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Was
ist ABSM genau und was sind ihre Hauptaufgaben?
Jannice
Vierkötter: Die Ausbildungs- und Beratungsstelle für
Migrantinnen und Migranten (ABSM) engagiert sich für die
Integration von Ausländerinnen und Ausländern. Ziel ist das
interkulturelle Zusammenleben und die gegenseitige Kulturverständnis
zu fördern. Dafür arbeitet sie als kulturübergreifende
Organisation mit der ausländischen Bevölkerung sowie mit Behörden
und anderen Institutionen eng zusammen. Die ABSM unterhält eine
Informations- und Beratungsstelle, führt Projekte und Kurse in
den Bereichen Prävention und Integration, Asyl und Rückkehrhilfe,
Antirassismus, Gleichstellung von Frau und Mann, unterstützt die
Behörden bei Integrations- und Rückkehrfragen und veranstaltet
kulturelle Anlässe.
Wann
und wie wurde die ABSM gegründet?
Ursprünglich
war sie die Albanische Beratungsstelle (ABS). 1997 wurde sie als
Verein mit Sitz in Basel von Kosovo-Albanern gegründet. Damals
hat sie als 1. Hilfe für die Nachkriegszeit gedient. Es wurden
Beratungen durchgeführt, Notunterkünfte organisiert und
psychologische Abklärungen unternommen, da sich viele
Traumatisierte unter den Hilfesuchenden befanden. Ein Rückkehrprogramm
für Asylsuchende wurde eingerichtet. Die Asylsuchenden konnten in
verschiedenen Kursen, z.b. Elektrotechnik, Mechanik, Informatik,
Solarenergie, etc. Kenntnisse erwerben, die ihnen nach der Rückkehr
helfen sollten, einen beruflichen Neustart in der Heimat zu
beginnen. Jetzt unterrichten wir nur noch Informatik für
Asylsuchende.
In
welcher Sprache wird unterrichtet, gibt es Schwierigkeiten in der
Kommunikation?
Unsere
Unterrichtssprache ist Deutsch. Sicher ist es am Anfang sehr
schwierig, doch ist ein Hauptziel auch, dass man sich verständigen
kann. Auf diese Art haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Natürlich
sind die „Schüler und Schülerinnen“ auf die Geduld der
Lehrpersonen angewiesen.
Haben
Sie Rückmeldungen von Rückkehrenden erhalten, welche hier die
Kurse genossen haben?
Wir
haben in Gjakova, Kosovo auch eine Filiale. Dort wird ein
Berufsausbildungsprojekt für Mittelschulen geleitet. Schülerinnen
und Schüler können verschiedene Kurse zu Informatik, Englisch,
Administration und Handel belegen. Die Kurse sind aus dem
Traditionellen in die Modernität geschlüpft.
Rückkehrende,
die zur ABS in Kosovo oder zur ABSM in Basel Kontakt haben, sind
meist Personen, welche vor dem Krieg beruflich tätig waren. Viele
sind qualifizierte Leute, die jetzt ihr Berufs- und Arbeitsleben
ganz neu aufbauen müssen. Einige von ihnen können ihre bei der
ABSM erworbenen Kenntnisse gut einsetzen!
Wie
werden die Angestellten entgolten?
Albanisch
sprechende Persönlichkeiten, die seit mehreren Jahren in der
Schweiz leben, unterstützen die ABSM. Sie finanziert sich selbst
über private Spendengelder und über nationale und kantonale
Projekte. Von Juni 1999 bis Juni 2003 erhielten wir finanzielle
Beiträge der Christoph Merian Stiftung, um eine Vollzeitstelle
bezahlen zu können. Momentan arbeiten drei Angestellte zu
insgesamt 200 Prozent. Unser Verein wird jedoch von ca. 20
ehrenamtlich tätigen Personen weiter unterstützt. Diesen Leuten
ist diese Arbeit ein persönliches Anliegen, daher sind sie mit
dem Herzen dabei. Unser grosses Problem ist, dass wir individuelle
Beratungen nicht finanziert bekommen. In den Beratungszeiten waren
wir bis jetzt sehr flexibel, sodass beispielsweise eine zu
beratende Person ohne Termin mehrere Stunden in Anspruch nehmen
konnte. Durch die ungeklärte finanzielle Situation können wir
aber in Zukunft Beratungen nur noch nach Vereinbarung durchführen
oder müssen Personen an andere Institutionen weitervermitteln.
