... andere intressante

Portraits ? >>>

portraits/migration >>>

 

ALD Präsident Jacques Gunsenhauser, Geschäftsführer Harry Widmer

Heimat ist da,

wo man verstanden wird

Seit 1964 ist der Ausländerdienst in Baselland tätig. Als konfessionell und politisch unabhängiger Verein bezweckt er die Integration der Migrantinnen und Migranten. Dazu werden verschiedene Dienstleistungen angeboten.

snc

nesrin okumus

foto: www.auslaenderdienstbl.ch

Der Ausländerdienst Baselland ist seit 1964 im Kanton Baselland tätig. Er ist konfessionell und politisch unabhängig und hat sich als kompetente Stelle im Ausländerbereich etabliert. Der Verein bezweckt die Beratung, Förderung und Integrat› on der im Basel-Land wohnenden Migranten und Migrantinnen. 

Um diese Ziele zu erreichen, bietet die Stelle verschiedene Dienstleistungen an. Die Schwerpunkte ihrer Aufgaben sind die Führung einer 10-sprachigen Sprechstunde; eines Übersetzungsund Dolmetscherdienstes, eines Angebots von Deutschkursen am Arbeitsplatz und in eigenen Kurslokalen, einer Öffentlichkeitsarbeit und der Integrationsprojekte für Stellenlose.

Die 10-sprachige Sprechstunde wird vom Montag bis Freitag in den Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Englisch, Serbisch, Kroatisch, Türkisch, Tamilisch, Portugiesisch und Albanisch betreut. Im Rahmen der Sprechstunde befassen sich die Sozialassistenten und –assistentinnen mit allen Belangen, die der Alltag mit sich bringt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Beratungen sind kostenlos. Für das Ausfüllen von Steuererklärungen wird eine Gebühr erhoben.

Im Rahmen der 10-sprachigen Sprechstunde stehen jeweils die entsprechenden Dolmetscher und Dolmetscherinnen kostenlos zur Verfügung. Für auswärtige Dienste wird ein Dolmetscher organisiert und nach Zeitaufwand verrechnet. Die häufigsten Einsätze werden an Gemeinden, Ärzte, Gerichte, Schulen und für Personalaussprachen vermittelt.

Der Übersetzungsdienst erledigt schriftliche Übersetzungen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade prompt und kostengünstig, hauptsächlich in den erwähnten 10 Sprachen. Amtliche Dokumente, Mitteilungen an die Belegschaft, Reglemente, Sicherheitsbestimmungen, Rundschreiben der Schulbehörden und Gerichtsurteile sind unter anderem Beispiele von Übersetzungsaufträgen. Die Übersetzungen sind mit einem Qualitätsstempel versehen und werden von den Amtsstellen anerkannt. Auftraggeber sind Verbände, Gemeinden, Behörden und Einzelpersonen.

Die Deutschkurse sind in verschiedene Kategorien aufgeteilt. Ein Intensiv – Deutschkurs für junge Erwachsene von 16 bis 21 Jahren wird zweimal jährlich, im Februar und August, gegeben. Er dauert 16 Wochen mit 30 Lektionen pro Woche. Der Kurs beinhaltet Deutsch lernen als Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration, Orientierung für das Leben in der Schweiz, Vorbereitung auf bestehende Ausbildungsgänge oder den Übertritt in die Berufswelt und der Konflikttraining "Chili". Der Kurs richtet sich an neu eingewanderte junge Erwachsene mit keinen oder geringen Deutschkenntnissen aus Baselland und kostet inklusiv Kursmaterial 1´400 Franken.

Ein anderer Kurs ist Connectica für Frauen. Connectica ist ein Deutschkurs mit integrativen, themenbezogenen Unterrichtseinheiten. Das Projekt richtet sich vor allem an Mütter mit Kindern im Vor- und Primarschulalter. Er ist speziell auf deren Bedürfnissen zugeschnitten. 20 Wochen je zwei Stunden dauert der Deutschkurs und kostet 100 Franken.

