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Daniel Vasella, Präsident von Novartis International und Botschafter Walter Fust im Gespräch. (Foto:Mazlum Kılınç)

 

 

Internationales Symposium in Basel

Das Recht auf Gesundheit: 

Wer steht in der Pflicht ?

Ein Säugling, der in einem sehr armen Land, zum Beispiel in Simbabwe das Licht der Welt erblickt und aufwächst, hat eine Lebenserwartung von 33 Jahren. Falls er aber das Glück besitzt, in der Schweiz auf die Welt gekommen zu sein, so lebt er dem Durchschnitt 79 Jahre lang. Es ist bittere Realität, dass in manchen afrikanischen Ländern 20% der Kinder bis zum fünften Lebensjahr sterben müssen, oft durch Krankheiten, gegen die man sich in den westlichen Ländern schützen kann, oder auf Grund schlechter Ernährung und Pflege.

snc deutsch: Ali Yılmaz

HIV/Aids ist zu einer Epidemie nie dagewesenen Ausmasses angewachsen. Sie greift nicht nur in die Gesundheit der Menschen ein, sondern auf die Entwicklungssituation im Allgemeinen. Jährlich kostet die Virus- Erkrankung 1.5 Millionen Menschenleben. Malaria, eine Krankheit, die in den industrialisierten Ländern der Ausrottung nahe steht, lässt, vor allem in Afrika, jährlich 2 Millionen Menschen sterben und richtet grossen wirtschaftlichen Schaden an.

Die UNO- Menschenrechtsdeklaration von 1948 gesteht jedem Menschen das Recht auf ein gesundes Leben zu. Trotzdem leben weltweit 2,5 Milliarden Menschen tief unter der Armutsgrenze, und werden von Krankheiten heimgesucht, die zu verhindern wären. Wer muss sich nun melden, wer steht nun in der Pflicht, die Umsetzung des Rechts auf Gesundheit in die Hand zu nehmen. Ist es der Staat, sind es die Nicht- Regierungsorganisationen oder die Privatwirtschaft?

Am Donnerstag, den 2. Dezember 2004, wurde in einem der Novartis Gebäuden zu diesem Thema ein internationales Symposium organisiert. Die Novartis Stiftung, die gleichzeitig ihren 25. Geburtstag feierte, lud international anerkannte Persönlichkeiten ein, damit das Thema "Recht auf Gesundheit- Wer steht in der Pflicht" weitgehend diskutiert und aus verschiednen Perspektiven beleuchtet werden konnte. Das Symposium war sehr gut besucht. Ungefähr 500 ZuhörerInnen nahmen an ihm teil und alles in allem war es gut organisiert. Eine Simultanübersetzung Englisch- Deutsch stand zur Verfügung, und für die Interessierten, die nicht örtlich am Symposium teilnehmen konnten, wurde die Veranstaltung Live im Internet übertragen.

Das Symposium beginnt

Nach dem eine Afrikanische Gruppe dem Publikum ein Lied geschenkt, und Klaus M. Leisinger, Präsident der Novartis Stiftung, seine Eröffnungsrede beendet hat, kommt Daniel Vasella, Präsident von Novartis International ans Mikrofon. Er spricht die 730 Millionen Menschen im Süden Afrikas an, die unter Armut leiden müssen. Er unterstreicht, dass die Hälfte von ihnen mit weniger als zwei Franken am Tag über die Runden zu kommen versucht und fährt seine Rede fort:

"Heute müssen 2,5 Milliarden Menschen in grosser Armut leben. Sie werden von Krankheiten heimgesucht, gegen die man in den industriell- entwickelten Staaten geschützt ist. In diesem Punkt müssen die politischen Bemühungen angesprochen werden, denn die örtlichen Regierungen investieren oft in Bereiche, die nicht für das allgemeine Gesundheitswesen wesentlich sind."

