rückflug von New York über Frankfurt am Main in seine Heimat. Auch seine Ehefrau und eine mitreisende Ärztin wurden zur Beobachtung in die Isolierstation gebracht. 155 Transitreisende des Flugzeugs der Singapur Airline wurden auf Empfehlung des Robert-Koch-Instituts vorläufig auf dem Frankfurter Flughafen in Quarantäne genommen oder in häusliche Quarantäne geschickt.

Der Arzt hatte bereits in New York Krankheitssymptome gezeigt. Während des Fluges hatte sich sein Zustand verschlechtert, so dass sich die Gesundheitsbehörden in Singapur mit der hessischen Landesregierung in Verbindung setzten. Der Arzt hatte einen infizierten Patienten behandelt, bevor er nach New York gereist war.

Die hessischen Behörden trafen bereits vor der Landung des Flugzeugs in Frankfurt am Main Vorbereitungen, um eine mögliche Ansteckungs- und Verarbeitungsgefahr zu unterbinden. Die Transitreisenden sollen solange in Quarantäne bleiben, bis geklärt ist, ob es sich bei Erkrankung des Arztes um die gefährliche atypische Lungenentzündung handelt. Sollte sich der Verdacht bestätigen, müssen sie sieben Tage in Quarantäne in Beobachtung bleiben, damit eine mögliche Ansteckung diagnostiziert und eine weitere Verbreitung unterbunden werden kann. Die übrigen Fluggäste, deren Ziel Singapur ist, sollten weiter nach Singapur reisen und dort vor Ort entsprechend medizinisch versorgt werden.

Auch in Genf traten Verdachtsfälle der neuen hochansteckenden Lungenentzündung auf. Zwei Menschen meldeten nach der Rückkehr aus Südostasien bei den Gesundheitsbehörden des Kantons Genf mit Fieber und Atembeschwerden. Weiter Erkenntnisse lagen zunächst nicht vor. Zu den Symptomen des Schweren Akuten Atemwegs-Syndrom (SARS) gehören sehr hohes Fieber, Muskelschmerzen, Husten und Atemnot.

„SARS ist jetzt eine weltweite Bedrohung“, erklärte WHO Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland, „die Welt muss zusammen arbeiten, um ihre Ursache zu finden und die Kranken zu heilen.“

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat auf den Schweizer Flughäfen vorsorgliche Massnahmen gegen die Ausbreitung der neuen, hochansteckenden Lungenentzündung getroffen. Die Massnahmen in Kloten werden durch den Grenzarzt umgesetzt. Die Besatzungen der Fluggesellschaften seien über das Krankheitsbild der Lungenentzündung informiert und sensibilisiert worden.

Beim Verdacht, dass ein erkrankter Passagier an Bord ist, könne sich die Einreise in die Schweiz verzögern. Ein Verdacht besteht, wenn folgende drei Bedingungen zusammen erfüllt werden:

-Fieber über 38 Grad Celsius,

-Atemnot oder Husten,

-Kontakt mit einem Erkrankten und

-Aufenthalt in China, Hongkong und Vietnam in den vergangenen Wochen.

Alte Schweizer Bevölkerung

Die Schweizer Bevölkerung ist älter geworden. Insgesamt über 787 Menschen waren landesweit mehr als 100 Jahre alt.

NEUENBURG. Im vergangenen Jahrzehnt war die Entwicklung der Schweizer Bevölkerung von zunehmender Alterung, mehr Scheidungen und weniger Hochzeiten geprägt. Die Zahl der über 80-jährigen Menschen nahm stark zu, jene der jungen Erwachsenen in gleichem Masse ab.

Das Bevölkerungswachstum war über die verschiedenen Altersgruppen sehr ungleich verteilt. Am stärksten zugenommen hat dabei die Gruppe der Menschen über 80 Jahre mit einem plus von 17,4 Prozent. Insgesamt 787 Menschen waren landesweit mehr als 100 Jahre alt.

Diese Zahl hat sich gegenüber der letzten Volkszählung mehr als verdoppelt.

