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Prix
Courage 2003
Die Schweiz braucht mutige
Menschen
Den «Prix Courage», der von der Zeitschrift
Beobachter traditionell vergeben wird, erhält dieses Jahr
Prof. Christian Sauter. Sauter hatte an der Universität Zürich,
an der er arbeitet, entdeckt, dass ein Kollege mit falschem
akademischen Titel wissenschaftliche Arbeiten unterzeichnete.
Den Publikumspreis erhielten
Marcus Levy und Albert Pfister, die
in der Schweiz als «Heli-Engel» bekannt geworden sind. Levy
und Pfister retteten nach einer Naturkatastrophe das Leben von
drei Menschen, die im Schlamm stecken geblieben sind.
snc
text und fotos: sevim civil
ZÜRICH.
Den «Prix Courage», der von der Zeitschrift
Beobachter traditionell vergeben wird, erhält dieses Jahr Prof.
Christian Sauter. Sauter hatte an der Universität Zürich, an
der er arbeitet, entdeckt, dass ein Kollege mit falschem
akademischen Titel wissenschaftliche Arbeiten unterzeichnete.
Den Publikumspreis erhielten Marcus Levy und Albert Pfister, die
in der Schweiz als «Engel mit Helikopter» bekannt geworden
sind. Levy und Pfister retteten nach einer Naturkatastrophe das
Leben von drei Menschen, die im Schlamm stecken geblieben sind.
Wegen schlechten Wetterverhältnissen sind die beiden Männer,
ohne dass sie beauftragt waren, mit dem Helikopter zur Rettung
geeilt. Die professionellen Retter sind aus Gründen des
schlechten Wetters nicht ins Katastrophengebiet reingegangen.
Der Krebsspezialist Christian Sauter hatte an der
Universität Zürich, an der er arbeitet, enthüllt, dass ein
Kollege mit falschem akademischen Titel arbeitete. Sauter hatte
zuerst den Dekan der Fakultät darüber informiert, dass der
Abteilungsleiter Rainer W. Grüssner mit dem Zusatz «Ph.D.»
unterschrieb. Der Dekan schwieg nicht nur über diese
Entdeckung, er versuchte auch zu verhindern, dass dies an die Öffentlichkeit
gelang. Nachdem das Regierungsmitglied Ernst Buschor sich ähnlich
verhielt, ging Staufer an die Öffentlichkeit.
Rainer W. Grüssner wurde ein Jahr nach dem Skandal
suspendiert, er erhielt aber 1,2 Millionen Franken Entschädigung.
Sauter wurde für seinen Mut und dafür, dass er den Vertrag des
«Schweigens» nicht unterschrieb, finanziell bestraft. Das
Gehalt von Sauter wurde in dieser Frist nicht erhöht, dies wird
sich natürlich auch in seiner Rente bemerkbar machen.
Der Altbundesrat und Jury Präsident Otto Stich, betonte in
seiner Rede, dass der Rechtsstaat vor den Türen des
medizinischen Instituts und der Universität nicht halt machen dürfe
und gratulierte Prof. Sauter.
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Prof.
Christian Sauter:
"Ich finde meine Unternehmung brauchte nicht viel Mut, sondern
einfach etwas Insistenz."
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«Meine Unternehmung
brauchte etwas
Insistenz»
Interview
mit Prix
Courage Preisträger
Prof. Sauter
snc: franziska matter
snc: Wir würden gerne wissen, ob Sie mit dieser Nominierung
gerechnet haben?
Christian Sauter: Ich war sehr überrascht, dass mir dieser
Preis zugesprochen wurde.
Ich finde meine Unternehmung brauchte nicht viel Mut, sondern
einfach etwas Insistenz. Denn als dies 1999 angefangen hat, war
ich an einem Punkt meiner Karriere , an dem ich mir alles
leisten konnte, denn bis zu meiner Pensionierung 2002 waren es
noch vier Jahre.
Zu diesem Zeitpunkt waren Sie schon sehr weit mit ihrer
beruflichen Karriere.
Hatten Sie keine Angst die Arbeit zu verlieren?