Nun tritt der Direktor und Botschafter der schweizerischen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, Walter Fust zu einer kurzen Rede an:

"Die Schweiz als kleines Land macht nicht mehr, als das was sie kann. Jedoch könnten die Politiker grössere Schritte wagen." Er fügte hinzu, "Es braucht zwar Ausdauer, doch grössere Ziele wären trotzdem erreichbar."

Khama Rogo, Ansprechpartner der Weltbank für Fragen menschlicher Entwicklung in Afrika kritisiert, dass 40% der Hilfsbeiträge in organisatorische Ausgaben hineinfliessen. Er betont die Notwendigkeit von durchschaubaren Regierungsformen und von Mechanismen, die diese überprüfen und kontrollieren. Rogo unterstreicht die Komplexität, die mit dem Aufbau eines funktionierenden Gesundheitssystem verbunden ist. "Das Gesundheitswesen eines Staates umfasst mehrere Sektoren, und seine Konstruktion gelingt nicht so einfach wie bei einer Strassenbau."

Der UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Gesundheit, Paul Hunt, schliesst sich Kharma Rogo in diesem Punkt an, und sagt: "Die Gelder, die als Unterstützung von Geldgebern in die betroffenen Staaten einfliessen, müssen gut investiert werden. Dazu ist die Überprüfung und Kontrolle dieser Gelder ein sehr wichtiges Thema." Hunt signalisiert, dass auf diesem Weg die Umsetzung eines Projektes von fünf Jahren, welches auch politische Anstrengungen umfassen soll, einen konstruktiven Schritt in Richtung einer stabileren Zukunft darstellen könnte. Hunt schlägt eine kleine Arbeitsgruppe vor, die aus Sektoren wie Medizin, Menschenrechte oder Wissenschaft ausgewählt wird. Diese befasst sich mit der "Stellungsnahme über die Ausgaben" und stellt darüber einen wegweisenden Bericht bereit. Der UNO-Berichterstatter sagt, dass später eine Probezeit, beaufsichtigt von einer Expertengruppe, eingeleitet werden kann.

Ionna Kuçuradi, Präsidentin des türkischen Komitees für die "UNO-Dekade für Menschenrechtsbildung", in ihrer Rede, die sie mit ähnlichen Worten wie " Ich bin als Frau auf die Welt gekommen und werde für das Thema aus meiner Perspektive einen Beitrag leisten" begonnen hat, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Kluft zwischen Arm und Reich, welche immer grösser zu werden scheint. "Die Entwicklungsländer sind verurteilt, Entwicklungsländer zu bleiben." Kuçuradi möchte, dass die Ziele betreffend Menschenrechte nochmals bewusstgemacht und soziale Ungerechtigkeiten auf juristischem Wege an die Hand genommen werden.

Devaki Jain aus Indien, die Stiftungsrätin der "Singamma Sreenivasan Foundation", erklärt, dass für ein erfolgreiches und funktionierendes Gesundheitswesen zu aller erst die sozialen Miseren aus der Welt geschaffen werden müssen. "Frauen und Männer sollten in gleicher Weise Zugang zur Gesundheitsvorsorge haben, jedoch ist dies durch die mehr oder weniger traditionsbedingten Ungleichheiten zwischen beiden Geschlechtern nicht gegeben. Solange Frauen unterdrückt, nicht genug ins Gesundheitssystem integriert werden, oder zwangsweise bei einer Schwangerschaft Töchter abtreiben lassen müssen, kann eine Entwicklung im allgemeinen nicht erreicht werden." Sie betont, dass man auch hier stärker eingreifen muss um Entwicklungen vorantreiben zu können.

Die Fragen bleiben bestehen

Das internationale Symposium, alles in allem sehr gut organisiert, wurde mit den Beiträgen der zahlreich erschienenen RednerInnen auf die im Vordergrund stehende Frage, " Das Recht auf Gesundheit: Wer steht in der Pflicht?" aufmerksam verfolgt. Jedoch war die Frage mit ihren vielen Untertiteln so sehr aufgegliedert, dass sie sich mit den gegebenen Antworten andauernd von neuem reproduzierte. In diesem Zusammenhang kann man behaupten, dass die Kurzvorträge und Podiumsdiskussionen keine wirklichen Antworten brachten, sondern dazu beitrugen, die gestellte Frage in einer präziseren Gestalt zu formulieren.

