Asche aus der Ukraine

Verunreinigung auf Schweizer Seen: Ursache aus grosser Entfernung

AARGAU. Auf verschiedenen Schweizer Seen wurden im Mai und Juni Verunreinigungen beobachtet. Untersuchungen deuten auf einen Zusammenhang mit dem Grossbrand eines Munitionsdepots in der Ukraine hin.

Viermal trat sie auf, eine Verunreinigung auf der Oberfläche verschiedener Schweizer Seen. Am 28. Mai war auch der Hallwilersee betroffen. Auf dem Vierwaldstättersee bei Brunnen zeigte sich den Ermittlern vom Umweltschutzamt des kantons Schwyz am 13. Mai ein weissgräulicher Belag in gewissen Bereichen der Seeoberfläche. Bei genauerer Untersuchung bestand dieser Belag aus schwärzlichen Partikeln. Diese schwammen vorerst oben auf und stiessen das Wasser ab. Nach kurzer Zeit jedoch wurden sie durch Wellenschlag benetzt und sanken ab. Die Verunreinigung war verschwunden und hinterliess lediglich einen gräulichen Belag an den Schiffen und am Ufer. Zudem setzte sich beim Zerreiben der Partikel auf den Fingern eine russähnliche Ablagerung ab, die nur schwer abwaschbar war. Weitere Folgen für die Gewässer konnten nicht beobachtet werden.

Pollen oder Industriestaub? 

Der Blick auf die Verunreinigung durch das Mikroskop zeigte, dass es sich beim grössten Teil der Partikel um Pollen von Nadelbäumen handelt. Die Resultate einer chemischen Analyse der Verunreinigung vom 13. Mai 2004 ergaben jedoch, dass noch andere Ursachen für dieses Ereignis verantwortlich sein müssen. Gemäss der Nationalen Alarmzentrale NAZ gilt als mögliches Grossereignis mit Auswirkungen auf die Schweiz der dreitägige Brand eines Munitionsdepots im Südosten der Ukraine vom 6. bis 8. Mai 2004. Gemäss der NAZ waren im Munitionsdepot 4500 Waggons Munition gelagert.

Mit Berechnungen konnte die NAZ zeigen, dass die bodennahen Luftschichten, die sich zur Zeit des Brandes am Unfallort befanden, die Schweiz um den 12.-13. Mai 2004 herum erreicht haben könnten. Dafür spricht auch der an diesen Tagen stark erhöhte Gehalt von Feinstaubpartikeln in der Luft, welcher an verschiedenen Luftmessstationen in der Schweiz feststellbar war. Am Tag der ersten festgestellten Verschmutzung herrschte wie auch bei den anderen Verunreinigungsereignissen regnerisches Wetter, so dass die Partikel aus der Atmosphäre ausgewaschen werden konnten.

Die verschiedenen Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass der Brand im weit entfernten Munitionsdepot die mögliche Ursache für die beobachteten Verunreinigungen auf den Schweizer Seen war. Saharastaub auf Schneefeldern ist ein Indiz, wie weit solche kleinen Teilchen transportiert werden können. Der Reaktorunfall in Tschernobyl hat zudem gezeigt, dass bei Grossereignissen auch Wochen später noch Partikel aus der Atmosphäre ausgewaschen werden können. Dies kann der Grund sein für das mehrmalige Auftreten der Verunreinigungen auf den Seen.

Beim Grossbrand eines Munitionsdepots entstehen so hohe Temperaturen, dass die meisten Metalle verdampfen. Folglich können sie im Niederschlag nachgewiesen werden. Die in der chemischen Analyse der Verunreinigung auf den Seen gefundenen Bestandteile zeigen für Munition typische Inhaltsstoffe. Dazu gehören nebst den Hauptbestandteilen Eisen und Aluminium auch Barium und Strontium.

Globale Vernetzung und gute Zusammenarbeit.

 Die möglichen Auswirkungen des Munitionsbrandes in der Ukraine auf die verschiedenen Seen der Schweiz zeigt einmal mehr auf, dass die Umwelt stark vernetzt ist. Selbst entfernte Länder liegen näher als uns bewusst ist. Aus diesem Grund ist eine enge internationale Zusammenarbeit auch in Umweltfragen notwendig.

Eine enge Zusammenarbeit war auch in der Schweiz zur Ermittlung der Verschmutzungsursache notwendig. An den Untersuchungen beteiligten sich nebst dem Amt für Umweltschutz des Kantons Schwyz auch die Umweltschutzämter der Kantone Nidwalden, Glarus, Aargau und St. Gallen, die Nationale Alarmzentrale NAZ, die EMPA, MeteoSchweiz sowie das Ökologiebüro Aquaplus, das Laboratorium der Urkantone und das Labor Bachema.

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news box august 2004