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Wie gelangen
Präventionsthemen auf die politische Agenda von
Gemeindebehörden?
BERN. Das Alkoholpräventionsprogramm «Alles im Griff?» des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und der Eidgenössischen Alkoholverwaltung (EAV) möchte mit dem Projekt «Die Gemeinden handeln!» die Prävention von risikoreichem Alkoholkonsum in den Gemeinden unterstützen. Über 35 Kommunen in der ganzen Schweiz haben sich bereits dafür entschieden, praxisnahe Konzepte und Massnahmen und damit verbunden eine sogenannte lokale Alkoholpolitik zu entwickeln. Nun haben die Radix Gesundheitsförderung, die mit der Projektleitung beauftragt ist, und die Fachgruppe Prävention des Fachverbandes Sucht am vergangenen Dienstag zu einer Fachtagung nach Zürich eingeladen. Übermässiger und risikoreicher Alkoholkonsum verursacht hohe Gesundheitskosten und beeinträchtigt die eigene Lebensqualität und die des Umfelds. Die Folgen von Alkoholmissbrauch betreffen die Allgemeinheit, die Bewohnerinnen und Bewohner einer Gemeinde. Deshalb ist es sinnvoll, wenn auch die Prävention vor Ort, also in den Kommunen, aufgebaut wird. In der Praxis werden damit Verkehrsunfälle, generelle Gewaltbereitschaft, Vandalismus oder Nachtruhestörungen und risikohafter Alkoholkonsum von Jugendlichen und Erwachsenen reduziert. Ziel der Tagung war es, aufzuzeigen, was Gemeinderäte, Gesundheitsvorsteher oder Behörden veranlasst hat, im Projekt mitzumachen, was sie sich davon versprechen und mit welchen Schritten sie die Prävention in die Gemeindestrukturen eingliedern. Ernüchternd ist, dass oft der Druck seitens der Bevölkerung notwendig ist, damit Gesamtbehörden der Prävention mehr Beachtung schenken oder vom Souverän die dafür nötige Unterstützung erhalten. Dieser Druck entsteht oft in Schulen, durch Beschwerden der Bewohner über Vandalismus oder durch Vorfälle mit gesundheitlichen Konsequenzen wie Alkoholvergiftungen oder Unfälle. Zur Projektteilnahme führt nicht zuletzt das gewonnene Bewusstsein, dass etwas gemacht werden muss und dass dabei gebündelte Kräfte mehr Erfolg bringen. Oft ist man sich durchaus bewusst, dass ohne eine griffige Prävention mit erheblichen Folgekosten zu rechnen ist. Rezepte für eine erfolgreiche Präventionsarbeit Gemeindevertreter und Präventionsfachleute eruierten an der Veranstaltung in Zürich, welche Faktoren für eine erfolgreiche Präventionsarbeit besondere Bedeutung haben. Auf der Seite der Gemeinden wird das Know-how der Fachstellen und ihr Blick über die Gemeindegrenze hinaus sehr geschätzt. Wichtig ist ihre Unterstützung beim Aufbau eines funktionierenden Netzwerks, in dem keine wichtige lokale Organisation fehlen darf. Für Behördenvertreter müssen Projektziele verständlich, in nützlicher Zeit erreichbar und nachhaltig sein. Besonders positiv ins Gewicht fällt, dass das Projekt «Die Gemeinden handeln!» mit äusserst geringen Kosten – oft sind es nur die Sitzungsgelder für die Arbeitsgruppen – eine sehr gute Prävention ermöglicht. Einig waren sich die Behördenvertreter darüber, dass es auf der Seite der Politik jemanden braucht, der die Notwendigkeit der Prävention einsieht und aktiv wird. Mario Strähl, Gemeinderat Möhlin, drückte es etwas konservativ, aber treffend aus: «Es braucht einen Bannerträger.» 37 Gemeinden handeln! Die Radix Gesundheitsförderung begleitet inzwischen gemeinsam mit lokalen Suchtberatungs- und -präventionsstellen 37 Gemeinden bei der Erarbeitung und Umsetzung einer lokalen Alkoholpolitik. Entstanden sind ganz unterschiedliche Projekte. Überall entwickelte sich aber mehr Verantwortung gegenüber der Prävention und eine klare Haltung gegen missbräuchlichen und risikohaften Alkoholkonsum. Während sich in den einen Gemeinden Jugendarbeiter oder die für Veranstaltungen zuständige Behörde besonders engagieren, sind es in anderen Vereine oder das Gastgewerbe. Als Massnahmen sind beispielsweise Handbücher für die Durchführung von Veranstaltungen, Zertifikate für Wirte, welche Alkohol verantwortungsbewusst ausschenken, oder Systeme für die Honorierung von Vorbildverhalten in Vereinen erarbeitet worden. Um eine nachhaltige Wirkung zu erreichen, sind die Strukturen der Prävention festgehalten und Verantwortungen geregelt; die Elemente der Prävention sind damit im Gemeindealltag verankert. Weitere Gemeinden sind zum Mitmachen eingeladen Am Projekt, welches bis 2007 läuft, können sich insgesamt bis zu 150 Gemeinden aus der ganzen Schweiz beteiligen. Laut Projektleiter Christian Jordi, Radix Zürich, eignet sich das Projekt besonders für Kommunen mit 3000 bis 30 000 Einwohnern. Die neu dazukommenden Gemeinden profitieren von bereits gesammelten Erfahrungen, tauschen Ideen aus und vernetzen sich untereinander. Das Alkoholprogramm «Alles im Griff?» des BAG unterstützt die Gemeinden mit Informationsmaterial. |