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Internationales
Symposium in Basel
Das
Recht auf Gesundheit:
Wer steht in der Pflicht ?
Ein
Säugling, der in einem sehr armen Land, zum Beispiel in
Simbabwe das Licht der Welt erblickt und aufwächst, hat eine
Lebenserwartung von 33 Jahren. Falls er aber das Glück besitzt,
in der Schweiz auf die Welt gekommen zu sein, so lebt er dem
Durchschnitt 79 Jahre lang. Es ist bittere Realität, dass in
manchen afrikanischen Ländern 20% der Kinder bis zum fünften
Lebensjahr sterben müssen, oft durch Krankheiten, gegen die man
sich in den westlichen Ländern schützen kann, oder auf Grund
schlechter Ernährung und Pflege.
snc
deutsch: Ali Yılmaz
HIV/Aids
ist zu einer Epidemie nie dagewesenen Ausmasses angewachsen. Sie
greift nicht nur in die Gesundheit der Menschen ein, sondern auf
die Entwicklungssituation im Allgemeinen. Jährlich kostet die
Virus- Erkrankung 1.5 Millionen Menschenleben. Malaria, eine
Krankheit, die in den industrialisierten Ländern der Ausrottung
nahe steht, lässt, vor allem in Afrika, jährlich 2 Millionen
Menschen sterben und richtet grossen wirtschaftlichen Schaden an.
Die
UNO- Menschenrechtsdeklaration von 1948 gesteht jedem Menschen das
Recht auf ein gesundes Leben zu. Trotzdem leben weltweit 2,5
Milliarden Menschen tief unter der Armutsgrenze, und werden von
Krankheiten heimgesucht, die zu verhindern wären. Wer muss sich
nun melden, wer steht nun in der Pflicht, die Umsetzung des Rechts
auf Gesundheit in die Hand zu nehmen. Ist es der Staat, sind es
die Nicht- Regierungsorganisationen oder die Privatwirtschaft?
Am
Donnerstag, den 2. Dezember 2004, wurde in einem der Novartis
Gebäuden zu diesem Thema ein internationales Symposium
organisiert. Die Novartis Stiftung, die gleichzeitig ihren 25.
Geburtstag feierte, lud international anerkannte Persönlichkeiten
ein, damit das Thema "Recht auf Gesundheit- Wer steht in der
Pflicht" weitgehend diskutiert und aus verschiednen
Perspektiven beleuchtet werden konnte. Das Symposium war sehr gut
besucht. Ungefähr 500 ZuhörerInnen nahmen an ihm teil und alles
in allem war es gut organisiert. Eine Simultanübersetzung
Englisch- Deutsch stand zur Verfügung, und für die
Interessierten, die nicht örtlich am Symposium teilnehmen
konnten, wurde die Veranstaltung Live im Internet übertragen.
Das
Symposium beginnt
Nach
dem eine Afrikanische Gruppe dem Publikum ein Lied geschenkt, und
Klaus M. Leisinger, Präsident der Novartis Stiftung, seine
Eröffnungsrede beendet hat, kommt Daniel Vasella, Präsident von
Novartis International ans Mikrofon. Er spricht die 730 Millionen
Menschen im Süden Afrikas an, die unter Armut leiden müssen. Er
unterstreicht, dass die Hälfte von ihnen mit weniger als zwei
Franken am Tag über die Runden zu kommen versucht und fährt
seine Rede fort:
"Heute
müssen 2,5 Milliarden Menschen in grosser Armut leben. Sie werden
von Krankheiten heimgesucht, gegen die man in den industriell-
entwickelten Staaten geschützt ist. In diesem Punkt müssen die
politischen Bemühungen angesprochen werden, denn die örtlichen
Regierungen investieren oft in Bereiche, die nicht für das
allgemeine Gesundheitswesen wesentlich sind."
Nun
tritt der Direktor und Botschafter der schweizerischen Direktion
für Entwicklung und Zusammenarbeit, Walter Fust zu einer kurzen
Rede an:
"Die
Schweiz als kleines Land macht nicht mehr, als das was sie kann.