Jeweils am Samstag werden auch Kurse veranstaltet. Sie richten sich an Anfänger mit keinen oder wenig Deutschkenntnissen. Die Kursinhalte sind Einführung in die deutsche Sprache, Verständnisfähigkeit im Alltag mit einfachem Wortschatz und Redewendungen, Hören, Sprechen und Handeln, einfache Lese- und Schreibübungen und Grundkenntnisse in Grammatik.

Nebst den erwähnten gibt es noch andere Deutschkurse und Projekte. Infos über die Projekte PoliTeam für Stellenlose, Frauen-Info für Migrantinnen oder fifty-fifty und weitere sind unter anderem bei www.auslaenderdienstbl.ch einzuholen.

Der Ausländerdienst Baselland wird von Wirtschaft, Verbänden, Kirchen, Gemeinden und Fürsorgebehörden sowie dem Kanton unterstützt und getragen. Er arbeitet als Non- Profit – Organisation kostendeckend. Breite Akzeptanz und Anerkennung hat der Dienst erworben und wird vom Staat immer wieder mit Sonderaufgaben betraut.

 

Für eine erfolgreiche Integration

Mirjana Marcius ist seit dem vergangenen Jahr Abteilungsleiterin der Fachstelle Integration. Vorher war sie im Bereich Sozialdienst tätig. Wir haben uns mit ihr unterhalten.

snc: Frau Marcius, Der Ausländerdienst Baselland bietet verschiedene Deutschkurse in diversen Kategorien an. Werden die Kurse auch je nach Herkunftsland unterteilt oder sind sie allgemein?

Mirjana Marcius: Die Kurse sind allgemein. Die Leute sollen sich untereinander verständigen können. Doch wäre eine Sortierung nach Nationalität wiederum eine Ausgrenzung, welche nicht unbedingt zur Verständigung dient.

Sind die Lehrerinnen oder Lehrer nur deutschsprachig, oder könnten sie bei Bedarf auch auf eine andere Sprache umschalten?

Die Stunden werden nur auf Deutsch gestaltet und es unterrichten deutschsprachige Lehrer.

Können Sie das Programm LS-fifty-fifty beschreiben?

«Fifty-fifty» ist eine Arbeitsmassnahme für stellenlose Ausländerinnen und Ausländer. Das Ziel ist, stellenlose Ausländerinnen und Ausländer mittel Schulung und praktischem Einsatz auf dem Bauernhof wieder in den offenen Arbeitsmarkt einzugliedern. Der Landwirtschaftseinsatz beträgt 60 Prozent und der Schulunterricht 40 Prozent.

Was sind die Schwerpunkte der Schulung?

Der Deutschunterricht, Bewerbetraining, Schlüsselqualifikationen und Sozialinformationen. Zum Beispiel Fragen rechtlicher, kultureller und sozialer Art oder Hilfe und Vermittlung im Umgang mit Behörden.

Die Schwerpunkte im Arbeitseinsatz?

Teamwork, Handarbeit und Natur. Der Teilnehmer arbeitet im Familienbetrieb mit, sieht sein Tageswerk und erlebt Pflanzen und Natur.

Noch ein Projekt, Poli- Team, ist im Gange. Können Sie dieses beschreiben?

Das PoliTeam ist eine Dienstleistung für die Mitarbeitenden der öffentlichen Verwaltung. Es bietet den Stellensuchenden ein Training für den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt.

Wie machen Sie Migranten und Migrantinnen auf sich aufmerksam?

Das Gefragteste ist immer noch Mund zu Mund Propaganda. Die Leute hören von uns durch ihre Angehörigen, Freunden usw. Auch werden Infoabende veranstaltet.

Wann findet eine nächste Infoveranstaltung statt?

Die Veranstaltungen sind periodisch. Unter www.auslaenderdienstbl.ch kann nachgesehen werden. Da werden auch die entsprechenden Infos zu den Kursen und Projekten gegeben. Im März ist ein Info-Abend nur für Frauen. Die Themen Schwangerschaft, Geburt und Arbeitsrechte werden behandelt.

Wie würden Sie den Ausländerdienst jemandem vorstellen, der noch nichts über Sie weiss?

Wenn jemand spezifische sowie allgemeine Beratung und Betreuung braucht, dann ist er hier richtig. Für eine erfolgreiche Integration kann man sich an uns wenden.