Richtig. Ich war gut qualifiziert und die Klinik für
Onkologie in Zürich ist gut gelaufen, also kam es gar nicht in
Frage, dass ich die Arbeit verlieren
könnte.
Die Konsequenzen ihres Einsatzes war eine Lohnkürzung, weil
Sie die Wahrheit
ans Tageslicht gebracht haben?
Ja, ich habe nach dem nicht abgeschlossenen
Di-ziplinarverfahren keine
Lohnstuffenanstieg bekommen, das hatte direkte
Konsequenzen auf die Rente.
Haben sie sich schon überlegt, was sie mit dem Preisgeld tun
werden?
Das ist eine gute Frage, ich habe mir darüber noch keine
Gedanken gemacht, denn
ich war überrascht, aber ich würde sagen, ich werde in die
Jugend investieren. Es könnte ein Studentenprojekt sein.
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Marcus Levy
und Albert
Pfister, die in der Schweiz als «Engel mit
Helikopter» bekannt
geworden sind... |
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«Nur gemeinsam
haben wir Macht
und
Kraft»
Den Publikumspreis
erhielten Marcus Levy
und Albert Pfister, die in der Schweiz als «Engel mit
Helikopter» bekannt
geworden sind. Levy
und Pfister retteten nach
einer Naturkatastrophe
das Leben von drei
Menschen, die im Schlamm stecken geblieben sind.
Interview
mit
Marcus Levy
und Albert
Pfister
snc: franziska matter
snc:
Herr Pfister, Wie fühlen sie sich unmittelbar nach der
Preisverleihung und
haben Sie damit gerechnet den Preis zu gewinnen?
Albert Pfister:
Also, ich fühle mich sehr wohl. Als ich nach
Zürich kam, habe ich überhaupt nicht damit gerechnet, ich
wollte den Abend ganz locker
geniessen. Ich habe mir gesagt, wenn wir den Preis
bekommen, würden wir uns freuen,
sonst freuen wir uns für die anderen.
Würden Sie nochmals Ihr Leben oder das Leben von Ihren
Freunden aufs Spiel setzen,
um jemandem das Leben zu retten?
Albert Pfister: Ich denke, jeder der hier nominierten
Personen hätten verdient, den Preis zu bekommen. In einer
Stressituation, so wie wir sie erlebt haben, überlegt
man nicht
das Risiko. Klar kalkuliert man die Gefahr, aber es geht darum,
Menschenleben zu retten, und da muss man bereit
sein, ans Limit zu gehen. Ich bin froh, dass kein Mensch
das Leben verloren hat.
Markus Levy:
In einer solchen Situation steckt man das eigene
Leben ziemlich zurück.
Ich würde diese Aktion immer und immer wieder machen. Wissen
Sie, viele Menschen setzen ihr Leben aufs Spiel, um andere zu Töten,
ich riskierte mein Leben, um anderen zu helfen. Denn was
kann schöner sein, als
jemand anderem zu helfen. Für mich ist das eine totale
Genugtuung. In so einem Moment überlege ich das Risiko nicht,
wenn es passiert, passiert es.
Durch diese Aktion sind Sie auch ein Vorbild für andere...
Markus Levy: Ja ich hoffe, dass für viele Menschen diese Tat
ein Vorbild sein
wird, vor allem für junge Menschen.
Wenn jemand am Strassenrand blutig sitzt, sollten die
Menschen ja nicht überlegen, was macht der hier, sondern
handeln und helfen. Denn nur gemeinsam haben wir Macht und
Kraft. Menschen sollten füreinander da sein
und nicht gegeneinander. Ich glaube, der Sinn des Lebens
ist gemeinsam zu sein.
Was werden Sie mit dem Preisgeld tun?
Albert Pfister: Ich habe noch keine Ideen was ich mit dem
Preisgeld tun werde,
denn als ich hierhin kam, habe ich nicht mit diesem Preis
gerechnet.
Markus Levy: Nein. Ich bin nach Zürich gekommen, ohne damit
gerechnet zu haben.
Ich habe dies erst realisiert, als die Jury bei der
Preisverleihung unsere Namen sagte. Also, ich werde das Geld sicher nicht in
die Luft rauswerfen,
ich werde das bewusst einsetzen, Denn die grösste Genugtuung
ist zu wissen, dass ich das richtige getan habe,
und dies ist nicht zu ersetzen durch irgend einen
Geldbetrag.
