Bilanz: Tourismuspolitik

BERN.  Nach der Inkraftsetzung des tourismuspolitischen Leitbildes im 2001 entstanden innert zwei Jahren neun schlagkräftige orts- und teils kantonsübergreifende Destinationsorganisationen - Zeichen einer Aufbruchstimmung im Berner Oberländer Tourismus. Durch die Bildung von Destinationen werden regionale Potenziale und Synergien besser genutzt, mit dem Ziel die Wettbewerbsfähigkeit und die Ertragskraft der Branche zu stärken. Die Leistungsvereinbarungen der Volkswirtschaftsdirektion mit den einzelnen Destinationen orientieren sich unter anderem an den Grundsätzen Kooperations- und Destinationsbildung, Qualitätsoffensive sowie touristische Schwerpunktbereiche. Die Mittel sollen in erster Linie dort verwendet werden, wo sie erarbeitet werden und Wertschöpfung schaffen. Dieser Grundsatz soll in einem neuen Tourismus-förderungsgesetz verankert werden. Mit der Lancierung dieses Gesetzgebungsverfahrens setzt der Kanton Bern ein klares Signal für eine aktive Tourismuspolitik.

Der Tourismus ist für das Berner Oberland von grosser volkswirtschaftlicher Bedeutung: Mehr als 26 Prozent des regionalen Bruttoinlandproduktes werden in dieser Querschnittsbranche erarbeitet und fast jeder dritte Arbeitsplatz ist vom Tourismus abhängig. Die touristischen Leistungsträger (z.B. Hotels, Restaurant, Transportanlagen) tragen etwa 40 Prozent zur touristischen Wertschöpfung bei. Zahlreiche andere Branchen wie Handel, Verkehr, Banken, Versicherungen und kulturelle Institutionen profitieren stark vom Tourismus. In klassische Tourismusdestinationen wie Grindelwald, Adelboden, Gstaad oder im Lauterbrunnental mit Wengen und Mürren liegt der Abhängigkeitsgrad der lokalen Bevölkerung vom Tourismus bei über 90 %.

Der Berner Tourismus steht vor grossen Herausforderungen: Preisliche Wettbewerbsnachteile gegenüber ausländischen Alpendestinationen, Ertragsprobleme, mangelnde Kapitalmarktattraktivität oder eine Servicequalität, die nicht immer den Gästeerwartungen entspricht. Das tourismuspolitische Leitbild des Kantons, das der Regierungsrat im 2001 genehmigt hat, bietet wegweisende Lösungsansätze für diese Herausforderungen. So setzt der Kanton seit zwei Jahren konsequent auf den Kooperationsansatz, um die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu verbessern. Am weitesten fortgeschritten sind diese Bemühungen im Bereich der Destinationsbildung, welche die tourismuspolitische Landkarte im Berner Oberland verändert hat. Innert zwei Jahren sind neun schlagkräftige orts- und teils kantonsübergreifende Destinationsorganisationen entstanden. Die Volkswirtschaftsdirektion hat mit den einzelnen Destinationen individuelle Leistungsaufträge abgeschlossen, welche die Ziele, Massnahmen sowie die Indikatoren für das Controlling beinhalten. Schwerpunkte dieser Verträge sind Kooperations- und Destinationsbildung, Qualitätsoffensive, touristische Schwerpunktbereiche, professionelles Rechnungswesen, Klassifizierung der Ferienwohnungen sowie Propagierung des Labels „Safety in Adventure“. Der Kanton zahlt Mittel aus der Beherbergungsabgabe zugunsten der touristischen Marktbearbeitung direkt an die Destinationen aus. Die Mittelverwendung folgt dem Grundsatz „Mittelherkunft = Mittelverwendung“; die Mittel sollen in erster Linie dort bleiben, wo sie erarbeitet werden und Wertschöpfung schaffen. Gleichzeitig leistet der Kanton dadurch einen Beitrag zur dezentralen Besiedlung der Berggebiete.

Seit Anfang 2004 setzt der Kanton auch konsequent auf den Kooperationsansatz in der Bergbahnförderung. Investitionshilfe-Darlehen fliessen nur noch in kostenoptimierte Projekte. Neue Unternehmensmodelle sind gefragt und Bergbahnfusionen kein Tabu mehr. Der Kooperationsgedanke werde auch bei der künftigen Hotelförderungspolitik einen grossen Stellenwert einnehmen. Fortschritte sind auch im Bereich Qualitätssicherung zu verzeichnen. So verfügten Ende des letzten Jahres 249 Berner Tourismusbetriebe über ein anerkanntes Qualitätslabel. Das sind immerhin rund 20 Prozent aller Labels im Schweizer Tourismus. Dass sich solche Initiativen lohnen, zeigen die zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen, die Berner Oberländer Destinationen und Tourismusunternehmen im vergangenen Jahr erhalten haben.

Die Volkswirtschaftsdirektion ist sich bewusst, dass diese Entwicklungsdynamik nicht allein auf die kantonale Tourismuspolitik zurück zu führen ist. Dahinter stehen vor allem weit blickende Personen mit unternehmerischem Sachverstand. Sie appelliert an die Tourismuswirtschaft, ihre Anstrengungen vor allem in den Bereichen Qualitätssicherung und Kostenmanagement zu verstärken und versichert, dass die Branche dabei weiterhin mit der Unterstützung des Kantons rechnen kann. So wird mit der laufenden Revision des Tourismusförderungsgesetzes ein klares Signal für eine aktive Tourismuspolitik gesetzt: Der Kanton will einen Beitrag leisten, damit die Dynamik in der Tourismuswirtschaft auf die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft des Berner Oberland übergreift.

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