Wir listen nun die auftauchenden Fragen auf:

Seit zehn Jahren steigt die Zahl der Armen südlich der Sahara signifikant an. Die Säugling- Kinder- und Müttersterblichkeitsraten nehmen zu, und Krankheiten wie Aids, Malaria, aber auch einfachere Krankheiten führen dazu, dass keine Entwicklung stattfinden kann. In den ärmsten Ländern stehen dem öffentlichem Gesundheitswesen pro Einwohner acht Franken pro Jahr zur Verfügung. In der Schweiz im Vergleich sind es 6000 Franken pro Kopf.

Aus diesen Gründen ist es kein Zufall, dass der Schwerpunkt der internationalen "Millenium- Entwicklungsziele" auf die HIV/ Aids- und Malaria- Bekämpfung, auf Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit und Bereitstellung von sauberem Trinkwasser gerichtet ist. Die für die Millenium- Entwicklungsziele zuständige Kommission für Gesundheit und Makroökonomie, die von der WHO eingesetzt wurde, verkündet, dass ein Zusatzbudget von 33 Milliarden Dollar notwendig sei, um bis ins Jahr 2015 jährlich 8 Millionen Menschen das Leben retten zu können.

Die UNO- Menschenrechtsdeklaration besagt, dass jeder Mensch das Recht auf Gesundheit besitzt. Ob dieses Recht wirklich gewährleistet ist oder nicht wird auf internationaler Ebene schon seit Jahren diskutiert.

Bis heute ist man gemeinsam zumSchluss gekommen: Um in den betroffenen Ländern funktionierende Gesundheitssysteme aufzustellen, ist nicht nur der Gesundheitssektor zu berücksichtigen. Man muss alle Lebensbereiche mit einschliessen, auch die Gleichstellung zwischen Mann und Frau.

Die wichtigsten Erfordernisse für Armutsverringerung und Gesundheitsförderung ist ein langfristiges Wirtschaftswachstum, und der Aufbau einer Regierung, die für die Bevölkerung durchschaubar ist und ihr Rechenschaft über die vorgenommenen Massnahmen ablegt. Darüber muss den Partnerländern Wissen übertragen werden, damit ihr Forschungsstand aktualisiert wird, und Kapazitäten aufgebaut werden, damit das betroffene Land selber die Probleme in die Hand nehmen kann.

Wer steht in der Pflicht, das Recht auf Gesundheit zu verwirklichen? Ist es die Aufgabe der Staaten, der Nicht- Regierungsorganisationen oder der Privatwirtschaft? Wie soll der Staat vorgehen? Falls der Staat versagen sollte, welche Rolle nehmen dann die Nicht- Regierungsorganisationen ein? Oder wären grössere Erfolge zu erzielen, wenn der Privatsektor die Organisation des Gesundheitswesen in die Hand nehmen würde?

Die Pharmaindustrien stehen unter Kritik, den Kranken durch hohe Medikamentenpreise den Zugang zu einer wirksamen Therapie zu versperren. Auch den Forschungsprioritäten der Unternehmen wird vorgeworfen, die Entwicklung der armen Länder nicht wirklich zu fördern. Denn der Bedarf von Millionen von Menschen, die an Armutskrankheiten leiden, würde nicht berücksichtigt werden, da sie keine Kaufkraft aufbringen können. Hier kann man sich fragen, ob Profit und Gewinn wichtiger sein können, als das menschliche Leben?

Die Zuschauer konnten schlussendlich auf die Hauptfrage, "Gesundheit als Recht: Wer steht in der Pflicht?" keine aufschlussreiche Antwort finden. Das Symposium konnte vielleicht mit den eingeladenen Experten die oben erwähnte Liste einwenig ergänzen, und die Wichtigkeit der Frage in einer übersichtlicheren Form hervorheben.

kurz gesagt...                      