Jedoch könnten die Politiker grössere Schritte wagen." Er
fügte hinzu, "Es braucht zwar Ausdauer, doch grössere Ziele
wären trotzdem erreichbar."
Khama
Rogo, Ansprechpartner der Weltbank für Fragen menschlicher
Entwicklung in Afrika kritisiert, dass 40% der Hilfsbeiträge in
organisatorische Ausgaben hineinfliessen. Er betont die
Notwendigkeit von durchschaubaren Regierungsformen und von
Mechanismen, die diese überprüfen und kontrollieren. Rogo
unterstreicht die Komplexität, die mit dem Aufbau eines
funktionierenden Gesundheitssystem verbunden ist. "Das
Gesundheitswesen eines Staates umfasst mehrere Sektoren, und seine
Konstruktion gelingt nicht so einfach wie bei einer
Strassenbau."
Der
UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Gesundheit, Paul
Hunt, schliesst sich Kharma Rogo in diesem Punkt an, und sagt:
"Die Gelder, die als Unterstützung von Geldgebern in die
betroffenen Staaten einfliessen, müssen gut investiert werden.
Dazu ist die Überprüfung und Kontrolle dieser Gelder ein sehr
wichtiges Thema." Hunt signalisiert, dass auf diesem Weg die
Umsetzung eines Projektes von fünf Jahren, welches auch
politische Anstrengungen umfassen soll, einen konstruktiven
Schritt in Richtung einer stabileren Zukunft darstellen könnte.
Hunt schlägt eine kleine Arbeitsgruppe vor, die aus Sektoren wie
Medizin, Menschenrechte oder Wissenschaft ausgewählt wird. Diese
befasst sich mit der "Stellungsnahme über die Ausgaben"
und stellt darüber einen wegweisenden Bericht bereit. Der
UNO-Berichterstatter sagt, dass später eine Probezeit,
beaufsichtigt von einer Expertengruppe, eingeleitet werden kann.
Ionna
Kuçuradi, Präsidentin des türkischen Komitees für die
"UNO-Dekade für Menschenrechtsbildung", in ihrer Rede,
die sie mit ähnlichen Worten wie " Ich bin als Frau auf die
Welt gekommen und werde für das Thema aus meiner Perspektive
einen Beitrag leisten" begonnen hat, lenkt die Aufmerksamkeit
auf die Kluft zwischen Arm und Reich, welche immer grösser zu
werden scheint. "Die Entwicklungsländer sind verurteilt,
Entwicklungsländer zu bleiben." Kuçuradi möchte, dass die
Ziele betreffend Menschenrechte nochmals bewusstgemacht und
soziale Ungerechtigkeiten auf juristischem Wege an die Hand
genommen werden.
Devaki
Jain aus Indien, die Stiftungsrätin der "Singamma
Sreenivasan Foundation", erklärt, dass für ein
erfolgreiches und funktionierendes Gesundheitswesen zu aller erst
die sozialen Miseren aus der Welt geschaffen werden müssen.
"Frauen und Männer sollten in gleicher Weise Zugang zur
Gesundheitsvorsorge haben, jedoch ist dies durch die mehr oder
weniger traditionsbedingten Ungleichheiten zwischen beiden
Geschlechtern nicht gegeben. Solange Frauen unterdrückt, nicht
genug ins Gesundheitssystem integriert werden, oder zwangsweise
bei einer Schwangerschaft Töchter abtreiben lassen müssen, kann
eine Entwicklung im allgemeinen nicht erreicht werden." Sie
betont, dass man auch hier stärker eingreifen muss um
Entwicklungen vorantreiben zu können.
Die
Fragen bleiben bestehen
Das
internationale Symposium, alles in allem sehr gut organisiert,
wurde mit den Beiträgen der zahlreich erschienenen RednerInnen
auf die im Vordergrund stehende Frage, " Das Recht auf
Gesundheit: Wer steht in der Pflicht?" aufmerksam verfolgt.
Jedoch war die Frage mit ihren vielen Untertiteln so sehr
aufgegliedert, dass sie sich mit den gegebenen Antworten andauernd
von neuem reproduzierte. In diesem Zusammenhang kann man
behaupten, dass die Kurzvorträge und Podiumsdiskussionen keine
wirklichen Antworten brachten, sondern dazu beitrugen, die
gestellte Frage in einer präziseren Gestalt zu formulieren.
