Glarnerland Tourismus - wohin?

GLARUS. Der Regierungsrat hat mit grosser Enttäuschung vom Scheitern der Bemühungen von Glarnerland Tourismus (GLT) als Dachverband der Tourismusunternehmen und örtlichen Verkehrsvereine um eine Neuausrichtung des Tourismus im Glarnerland Kenntnis nehmen müssen. Damit steht ein wichtiger Pfeiler der Entwicklungsstrategie unseres Kantons ohne Fundament da. Angesichts des vorliegenden Scherbenhaufens verzichtet der Regierungsrat auf die Ausarbeitung einer Tourismusvorlage zuhanden der Landsgemeinde 2004.

Der Regierungsrat genehmigte im Januar 2003 das von Glarnerland Tourismus (GLT) initiierte Projekt für eine Marketing- und Strukturreform im Glarner Tourismus und gewährte dafür einen Beitrag von 100'000 Franken aus dem Tourismusfonds. Mit dem Projekt „GLT neu“ sollte Glarnerland Tourismus zur starken Marketingorganisation des Glarnerlandes gemacht werden. Mit einem neuen Resortmanagement sollten effiziente Strukturen vor Ort geschaffen und eine optimale Aufgabenteilung zwischen den geplanten Resorts (Elm-Sernftal-Schwanden, Braunwald-Klausenpass, Filzbach-Kerenzerberg, Glarus-Klöntal) und „GLT neu“ erarbeitet werden. Es war vorgesehen, einen Teil (500'000 Franken) der schon bis anhin ausgegebenen Marketingmittel der Tourismusunternehmen und Tourismusorte bei „GLT neu“ zu bündeln, um eine bessere Reichweite für die touristische Vermarktung des Glarnerlandes zu erzielen und die Infrastruktur sowie Personal bei „GLT neu“ durch öffentliche Beiträge von Gemeinden und Kanton zu finanzieren. Im weiteren gehörte die Erarbeitung eine Marketing Strategie für die neue Tourismus-Marke „Glarnerland“ und ihre „Submarken“ Elm, Braunwald, Glarus und Filzbach dazu.

Das Projekt „GLT neu“ wurde auf Initiative von Glarnerland Tourismus gestartet. Geplant war, der Landsgemeinde 2004 eine Revision des Tourismusgesetzes vorzulegen. Vereinbartes Ziel wäre es deshalb gewesen, das Projekt „GLT neu“ bis Ende Oktober 2003 abzuschliessen, um genügend Zeit für die Ausarbeitung der Landsgemeindevorlage zu haben. Nach dem Scheitern von „GLT neu“ scheint die Zukunft von Glarnerland Tourismus sehr ungewiss. Geschäftsführer sowie Sekretärin der Infostelle Glarus haben ihre Stelle gekündigt.

Scheitern des Projektes „Glarnerland Tourismus neu“

Während des letzten Jahres wurde am Projekt „GLT neu“ und an der neuen Marketing-organisation mit Elan gearbeitet. Alle Resorts hätten sich an der Neuausrichtung von GLT mit der Dachmarke „Glarnerland“ beteiligt; einzig die Sportbahnen Elm AG beschloss, den Marketingbeitrag an GLT bei 35'000 Franken zu belassen und die für "GLT neu" notwendige Beitragserhöhung auf 85'000 Franken abzulehnen. Somit scheiterte das Reformprojekt: Die für ein wirksames Destinationsmarketing minimalen reinen Marketingmittel von 500'000 Franken werden nicht erreicht und die Finanzierung von „GLT neu“ als Gleichgewichtsmodell zwischen Öffentlicher Hand und Privaten ist misslungen. Zur Bildung einer "Destination Glarnerland" fehlen damit entscheidende Voraussetzungen:

gemeinsame Vision bzw. Konsens über das Gesamtlösungsmodell der Aufgabenteilung ist nicht vorhanden;

Professionalisierung (Produktmanagement, Vermarktung) von „GLT neu“ wird verunmöglicht;

minimal erforderlichen Marketingmittel können nicht gebündelt werden;.