McNamara ist wieder auf der Bühne

Die Bemühungen seitens der Novartis, eine wichtige Veranstaltung mit einer Live-Übertragung im Internet übersichtlich und mit Einbezug der Zuhörer in die Themen offen zu gestalten, wird vom Auftreten eines Überraschungsgastes auf der Bühne, dessen Name bisher im Programm nicht erwähnt wurde, geprägt. Dass der frühere US- Verteidigungsminister und der ehemalige Präsident der Weltbank Robert McNamara an einer Podiumsdiskussion mit den anderen Gästen teilnimmt, stösst bei den Zuschauern auf grosse Verwunderung.

Der Präsident der Novartis- Stiftung gibt zu Wissen, dass McNarama nur Fragen in Bezug auf seine Erfahrungen über die Entwicklungssituation in Afrika entgegen nimmt, und andere Fragen unerwünscht sind.

Der Grund für die Geheimnismacherei

Robert McNamaras Name ist mit dem Oskar gekrönten Dokumentarfilm "Fog of War" von Errol Morris in der letzten Zeit wieder in den Vordergrund getreten, da seine Person in diesem Film eine wichtige Position einnimmt. Der Grund, wieso er eine Sonderbehandlung auf dem Symposium erfährt, ist die Angst vor der Reaktion der Zuschauer auf seine Anwesenheit. McNamara war in den 60ger Jahren, in der Zeit von Kennedy und Johnson, der Verteidigungsminister der USA, und einer der Hauptverantwortlichen für den Vietnam Krieg. Die Anstrengungen McNaramas, als Weltbank- Präsident von 1968-1981 ein gegen die internationale Armut ankämpfender Name zu sein, blieben jedoch immer hinter dem Schatten, welchen seine Rolle im Vietnamkrieg auf ihn warf, zurück.

 
 
 
 
 

 

 

 
 

 

 

 

Die Millenium- Entwicklungsziele

was ist

was?

Während der Veranstaltung deuteten die RednerInnen auf die Millenium- Entwicklungsziele hin, welche die Gesundheit der ärmsten und verletzlichsten Bevölkerungsschichten durch Abbau von Ungleichheiten und durch die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung zu verbessern versuchen. Hier werden die Millenium- Entwicklungsziele vorgestellt.

Extreme Armut und Hunger aus der Welt schaffen

Bis ins Jahr 2015 soll der Anteil der Bevölkerung, der in extremer Armut lebt und hungert, um die Hälfte reduziert werden.

Allen Kindern eine Grundausbildung ermöglichen

Bis ins Jahr 2015 sollen alle Kinder, Junge und Mädchen, eine lückenlose Grundausbildung erhalten.

Gleichberechtigung und mehr Einfluss der Frauen fördern

Weil eine Ausbildung eine sehr wichtige Grundlage für die Frauen darstellt, um sich behaupten zu können, soll bis zum Jahr 2005 in der Grund- und Mittelschulausbildung, und auf allen Ausbildungsebenen bis zum Jahr 2015 jede unterschiedliche Behandlung der Geschlechter beseitigt werden.

Die Kindersterblichkeit reduzieren

Die Mortalität der Kinder bis zum fünften Lebensalter soll bis 2015 einen besseren Stand erlangen und um zwei Drittel gesenkt werden. Auf die Gesundheit der Mütter wert legen

Die Sterblichkeit der Mütter soll bis 2015 um drei Viertel gesenkt werden.

Krankheiten bekämpfen

Die HIV/ Aids- Epidemie soll bis ins Jahr 2015 zum Stillstand gebracht und zum Rückzug gezwungen werden. Ebenfalls sollen Krankheiten wie Malaria und andere schwere Leiden besiegt und ihr Auftreten so weit wie möglich verhindert werden.

Nachhaltigkeit soll gewährleistet sein

Die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung sollen in die nationale Politik integriert werden, und der Verlust von Umweltressourcen soll unterbunden werden.