Psychologische Erste Hilfe in Rettungs- und Notfallorganisation integrieren  

Der Kanton Bern schafft die Voraussetzungen zur optimalen Betreuung von Personen, die nach traumatischen Erlebnissen psychologische oder seelsorgerliche Hilfe benötigen. Das vom Regierungsrat beschlossene Konzept regelt das Zusammenwirken aller im Bereich der psychologischen Betreuung tätigen Organisationen und die Zusammenarbeit zwischen kirchlichen und staatlichen Stellen.

BERN. Die Betreuung von Personen, die von schlimmen Ereignissen oder von privaten Tragödien betroffen sind, ist sehr anspruchsvoll. Das haben Ereignisse wie die Gasexplosion in Steffisburg oder das Familiendrama in Lenk eindrücklich gezeigt. Diese können bei den betroffenen Personen und ihren Angehörigen, aber auch bei Helferinnen und Helfern starke psychische Reaktionen auslösen. Der Kanton Bern hat als einer der ersten in der Schweiz ein Konzept über die Psychologische Erste Hilfe (PEH) ausgearbeitet, das den Einsatz und die Vernetzung der verschiedenen Rettungs- und Notfallorganisationen regelt. An einer Medienkonferenz hat die bernische Polizei- und Militärdirektorin, Regierungsrätin Dora Andres, zusammen mit der Vertreterin der Interkonfessionellen Konferenz IKK, Synodalrätin Susanne Graf, dieses neuartige Konzept und seine Umsetzung vorgestellt.

Die Alarmierung der PEH wird über die Notfrufnummer 144 sicher gestellt. Das Einsatzkonzept sieht drei sich gegenseitig ergänzende Ebenen vor. Für den Einsatz vor Ort steht eine Einsatzgruppe zur Verfügung, die aus Notfallpsychologinnen, Notfallseelsorgern, Notärzten, Vertretungen der Erziehungsberatung sowie aus speziell geschulten Personen der Samariter und des Zivilschutzes besteht. Für die Nachbetreuung stehen den betroffenen Personen die entsprechenden stationären Einrichtungen zur Verfügung. Angehörige von Einsatzformationen werden nach belastenden Einsätzen von speziell dafür geschulten Kolleginnen und Kollegen, so genannten Peers, psychologisch betreut. Die Organisationen und Institutionen sind bereits heute in der professionellen psychologische Hilfe im Einsatz und verfügen über die nötigen beruflichen Voraussetzungen und Erfahrung. Die Koordination des Einsatzes erfolgt durch das Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär.

Eine wichtige Aufgabe in der psychologischen Ersten Hilfe kommt den Seelsorgerinnen und Seelsorgern zu. Sie haben von Berufes wegen und auf Grund ihrer praktischen Erfahrung gute Voraussetzungen, um Menschen in Krisensituationen zu unterstützen. Bisher haben 75 Seelsorgerinnen und Seelsorger im Rahmen eines Projekts der Interkonfessionellen Konferenz IKK die Grundausbildung zur Notfallseelsorgerin, zum Notfallseelsorger absolviert und stellen die Einsatzbereitschaft im Projekt Psychologische Erste Hilfe rund um die Uhr sicher.

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news box august 2004