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2 Jahre Mädchentreff Mädona!

Der Mädchentreff Mädona feierte am 17. Mai 2003 sein zweijähriges Jubiläum. Zu einem festlichen Programm luden die Mädchen und das Team verschiedene Gäste in den Pfarreiheimsaal St. Joseph an der Amberbacherstrasse 9 ein. Ab 21.00 ging die Feier mit einer Disco für Mädchen und Jungen ab 10 Jahren weiter.

Mädona ist fünf mal pro Woche am Nachmittag geöffnet. Neben dem offenen Treff werden Projekte und diverse Freizeit-Aktivitäten angeboten. Im Rahmen des Treffbetriebs haben die Besucherinnen die Möglichkeit, sich in den Räumlichkeiten zu treffen, auszutauschen, zu informieren und verschiedenen Aktivitäten nachzugehen. Mädona stellt den jungen Frauen folgende Infrastruktur zur Verfügung:

Zwei Räume mit Sitzecken, Töggelikasten, Computer mit Internet-Zugang, Musikanlage und CD´s, mädchenspezifische Romane, Sachbücher und Zeitschriften, Brett- und Kartenspiele, Spielmaterial für draussen wie Bälle, Gummitwist usw., Informationsmaterial zu Beruf, Sexualität, Gewalt, Sucht/Suchtmittel, Körper und Gesundheit, Beratungsstellen und andere Einrichtungen etc., Bastel-, Gestaltungs-, Schmink-, Verkleidungsmaterial, Discobeleuchtung, Spiegelwand, Fernseher, Video, Filme und Küche zum selber kochen etc..

Während den Vorbereitungen des Festes haben wir uns  mit der Treffleiterin Monika Walti und einigen Mädchen unterhalten.

snc

portrait und fotos: nesrin okumus

snc: Frau Walti, was war die Ausgangslage, einen Mädchentreff zu eröffnen? Wieso ein Mädchen- und kein Jungentreffpunkt?

Monica Walti: Jugendtreffpunkte werden mehrheitlich von Jungs besucht und genutzt. Mädchen gehen dabei teilweise unter, denn Mädchen haben andere Bedürfnisse. 80 Prozent der Treffbesucher sind junge Männer. Immer noch ist Jugendarbeit zu 80% Jungenarbeit. Vor ca. 10 Jahren begannen einige Jugendarbeiterinnen in Basel sich für spezielle Mädchenabgebote zu engagieren. 1996 entstand erstmals ein Projekt zur Förderung der Mädchenarbeit in Basel: FÖM. Nach zwei Jahren wurde das Pilotprojekt „only woman“, ein reiner Mädchentag im Jugendtreffpunkt Kleinhüningen realisiert. Claudia Morselli, eine speziell dafür eingestellte Fachfrau, leitete das Projekt. Mit der begleiteten Projektevaluation wurde belegt, dass, ein Bedürfnis für ausschliessliche Mädchenräume gegeben ist. Dank der Basler Freizeitaktion und der Christoph Merian Stiftung, welche bereit waren einen Mädchentreffpunkt zu tragen und zu finanzieren, konnte im Mai 2001 der einzige Mädchentreff der Region Nordwestschweiz eröffnet werden

Was versteht man unter mädchenspezifischer Arbeit?

Mädchen und junge Frauen werden in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestellt. Ihre geschlechtsbedingten und individuellen Lebensumstände werden berücksichtigt. Ziel ist, dass die Mädchen zu selbständigen und eigenverantwortlichen Frauen heranwachsen und den eigenen Lebensweg bewusst und aktiv gestalten.

Die Mädchenarbeit setzt sich gegen die Diskriminierung und Unterdrückung von Mädchen und Frauen ein. Die Ideologie ist ein gleichberechtigtes Miteinander der Geschlechter, das nicht von männlicher Gewalt bestimmt ist.

Wie sieht die Arbeit bei euch im Mädona aus?

Unser Team besteht aus einer Sozialpädagogin, einer Sozialarbeiterin und einer Praktikantin.

Wir setzen uns mit der Freizeitpädagogik auseinander. Dazu gehören soziale Verhaltensmuster, wie Danke – Bitte usw.

Wir planen Projekte und animieren die Mädchen, mit zu machen. Die Mädchen dürfen tun, worauf sie Lust haben. Wir versuchen, auf die Bedürfnisse der Mädchen einzugehen und gestalten dementsprechend Programme. Beispielsweise tanzen die Mädels sehr gerne. Sie koreographieren selbst und führen den Tanz auf. Sie machen ihr eigenes Schminkzeug, kochen, essen zusammen und entwickeln sogar weitere eigene Ideen. Einige Mädchen sind sehr verbindlich, andere nicht. Es kommt immer drauf an, was für ein Thema, welches Mädchen hat. Die Aktivitäten sind Freizeitgestaltungen. Freizeit ist freiwillig!

Natürlich läuft es nicht immer so friedlich ab, wie es sich anhört. Die Mädchen streiten sich auch. Viel wichtiger, sie können es! Diese Konflikte werden mit unserer Betreuung gelöst. So lernen die Mädchen auch, mit Konflikten konstruktiv umzugehen.

Was für Mädchen verkehren in diesem Treff, wie alt sind sie?

Mädona ist offen für Mädchen ab 10 Jahren. Die Kerngruppe ist zwischen 10 und 12 Jahre alt. Ältere Mädchen kommen eher wenig, was uns beschäftigt, da wir auch für sie offen sein wollen. Die meisten Mädchen wohnen im Quartier. Da der Treff ziemlich klein ist, ist es schwierig, dass sich verschiedene Altersgruppen gleichzeitig nebeneinader darin aufhalten können.

