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snc:
Frau Walti, was war die Ausgangslage, einen Mädchentreff zu
eröffnen? Wieso ein Mädchen- und kein Jungentreffpunkt?
Monica
Walti: Jugendtreffpunkte
werden mehrheitlich von Jungs besucht und genutzt. Mädchen gehen
dabei teilweise unter, denn Mädchen haben andere Bedürfnisse. 80
Prozent der Treffbesucher sind junge Männer. Immer noch ist
Jugendarbeit zu 80% Jungenarbeit. Vor ca. 10 Jahren begannen
einige Jugendarbeiterinnen in Basel sich für spezielle Mädchenabgebote
zu engagieren. 1996 entstand erstmals ein Projekt zur Förderung
der Mädchenarbeit in Basel: FÖM. Nach zwei Jahren wurde das
Pilotprojekt „only woman“, ein reiner Mädchentag im
Jugendtreffpunkt Kleinhüningen realisiert. Claudia Morselli, eine
speziell dafür eingestellte Fachfrau, leitete das Projekt. Mit
der begleiteten Projektevaluation wurde belegt, dass, ein Bedürfnis
für ausschliessliche Mädchenräume gegeben ist. Dank der Basler
Freizeitaktion und der Christoph Merian Stiftung, welche bereit
waren einen Mädchentreffpunkt zu tragen und zu finanzieren,
konnte im Mai 2001 der einzige Mädchentreff der Region
Nordwestschweiz eröffnet werden
Was
versteht man unter mädchenspezifischer Arbeit?
Mädchen
und junge Frauen werden in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit
gestellt. Ihre geschlechtsbedingten und individuellen Lebensumstände
werden berücksichtigt. Ziel ist, dass die Mädchen zu selbständigen
und eigenverantwortlichen Frauen heranwachsen und den eigenen
Lebensweg bewusst und aktiv gestalten.
Die
Mädchenarbeit setzt sich gegen die Diskriminierung und Unterdrückung
von Mädchen und Frauen ein. Die Ideologie ist ein
gleichberechtigtes Miteinander der Geschlechter, das nicht von männlicher
Gewalt bestimmt ist.
Wie
sieht die Arbeit bei euch im Mädona aus?
Unser
Team besteht aus einer Sozialpädagogin, einer Sozialarbeiterin
und einer Praktikantin.
Wir
setzen uns mit der Freizeitpädagogik auseinander. Dazu gehören
soziale Verhaltensmuster, wie Danke – Bitte usw.
Wir
planen Projekte und animieren die Mädchen, mit zu machen. Die Mädchen
dürfen tun, worauf sie Lust haben. Wir versuchen, auf die Bedürfnisse
der Mädchen einzugehen und gestalten dementsprechend Programme.
Beispielsweise tanzen die Mädels sehr gerne. Sie koreographieren
selbst und führen den Tanz auf. Sie machen ihr eigenes
Schminkzeug, kochen, essen zusammen und entwickeln sogar weitere
eigene Ideen. Einige Mädchen sind sehr verbindlich, andere nicht.
Es kommt immer drauf an, was für ein Thema, welches Mädchen hat.
Die Aktivitäten sind Freizeitgestaltungen. Freizeit ist
freiwillig!
Natürlich
läuft es nicht immer so friedlich ab, wie es sich anhört. Die Mädchen
streiten sich auch. Viel wichtiger, sie können es! Diese
Konflikte werden mit unserer Betreuung gelöst. So lernen die Mädchen
auch, mit Konflikten konstruktiv umzugehen.
Was
für Mädchen verkehren in diesem Treff, wie alt sind sie?
Mädona
ist offen für Mädchen ab 10 Jahren. Die Kerngruppe ist zwischen
10 und 12 Jahre alt. Ältere Mädchen kommen eher wenig, was uns
beschäftigt, da wir auch für sie offen sein wollen. Die meisten
Mädchen wohnen im Quartier. Da der Treff ziemlich klein ist, ist
es schwierig, dass sich verschiedene Altersgruppen gleichzeitig
nebeneinader darin aufhalten können.
