Familienergänzende Kinderbetreuung als Faktor im Standortwettbewerb unter den Gemeinden

ZÜRICH. Wenn berufstätige Eltern oder Unternehmen für ihre hochqualifizierten Arbeitskräfte Wohnorte suchen, die über ein Betreuungsangebot für Kinder verfügen, sollten sie sich zunächst in Zürich, Urdorf oder Adliswil umschauen. Diese drei Gemeinden bieten im Vergleich mit allen anderen Gemeinden im Kanton zur Zeit die meisten Betreuungsplätze für Kinder aller Altersgruppen. Die kantonale Gleichstellungskommission hat einen neu entwickelten Index veröffentlicht, der zum ersten Mal das familienergänzende Betreuungsangebot im Kanton gesamthaft erfasst und die Angebote in den Gemeinden miteinander vergleicht. Der Kinderbetreuungsindex soll regelmässig aktualisiert werden.

Die kantonale Gleichstellungskommission setzt sich für die nachhaltige Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein. Diese notwendige Bedingung für die Gleichstellung von Frauen und Männern bietet zahlreiche wirtschaftliche Vorteile: Familien mit geringem Einkommen sind weniger häufig auf öffentliche Unterstützung angewiesen, wenn beide Eltern arbeiten gehen können. Immer besser ausgebildete und berufstätige Frauen sichern das Wachstumspotential einer Volkswirtschaft und erhöhen das Steueraufkommen in ihren Wohngemeinden. Damit werden berufskompatible Betreuungsangebote zu einem wichtigen Faktor für die Wohnortwahl von berufstätigen Eltern. Das gilt ebenso für die Standortentscheidung von Unternehmen und Institutionen, die einerseits auf qualifizierte Arbeitskräfte angewiesen sind und andererseits ihren Angestellten eine attraktive Infrastruktur im Umfeld des Unternehmens anbieten wollen.

Der Kinderbetreuungsindex 2003

Die Gleichstellungskommission reagiert auf die zunehmende Bedeutung der familienergänzenden Kinderbetreuung als Standortfaktor, indem sie Eltern, Unternehmen und Gemeinden mit einem neu entwickelten Index über das Betreuungsangebot im Kanton Zürich informiert. Der Kinderbetreuungsindex konzentriert sich auf institutionalisierte und berufskompatible Betreuungsangebote. Dies stellt sicher, dass bei der Qualität der Betreuung gewisse Mindesterfordernisse erfüllt werden. Der Index beruht auf drei Indikatoren: Anzahl betreuter Kinder, Länge der Wartelisten sowie Summe der öffentlichen Subventionen, die für die familienergänzende Betreuung in einer Gemeinde geleistet werden.

Aus diesen Indikatoren wurden drei separate Indizes erstellt: Der Vorschulindex, der Schulindex und der Gesamtangebotsindex, der das gesamte Angebot ohne Altersunterscheidung und die öffentlichen Subventionen enthält. Dies ermöglicht ein differenziertes Informationsangebot für die jeweiligen Zielgruppen und detaillierte Vergleiche zwischen den Gemeinden. Für die Darstellung der Ergebnisse werden die Indexwerte in die übliche Notenskala von eins bis sechs umgerechnet. Der Notendurchschnitt aller drei Teilnoten ergibt die Gesamtnote im Kinderbetreuungsindex 2003. Der Kinderbetreuungsindex soll regelmässig aktualisiert und veröffentlicht werden.

Gemeinden Zürich, Urdorf und Adliswil mit Note 6 In zahlreichen Gemeinden im Kanton Zürich gibt es bereits ein berufskompatibles Betreuungsangebot für Kinder. Besonders hervorzuheben sind die Gemeinden Zürich, Urdorf, Adliswil (Note 6) und Greifensee, Horgen, Andelfingen, Zell (Note 5,7), die im Vergleich mit allen anderen Gemeinden über das beste Betreuungsangebot verfügen.

Ein gutes Betreuungsangebot bieten mit der Note 5,3 auch die Gemeinden Küsnacht, Wädenswil, Rüschlikon, Dielsdorf, Hirzel, Rafz und Affoltern am Albis. Ebenfalls eine gute Note erhielten die Gemeinden Meilen, Kilchberg, Winterthur, Stäfa, Eglisau, Seuzach, Hedingen und Hausen am Albis mit der Note 5,0 sowie die Gemeinden Schwerzenbach, Zumikon, Richterswil, Rümlang, Thalwil, Fällanden, Fischenthal, Kloten, Bülach, Bubikon, Obfelden mit der Note 4,7.

Im Durchschnitt werden sechs Prozent der Kinder einer Gemeinde familienergänzend betreut. Es ist aber festzuhalten, dass es in 101 Gemeinden noch kein Betreuungsangebot für Vorschulkinder gibt. Auch im Schulbereich fehlt in jeder vierten Gemeinde ein entsprechendes Angebot. Es ist deshalb zu wünschen, dass der Kinderbetreuungsindex den Gemeinden als Orientierungshilfe dient, um allfälligen Nachholbedarf im Betreuungsangebot für Kinder zu identifizieren und entsprechende Massnahmen in die Wege zu leiten.

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