Planen
Sie ausserhalb der Sprechstunden, den Kursen und Projekten auch
anderes?
Wir
organisieren regelmässig Veranstaltungen in den Bereichen Kultur,
Freizeit und Sport. Das sind zum Beispiel Musik- und Tanzabende,
Lesungen mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Zudem wird
der Fussballclub FC Dardania unterstützt. Bei
Quartiers-Veranstaltungen betreibt die ABSM zum Abbau von
gegenseitigen Vorurteilen und zur interkulturellen Verständigung
Öffentlichkeits- und Sensibilisierungsarbeit zwischen
einheimischer und ausländischer Bevölkerung,
Können
Sie die laufenden Projekte vorstellen?
Das
Projekt Takimi I für fremdsprachige Frauen soll die Sprach- und
Sozialkompetenz und damit die Stärkung des Selbstbewusstseins von
fremdsprachigen Frauen fördern. Dazu gehören Deutschkurse für
Anfängerinnen und Fortgeschrittene, individuelle Beratungen und
Kulturvermittlung sowie ein Kinderbetreuungsdienst. Kulturbedingt
isolierte Frauen treffen sich hier. Unser Ziel in den
Deutschkursen ist auch die Kulturvermittlung. Frauen lernen
Alltagstätigkeiten zu meistern, wie zum Beispiel: „Wie rufe ich einen Arzt an?“
Das
Projekt Konkret soll Jugendliche und jungen Erwachsenen zwischen
18 und 26 Jahren bei der individuellen Lebensgestaltung unterstützen.
Angeboten werden Deutschkurse, Kurse für Zukunftsgestaltungen,
Kulturvermittlung, Prävention, Information sowie Aktivitäten in
Sport, Kultur und Bildung. Jugendliche und junge Erwachsene werden
gleichzeitig zu Multiplikatoren ausgebildet und zur Verantwortung
in der Gesellschaft angeleitet.
Das
zweijährige Projekt Takimi II stellt eine Fortsetzung des
Projekts Takimi I dar und sieht die Ausbildung von Migrantinnen zu
Multiplikatorinnen von Gleichstellungsfragen in der Arbeitswelt
vor. Aus kulturell-traditionellen Gründen sind ausländische
Frauen im Arbeitsmarkt besonders von Fragen der Ungleichstellung
der Geschlechter betroffen. Im Gastland werden diese Frauen ohne Möglichkeit
der Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebenssituation
marginalisiert. Takimi II soll Frauen durch intensive Schulung und
praktische Tätigkeit so ausbilden, dass sie befähigt sind, in
dieser Umgebung andere Frauen für Fragen der Gleichstellung zu
sensibilisieren und beratende Funktionen wahrzunehmen. Der
Ausbildungskurs beginnt im Oktober 2003. Anmeldungen bis 26.
September 2003.
Seit
Anfang 2003 leitet die ABSM ein dreijähriges Projekt gegen
Rassismus und für Menschenrechte. Pronto 21 Basel leistet
Beratungs- und Präventionsarbeit gegen Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit. Sie betreibt eine Anlaufstelle für Opfer
rassistischer Diskriminierung sowie deren Angehörige, bildet
MultiplikatorInnen (sogenannte
„Wissens-Vermittler“) in Fragen des Rassismus und der
Menschenrechte aus und setzt sie für die Sensibilisierung und
Bewusstseinbildung unter der Bevölkerung ein. Die Projektleitung
organisiert mit den MultiplikatorInnen eine Reihe von
unterschiedlichen Veranstaltungen und Begegnungen, die den Abbau
von Fremdenfeindlichkeit, Vorurteilen und rassistischer
Diskriminierungen im Alltag und der Arbeitswelt zwischen
Einheimischen und ausländischen Personen verschiedenster Herkunft
zum Ziele haben. Zielgruppen sind Personen aus verschiedenen
Kulturkreisen, insbesondere zu dem Balkan, aus Teilen Afrikas,
Asiens und Mittleren Osten, ebenso wie Einheimische.