Gletscherschmelzen und ausgetrocknete Bäche 

Hitze und Trockenheit im Sommer 2003 wirkten sich unterschiedlich auf die Gewässer der Schweiz aus: Die Gletscher schmolzen stark ab und füllten die Alpenflüsse mit Wasser, während im Jura und im Mittelland die geringen Abflussmengen und die hohen Wassertemperaturen die Fische bedrohten. Gesuche um Wasserentnahmen für Bewässerungen führten zum Interessenkonflikt zwischen Gewässerschutz und Landwirtschaft. Keine Probleme wurden bei der Wasserqualität gemeldet und die Trinkwasserversorgung wurde nur lokal beeinträchtigt. Insgesamt drängen sich keine Massnahmen auf Stufe Gesetzgebung auf. Zu diesem Schluss kommt ein veröffentlichter Bericht von BUWAL, BWG und MeteoSchweiz. 

BERN. Hart getroffen wurde die Fischfauna, die gleich doppelt bedroht war: von den sinkenden Wasserständen – im Extremfall bis zum Austrocknen des Bachbetts – und von den hohen Wassertemperaturen, die für bestimmte Fischarten wie Forellen oder Äschen lebensbedrohlich sein können. Das spektakulärste Ereignis des Sommers 2003 – das Massensterben von über 50'000 Äschen im Rhein unterhalb des Bodensees – hatte seine Ursache in den extrem hohen Wassertemperaturen. Am 12. August wurden bei Stein am Rhein in der Flussmitte in vier Metern Tiefe fast 26 °C gemessen. 

Generell war das Austrocknen von Gewässern jedoch das grössere Problem als die hohen Wassertemperaturen. Eine Umfrage bei den Kantonen ergab, dass im Sommer 2003 mindestens 350 Fischgewässer mit einer Länge von insgesamt 245 Kilometern als Folge der Niederschlagsdefizite streckenweise oder ganz ausgetrocknet waren. In zahlreichen Kantonen war das Fischereipersonal im Dauereinsatz, um die Fische vor dem Trockenfallen der Gewässer oder dem Temperaturstress zu retten. Dabei wurden mindestens 120'000 Fische in Gewässerabschnitte mit ausreichender Wasserführung umgesiedelt. Insgesamt wurden gegen 85'000 tote Fische eingesammelt, wobei die tatsächlichen Verluste deutlich höher gelegen haben dürften. Besser erging es der Flora und Fauna in Feuchtgebieten wie Auen und Mooren (siehe Kasten 2). Als Folge der Hitze und der Trockenheit traten ungewöhnliche Phänomene auf: So wuchsen im Flussbett der Thur beispielsweise Sonnenblumen und Tomatenstauden, und im Neuenburgersee wurden Süsswasserquallen beobachtet.

Bewässerung versus Gewässerschutz 

Eine besondere Herausforderung für die Behörden war der für heisstrockene Sommer typische Interessenkonflikt zwischen Gewässerschutz und Wasserentnahmen aus kleineren Fliessgewässern zum Bewässern der von Dürreschäden bedrohten landwirtschaftlichen Kulturen. Die schwierige Lage wurde von den betroffenen Kantonen unterschiedlich bewältigt, wie der Bericht aufzeigt. Zeitweise mussten Einschränkungen oder Verbote für Wasserentnahmen verfügt werden, um eine minimale Wasserführung sicherzustellen. Vereinzelt führte dies zu Konflikten zwischen Behörden und Bauern und zu illegalen Wasserentnahmen. Insgesamt waren die Massnahmen der Kantone jedoch zielführend: Anders als in früheren Trockensommern dürften leergepumpte Bäche die Ausnahme geblieben sein. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Ursache für das Austrocknen mancher Gewässerabschnitte die geringen Niederschläge und nicht die Wasserentnahmen waren. 

Kein unmittelbarer Handlungsbedarf 

Meldungen über temperatur- und trockenheitsbedingte Erhöhungen der Konzentration von chemischen Inhaltsstoffen oder durch verstärkte bakterielle Aktivitäten trafen keine ein. Der Betrieb der Abwasserreinigungsanlagen wurde eher positiv als negativ beeinflusst. Hinweise über besondere hygienische Probleme in Badegewässern als Folge der ausserordentlichen Witterung liegen ebenfalls keine vor. Beim Grundwasser, bei der Trinkwasserversorgung und bei der Nutzung der Wasserkraft traten nur lokal Probleme auf (siehe Kasten 3). Bei einer Gesamtbetrachtung der im Bericht zusammengestellten Daten und Beobachtungen aus dem Jahr 2003 drängen sich beim gegenwärtigen Stand des Wissens auf Bundesebene keine unmittelbaren Massnahmen auf Stufe Gesetzgebung auf. Allerdings lässt der Klimawandel künftig vermehrt Extremereignisse erwarten wie den Hitzesommer 2003. Es ist deshalb unerlässlich, die langfristigen Anstrengungen in Sachen Klimaschutz (wie die Umsetzung des Kyoto-Protokolls oder des CO2-Gesetzes) fortzusetzen, wie BUWAL-Direktor Philippe Roch kommentiert. 

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news box august 2004