Weitere Partner (z.B. Kerenzerberg) sind unter dessen Voraussetzungen nicht zu einem Pooling der Marketingmittel bereit. Die angestrebte touristische Destination Glarnerland kommt nicht zu Stande.

Lagebeurteilung durch den Regierungsrat

Der Regierungsrat diskutierte eingehend die neue Situation. Das Entwicklungspolitische Leitbild lässt sich im Schwerpunktbereich Wirtschaft/Tourismus nicht umsetzen und es wird eine weitergehende Überprüfung der strategischen Ausrichtung des Kantons unabdingbar sein.

Trotz mehrerer Gespräche ist offenbar kein Konsens über die Bildung einer „Destination Glarnerland“ zu erreichen. Offenbar wird eine dezentrale Vermarktung durch die einzelnen Tourismusorte selbst einer gemeinsamen Vermarktung als „Destination Glarnerland“ vorgezogen. Obwohl ein Trend zu Zusammenschlüssen von Tourismusgebieten - bedingt durch die schweizerische und europäische Konkurrenz sowie den grossen Investitionsbedarf - zur Zusammenarbeit zwänge.

Solange der Grundkonsens nicht vorhanden ist, sind die Grundvoraussetzungen für die Bewerbung unsere eher kleinen Region als einheitliche Tourismusdestination nicht gegeben, da die minimalen Marketingmittel fehlen. Das Projekt ist somit gescheitert. Konsequenz ist der Abbruch des Projektes und ein vorläufiger Rückzug des Kantons von direkten Tourismus-Marketingaktivitäten. Den Alleingang von „GLT neu“ ohne Sportbahnen Elm AG erachtet der Regierungsrat als keinen zukunftsweisenden Weg. Es wird nun Sache von Glarnerland Tourismus sein, seine künftige Strategie mit seinen Mitgliedern festzulegen.Der Regierungsrat ist nicht bereit, weiter Gelder in ein Projekt zu investieren, für das kein Grundkonsens vorhanden ist.

Konsequenzen für die Tourismusföderung

„GLT neu“ wird gestoppt und die Projektorganisation aufgelöst. Die Marketingbeiträge des Kantons für den Tourismus werden sistiert, u.a.:

Betriebsbeitrag an Infostelle Niederurnen von 62'000 Franken;

Beitrag GLT 60'000 Franken und Übernahme Budgetdefizit von 20‘000 Franken;

Marketingbeitrag an Ostschweiz Tourismus von 35'000 Franken.

Der Tourismusförderungsfonds wird beibehalten, inhaltlich wird er auf die künftige Strategie ausgerichtet. Das Marketing wird vermehrt dezentral durch die Orte oder Resorts selbst zu realisieren sein. Das Tourismusgesetz wird der Landsgemeinde 2004 nicht zur Anpassung vorgelegt. Zuerst muss die neue strategische Ausrichtung definiert werden.

Schlussbemerkungen

Vom Regierungsrat wird - allein schon aufgrund der finanziellen Situation - konsequentes Verhalten und Führen gefordert. Dies tut er jetzt. Unter Umständen führt die schwierige Situation dazu, dass die direkt am Tourismus Interessierten selber das Heft in die Hand nehmen und konstruktive Vorschläge für die Werbung für unseren Kanton als Tourismusdestinantion erarbeiten.

Der Weg wird nur zusammen über eine Destination „Glarnerland“ oder gar grössere Organisationen zum Ziel führen. Kleinräumiges Denken ist in unserem ohnehin kleinen Kanton angesichts der schweizerischen und weltweiten Tourismus-Konkurrenz fehl am Platz. Für zukunftsgerichtete Vorschläge ist der Regierungsrat immer offen; er wird solche, aber nur solche, Projekte mit Mitteln aus dem Tourismusförderungsfonds und mit Bundesgeldern für Innovation im Tourismus unterstützen können.

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