snc:
Wie
viele Personen seit ihr insgesamt?
Mustafa.
Momentan sind wir insgesamt 17 Personen, mehrheitlich Jura,
Wirtschaft und Germanistik StudentInnen. Einige unter uns
studieren auch Medizin, Physik, Biologie und Internationale
Kommunikation. Die Gründer der Gruppe sind aus dem juristischen
Bereich, aus diesem Grund bilden Jurastudenten einen grossen Teil.
Was
ist das Ziel von
Beraber?
Mustafa.
Beraber hat sich zum Ziel gesetzt, Jugendlichen Privatunterricht
zu geben, damit diese ihre Schwierigkeiten abbauen können. Wir möchten
ihnen helfen. Wir kennen die Probleme, die die Jugendlichen
durchleben aus unserer eigenen Vergangenheit. Wir können ihnen
reale Beispiele aus unserem Leben geben und bei der Lösung ihrer
Probleme behilflich sein. Beraber gibt nicht nur Privatunterricht.
Sie will verschiedene integrative Ideen verwirklichen.
Eine
sehr gute Idee. Wie ist diese zustande gekommen?
Mustafa.
Als wir mit dem Medizinstudium begannen, waren wir fünf Freunde.
Durch den Beginn des Studiums sind wir auch auf diese Idee
gestossen. In unserem Umfeld gab es in diesem Bereich auch
Interesse. Wir hatten diese Idee eigentlich schon vorher, wir
wussten, dass eins der grössten Probleme der Familien die Bildung
ihrer Kinder ist. Da wir, als wir diese Wege gingen, das Fehlen
einer solchen Gruppe spürten, wussten wir, dass sie gebraucht
wird. Als ich im Privat- Gymnasium Unterricht nahm, machten wir
uns Gedanken darüber, wie sich eine Gruppe dieser Art
formen könnte...
Mit
dem Beginn des Studiums war bereits ein handfesteres Gerüst vor
unseren Augen. In unserem Umfeld bestand im allgemeinen auch ein
Wunsch in diese Richtung. Die Realisierung kam dadurch zustande,
dass einige Freunde, die im gleichen Bereich studierten, der
gleichen Meinung waren. Weil dieses Bedürfnis uns vor Augen lag,
haben wir uns hingesetzt und über die Realisierung diskutiert.
Stunden und Tage haben diese Diskussionen angedauert. Wir
arbeiteten ein Konzept aus. Das Endergebnis ist durch unser Bemühen
zustande gekommen. Schritt für Schritt sind wir vorangekommen.
Mit der Unterstützung vom Kanton Baselland haben wir im Jahre
2001 mit dem Unterrichten begonnen.
Seit
ihr nur mit der Unterstützung des Kantones so weit vorangekommen?
Mustafa.
Nein, nachdem man uns gekannt hat, nahm alles seinen eigenen Lauf
und ging fast von selbst voran. Einige Institutionen sponserten
uns und die Unterstützung der Eltern hat uns auch weitergeholfen.
Wieviel
SchülerInnen habt ihr momentan?
Mustafa.
Wir hatten von September 2001 bis zum Juni dieses Jahres 56 Schüler.
Wenn die Schüler und natürlich auch wir mit dem Unterricht
weiter machen möchten, erstellen wir in jedem Schuljahr neue
Verträge. Aus verschiedenen Gründen kann es möglich sein, dass
wir Schüler aus dem vergangenen Schuljahr nicht im neuen
unterrichten.
Wieviel
Unterrichtsstunden gebt ihr in der Woche?
Mustafa.
Wir unterrichten bis zu 100 Stunden in der Woche. Dies kann sich
aber ändern.
Was
hat eigentlich den Stein zum Rollen gebracht?
Toylan.
Die meisten von uns sind hier aufgewachsen und haben hier das
Gymnasium beendet. Das offenliegendste Beispiel ist uns eigentlich
in der Universität vor Augen getreten. Die Zahl der türkischen
Studenten und Studentinnen war sehr gering. Die Zahl der türkischen
Mitbewohner und Mitbewohnerinnen in Basel hingegen ist sehr hoch.
Die Kinder beenden die Schule und das war es dann. Sie haben keine
Ziele. Wir wollen die Kinder nicht packen und in die Universität
zerren, nein, wir möchten als Beispiel dienen. Wir möchten, so
weit es in unserer eigenen Kapazität liegt, lehren und behilflich
sein. Das ist unser grösstes Ziel.
Hat
sich das Interesse der Familien zum Thema Bildung geändert?
Toylan.
Wir haben nicht nur ein Lehrer-Schüler Verhältnis. Wir stehen
auch in Verbindung mit den Familien. Das Problem, das sie
angesprochen haben, ist leider noch immer präsent – wir
versuchen dieses Loch auszufüllen. Hier möchte ich auch anfügen,
dass wir den Schülern nicht nur Mathematik- und Französisch-Unterricht
geben, die Schüler stellen uns auch Fragen über Probleme im
sozialen Bereich.
