«Mehr Lehrstellen 2004!» - damit die Jungendlichen bessere Chancen haben

ZÜRICH. Für viele Jugendliche bleibt die Lage auf dem Lehrstellenmarkt auch dieses Jahr schwierig. Die Ausbildungssituation ist angespannt, da sich Angebot und Nachfrage immer weniger decken. Um das Ziel zu erreichen, dass alle bildungswilligen Schulabgänger und Schulabgängerinnen eine Anschlusslösung finden, braucht es die Anstrengung von allen.

Auf die angespannte Lehrstellensituation reagiert die kantonale Bildungsdirektion zusammen mit den Städten Zürich und Winterthur und weiteren Partnern aus der Wirtschaft mit einem Paket von Massnahmen, um die Lage der schulaustretenden Jugendlichen zu verbessern. Mit der Kampagne werden die bestehenden Bemühungen unterstützt, dass alle Schulabgängerinnen und Schulabgänger im Sommer eine Anschlusslösung finden.

Die Ausgangslage sieht ähnlich aus wie im Vorjahr: Einer leichten Zunahme der Schulabgänger und Schulabgängerinnen (um rund 200) steht ein Lehrstellenangebot gegenüber, das vorläufig noch zu knapp ist. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen von Jugendlichen, die nach der obligatorischen Schulzeit bereits ein Zwischenjahr absolviert haben, ist nochmals um neun Prozent gestiegen. Damit geht die Rechnung in doppelter Hinsicht nicht mehr auf: Quantitativ ist das Angebot nicht genügend und qualitativ klaffen Angebot und Nachfrage immer mehr auseinander. Diese Entwicklung ist zu bremsen.

Es gibt bereits viele Lehrstellen – aber es braucht noch einige mehr

Die Kampagne «Mehr Lehrstellen 2004!» der Bildungsdirektion, welche vom Mittelschul- und Berufsbildungsamt koordiniert wird, verfolgt zwei Richtungen:

Zum einen werden die Jugendlichen bei der Lehrstellensuche intensiv unterstützt. Tauchen Schwierigkeiten bei der Lehrstellensuche auf, wird der Berufswahlentscheid gemeinsam überprüft, es werden Alternativen evaluiert und die Befähigung zur Suche wird gestärkt. Dies kann vom Training von Bewerbungsgesprächen bis zu einem intensiven Coaching gehen. Die Berufsberatungsstellen verfügen mit dem Angebot zur intensiven Begleitung «SOS-Starthilfe» über ein taugliches Instrument, das bis in den Herbst hinein wirksam eingesetzt werden kann. Nachdem die Anzahl unbesetzter Lehrstellen im vergangenen Sommer mit 420 bereits einen Tiefststand wie seit Jahren nicht mehr erreicht hatte, soll diese Zahl nach Möglichkeit nochmals reduziert werden.

Zum andern werden Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber aufgefordert, das Menschenmögliche zu tun, um zusätzliche Lehrstellen und Anlehrstellen zu schaffen. Der Kanton hat bereits weitere Lehrstellen im Gesundheitsbereich geschaffen. Investitionen in Ausbildungsplätze sind sinnvoller und zudem rentabler als die Unterstützung von Jugendlichen mit Arbeitslosengeld und Sozialhilfe. Und der Umweg über ein Zwischenjahr macht für jene Jugendlichen, die für eine Lehre gut vorbereitet sind, weniger Sinn.

Da die letztjährigen Bemühungen zum Erfolg führten, dass praktisch alle Schulabgänger und Schulabgängerinnen eine Anschlusslösung fanden, besteht Aussicht, dass es auch dieses Jahr wieder zu schaffen ist. Deswegen werden für die diesjährige Lehrstellenkampagne auch dieselben Mittel eingesetzt: Neben der Unterstützung und Begleitung der Jugendlichen sind dies vor allem die umfassende Information und Sensibilisierung der Öffentlichkeit, gezielte Kontakte zu Unternehmen durch den Einsatz von Lehrstellenförderern und die Information der Lehrbetriebe über neue Ausbildungsformen im Lehrbetriebsverbund.

Über die Kampagne und die Entwicklung der Lehrstellensituation informiert im Internet eine eigene Homepage: http://www.mehrlehrstellen.ch.

Nachhaltige Verbesserungen für die Schwächeren gefragt

Dass es für die Übertrittsprobleme vor allem der schwächeren Schulabgängerinnen und Schulabgänger des Sommers 2004 kurzfristig wirksame Lösungen braucht, darf den Blick auf die längerfristig zu lösenden Aufgaben nicht verstellen.

Die Bildungsdirektion hat die folgenden vordringlichen Handlungsfelder erkannt und entsprechende Aufträge erteilt:

Die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf den Übertritt in die Berufsbildung muss an der Volksschuloberstufe weiter verbessert werden. Die Berufsberatung arbeitet eng mit den Lehrkräften zusammen und hat sich mit hoher Priorität den schwächeren Schulabgängerinnen und Schulabgängern zu widmen. Das Angebot an Brückenangeboten und Zwischenjahren ist konsequent auf die Schliessung von Bildungslücken im Hinblick auf den Einstieg in die berufliche Grundbildung auszurichten. Der Einstieg in die berufliche Grundbildung für schulschwächere Jugendliche ist mit der Einführung von Attest-Ausbildungen und geeigneten Fördermassnahmen zu unterstützen. Die Ausbildungsbereitschaft der Lehrbetriebe ist durch geeignete Rahmenbedingungen zu erhalten und nach Möglichkeit zu erhöhen. In diesem Zusammenhang ist die Bildung von Lehrbetriebsverbünden durch geeignete Partnerfirmen zu fördern. Das Lehrstellenmarketing ist als Daueraufgabe kontinuierlich zu betreiben.

Diese Themen werden auch im Zusammenhang mit den Arbeiten am kantonalen Einführungsgesetz zum neuen Berufsbildungsgesetz sowie mit der Revision des Gesetzes über die Jugendhilfe und Berufsberatung bearbeitet. Sie bilden einen vorrangigen Schwerpunkt der kantonalen Berufsbildungspolitik.

home

news box märz 2004