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Ein Weg für Lösungen bei Familienproblemen

Die Familien-und

Erziehungsberatung Basel

In Konflikt- und Problemsituationen haben Familien und Familienmitglieder, die im Kanton Basel-Stadt wohnen die Möglichkeit Beratung und Therapie zu erhalten. An der politisch und konfessionell neutralen Beratungsstelle der Familien- und Erziehungsberatung arbeiten Personen mit unterschiedlichen Grund- und Fachausbildungen. Das Angebot der Beratungsstelle wird durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit bereichert.

Wir haben uns mit Herrn René Frei Sozialarbeiter und Ressortleiter in der Beratungsstelle getroffen um Näheres über die Institution in Erfahrung zu bringen. Er arbeitet seit über 25 Jahren bei der Familien- und Erziehungsberatung und etwa die Hälfte seiner Klienten haben keinen Schweizerpass.

snc

interview: özen aytac

foto: mehmet gürz

snc: Seit wann besteht die Institution?

René Frei: Die Familien- und Erziehungsberatung wurde in den Krisenjahren als Verein gegründet. Damals konnten staatliche Dienste nicht oder kaum ausgebaut werden. Unter dem Namen Familienfürsorge wurde versucht Direkthilfe und Unterstützung für vorwiegend kinderreiche Familien anzubieten. Die Institution hat sich dann im Verlaufe der Jahren den gesellschaftlichen Veränderungen angepasst und auch die Beratungs- und Therapieform verändert. Ebenfalls wurde der Name der Stelle den neueren Gegebenheiten angepasst.

Welche Grösse hat die Familienberatung und wer bezahlt für die Dienstleistungen?

In der Institution arbeiten derzeit 23 Personen aus den Gebieten von Administration, Sozialarbeit und Psychologie. Finanziert wird die Stelle aus namhaften Subventionen des Staates und auch die Klienten, die Leistungen bei unserer Institution in Anspruch nehmen, bezahlen im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten einen Betrag.

Mit welchen Problemen können Personen sich bei der Familien- und Erziehungsberatung anmelden?

Die Stelle bietet psychologische Beratung und Therapie sowie Hilfe durch Sozialberatung bei den verschiedensten Konflikten in Familie und Partnerschaft an. Zum Beispiel bei Trennungs- und Scheidungsfragen, bei Besuchsregelungen nach Trennung oder Scheidung. Auch können sich Eltern bei Erziehungs- und Entwicklungsproblemen von Kindern und Jugendlichen anmelden. Weitere Anmeldegründe können Schwierigkeiten im Berufsleben bei Arbeitslosigkeit oder bei längerer Krankheit oder Unfallfolgen sein. Ebenfalls wird bei Verschuldungssituationen oder sonstigen finanziellen Schwierigkeiten Hilfestellung gegeben.

Bei der Familien- und Erziehungsberatungsstelle haben wir auch laufend Gruppenangebote, so zum Beispiel für Kinder, deren Eltern getrennt oder geschieden sind oder für Buben, deren Väter nicht oder zu wenig erreichbar sind, ebenfalls gibt es eine Kindergruppe, um durch gemeinsames Spielen  und Tun mehr Sicherheit und Selbstvertrauen zu gewinnen. Für Mütter haben wir ein Gruppe für Supervision und Erziehungsberatung.

Wie melden sich Familien an und wie lange müssen sie auf Beratung warten?

In der Regel melden sich Klienten telefonisch an. Es ist durchaus möglich, dass jemand auch direkt am Schalter im Sekretariat vorbei kommt. Bei der Anmeldung werden die wichtigsten persönlichen Daten aufgenommen und gleichzeitig nach dem oder den Problemen nachgefragt. Dabei wird geprüft, ob die Familie bei uns an der richtigen Adresse ist oder sie bei einer andern Institution die fachlich bessere Hilfe bekommt, wobei auch hier gerade die Leute mit den entsprechenden Adressen versorgt werden.

Im Normalfall müssen Klienten etwa einen Monat warten, bis sie zu einer Beratung eingeladen werden. Gerade in den letzten Monaten, in der die Anmeldungen gehäuft eingegangen sind, mussten wir die Wartezeit auf zwei Monate verlängern. Bei von uns als dringend eingestufte Fälle, erhalten die angemeldeten Personen innert einer Woche einen Beratungstermin.

