Ausgrabung an der Oetenbachgasse - Zürich war eine keltische Stadt

Anlässlich einer Rettungsgrabung untersuchte die Archäologie der Baudirektion Kanton Zürich in Zusammenarbeit mit der Archäologie des Hochbaudepartementes der Stadt Zürich Überreste eines spätkeltischen Befestigungsgrabens an der Oetenbachgasse 5–9. Der Graben gehört zur Siedlung «Turicum», die in der Zeit um 60 v.Chr. angelegt wurde. Er zeigt, dass Zürich in keltischer Zeit ein bedeutenderer Ort war, als bisher angenommen wurde.

ZÜRICH. Auslöser dieser Grabungen war der Umbau der Liegenschaften Oetenbachgasse 5–9, der auch die Unterkellerung betraf. Bei der von November 2003 bis Mitte März 2004 durchgeführten Rettungsgrabung wurden Überreste der spätkeltischen und frührömischen Siedlung «Turicum» ausgegraben. Wichtigste Entdeckung war ein spätkeltischer Befestigungsgraben, der hier erstmals klar gefasst und bis auf die Sohle hinunter ausgegraben werden konnte. Das Ausgrabungsgelände konnte inzwischen wieder der Bauherrschaft übergeben werden.

Befestigungsgraben aus der Zeit zwischen 60 und 30 v.Chr.

Der Graben, der nun auf einer Länge von rund 42 Meter bekannt ist, besass eine Tiefe von 3,5 Meter und eine Breite von etwa 4,5 Meter. Auf Grund seines V-förmigen Querschnitts handelt es sich um einen Spitzgraben. Er führte westlich des Lindenhofhügels entlang. Über den weiteren Verlauf im Norden und im Süden kann derzeit nur spekuliert werden. Nach seiner Auflassung wurde er mit Material zugeschüttet, das Fundgegenstände aus der Zeit zwischen 60 und 30 v.Chr. enthielt. Es ist unklar, ob es die keltische Bevölkerung selber war, die den Graben wieder füllte, oder das römische Militär, das um 15 v.Chr. dieses Gebiet besetzte.

Historischer Hintergrund und Bedeutung des Grabens

Als der hier ansässige keltische Stamm der Helvetier nach Südwestfrankreich abwanderte, brannte er seine Häuser nieder. Der römische Feldherr C. Julius Caesar stoppte dann die Auswanderer in der Schlacht bei Bibracte (58 v.Chr.) und schickte sie in ihre Heimat zurück.

Nach ihrer Rückkehr liessen sich einige dieser Leute am Westabhang und auf der Kuppe des Lindenhofs nieder. Zu ihrem Schutz hoben sie diesen V-förmigen Graben aus. Das Vorhandensein eines solchen Grabens belegt, dass Zürich ein Oppidum gewesen war. «Oppida» nannte Cäsar mit Graben und Wall befestigte Anlagen, welche die Infrastruktur einer Stadt besassen oder nur kurzfristig in Gefahrenzeiten aufgesucht wurden. Für diese Siedlungen wählten die Kelten Plätze aus, die sich von der topografischen Situation her zur Verteidigung eigneten.

Der Hügel des Lindenhofs bot sich geradezu ideal für eine solche Siedlung an, da sich hier eine leicht zu verteidigende, isolierte Höhenlage mit der verkehrsgünstigen Position am Übergang von See und Fluss verband. Über die damals hier lebenden Menschen und ihre Kultur ist wie für das Gebiet der Nordostschweiz ganz generell bislang wenig bekannt. Umso wichtiger ist deshalb diese Entdeckung in Zürich.

Die Rettungsgrabung an der Oetenbachgasse bildet zudem einen wichtigen Bestandteil eines kurz vor dem Abschluss stehenden Forschungsprojekts: Seit mehreren Jahren wird die Frühzeit von Zürich vom «Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie der römischen Provinzen» der Universität Bern systematisch aufgearbeitet. Bei diesem Projekt, das vom «Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung» unterstützt wird, arbeiten die Universität Bern sowie die Stadt- und Kantonsarchäologie Zürich eng zusammen.

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