Wir
listen nun die auftauchenden Fragen auf:
Seit
zehn Jahren steigt die Zahl der Armen südlich der Sahara
signifikant an. Die Säugling- Kinder- und
Müttersterblichkeitsraten nehmen zu, und Krankheiten wie Aids,
Malaria, aber auch einfachere Krankheiten führen dazu, dass keine
Entwicklung stattfinden kann. In den ärmsten Ländern stehen dem
öffentlichem Gesundheitswesen pro Einwohner acht Franken pro Jahr
zur Verfügung. In der Schweiz im Vergleich sind es 6000 Franken
pro Kopf.
Aus
diesen Gründen ist es kein Zufall, dass der Schwerpunkt der
internationalen "Millenium- Entwicklungsziele" auf die
HIV/ Aids- und Malaria- Bekämpfung, auf Senkung der Kinder- und
Müttersterblichkeit und Bereitstellung von sauberem Trinkwasser
gerichtet ist. Die für die Millenium- Entwicklungsziele
zuständige Kommission für Gesundheit und Makroökonomie, die von
der WHO eingesetzt wurde, verkündet, dass ein Zusatzbudget von 33
Milliarden Dollar notwendig sei, um bis ins Jahr 2015 jährlich 8
Millionen Menschen das Leben retten zu können.
Die
UNO- Menschenrechtsdeklaration besagt, dass jeder Mensch das Recht
auf Gesundheit besitzt. Ob dieses Recht wirklich gewährleistet
ist oder nicht wird auf internationaler Ebene schon seit Jahren
diskutiert.
Bis
heute ist man gemeinsam zumSchluss gekommen: Um in den betroffenen
Ländern funktionierende Gesundheitssysteme aufzustellen, ist
nicht nur der Gesundheitssektor zu berücksichtigen. Man muss alle
Lebensbereiche mit einschliessen, auch die Gleichstellung zwischen
Mann und Frau.
Die
wichtigsten Erfordernisse für Armutsverringerung und
Gesundheitsförderung ist ein langfristiges Wirtschaftswachstum,
und der Aufbau einer Regierung, die für die Bevölkerung
durchschaubar ist und ihr Rechenschaft über die vorgenommenen
Massnahmen ablegt. Darüber muss den Partnerländern Wissen
übertragen werden, damit ihr Forschungsstand aktualisiert wird,
und Kapazitäten aufgebaut werden, damit das betroffene Land
selber die Probleme in die Hand nehmen kann.
Wer
steht in der Pflicht, das Recht auf Gesundheit zu verwirklichen?
Ist es die Aufgabe der Staaten, der Nicht-
Regierungsorganisationen oder der Privatwirtschaft? Wie soll der
Staat vorgehen? Falls der Staat versagen sollte, welche Rolle
nehmen dann die Nicht- Regierungsorganisationen ein? Oder wären
grössere Erfolge zu erzielen, wenn der Privatsektor die
Organisation des Gesundheitswesen in die Hand nehmen würde?
Die
Pharmaindustrien stehen unter Kritik, den Kranken durch hohe
Medikamentenpreise den Zugang zu einer wirksamen Therapie zu
versperren. Auch den Forschungsprioritäten der Unternehmen wird
vorgeworfen, die Entwicklung der armen Länder nicht wirklich zu
fördern. Denn der Bedarf von Millionen von Menschen, die an
Armutskrankheiten leiden, würde nicht berücksichtigt werden, da
sie keine Kaufkraft aufbringen können. Hier kann man sich fragen,
ob Profit und Gewinn wichtiger sein können, als das menschliche
Leben?
Die
Zuschauer konnten schlussendlich auf die Hauptfrage,
"Gesundheit als Recht: Wer steht in der Pflicht?" keine
aufschlussreiche Antwort finden. Das Symposium konnte vielleicht
mit den eingeladenen Experten die oben erwähnte Liste einwenig
ergänzen, und die Wichtigkeit der Frage in einer
übersichtlicheren Form hervorheben. |