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"Beraber"-

   eine Gruppe unterstützt Kinder

"Beraber" ist der Name einer Gruppierung von Universitätsstudenten, die Migrantenkindern bei ihren schulischen Problemen mit Nachhilfestunden helfen.. Die Gruppe "Beraber", die vom Kanton Baselland finanziert wird, hat im letzten Jahr den Basler Integrations-Preis gewonnen.

snc

interview: hüseyin askin - filiz ilhan

deutsch: özen aytac

snc: Wie viele Personen seit ihr insgesamt?

Mustafa. Momentan sind wir insgesamt 17 Personen, mehrheitlich Jura, Wirtschaft und Germanistik StudentInnen. Einige unter uns studieren auch Medizin, Physik, Biologie und Internationale Kommunikation. Die Gründer der Gruppe sind aus dem juristischen Bereich, aus diesem Grund bilden Jurastudenten einen grossen Teil.

Was ist das Ziel von Beraber?

Mustafa. Beraber hat sich zum Ziel gesetzt, Jugendlichen Privatunterricht zu geben, damit diese ihre Schwierigkeiten abbauen können. Wir möchten ihnen helfen. Wir kennen die Probleme, die die Jugendlichen durchleben aus unserer eigenen Vergangenheit. Wir können ihnen reale Beispiele aus unserem Leben geben und bei der Lösung ihrer Probleme behilflich sein. Beraber gibt nicht nur Privatunterricht. Sie will verschiedene integrative Ideen verwirklichen.

Eine sehr gute Idee. Wie ist diese zustande gekommen?

Mustafa. Als wir mit dem Medizinstudium begannen, waren wir fünf Freunde. Durch den Beginn des Studiums sind wir auch auf diese Idee gestossen. In unserem Umfeld gab es in diesem Bereich auch Interesse. Wir hatten diese Idee eigentlich schon vorher, wir wussten, dass eins der grössten Probleme der Familien die Bildung ihrer Kinder ist. Da wir, als wir diese Wege gingen, das Fehlen einer solchen Gruppe spürten, wussten wir, dass sie gebraucht wird. Als ich im Privat- Gymnasium Unterricht nahm, machten wir uns Gedanken darüber, wie sich eine Gruppe dieser Art formen könnte...

Mit dem Beginn des Studiums war bereits ein handfesteres Gerüst vor unseren Augen. In unserem Umfeld bestand im allgemeinen auch ein Wunsch in diese Richtung. Die Realisierung kam dadurch zustande, dass einige Freunde, die im gleichen Bereich studierten, der gleichen Meinung waren. Weil dieses Bedürfnis uns vor Augen lag, haben wir uns hingesetzt und über die Realisierung diskutiert. Stunden und Tage haben diese Diskussionen angedauert. Wir arbeiteten ein Konzept aus. Das Endergebnis ist durch unser Bemühen zustande gekommen. Schritt für Schritt sind wir vorangekommen. Mit der Unterstützung vom Kanton Baselland haben wir im Jahre 2001 mit dem Unterrichten begonnen.

Seit ihr nur mit der Unterstützung des Kantones so weit vorangekommen?

Mustafa. Nein, nachdem man uns gekannt hat, nahm alles seinen eigenen Lauf und ging fast von selbst voran. Einige Institutionen sponserten uns und die Unterstützung der Eltern hat uns auch weitergeholfen.

Wieviel SchülerInnen habt ihr momentan?

Mustafa. Wir hatten von September 2001 bis zum Juni dieses Jahres 56 Schüler. Wenn die Schüler und natürlich auch wir mit dem Unterricht weiter machen möchten, erstellen wir in jedem Schuljahr neue Verträge. Aus verschiedenen Gründen kann es möglich sein, dass wir Schüler aus dem vergangenen Schuljahr nicht im neuen unterrichten.

Wieviel Unterrichtsstunden gebt ihr in der Woche?

Mustafa. Wir unterrichten bis zu 100 Stunden in der Woche. Dies kann sich aber ändern.

Was hat eigentlich den Stein zum Rollen gebracht?

Toylan. Die meisten von uns sind hier aufgewachsen und haben hier das Gymnasium beendet. Das offenliegendste Beispiel ist uns eigentlich in der Universität vor Augen getreten. Die Zahl der türkischen Studenten und Studentinnen war sehr gering. Die Zahl der türkischen Mitbewohner und Mitbewohnerinnen in Basel hingegen ist sehr hoch. Die Kinder beenden die Schule und das war es dann. Sie haben keine Ziele. Wir wollen die Kinder nicht packen und in die Universität zerren, nein, wir möchten als Beispiel dienen. Wir möchten, so weit es in unserer eigenen Kapazität liegt, lehren und behilflich sein. Das ist unser grösstes Ziel.

Hat sich das Interesse der Familien zum Thema Bildung geändert?