Zwei Altersgruppen nahmen zwischen 1990 und 2000 ab. Die Zahl der Kinder unter sechs Jahren ging um 1,1 Prozent zurück. Jene der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren sogar um 17,6 Prozent. Der starke Rückgang bei den jungen Erwachsenen liegt einerseits bei den geringen Kinderzahlen der 68er-Generation und andererseits beim Rekrutierungsstopp für ausländische Arbeitskräfte in den 90er Jahren. Der Altersquotient, die Zahl der über 64 Jährigen im Verhältnis zu den 20- bis 64- Jährigen, nahm von 23 Prozent auf 24,8 Prozent zu.

Zugenommen hat auch die Zahl der Ledigen und der Geschiedenen. Im Alter von 30 Jahren waren 2000 46,1 Prozent der Bevölkerung noch unverheiratet. 1990 waren es nur 33,5 Prozent. Die Zahl der Geschiedenen stieg im vergangenen Jahrzehnt um 38 Prozent. Im Alter zwischen 48 und 58 Jahren war fast jeder Achte geschieden.

Einen starken Einfluss auf Heirat und Scheidung haben laut BFS Geschlecht und Nationalität. Die Männer heiraten im Durchschnitt drei Jahre später als die Frauen und bleiben auch häufiger ledig. Mit 50 Jahren sind elf Prozent der Männer ledig, aber nur 9,1 Prozent der Frauen. Frauen werden in der Regel früher im Lebenslauf von Scheidungen betroffen und bleiben auch häufiger als Männer dauerhaft geschieden.

Auffällig ist laut BFS, dass sich bei den ausländischen Staatsangehörigen wesentlich traditionellere Familien- und Partnerschaftsformen finden.

Swissair: Sicherstellung der Untersuchungskosten

Wegen der Sicherstellung der Untersuchungskosten hat die Zürcher Justiz Bankkonten mehrerer ehemaliger Swissair-Chefs vorsorglich sperren lassen.

ZÜRICH. Vor einigen Wochen erliess die Bezirksanwaltschaft III des Kantons Zürich Verfügungen gegen den früheren Verwaltungsratspräsidenten und ehemaligen Konzernchef der Swissair-Gruppe, Eric Honegger, gegen dessen Vorgänger an der Konzernspitze, Philippe Bruggisser, sowie gegen den ehemaligen Finanzchef Georges Schorderet. Einfrierungen von Summen im sechsstelligen Bereich wurden vom Bezirksanwalt angeordnet. Im Falle des letzten Swissair-Chefs Mario Corti ist eine einvernehmliche Lösung getroffen worden und 150'000 Fr. wurden auf ein Sperrkonto überwiesen.

Der Bezirksanwalt Hanspeter Hirt führte aus, dass es bei dieser Handlung um Sicherstellung der Kosten des umfangreichen Strafverfahrens im Fall SAirGroup gehe. Der Ausgang des Strafverfahrens und eines allfälligen Prozesses werden zeigen, ob die beschlagnahmten Gelder dereinst wirklich vom Staat eingezogen werden können. Bei einer etwaigen Einstellung, wird auch die Frage der Verfahrenskosten zu regeln sein. Einzelne Betroffene haben bereits gegen die Verfügung rekurriert. Mit den Rekursen muss sich nun die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich befassen.

Das Strafverfahren war wegen Verdachts auf Urkundenfälschung, ungetreue Geschäftsbesorgung sowie falsche Angaben über kaufmännische Gewerbe eröffnet worden. Es richtet sich mittlerweile gegen fünf Personen, so Hirt. Neben den früheren SAirGroup-Konzernchefs Bruggisser, Honegger und Corti und dem langjährigen Finanzchef Schorderet werde gegen eine Person auf Stufe der Revisionsgesellschaften ermittelt, sagte der Untersuchungsrichter. Hirt hat sich zur mutmasslichen Dauer des aufwendigen Verfahrens nicht geäussert.

Im Februar/März 2001 wurde zunächst ein Vorermittlungsverfahren gegen unbekannt auf Grund der sich verdichtenden Anzeichen auf strafrechtlich erhebliches Fehlverhalten im SAirGroup-Management in den Jahren 1998, 1999, 2000 und 2001 eröffnet. Vor Zusammenbruch des Konzerns führen die Abklärungen zu einem formellen Strafverfahren. Auch Corti und ein Verantwortlicher der Revisionsgesellschaften gerieten, neben Bruggisser, Schorderet und Honegger, in das Visier der Justiz.