Wie wird mit Familien gearbeitet?

Stets zu Beginn möchten wir die ganze Familie sehen, wobei dies wegen verschiedenster Gründen nicht immer möglich ist. Es geht dann darum erst einmal zu schauen, welches Thema die Familie beschäftigt, wobei wir darauf achten, was sonst in der Familie gut läuft oder wie früher ähnlich gelagerte Situationen gelöst wurden. Es wird eine Art Inventar über die Gewohnheiten, Probleme und Ressourcen in der Familien aufgenommen. Vielfach benötigen wir einige Gespräche, um die Themen, an denen gearbeitet werden soll, festzulegen. Mit den Klienten wird danach vereinbart, welche Ziele gesetzt werden und mit wem von der Familie die Beratungsgespräche oder die Therapie geführt werden.

Es kann durchaus sein, dass im Verlaufe der Arbeit neue Themen aktuell werden und sich dadurch  Aufteilungen in der Arbeit ergeben. So kann es sein, dass die Eltern wegen Trennungsfragen und Verschuldung sich bei einem Sozialarbeiter zur Beratung einfinden und der Sohn wöchentlich bei einem Kindertherapeuten ein Termin hat.

Wie läuft eine erste Beratungsstunde ab, können Sie kurz den Ablauf schildern?

Nehmen wir an, eine Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern hat sich für eine Budgetberatung angemeldet. Die ganze Familie wird eingeladen und es erscheinen die Eltern. Nachdem die Institution und der Berater oder Therapeut sich vorgestellt hat, schildern die Klienten ihr Anliegen. Sie berichten, dass das Geld knapp ist und es deswegen zu Hause oft auch zu Streitereien kommt, wobei sie sich gegenseitig die Schuld zuweisen. Es werden weiter allgemeine Fragen zu Arbeit, zu Situationen der Kindern, zu den sozialen Beziehungen gestellt und es wird nachgefragt, weshalb die Kinder nicht mit gekommen sind. Die Eltern geben zu verstehen, dass sie nicht vor den Kindern über ihre Probleme reden wollen. Bei einer kurzen und provisorischen Budgetaufnahme stellt sich heraus, dass das Einkommen für die Bestreitung der Lebenshaltungskosten ausreicht, jedoch wenn die Rückzahlrate an das Darlehen der Bank und die Leasingrate bezahlt werden müssen, am Schluss noch ein Betrag übrig bleibt, der für die Deckung der Haushaltskosten nicht ausreicht. Zugleich wird erfahren,  dass der Mann nach einer längeren Zeit der Arbeitslosigkeit nun einen Lohn erzielt, der merklich unter dem früheren lag und auch das Teilzeiteinkommen der Frau sich in den letzten Jahren nicht verbesserte. Ebenfalls berichten die Eltern von den Schulschwierigkeiten eines der Kinder, bei dem ein Wechsel der Schule vorgeschlagen wurde.

Nach etwa einer Stunde werden zwei weitere Gespräche vereinbart, um eine genaue Schuldenanalyse zu machen und ein realistisches Budget aufzustellen, nach welchem die weiteren Schritte geplant werden können. Die Klienten bringen dabei die verschiedensten Unterlagen wie Lohnbelege, Versicherungsunterlagen, Verträge der Bank und Leasing, usw. mit. Zudem werden die beiden Kinder zum nächsten Termin vorbeikommen. Vielleicht wird von den Klienten verlangt, dass sie die Geschichte ihrer Verschuldung aufschreiben.

Das Ganze ist eine erfundene Geschichte, doch nahe an der Wirklichkeit. Es zeigt, dass zum Beispiel finanzielle Probleme eine Beziehung sehr belasten kann und auch die Kinder direkt oder indirekt betroffen sind.

Der Ablauf eines ersten Gesprächs bei anderen Problemstellungen wie Trennung und Scheidung, Erziehungs- oder Beziehungsschwierigkeiten läuft etwa ähnlich ab.

Was ist der Unterschied zwischen Sozialarbeit und Psychotherapie?