Es
heisst oft, dass ausländische Eltern ihre Mädchen nicht in den
Treff schicken wollen. Wie ist es hier?
Diese
Aussage kann ich nicht bestätigen. 95% der Besucherinnen sind aus
Migrantenfamilien. Das wiederspiegelt auch das Matthäus–
Quartier. Die Mädchen komme aus den verschiedensten Ländern mit
Schwergewicht Ex- Jugoslawien und Türkei. Es hat aber auch Mädchen
aus Südamerika, Sri- Lanka, Italien, Spanien etc.. Einzig Mädchen
aus Afrika haben wir fast keine, obwohl in diesem Quartier viele
afrikanische Familien wohnen. Viele Mädchen dürfen auch in den
Treff, weil eben nur Mädchen hier sind.
Zu
kämpfen haben wir mit dem Vorurteil, das wir immer wieder von
verschiedensten Seiten hören, im Mädona würde die Mädchen zu
rauchen beginnen. Da Mädona der einzige Jugendtreffpunkt mit
absolutem Rauchverbot ist, ist dies für uns teilweise ärgerlich.
Mädchen die rauche, sind älter und, sie haben das woanders
angefangen. Das Mädona- Team setzt sich mit verschiedensten
Jugendproblemen, wie Sucht usw., auseinander und wird präventiv
ansetzen wo immer möglich. Das heisst auch, Mädona wird
rauchfrei bleiben!
Habt
ihr Kontakt zu den Eltern? Waren einige bereits im Treff?
Der
Kontakt mit den Eltern ist uns wichtig, auch wenn natürlich die Mädchen
im Zentrum stehen. Gezielte Elternarbeit haben wir bisher aber
nicht gemacht. Aber Eltern, die ihre Töchter abholen kommen oder
bringen lade ich immer ein, sich den Treff anzuschauen. Ich
unterhalte mich mit Ihnen und informiere sie über unsere Arbeit.
Von einigen Eltern weiss ich, dass sie uns und unsere Arbeit sehr
schätzen und es gerne sehen, dass ihr Töchter zu uns kommen. Von
anderen habe ich gehört, dass sie teilweise auch verunsichert
sind, was wir hier eigentlich genau machen. Dies hat uns im Team
dazu veranlasst, noch diesen Herbst einen Elternabend zu
organisieren. Wir sind gespannt, ob es klappt.
Wie
denken die Lehrer über diesen Treff? Im Allgemeinen hatten Jugis
bei ihnen keinen guten Namen.
Wir
haben mit den Lehrern und Lehrerinnen keine Probleme. Eine Schule
liegt uns sogar gegenüber. Eine direkte Zusammenarbeit besteht
zwar nicht, aber wir sind willkommen, wenn wir Plakate aufhängen
oder Flyer verteilen wollen. Alle Schulen erhalten von uns unser
Programm regelmässig zugesendet, einzelne Lehrerinnen kommen
sogar mit ihren Mädchen vorbei, um sich den Treff anzuschauen
oder geben Mädchen den Tipp hierher zu kommen.
Aussagen
verschiedener Mädchen im Mädona:
Milena
10 Jahre: Es ist toll mit Mädchen zusammen zu sein,
deswegen bin ich auch gerne hier.
Meryem
10 Jahre: Man kann hier viele Sachen machen. Ich kannte Mädona
schon früher. Kann aber erst jetzt rein, weil ich vorher nicht
genug alt war.
Nurgül
10 Jahre: Ich bin zum dritten mal im Mädona. Vorher traute
ich mich nicht, weil ich weiss, dass neue oft geplagt werden. Hier
ist es aber überhaupt nicht so.
Adisa
11 Jahre: Obwohl ich in diesem Quartier wohne, habe ich lange
nichts gewusst von Mädona. Meine Freundin hat mich einmal
mitgenommen. Seither komme ich immer wieder. Es gefällt mir.
Lumpi
11 Jahre: Wir können kochen,
essen, tanzen, spielen und Theater machen. Natürlich ist Mädona
super!!
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