Prekäre Arbeitsverhältnisse“ und „Arbeit auf Abruf“

BERN. Zwei Forschungsarbeiten haben die im Titel gestellten Fragen zu beantworten versucht. Die Studie von Ecoplan sucht nach messbaren Kriterien, um entscheiden zu können, ob ein nicht traditionelles Arbeitsverhältnis auch wirklich „prekär“ ist. Ziel ist, die quantitative Bedeutung der verschiedenen Formen „prekärer Arbeitsverhältnisse“ seit den 90er Jahren abzuschätzen. Die Arbeit von F. Henneberger et. al. untersucht, ob „Arbeit auf Abruf“ eine zusätzliche Chance für Arbeitnehmer ist, wieder ein reguläres Arbeitsverhältnis zu erlangen, oder ob sie dazu führt, in prekären Lebensverhältnissen gefangen zu bleiben.

Im Rahmen des vom ALV-Fonds finanzierten Forschungsprogramms haben sich zwei Studien mit der in den 90er Jahren oft diskutierten These auseinandergesetzt, die Arbeitswelt sei im Zuge der „Globalisierung“ auch in der Schweiz einem vertieften Strukturwandel ausgesetzt. Stimmt diese Behauptung aus Sicht der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, und wenn ja, welche Auswirkungen auf die Wohlstandsentwicklung und für die Sozialpolitik der Schweiz können diese Trends in der Zukunft haben? – Die beiden Berichte geben die Auffassung der jeweiligen Autoren wieder. Sie muss sich nicht mit derjenigen des seco decken. Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) des Nationalrats hat im Rahmen ihrer Arbeiten an der Parlamentarischen Initiative Dormann „Regelung der Arbeit auf Abruf“ eine Subkommission eingesetzt, welche die politischen Folgerungen aus diesen Arbeiten ziehen wird.

Die Autoren der Ecoplan-Studie kommen zum Schluss, dass es keinen erkennbaren langfristigen Trend hin zu mehr prekären Arbeitsverhältnissen in der Schweiz gebe. Die Hauptbetroffenen sind Frauen, Jüngere und Niedrigqualifizierte, besonders häufig aus Tätigkeiten in privaten Haushalten.

Henneberger et. al. gelangen zum Ergebnis, dass – zumindest im Falle der Arbeit auf Abruf – die „Sprungbrett“-Funktion eines flexiblen Arbeitsmarktes den sozial nicht erwünschten „Klebeeffekt“ eindeutig dominiere. Die Kernaussage ist also, dass Arbeit auf Abruf sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene die Wohlstandschancen befördere, weil Erwerbslose dank Arbeit auf Abruf leichter eine neue Stelle finden können. Dem gegenüber verstärke Arbeit auf Abruf die Gefahren eines sozial segregierenden Arbeitsmarktes nicht weiter, weil die individuelle Wechselhäufigkeit zwischen den beiden Beschäftigungsformen „Arbeit auf Abruf“ und „traditionelles Arbeitsverhältnis“ beträchtlich sei. Umgekehrt bewirke Arbeit auf Abruf auch nicht, dass neue Mobilitätsschranken aufgebaut werden.

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