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Flussregenpfeifer nach
161 Jahren an die Zürcher Thur zurückgekehrt
Zum ersten Mal seit 161 Jahren hat in diesem Sommer im zürcherischen Abschnitt der Thur der Flussregenpfeifer wieder erfolgreich gebrütet. Möglich wurde dies dank den Revitalisierungsmassnahmen der Kantone Zürich und Thurgau sowie der Rücksichtnahme der Erholungssuchenden. ZÜRICH. Die Flussregenpfeifer sind momentan wieder auf ihrer langen Reise ins warme Wintergebiet in Afrika. In diesem Jahr fliegen auch vier Jungvögel mit, die an der Thur gross geworden sind. Dahinter steht eine aussergewöhnliche Geschichte: Bei Altikon/Niederneunforn haben die Wasserbauabteilungen der Kantone Zürich und Thurgau in den letzten Jahren gemeinsam den kanalisierten Thurlauf revitalisiert. In einer Flussaufweitung unterhalb der Schrägseilbrücke sind Kiesbänke und -inseln entstanden. Im vergangenen Mai fiel einem ortsansässigen Ornithologen hier der fledermausartige Balzflug von zwei Flussregenpfeiferpaaren auf. Die sonst unauffällig am Boden lebenden Vögel, deren braun-schwarz-weisses Gefieder mit der Steinlandschaft ihres Lebensraumes ideal verschmilzt, verrieten damit ihre Anwesenheit und ihre Absicht. Der Ornithologe schlug Alarm, denn es drohte Gefahr durch den regen Erholungsbetrieb in diesem mediterranen Sommer. Die Insel wurde von den kantonalen Stellen mit einem Plastikband abgesperrt und es wurden Informationstafeln aufgestellt. Zusätzlich warb der lokale Ornithologe bei den Erholungssuchenden um Verständnis für die besonderen Vögel. Dank der Rücksichtnahme konnten beide Flussregenpfeiferpaare ihre Eier in einer blossen Kiesmulde während vier Wochen erfolgreich ausbrüten. Seit die Mittellandflüsse im 19. Jahrhundert verbaut wurden, fand der Flussregenpfeifer hier keine geeigneten Kiesbänke mehr. 1842 brütete er das letzte Mal an der Zürcher Thur. Nachdem die beiden Kantone die Thur in diesem Abschnitt aus ihrem engen Korsett befreit haben, sind die seltenen Vögel wieder zurückgekehrt. Dies lässt erwarten, dass die Art auch vom geplanten Thurauenprojekt im nationalen Auengebiet Eggrank-Thurspitz wesentlich profitieren wird. Trotz der Flussverbauungen ist der Flussregenpfeifer im Kanton Zürich nicht ausgestorben. Weil sich sein ursprünglicher Lebensraum, die Kiesbänke und -inseln, von Jahr zu Jahr verändert, muss er flexibel sein und seinen Brutort häufig wechseln. Dank dieser Anpassung gelang es ihm, als Ersatz auch ähnliche, «zeitgemässe» Habitate in Kiesgruben und sogar auf Grossbaustellen zu besiedeln. Heute brüten im Kanton Zürich bis zu 20 Brutpaare in derartigen Ersatzbiotopen, was etwa einen beachtlichen Sechstel des gesamtschweizerischen Brutbestandes ausmacht. |