Auszüge aus dem Untersuchungsbericht zur SAirGroup

Ab Frühjahr 2001 schien die Liquidität der SAirGroup durch einen Milliardenkredit von Citigroup, Credit Suisse First Boston und Deutscher Bank gesichert. Dieser Kredit konnte aber nie beansprucht werden. Auszüge aus dem Untersuchungsbericht:

„In der Öffentlichkeit wurde die Kreditlimite über 1 Mrd. Fr. erstmals an der Generalversammlung vom 25. April 2001 erwähnt. Im Protokoll wird folgende Bemerkung aus der Ansprache von Mario A. Corti festgehalten: Mit Citigroup, CSFB und Deutscher Bank konnte eine Vereinbarung getroffen werden, welche eine zusätzliche Kreditlimite von 1 Mrd. Fr. einräumt. Damit ist sichergestellt, dass wir die Sanierung der Gruppe in Angriff nehmen können, ohne dass die Liquidität gefährdet wäre. Die Kreditfazilität hätte ausschliesslich und explizit der Vorfinanzierung von zu veräussernden Aktiven, nicht jedoch der allgemeinen Liquiditätsbeschaffung, dienen sollen.

Einzelne Kreditgeber reklamierten, dass die Kreditbedingungen in Konflikt mit bereits bestehenden Krediten stünden, da letztere mit einer sogenannten Negativklausel ausgestattet seien. Demzufolge dürften neue Kreditgeber nur dann mit Sicherheiten ausgestattet werden, wenn den bisherigen Geldgebern eine gleichwertige Sicherheit angeboten würde. In seinem Antwortschreiben an die HypoVereinsbank hält Mario Corti am 13. Juli Folgendes fest: Da sich die Banken verpflichtet haben, uns neues Geld zur Verfügung zu stellen, sind unsererseits auch einige besondere Voraussetzungen zu erfüllen. Im Übrigen stellt das Vertragswerk aber sicher, dass die bisherigen Gläubiger in ihrer Rechtsstellung nicht beeinträchtigt oder gar verletzt werden. Die Swissair Group beabsichtigt gegenwärtig nicht, diese neue Kreditfazilität in den nächsten Wochen oder Monaten zu beanspruchen. Aus dieser Antwort geht der wahre Sachverhalt bezüglich der Kreditfazilität nicht hervor.

Im Auftrag der SAirGroup verfasste die Anwaltskanzlei Homburger am 17. Juli zwei Memos, in welchen sie zu wesentlichen Punkten des Kreditvertrages vom 11. Juli Stellung nahm. Aufgelistet wurden unter anderem die Dokumente, die den Banken innerhalb von 30 und 60 Tagen einzureichen waren. Es wurde auch auf potenzielle Probleme bezogen auf andere syndizierte Kredite sowie auf abweichende Begriffsdefinitionen hingewiesen. Ferner führten sie die extrem harten Konditionen auf, die die SAirGroup zu erfüllen hatte. Sie vertraten die Meinung, dass es diese Bedingungen für die SAirGroup äusserst schwer machten, den Kredit überhaupt beanspruchen zu können.

An der Sitzung des Verwaltungsrates vom 20. August nahm der Verwaltungsrat im Nachhinein zustimmende Kenntnis von der Bridge-Loan-Fazilität über 1 Mrd. Fr. Dabei wurde festgestellt, dass die Fazilität dazu diene, die Liquidität der SAirGroup auch unter Stressszenarien sicherstellen zu können, was den vertraglichen Bedingungen nicht entsprach.

In einem Status Overview der Credit Suisse First Boston per 20. September wurden die wesentlichen Details des Kreditvertrages und die Pendenzen festgehalten. Darin führte die Credit Suisse First Boston aus, dass die Kreditlimite derzeit noch nicht beansprucht werden könne, weil noch nicht alle Bedingungen erfüllt seien. Ferner hielt die Bank fest, dass es in den Monaten Juli und August zu Kreditrückzahlungen und damit zu einer Verletzung der Vertragsbestimmungen gekommen sei.“

 

 

 

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