Das Entwicklungspotenzial der Agglomeration Thun stärken

BERN. Mit vier Projekten soll das Entwicklungspotenzial der Agglomeration Thun gestärkt werden. Eine Agglomerationskonferenz soll die Zusammenarbeit verbessern. Die Verkehrsprobleme sollen mit drei zeitlich gestaffelten Massnahmenpaketen angegangen werden. Die heute militärisch genutzten Areale im Norden der Stadt sollen zivilen Nutzungen zugeführt werden. In einem neuen Ortsleitbild setzt die Gemeinde Steffisburg klare Prioritäten für ihre künftige Entwicklung.

Die Agglomerationen sehen sich heute zunehmend mit Problemen konfrontiert, zu deren Lösung sie auf Unterstützung von Bund und Kanton angewiesen sind. Ein zentrales Problem ist die Abstimmung der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung. Ende 2001 hat der Regierungsrat eine Strategie für die Agglomerationen im Kanton Bern lanciert, mit der diese Probleme koordiniert angegangen werden.

Inhaltlich abgestimmte Projekte

Mit dem Agglomerationsprogramm liegt nur für die Agglomeration Thun eine Konkretisierung dieser Strategie vor. Wichtiger Bestandteil dieses Programms ist die Gesamtverkehrsstudie Agglomeration Thun, die Leitplanken für die künftige Verkehrsentwicklung setzt. Zwei weitere Projekte, die für die Siedlungsentwicklung zentral sind, wurden ebenfalls in das Programm integriert. Es sind dies der Richtplan für den Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Thun Nord/Steffisburg und das neue Leitbild Ortsentwicklung der Gemeinde Steffisburg. Alle vier Projekte sind inhaltlich aufeinander abgestimmt und gelangen nun gemeinsam in die öffentliche Mitwirkung.

Neue Formen der Zusammenarbeit

Das Agglomerationsprogramm will das Entwicklungspotenzial der städtischen Region fördern und den Blick über die Fachbereichs- und Gemeindegrenzen hinaus öffnen. Der Perimeter umfasst die elf Gemeinden Heimberg, Hilterfingen, Oberhofen, Seftigen, Sigriswil, Steffisburg, Spiez, Thierachern, Thun, Uetendorf und Uttigen. Das Programm enthält 12 Schlüsselprojekte aus den Bereichen Verkehr, Wirtschaftsförderung, Tourismus, Raumplanung, Kultur, Sport und Bildung. Zur Umsetzung dieser Vorhaben soll eine Agglomerationskonferenz mit Vertretern des Kantons, der Gemeinden des Wirtschaftsraums Thun, der Region Thun-Innertport und der regionalen Verkehrskonferenz geschaffen werden. Die Agglomerationskonferenz soll die Gesamtheit der Projekte steuern und ist Ansprechstelle und Initiatorin für neue Projekte.

Verkehrsprobleme ganzheitlich lösen

Die Verkehrsprobleme der Agglomeration sollen ganzheitlich und mit dem Konsens aller Betroffenen nachhaltig gelöst werden. Ein erster Entwurf der Gesamtverkehrsstudie wurde im vergangenen Herbst in der Agglomeration diskutiert. Die Studie kommt zum Schluss, dass einseitige Ausbauten der Verkehrsinfrastruktur – wie zum Beispiel eine neue Aarequerung südlich der Altstadt – ohne weitere Massnahmen nicht zweckmässig sind. Sie schlägt deshalb ein schrittweises Vorgehen vor.

Heutige Verkehrssituation optimieren

In einem ersten Schritt soll die heutige Situation optimiert werden. Das Angebot des öffentlichen Verkehrs soll ausgebaut und der Bus soll auf dem Strassennetz gegenüber dem Individualverkehr bevorzugt werden. Vorgesehen sind weiter eine Verbesserung der Velorouten, die Vervollständigung des Parkhausrings, ein neuer Kreisel an der Kreuzung Regiestrasse/Allmendstrasse sowie ein Parkleitsystem und Mobilitätsmanagement. Realisiert werden sollen diese Massnahmen innerhalb von fünf Jahren. Die Kosten werden auf 53 Millionen Franken (inklusive Investitions- und Betriebskosten des öffentlichen Verkehrs) veranschlagt.