Es heisst oft, dass ausländische Eltern ihre Mädchen nicht in den Treff schicken wollen. Wie ist es hier?

Diese Aussage kann ich nicht bestätigen. 95% der Besucherinnen sind aus Migrantenfamilien. Das wiederspiegelt auch das Matthäus– Quartier. Die Mädchen komme aus den verschiedensten Ländern mit Schwergewicht Ex- Jugoslawien und Türkei. Es hat aber auch Mädchen aus Südamerika, Sri- Lanka, Italien, Spanien etc.. Einzig Mädchen aus Afrika haben wir fast keine, obwohl in diesem Quartier viele afrikanische Familien wohnen. Viele Mädchen dürfen auch in den Treff, weil eben nur Mädchen hier sind.

Zu kämpfen haben wir mit dem Vorurteil, das wir immer wieder von verschiedensten Seiten hören, im Mädona würde die Mädchen zu rauchen beginnen. Da Mädona der einzige Jugendtreffpunkt mit absolutem Rauchverbot ist, ist dies für uns teilweise ärgerlich. Mädchen die rauche, sind älter und, sie haben das woanders angefangen. Das Mädona- Team setzt sich mit verschiedensten Jugendproblemen, wie Sucht usw., auseinander und wird präventiv ansetzen wo immer möglich. Das heisst auch, Mädona wird rauchfrei bleiben!

Habt ihr Kontakt zu den Eltern? Waren einige bereits im Treff?

Der Kontakt mit den Eltern ist uns wichtig, auch wenn natürlich die Mädchen im Zentrum stehen. Gezielte Elternarbeit haben wir bisher aber nicht gemacht. Aber Eltern, die ihre Töchter abholen kommen oder bringen lade ich immer ein, sich den Treff anzuschauen. Ich unterhalte mich mit Ihnen und informiere sie über unsere Arbeit. Von einigen Eltern weiss ich, dass sie uns und unsere Arbeit sehr schätzen und es gerne sehen, dass ihr Töchter zu uns kommen. Von anderen habe ich gehört, dass sie teilweise auch verunsichert sind, was wir hier eigentlich genau machen. Dies hat uns im Team dazu veranlasst, noch diesen Herbst einen Elternabend zu organisieren. Wir sind gespannt, ob es klappt.

Wie denken die Lehrer über diesen Treff? Im Allgemeinen hatten Jugis bei ihnen keinen guten Namen.

Wir haben mit den Lehrern und Lehrerinnen keine Probleme. Eine Schule liegt uns sogar gegenüber. Eine direkte Zusammenarbeit besteht zwar nicht, aber wir sind willkommen, wenn wir Plakate aufhängen oder Flyer verteilen wollen. Alle Schulen erhalten von uns unser Programm regelmässig zugesendet, einzelne Lehrerinnen kommen sogar mit ihren Mädchen vorbei, um sich den Treff anzuschauen oder geben Mädchen den Tipp hierher zu kommen.

Aussagen verschiedener Mädchen im Mädona:

Milena 10 Jahre: Es ist toll mit Mädchen zusammen zu sein, deswegen bin ich auch gerne hier.

Meryem 10 Jahre: Man kann hier viele Sachen machen. Ich kannte Mädona schon früher. Kann aber erst jetzt rein, weil ich vorher nicht genug alt war.

Nurgül 10 Jahre: Ich bin zum dritten mal im Mädona. Vorher traute ich mich nicht, weil ich weiss, dass neue oft geplagt werden. Hier ist es aber überhaupt nicht so.

Adisa 11 Jahre: Obwohl ich in diesem Quartier wohne, habe ich lange nichts gewusst von Mädona. Meine Freundin hat mich einmal mitgenommen. Seither komme ich immer wieder. Es gefällt mir.

Lumpi 11 Jahre: Wir können  kochen, essen, tanzen, spielen und Theater machen. Natürlich ist Mädona super!!

Mädona, der Treff für Mädchen und junge Frauen

Mädona steht offen für alle Mädchen und junge Frauen zwischen 10 und 18 Jahren. Ihre kulturellen sowie religiösen Hintergründe, sexuelle Orientierungen und geistige oder körperliche Behinderungen, spielen keine Rolle. Mädchen und junge Frauen, welche ein traditionelleres Rollenbild als das schweizerische haben, sind besonders auf ein Angebot wie Mädona angewiesen. Die Teilnahme an gemischtgeschlechtlichen Angeboten, wird ihnen vom Elternhaus her oft nicht erlaubt. Auch westeuropäische Eltern sehen es oft ungern, wenn ihre Töchter in Jugendtreffpunkten verkehren. Jugendtreffpunkte leiden nach wie vor unter einem schlechten Image. Auch diese Mädchen erhalten von den Eltern oft einfacher die Erlaubnis, an einen Ort zu gehen, an dem sich ausschliesslich Mädchen und Frauen treffen.

Jugendtreffpunkte in Basel

Die Basler Freizeitaktion (BFA) betreibt sechs Jugendtreffpunkte, die vom Kanton unterstützt werden. Einer der Treffs (Mädona) ist mädchenspezifisch eingerichtet.

Die BFA Jugendtreffpunkte sind:

- Jugendtreff Barracuda (Kleinhüningen)

- Jugendtreff Hirzbrunnen (Eglisee)

- Jugendtreff Gundeli

- Jugendtreff Badhüsli (St. Johanns Tor)

- Jugendtreff Bachgraben

- Jugendtreff Mädona (Bläsi) – Mädchentreff