Personen mit Sachproblemen oder Sachfragen, beispielweise Schulden, Budgetaufstellung, Versicherungsprobleme und rechtliche Fragen zu Trennung und Scheidung, usw. werden der Gruppe der Sozialarbeit zugewiesen. Für Beziehungsprobleme in Familien oder Partnerschaft, spezielle Erziehungsprobleme oder Entwicklungsauffälligkeiten eines Kindes ist das Team der Psychologie zuständig. Es gibt aber oft auch Gebiete, die nicht so genau eingrenzbar sind und sich überlappen. Manchmal ändert sich auch die Fragestellung im Laufe der Beratung oder Therapie und ist es möglich, dass ein Familienmitglied, beispielsweise ein Kind zu einer Kindertherapeutin für eine genaue Abklärung zugewiesen wird. Ebenfalls kommt es vor, dass untereinander Konsilien gewährt werden, indem für ein Gespräch ein Vertreter der einen Berufsgruppe, nehmen wir beispielweise einen Sozialarbeiter, bei einem Gespräch einer Psychologin mit einem Ehepaar der Therapiestunde beiwohnt und rechtliche oder finanzielle Fragen zu Trennung und Scheidung beantwortet.

Wie lange dauern Therapien und Beratungen?

Zu Beginn einer Beratung oder Therapie setzen wir mit den Klienten gemeinsam Ziele und eine bestimmte Beratungszeit fest. Wir versuchen so wenig wie möglich und so lange wie nötig mit den Klienten zusammen zu arbeiten. Nicht immer können Erwartungen der Klienten erfüllt werden oder die Klienten wollen sich nicht für eine bestimmte Zeit in einer Therapie oder Beratung engagieren. Beratungen können zwei oder drei Konsultationen beinhalten oder es kann durchaus auch eine längere Begleitung und Unterstützung über Monate oder gar Jahre einer Familie nötig sein.

Es gibt Personen, die wünschen nur rechtliche und finanzielle Informationen, zum Beispiel über Heirat oder wenn ein Nachwuchs in der Familie geplant wird oder die wollen wissen, was für finanzielle Folgen eine Trennung der Ehe bedeutet. Es melden sich Eheleute an, die ganz klar über ein bestimmtes Problem im gemeinsamen Zusammenleben in der Ehe reden möchten. Wiederum kommen Familien mit Schulden und erwarten Hilfe und Unterstützung für dieses Anliegen. Manchmal sind die Fragestellungen recht klar, aber es kann durchaus vorkommen, dass mit einer Familie erst nach ein paar Gesprächen eine klare Problemlage herausgearbeitet werden kann.

Oft können wir die von den Klienten gewünschten Lösungen nicht erfüllen. So können wir eine Frau nicht vor ihrem Mann schützen oder einem Mann können wir nicht die Frau zurückholen, die sich in die Arme eines andern Mannes begeben hat. Wo Schulden bestehen, können wir diese nicht bezahlen oder wo eine grössere Wohnung gesucht wird, können wir nicht direkt eine den Wünschen entsprechende vermitteln. Wir können aber mit den Klienten nach Lösungswegen suchen und mit Hilfe von Therapie Unterstützung vermitteln, um den Verlust eines Partner oder eines sonstigen Ereignisses besser verkraften zu können und um für sich eine neue  Lebensperspektive zu finden oder Wege aufzeigen wie man sich besser schützen kann oder wie das Vorgehen für das Finden einer Wohnung optimiert werden kann.

Beratung und Therapie bedeutet oft eine Auseinandersetzung mit sich und mit der Umwelt im weiteren und engeren Sinn einzugehen, eigene Werte und Verhaltensweisen zu hinterfragen und auch bereit sein anderes, vielleicht bewussteres Verhalten zu lernen.

Statistisch gesehen, nehmen die Probleme von Jahr zu Jahr zu?

In den letzten Jahren haben die Fallzahlen etwas zugenommen, doch kann gesagt werden, dass die Problemstellungen komplexer geworden sind. So sind die Auswirkungen schlechter Schulnoten beispielsweise heute bei der Lehrstellensuche viel stärker oder Arbeitslosigkeit belastet eine Familie heute finanziell und emotional viel mehr, weil die Zeit bis ein Arbeitsloser wieder ins Erwerbsleben einsteigen kann, um einige Monate länger dauert, als dies etwa vor zehn Jahren der Fall war. So erleben wir gerade bei Arbeitslosigkeit, dass bestehende Spannungen in der Familie dadurch verstärkt werden. Ebenso haben wir vermehrt vor allem Männer, die nach Unfall oder Krankheit den Weg zurück in die Arbeitswelt nicht mehr finden können und invalidisiert werden. Ein weiteres Problem sind die jungen Erwachsenen, mehrheitlich Ausländer, die durch die schlechte Schulnoten schwer eine für sie geeignete Lehrstelle finden und auch sonst auf dem Arbeitsmarkt schwer vermittelbar sind.