Belastung der Innenstadt reduzieren

Mit dem zweiten Massnahmenpaket soll die Belastung der historischen Innenstadtbrücken verringert werden. Wichtigste Massnahmen dazu sind der Ausbau des Autobahnzubringers Steffisburg und der Bau einer neuen Aarebrücke im Norden der Stadt Thun. Der Autobahnzubringer soll neu auch die Siedlungsgebiete Heimberg Süd und Steffisburg Station erschliessen und unter der Bernstrasse durch bis zur Stockhornstrasse verlängert werden. Im Norden der Stadt Thun sollen eine neue Strasse und Aarebrücke mit Anschluss an die Allmendstrasse gebaut werden. Als flankierende Massnahme ist eine neue Verkehrsführung in der Innenstadt mit Einbahnführung auf der Achse Kuhbrücke – Marktgasse geplant. Mit einem Verkehrsleitsystem auf den Hauptverkehrsachsen soll der Verkehr in Richtung Innenstadt gelenkt werden. Realisiert werden sollen diese Massnahmen im Anschluss an das erste Paket; der Investitionsrahmen beträgt 75 Millionen Franken.

Zwei Varianten für die Südumfahrung der Innenstadt

Mit dem letzten Massnahmenpaket soll das Problem einer fehlenden leistungsfähigen Umfahrung der Innenstadt im Süden gelöst werden. Der Bevölkerung werden hier zwar Varianten zum Entscheid vorgelegt: Ein Tunnel unter dem Aarebecken und eine neue Aarebrücke südlich des Thunerhofs. Die von der Stadt Thun bevorzugte Tunnelvariante würde rund 135 Millionen Franken kosten, die Brücke lediglich 40 Millionen Franken. Beide Varianten können erst dann realisiert werden, wenn die Verkehrskapazitäten im Norden der Stadt ausgebaut worden sind.

Militärisch genutzte Areale zivilen Nutzungen zuführen

Im Norden der Stadt sollen die frei werdenden Gebäude und Flächen auf der „Kleinen Allmend“ und auf dem Areal des Motorfahrzeugsparks Thun, die bisher weitgehend militärisch genutzt wurden, zivilen Nutzungen zugeführt werden (Industrie, Gewerbe und Wohnen). Der Kanton hat das Gebiet in das Programm der kantonalen Entwicklungsschwerpunkte (ESP) aufgenommen. Der Richtplan für den Entwicklungsschwerpunkt Thun Nord/Steffisburg enthält 14 konkrete Massnahmen zur Entwicklung dieses Gebiets.

Steffisburgs Entwicklung auf das Areal „Stockhornstrasse Nord“ fokussieren Das Leitbild Ortsentwicklung setzt die Leitplanken für die künftige Entwicklung der Gemeinde Steffisburg. Eine Schlüsselrolle kommt dem Areal „Stockhornstrasse Nord“ zu. Mit der vorgesehenen Nordumfahrung der Thuner Innenstadt wird der Raum Bahnhof/Bernstrasse für die Ansiedlung hochwertiger Einrichtungen von regionaler und überregionaler Einrichtungen attraktiv. Während der Bau eines grossen Einkaufszentrums ausgeschlossen wird, sind verschiedene Nutzungen für Kongresse, Kultur und Freizeit denkbar. Zudem soll hier in Etappen ein verkehrsarmes Quartier mit viel Grün entstehen. Das heute in der Landschaftsschutzzone liegende Gebiet zwischen Glockenthal und Bernstrasse soll weiterhin grün bleiben.

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