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Hüseyin
Günsel: "Ich kann dieser Gerechtigkeit keinen Sinn
geben."
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«Ich
möchte Gerechtigkeit»
Sie
waren auch unter den 10 Kanditaten:
Theres
Schneider und Hüseyin Günsel legten einem brutalen Heimleiter das Handwerk.
snc:
sevim civil
snc:
An erster Stelle wollen wir wissen, wie es Ihrer Tochter
jetzt geht.
Theres
Schneider: Danke. Meiner Tochter geht es gut und sie ist an
eine guten Ort untergebracht.
Sie
sind durch die vielen Mühlen der Ämter gegangen, ohne grosse Unterstützung
zu finden. Wünschen sie sich nun mehr Supervision im Bereich
Pädagogik?
Therese
Schneider: Ich wünsche mir, dass vom Heimarzt bis zu allen
Ämtern wir ernst genommen werden. Die Akten wurden immer wieder
unter den Stapel der anderen gelegt und deshalb ging der Prozess
nicht vorwärts, dabei hilft eine Supervision auch nicht viel.
Hüseyin
Günsel: Ich arbeitete fast 10 Jahre in diesem Beruf und bin
zum ersten Mal mit so einer Situation konfrontiert worden. In
meinem letzten Arbeitsplatz bin ich Zeuge von Gewaltanwendung
geworden. Ich habe an bestimmten Körperstellen der Kinder blaue
Flecken festgestellt. Wiederholungen traten auf, obwohl ich ein
paar Mal darauf hingewiesen habe, daraufhin habe ich die
Gewaltspuren an den Körpern der Kinder fotografiert, um sie als
Beweismittel zu nutzen. Ich wusste nicht, an wen ich mich wenden
sollte und habe meinen Hausarzt um Rat gefragt. Mit seiner Hilfe
ist es zur Eröffnung des Gerichtsverfahrens gekommen.
Frau
Schneider sind Sie mit dem Gerichtsurteil zufrieden?
Theres
Schneider: Nein, überhaupt nicht. Ich finde es eine
Katastrophe, dass so jemand nur auf vier Jahre Berufsverbot
bekommt. So jemand darf ja nie wieder um Menschen sein, die sich
nicht wehren können. Ich finde
es schlimm.
Wie
sollte das Gerichtsurteil aus Ihrer Sicht lauten?
Theres
Schneider: Für mich ist klar, dass ein solcher Mann nicht
auf Behinderte losgelassen werden sollte, denn er ist krank.
Seit 20 Jahren ist das in den Gutachten festgehalten, und dem
sollte doch Rechnung getragen
werden.
Wie
Bewerten Sie die Verfahrensfrist?
Hüseyin
Günsel: Ich bin erstaunt darüber, dass das so lange
dauert. Die Verhandlung hat 1998 angefangen und wird noch immer
fortgeführt. Ich bin nicht der einzige, auch Frau Schneider
hat, nachdem sie die Gewaltspuren am Körper ihrer Tochter
gesehen hat, Anzeige erstattet. Die gleiche Person wurde nun
drei Mal vor Gericht gestellt. Wie kann es nur sein, dass eine
Person so durchkommt? Ich kann dieser Gerechtigkeit keinen Sinn
geben.
Aufgrund
der Geschehnisse haben Sie Ihre Arbeit verloren. Wie lange waren
Sie arbeitslos?
Hüseyin
Günsel: Ich war ungefähr eineinhalb Jahre arbeitslos.
Eigentlich wäre ich nicht so lange arbeitslos gewesen, ich
wollte aber in meinem Beruf weiterarbeiten, aus diesem Grund
suchte ich eine Arbeit in meinem Fach. Ich wurde, als ich mich
bewarb, natürlich gefragt, wo ich vorher arbeitete. Die Anfrage
bei meinem alten Arbeitgeber brachte nie positive Informationen,
deswegen erhielt ich immer Absagen. Zur Zeit arbeite ich als
Drechsler und bin zufrieden mit meiner Arbeit.
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