Toylan. Wir haben nicht nur ein Lehrer-Schüler Verhältnis. Wir stehen auch in Verbindung mit den Familien. Das Problem, das sie angesprochen haben, ist leider noch immer präsent – wir versuchen dieses Loch auszufüllen. Hier möchte ich auch anfügen, dass wir den Schülern nicht nur Mathematik- und Französisch-Unterricht geben, die Schüler stellen uns auch Fragen über Probleme im sozialen Bereich.

Fidan. Ein Schüler hat beispielsweise nach Informationsorten gefragt, an denen er sich über den Beginn einer Ausbildung informieren wollte. Ich sagte ihm, dass er in der Berufsberatung Informationen bekommen könne. Er wusste nicht einmal, dass eine solche Stelle vorhanden ist.

Serpil. Die Familien können ihre Kinder über nichts informieren, was sie selbst nicht wissen. Nichtwissen ist nicht ihr Fehler.

Toylan. Unsere Gesellschaft, die hier lebt, hat einen bestimmtes Standard an Bildung und Wissen. Es gibt sogar welche, die nicht einmal eine Grundschulausbildung haben. Wir können nicht erwarten, dass sie sich aus bereitgestellten Materialien informieren, auch wenn diese auf Türkisch ausgestellt sind. Ich bin der Meinung, dass wir zu diesen Menschen gehen müssen. Wir sind ein Projekt, das bekannt ist, die Kinder, die etwas erreichen, sind unsere beste Werbung.

Wie können sich die Familien informieren?

Mustafa. 1999 hat der Bundesrat vorgesehen, dass alle integrativen Projekte im Kanton unterstützt werden. In jedem Kanton wurden Institutionen, wie zum Beispiel der Ausländerdienst der GGG, gegründet, die ausländische Mitbürger und Mitbürgerinnen unterstützen sollen.

Serpil. Ich denke, das beste was die Familien tun können ist, sich mit den Klassenlehrern zu treffen.

Toylan. Wie viele türkische Eltern sind bei den Elternabenden vertreten? Es sind sehr wenige. Sie sollten zumindest die Elternabende besuchen. Es stimmt mich sehr traurig, dass die Menschen aus unserer Gesellschaft, die hier leben, nicht informiert sind. Egal wie viele Informationsstellen es auch gibt, das Ergebnis ändert sich nicht. Aus diesem Grund sind auch wir, die sich über einige Dinge bewusst sind, hier.

Dieses Projekt läuft bereits seit einem Jahr. Habt ihr Schwierigkeiten Schüler zu finden?

Toylan. Es ist keine Kunst SchülerInnen zu finden, an die richtigen SchülerInnen ranzukommen ist schwierig. Wir suchen SchülerIn, die einen Willen und sich ein Ziel gesetzt haben. Wir glauben daran, dass wir bisher an die richtigen SchülerInnen rangekommen sind.

Mustafa. Ein anderes Problem ist, wie wir die Lehrer bezahlen können. Wir wollen uns hier nicht bereichern, dieses Projekt muss aber mit bestimmten Mitteln erweitert werden.

Reichen die Lehrerkräfte aus? Braucht ihr neue LehrerInnen?

Mustafa. Wir sind kein Projekt, das heute da ist und morgen nicht. Wir sind eine Gruppe; die Zukunft hat und immer wieder neue Mitglieder braucht. Jedes Semester kommen zwei neue Lehrer dazu. Wir schlagen unseren Mitkommilitonen und –kommilitoninnen, die neu an der Universität begonnen haben, die Zeit und Interesse zeigen, die Mitgliedschaft vor.

Toylan. Wir suchen Kollegen und Kolleginnen, die dieses Projekt auch nach uns weiterführen. Wenn wir fertig mit dem Studium sind, müssen Freunde da sein, die das Projekt weiter am laufen halten. Wir wissen nicht, wie lange wir noch da sind, sicher ist aber, dass das nicht ewig sein wird. Wir freuen uns über jede Neuerung und Veränderung.

Bei welchen Fächern fordern eure SchülerInnen Hilfe?

Toylan. Französisch, Deutsch und Mathematik. Ich möchte hier noch etwas anfügen, in unserer Gesellschaft ist die Meinung, dass die Knaben lernen sollen und die Mädchen nicht, weit verbreitet. Wir stellen uns dem entgegen und bevorzugen Schülerinnen.

Nehmt ihr auch Kontakt mit den Klassenlehrern und Klassenlehrerinnen auf?

Fidan. Ja, ich hatte vor kurzem ein Gespräch mit einem Klassenlehrer eines Schülers, um über bestehende schulische Probleme zu sprechen. Auf diesem Wege können wir leichter zu einer Lösung gelangen. Diese Gespräche sind sehr hilfreich.

Serpil. Auch der Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin zeigt mehr Interesse an dem jeweiligen Schüler. Wenn sie den Willen beim Schüler entdecken, helfen auch die Klassenlehrer und Klassenlehrerinnen.

Wir danken Euch für das Interview und wünschen Euch viel Erfolg.