Erste Solothurner "Energiestädte"

SOLOTHURN. Volkswirtschaftsdirektor Roberto Zanetti hat in Grenchen – im Rahmen eines kleinen Festaktes - die Städte Olten, Grenchen, Solothurn und die Gemeinde Zuchwil mit dem Bundeslabel "Energiestadt®" ausgezeichnet. Am gleichen Anlass unterzeichneten Frau Landammann Ruth Gisi und Regierungsrat Walter Straumann – sie sind Co-Präsidenten der Lokalen Agenda 21 - zusammen mit den Stadt- und Gemeindepräsidenten eine Nachhaltigkeitserklärung. Ein erster Meilenstein ist gesetzt.

Solothurner Politprominenz im Berufsbildungszentrum Grenchen: Gleich drei Regierungsräte und die Präsidenten der vier grössten Solothurner Gemeinden bekräftigten ihre gegenseitige Unterstützung auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung. Frau Landammann Ruth Gisi dankte den Stadtpräsidenten Boris Banga, Grenchen, Ernst Zingg, Olten, Kurt Fluri, Solothurn und Zuchwils Gemeindepräsident Gilbert Ambühl für Ihr vorbildliches Engagement. Besonders erfreut zeigte sich Ruth Gisi darüber, dass an diesem Anlass nicht das Konkurrenz- sondern das Kooperationsdenken im Vordergrund steht. Als Bildungsdirektorin wies Gisi speziell auch auf die Pädagogische Hochschule Solothurn hin, die "Bildung für eine nachhaltige Entwicklung" zu einem ihrer Profilschwerpunkte gemacht hat und ein entsprechendes Angebot zur Verfügung stellt. Regierungsrat Walter Straumann, betonte, dass sich erstmals in der Schweiz ein Kanton und vier Gemeinden gleichzeitig verpflichten, einander bei der Realisierung konkreter nachhaltiger Projekte zu unterstützen. "Die Erklärungen knüpfen in guter Solothurner Tradition an die zahlreichen Kooperationsvereinbarungen an, die wir mit innovativen Unternehmen in unserem Kanton bereits abschliessen konnten", sagte Straumann. Das Ziel der Regierung sei es, mit möglichst vielen Solothurner Gemeinden solche Nachhaltigkeitserklärungen abschliessen zu können.

Regierungsrat Roberto Zanetti erläuterte in seiner Funktion als Energiedirektor das "Label Energiestadt®". Mit diesem Label werden die bisherigen Anstrengungen der Gemeinden bei der Förderung erneuerbarer und ressourcenschonender Energieformen ausgezeichnet. Die vier grössten solothurnischen Gemeinden übernehmen eine Führungsrolle und werden gemeinsam als Energiestädte® zertifiziert.

Nach der Unterzeichnung der Nachhaltigkeitserklärungen vor geladenen Gästen zählte Stadtpräsident Boris Banga, Grenchen realisierte positive Beispiele seiner Stadt auf. Dazu gehören die Windenergieanlage auf dem Grenchenberg, die Solaranlage auf dem Fussballstadion oder die Neugestaltung des Stadtzentrums mit der Begegnungszone. Solche und zahlreiche andere Projekte führten dazu, dass Grenchen auf Anhieb mit einem Realisierungsgrad von 59 % der möglichen Massnahmen die Hürde zum Label Energiestadt® von 50 % schaffte. Banga gratulierte den anwesenden Stadt- und Gemeindepräsidenten seinerseits herzlich zur erreichten Zertifizierung.

Die Stadt Olten war schon Anfang der 90er Jahre bei der Entwicklung des Labels Energiestadt® sehr aktiv. Nachdem aus verschiedenen Gründen der Schwung etwas zum Erliegen kam, entschied sich der Stadtrat gemäss Stadtpräsident Ernst Zingg, eine Doppelstrategie "Label Energiestadt®" und "Analyse der Nachhaltigkeitspolitik" der Stadt Olten durchzuführen. Die vorliegenden Resultate seien zwei wesentliche Instrumente der Stadtentwicklungspolitik von Olten. Sie unterstützen die städtischen Behörden bei der Umsetzung des Verkehrskonzeptes, der Vertiefung der regionalen und interkantonalen Zusammenarbeit im Rahmen der Netzstadt Mittelland (Aarolfingen) bis zur Neukonzipierung des Kulturwesens und Integrationsprojektes.