Sind die Zahlen im Bereich von Gewalt gestiegen oder wie haben sie sich verändert?

Gewalt war immer vorhanden, doch die Brutalität und Verrohung hat sicherlich zugenommen. Zum Beispiel wurde schon früher auf dem Pausenhof geprügelt, doch massive Verletzungen blieben aus oder dass gar Tatwaffen wie heute angewendet werden, gab es nicht. Ueber die Gewalt in der Ehe und Partnerschaft wird heute mehr geredet und geschrieben, es wird allgemein öffentlicher gemacht und seit einigen Jahren bestehen auch ausgebaute Opferhilfsberatungsstellen. Bei häuslicher Gewalt getrauen sich Frauen, um die geht es meistens, oft nicht die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen und ihre Männer zu verlassen. Ebenfalls sind Männer oft nicht bereit, etwas für sich zu tun und eine Beratung anzunehmen, damit sie bessere Ehemänner und Väter werden und vertrauensvolle Vorbilder für ihre Kinder abgeben. Wichtig ist jedoch, dass es auch für Täter ein entsprechendes Beratungsangebot gib, dass von ihnen angenommen wird.

Bestehen an der Institution Projekte, die das Kulturelle zum Thema haben?

Primär sind wir eine Beratungsstelle und haben durch den Vertrag mit Basel-Stadt einen klaren Auftrag und somit haben wir keine speziellen Projekte. Einerseits werden an der Stelle mittels internen Weiterbildungsangeboten verschiedene Kulturen vorgestellt und  kulturelle Unterschiede heraus gearbeitet. Andererseits lernen wir durch die Personen, die das Angebot unserer Institution benützen, sehr viel aus ihrem Alltagsleben als Migranten und von ihren verschiedenen Werten und Eigenarten aus den Herkunftsländern. Dann ist zu beachten, dass viele Probleme, mit denen die Klienten zu uns kommen in keiner Weise mit einer Kultur etwas zu tun haben. Schuldenmachen ist nicht Kultur abhängig, doch die  Konsequenzen können etwas mit der Kultur haben, wenn die Darlehen bei Privaten und nicht bei einer Bank aufgenommen werden. Wenn eine Person  Gewalt erfährt ist dies stets eine schmerzhafte Verletzung für das Opfer, das Motiv dazu kann, muss aber nicht kulturell bedingt sein.

Sich Hilfe und Unterstützung bei einer Familien- und Erziehungsberatung holen, sich überhaupt bei einer Institution anzumelden, das hat oft mit verschiedenen Kulturen und Werten zu tun. Noch immer wird in der Familie ein Problem eher verschwiegen als darüber geredet, obwohl dadurch das Problem weiter besteht. Gut wäre es, wenn Familien sich somit früher Hilfe und Unterstützung holen und nicht zuwarten bis das Wasser am Hals steht.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

 

Anmeldung

Klientinnen und Klienten melden sich persönlich oder per Telefon im Sekretariat an.

Kosten

Die Klientinnen und Klienten beteiligen sich an den Kosten im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Telefonzeiten

Montag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag:

8:00-9:00, 11:00-12:00, 14:00-17:00

Dienstag: 10:15-12:00, 14:00-17:00

Gruppen

für Kinderpsychotherapie

für Kinder, deren Eltern getrennt oder geschieden sind

für Männer und Väter

für Mütter mit kleinen Kindern

„Bubenhöck“. Ein Gruppenpsycho- therapieangebot für Buben von 8-12 Jahren

Adresse

Familien- und Erziehungsberatung

Greifengasse 23

4005 Basel

Tel.: 061/686 68 68

Fax: 061/686 68 69

Mail: familienberatung@ familienberatungbasel.ch

Internet : www.familienberatungbasel.ch