Ohne Wasser keine Nahrung 

BERN. (17.110.03) Symposium zum Welternährungstag vom 16.Oktober Im UNO-Jahr des Wassers fand am 14. Oktober zum Welternährungstag auf Initiative des schweizerischen FAO-Komitees ein Symposium zum Thema „Ohne Wasser keine Nahrung“ statt. Im Zentrum standen die Frage des sorgsamen Umgangs mit Wasser bei Produktion und Konsum von Nahrungsmitteln in Nord und Süd. Gefragt waren Lösungsansätze zum sicheren Zugang zu Wasser, sowie zum sparsamen Einsatz und Sammeln der Ressource Wasser. Die hohen Anforderungen hinsichtlich des Mitteleinsatzes im Dienste einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Entwicklung und einer verbesserten Ernährungssicherheit standen im Zentrum der Diskussionen. Das Symposium wurde an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft in Zollikofen durchgeführt. Trägerschaft waren das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW/EVD), die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA/EDA) und die Schweizerische Hochschule für Landwirtschaft (SHL). 

Eröffnet wurde das Symposium durch Manfred Bötsch, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft. Er stellte die grosse Bedeutung dar, die dem Wasser bei der Entwicklung der Landwirtschaft, bei der Bekämpfung von Hunger und Armut und bei der Verbesserung der Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern zukommt. Er rief die Teilnehmenden dazu auf, in den Arbeitsgruppen innovative Lösungsansätze zu erarbeiten mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit von Entscheidungsträgern, Wirtschaftsakteuren, Praktikern der Entwicklungszusammenarbeit und einer informierten Oeffentlichkeit auf die Bedeutung des Wassers im Dienste einer nachhaltigen Landwirtschaft und nachhaltigen Entwicklung zu lenken. 

Wasser verbindet

Bewässerungssysteme ländlicher Gemeinden (z.B. Oasen im Ladakh in Nord-Indien & Suonen im Wallis) sind Gemeinschaftswerke, die Entwicklungsimpulse auslösen. Die Arbeitsgruppe kommt zu folgenden Schlüssen: Die Multifunktionalität kommunaler Bewässerungssysteme fördert deren Nachhaltigkeit. Die Formen der Gemeinschaftsarbeit, die Verteilung von Lasten und Gewinnen sowie die Rechte der Frauen und Männer in Bezug auf die Ressource Wasser sind entscheidend für die Nahrungssicherung und damit Armutsverhinderung der Bewässerungslandwirtschaft. Wieweit diese zur Erhaltung des Wassers im Ökosystem beiträgt ist u.a. abhängig von der Bedeutung der Landwirtschaft in der Gesellschaft. Hier zeigen sich grosse Unterschiede zwischen den Ländern des Südens und der Schweiz. Die Aufarbeitung und der Austausch von Erfahrungen verschiedener Kulturen können massgeblich zur Effizienzsteigerung der institutionellen, wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit der Bewässerungslandwirtschaft führen.

Erfahrungen mit der Nutzbarmachung von Wassereinzugsgebieten

Crispino Lobo, Direktor der indischen Watershed Organisation Trust referierte über das fragile Gleichgewicht in semiariden Regionen. Die Entwicklung lokaler Wassereinzugsgebiete unter Einbezug der betroffenen Bevölkerung bietet einen viel versprechenden Ansatz. Seine Arbeitsgruppe kommt zu folgenden Empfehlungen: Die Mehrheit der Bevölkerung, die unter Armut und Hunger leidet, lebt in ökologisch geschädigten Randgebieten. Die Rehabilitation und Entwicklung von Wassereinzugsgebieten und das Management der natürlichen Ressourcen durch die lokale Bevölkerung in ressourcenarmen Gebieten ist eine wirksame Strategie zur Verbesserung des Zugangs zu öffentlichen Gütern (Wasser und Nahrung), zur Armutsreduktion und zur Verbesserung der Ernährungssicherheit. Die Nutzbarmachung solcher Regionen bedarf der verstärkten Mobilisierung öffentlicher und privatwirtschaftlicher Mittel.

Wasser im Essen - Konsum und Handel. 

Anhand von verschiedenen Produkten wurde dargestellt, wie viel eines bestimmten Nahrungsmittel mit einer gegebenen Menge Wasser produziert werden kann. Die Arbeitsgruppe kommt zu folgenden Schlüssen: Die FAO als Welternährungsorganisation soll gestärkt und ihr Einfluss auf die WTO vergrössert werden. Ein nationales „Forum for action“ sollte etabliert werden, das alle Beteiligten im Bereich Wasser und Ernährung vereint, um mit einer Stimme wichtige Anliegen gegenüber Entscheidungsträgern zu vertreten und weitere Interessengruppen (wie Konsumenten) zu sensibilisieren. Die FAO und nationale Institutionen müssen alles daran setzen, dass in der WTO neben rein ökonomischen auch soziale, ökologische und politische Aspekte verstärkt berücksichtigt werden. Politik des Wassers. Wasser ist eine existentielle Ressource und deshalb ein öffentliches Gut. Der Staat trägt dafür die Verantwortung, kann aber die Nutzrechte mit gewissen Auflagen, so etwa dem Schutz armer oder kaufkraftschwacher Gruppen an private Betreiber übertragen. Die Dienstleistung, qualitativ gutes Wasser zuverlässig zur Verfügung zu stellen, soll sowohl bei städtischen Trinkwasserversorgungen wie bei Bewässerungssystemen in der Landwirtschaft ihren Preis haben. Versorgungssysteme sollen möglichst dezentral und mit lokal angepassten und kostengünstigen Technologien betrieben werden.

Martin Sommer, Mitarbeiter der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), schloss die gutbesuchte Tagung mit einem Dank an die Teilnehmenden. Er betonte insbesondere den hohen politischen Stellenwert, der den Empfehlungen der Arbeitsgruppen zukommt. Die Problematik des nachhaltigen Umgangs mit Wasser sei eine existentielle Frage. Der Handlungsbedarf sei enorm und erfordere verstärkte Bemühungen, Wasser als öffentliches Gut zu anerkennen. Technische Lösungsansätze seien zwar notwendig aber bei weitem nicht hinreichend. Um die globalen Ziele der Armuts- und Hungerhalbierung zu erreichen muss vorab die Frage des gerechten Zugangs zu der Ressource Wasser auf globaler wie lokaler Ebene geregelt werden.

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