Für Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri bedeutet der gemeinsame Anlass ein "Zwischenhalt auf dem Weg zur Erarbeitung einer Lokalen Agenda 21." Den Auftrag dazu formulierte der Gemeinderat in seinen Legislaturzielen 2001 – 2005. Fluri erwähnte als realisierte Beispiele die Warmwasserkollektoren im Schwimmbad, mit welchen seit 1979 jährlich 23 Tonnen Heizöl eingespart werden kann. Die rationelle Energieverwendung bei öffentlichen Gebäuden führte in den vergangenen zehn Jahren zu Einsparungen von 14 %. Fluri sprach sich für ein schrittweises Vorgehen auf dem weiteren Weg zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung aus. Die Umsetzung wird mit "aller Konsequenz angegangen, aber ohne Gefährdung des Wohn-, Arbeits- und Investitionsstandortes".

Gilbert Ambühl, Gemeindepräsident von Zuchwil, zeigte sich erfreut darüber, dass Zuchwil den Prozess gemeinsam mit den drei Städten mitmachen konnte. Dieser Prozess bewirkte eine "positive Einstellung und eine Aufbruchstimmung." Der Gemeinderat hat die von den Fachleuten vorgeschlagenen Massnahmenschwerpunkte für eine nachhaltige Entwicklung nicht nur alle genehmigt, sondern sogar noch gewichtige Ergänzungen eingebracht und beschlossen. Beispiele sind: Institutionalisierung der Jugendarbeit, Schaffen einer Ansprechstelle für die Integration, Parkplatzbewirtschaftung, energietechnische Sanierung gemeindeeigener Liegenschaften, etc. Ambühl betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit in der Agglomeration Solothurn, die ein "zukünftiger Schlüsselfaktor für unsere gemeinsame nachhaltige Entwicklung sein wird."

"Label Energiestadt®" - was ist das ?" 

Das Label "Energiestadt®" erhalten Gemeinden jeder Grösse, wenn Sie ausgesuchte energiepolitische Massnahmen realisiert oder beschlossen haben. Es ist ein Leistungsausweis für eine konsequente und ergebnisorientierte Energiepolitik. Das Markenzeichen ist in vier Landessprachen und in den meisten Ländern Europas eingetragen. Die Gemeinden können das Label für ihr Standortmarketing verwenden. Nach der Vergabe des Labels prüft die Label-Kommission die Umsetzung der beschlossenen Massnahmen anhand von Audits und Erfolgskontrollen.

Alternative: Was ist "Energiestadt"? 

Energiestadt ist ein Label von EnergieSchweiz für Gemeinden. Gemeinden die nach einer Bestandesaufnahme, beschlossenen und ergriffenen Massnahmen mindestens 50 Prozent eines standardisierten Massnahmenkataloges erfüllen, können ausgezeichnet werden. Der Katalog umfasst folgende Bereiche:

Bau und Planung Energieversorgung 

Wasser/Abwasser/Abwärme Verkehr und Transport Interne Organisation 

Öffentlichkeitsarbeit 

Ziel ist es dabei die Klimaziele des Bundes bis 2010 mit der Förderung von erneuerbaren Energien und einem sparsamen Energieverbrauch zu unterstützen:

Verbrauch von fossilen Brennstoffen und den CO2-Ausstoss um 10 Prozent reduzieren 

Der Elektrizitätsverbrauch darf um höchstens 5 Prozent wachsen 

Der Anteil der Wasserkrafterzeugung am Endverbrauch darf nicht sinken 

Der Anteil der übrigen erneuerbaren 

Energien soll bei der Stromerzeugung um 1 Prozent und bei der Wärmeerzeugung um 3 Prozent steigen 

Der Erfahrungsaustausch und weitere Produkte und Dienstleistungen ermöglichen den Energiestädten energiepolitisch am Ball zu bleiben.

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news box märz 2004