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Auf
den Spuren der Römer
Mit
jährlich über 140'000 Besuchern ist die Römerstadt Augusta Raurica
Zeugnis der 2000 Jahre alten römischen Kultur. Wo früher
Gladiatorenkämpfe und dergleichen den Alltag bestimmten, befindet sich
heute die schweizweit grösste archäologische Fundstätte. Der Besucher
bekommt einen tiefen Einblick in die römische Kultur und die damit
zusammenhängende Bedeutung der römischen Geschichte für Augst und
Umgebung.
snc/ Nena Weibel
Augst,
BL. Es herrscht eine eigenartige Atmosphäre, als ich den Fuss auf
die 2000 Jahre alten Überreste der Colonia Raurica setze. Die
bedeutsame Stimmung der Vergangenheit ist fast greifbar. Die
Vorstellung, dass genau hier, wo ich jetzt stehe, vor 2000 Jahren noch
Römer ihren Alltag pflegten, ist wirklich beeindruckend. Und jetzt,
zwei Jahrtausende später, ist das Landschaftsbild geprägt von der
heutigen Kultur. Ich blicke in Richtung des restaurierten Theaters und
stelle mir vor, wie hier vor langer Zeit noch Gladiatorenkämpfe und
Schauspiele die annähernd 8'000 Zuschauer unterhalten haben. Lässt man
den Blick jedoch auf die andere Seite schweifen, sieht man die heutige
Welt der Globalisierung und der modernen Technik. Ein tiefgehender
Gegensatz, für den allein sich ein Ausflug nach Augusta Raurica schon
lohnt.
Die
Römerstadt hat allerdings noch viel mehr zu bieten: Der Besucher hat
sowohl Einblick in den römischen Alltag, als auch in die Kultur des
Imperium Romanum, welches sich zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung
über die Gebiete rund um das Mittelmeer, über Gallien und große Teile
Britanniens und über die Gebiete rund um das Schwarze Meer erstreckte.
Der Gründer der Kolonie, Lucius Munatius Plancus, war römischer
Feldherr und Konsul. Er lebte von 87 v. Chr. bis 15 v. Chr. und
gründete 44 v. Chr. die Kolonie Augusta Raurica, welche sich heute im
Kanton Baselland (Augst) und teils auch Aargau befindet. Die
Koloniestadt wurde um 15v. Chr. als älteste römische Kolonie
gegründet. Sie war das Handels- und Gewerbszentrum und zählte zu ihrer
Blütezeit (200 n. Chr.) etwa 10'000 bis 20'000 Einwohner. Das Zentrum
der Stadt war der Marktplatz (forum) mit Jupitertempel und Rathaus
(curia). Ausserdem sorgten ein Theater und drei öffentliche Bäder für
Unterhaltung. Augusta Raurica wurde Ende des 3. Jahrhunderts durch
mehrere Überfälle und Plünderungen durch die Alemannen zerstört. In
der römischen Stadt liegen noch zahlreiche Fundstätten und
Ausgrabungen offen. Insgesamt kann man im Gebiet von Augst und
Kaiseraugst 18 Denkmäler besichtigen.

Zentrum
der Römerstadt: das mehrmals restaurierte Theater
Die
Römerstadt ist die grösste archäologische Freilichtanlage der
Schweiz. Jährlich finden über 140'000 Besucher den Weg in den
ältesten archäologischen Forschungsplatz nördlich der Alpen, der sich
über eine Fläche von fast 106 Hektaren erstreckt. Doch nicht nur die
allzeit besuchbaren Sehenswürdigkeiten locken Zuschauer aus allen
Gesellschaftsschichten und Altersgruppen an, seit Jahrzehnten finden
auch diverse Veranstaltungen wie Open-Air-Konzerte, antike Maskenspiele
und moderne Theatervorführungen statt. Ausserdem zu empfehlen ist das
Römerfest (immer gegen Ende August) mit Gladiatorenkämpfen, römischen
Tänzerinnen, Einführungen in die antike Handwerkstechnik und diversen
Souvenirs. Die antike Stadt bietet nicht nur ein dichtes
museumspädagogisches Angebot für Schulen, sondern auch detaillierte
Führer in verschiedenen Sprachen und sämtliche Beschriftungen in
französisch und z.T. englisch für ausländische Besucher. Besonders
empfehlenswert für Familien sind der römische Haustierpark, das
Römermuseum, die unterirdische Kloake und die wahrheitsgetreu
nachgebaute Backstube.
Selbst
an solch regnerischen Tagen wie heute trifft man auf viele begeisterte
Besucher: "Meine Frau und ich wurden durch Werbungsplakate an der
Autobahn aufmerksam auf diese historische Stätte und wollten sie schon
lange besuchen. Besonders spannend finde ich die Ausgrabungen und auch
wie dieses Zeugnis der Vergangenheit mit der heutigen Welt verzahnt
wurde. Ich würde Augusta Raurica auf jeden Fall weiterempfehlen und wir
sind bestimmt nicht das letzte Mal hier gewesen!", erzählt mir ein
älterer Mann, der ursprünglich aus dem Schwarzwald kommt und nun mit
seiner Frau und den beiden Enkelinnen einen kleinen Ausflug macht. Auch
die jüngeren Besucher finden grossen Gefallen an den Römern: Ein
kleiner Bursche erklärt mir mit glänzenden Augen, dass die Römer hier
in der Arena tatsächlich gegen Löwen und andere wilde Tiere gekämpft
hätten. "Und bei denen gab es keine Toiletten! Nur die
Kloake!", fügt seine kleine Schwester beflissen hinzu.
Nachdem
ich nun zwei Stunden, welche wie im Flug vergingen, die Spuren der
Römer verfolgte, mache ich mich langsam auf den Rückweg. Welche
Auswirkungen solche Ausgrabungen haben, merkt man daran, dass vieles in
Augst geprägt ist von der Römerzeit, abgesehen von den touristischen
Sehenswürdigkeiten natürlich. Strassennamen wie
"Thermenstrasse", "Merkurstrasse" und
"Tempelhof" erinnern an die Römer.
Schon
beeindruckend, zu sehen, wie sich die Welt innerhalb kürzester Zeit
(erdgeschichtlich gesehen) verändert hat. Noch imponierender finde ich
jedoch die Tatsache, dass es uns die heutige Forschung und Technik
erlaubt, das Leben vor 2000 Jahren rekonstruieren zu können. Mit diesen
Gedanken verlasse ich die Römerstadt. Augusta Raurica: Nicht nur ein
interessantes, sondern auch zum Denken anregendes Erlebnis!
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