Fidan.
Ein Schüler hat beispielsweise nach Informationsorten gefragt, an
denen er sich über den Beginn einer Ausbildung informieren
wollte. Ich sagte ihm, dass er in der Berufsberatung Informationen
bekommen könne. Er wusste nicht einmal, dass eine solche Stelle
vorhanden ist.
Serpil.
Die Familien können ihre Kinder über nichts informieren, was sie
selbst nicht wissen. Nichtwissen ist nicht ihr Fehler.
Toylan.
Unsere Gesellschaft, die hier lebt, hat einen bestimmtes Standard
an Bildung und Wissen. Es gibt sogar welche, die nicht einmal eine
Grundschulausbildung haben. Wir können nicht erwarten, dass sie
sich aus bereitgestellten Materialien informieren, auch wenn diese
auf Türkisch ausgestellt sind. Ich bin der Meinung, dass wir zu
diesen Menschen gehen müssen. Wir sind ein Projekt, das bekannt
ist, die Kinder, die etwas erreichen, sind unsere beste Werbung.
Wie
können sich die Familien informieren?
Mustafa.
1999 hat der Bundesrat vorgesehen, dass alle integrativen Projekte
im Kanton unterstützt werden. In jedem Kanton wurden
Institutionen, wie zum Beispiel der Ausländerdienst der GGG, gegründet,
die ausländische Mitbürger und Mitbürgerinnen unterstützen
sollen.
Serpil.
Ich denke, das beste was die Familien tun können ist, sich mit
den Klassenlehrern zu treffen.
Toylan.
Wie viele türkische Eltern sind bei den Elternabenden vertreten?
Es sind sehr wenige. Sie sollten zumindest die Elternabende
besuchen. Es stimmt mich sehr traurig, dass die Menschen aus
unserer Gesellschaft, die hier leben, nicht informiert sind. Egal
wie viele Informationsstellen es auch gibt, das Ergebnis ändert
sich nicht. Aus diesem Grund sind auch wir, die sich über einige
Dinge bewusst sind, hier.
Dieses
Projekt läuft bereits seit einem Jahr. Habt ihr Schwierigkeiten
Schüler zu finden?
Toylan.
Es
ist keine Kunst SchülerInnen zu finden, an die richtigen SchülerInnen
ranzukommen ist schwierig. Wir suchen SchülerIn, die einen Willen
und sich ein Ziel gesetzt haben. Wir glauben daran, dass wir
bisher an die richtigen SchülerInnen rangekommen sind.
Mustafa.
Ein anderes
Problem
ist, wie wir die Lehrer bezahlen können. Wir wollen uns hier
nicht bereichern, dieses Projekt muss aber mit bestimmten Mitteln
erweitert werden.
Reichen
die Lehrerkräfte aus? Braucht ihr neue LehrerInnen?
Mustafa.
Wir sind kein Projekt, das heute da ist und morgen nicht. Wir sind
eine Gruppe; die Zukunft hat und immer wieder neue Mitglieder
braucht. Jedes Semester kommen zwei neue Lehrer dazu. Wir schlagen
unseren Mitkommilitonen und –kommilitoninnen, die neu an der
Universität begonnen haben, die Zeit und Interesse zeigen, die
Mitgliedschaft vor.
Toylan.
Wir suchen Kollegen und Kolleginnen, die dieses Projekt auch nach
uns weiterführen. Wenn wir fertig mit dem Studium sind, müssen
Freunde da sein, die das Projekt weiter am laufen halten. Wir
wissen nicht, wie lange wir noch da sind, sicher ist aber, dass
das nicht ewig sein wird. Wir freuen uns über jede Neuerung und
Veränderung.
Bei
welchen Fächern fordern eure SchülerInnen Hilfe?
Toylan.
Französisch, Deutsch und Mathematik. Ich möchte hier noch etwas
anfügen, in unserer Gesellschaft ist die Meinung, dass die Knaben
lernen sollen und die Mädchen nicht, weit verbreitet. Wir stellen
uns dem entgegen und bevorzugen Schülerinnen.
Nehmt
ihr auch Kontakt mit den Klassenlehrern und Klassenlehrerinnen
auf?
Fidan.
Ja, ich hatte vor kurzem ein Gespräch mit einem Klassenlehrer
eines Schülers, um über bestehende schulische Probleme zu
sprechen. Auf diesem Wege können wir leichter zu einer Lösung
gelangen. Diese Gespräche sind sehr hilfreich.
Serpil.
Auch der Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin zeigt mehr
Interesse an dem jeweiligen Schüler. Wenn sie den Willen beim Schüler
entdecken, helfen auch die Klassenlehrer und Klassenlehrerinnen.
Wir
danken Euch für das Interview und wünschen Euch viel Erfolg.