Ausstellung:«Goulag, le peuple des zeks» Gulag in Genf

GENF. Die Ausstellung «Goulag, le peuple des zeks» wird vom 12. März 2004 bis 2. Januar 2005 im Annexe de Conches des Museums für Ethnographie in Genf gezeigt. Nebst der Ausstellung sind diverse Rahmenveranstaltungen sowie ein Ausstellungskatalog geplant – in französischer und englischer Sprache.

Das Museum für Ethnographie in Genf greift mit der Ausstellung «Gulag – das Volk der Zeks» ein brisantes Problem der russischen Vergangenheit auf. 15-20 Millionen Menschen haben in den stalinistischen Straflagern Fronarbeit geleistet. Fast jede Familie im heutigen Russland hat Verwandte oder Bekannte, die zur «Umerziehung» nach Sibirien geschickt worden waren. Angesichts der aktuellen Probleme wird dieses Kapitel der sowjetischen Geschichte im heutigen Russland aber meist verdrängt. Dem wollten die beiden russischen Menschenrechts-Organisationen Memorial und Liberty Road entgegen wirken und erarbeiteten ein Ausstellungsprojekt. Anlässlich eines Besuchs von DEZA-Direktor Walter Fust in Moskau konnten die Initianten die DEZA als Partnerin für ihr Anliegen gewinnen. Sie unterstützt das Ausstellungsprojekt mit insgesamt 300000 Franken.

Ethnographischer Ansatz Neu am Genfer Ansatz ist, dass das «Phänomen Gulag» unter einem ethnographischen Blickwinkel untersucht wird: In den Lagern sollten die Häftlinge zu Mitgliedern der neuen und freien Sowjetgesellschaft umerzogen werden. Gleichzeitig war das Leben im Gulag von besonders brutaler Repression geprägt. Diese Absurdität sowie der Lageralltag werden den Museumsbesuchern mit Hilfe von Alltagsgegenständen und Fotos näher gebracht. Die Ausstellungsmacher legen Wert darauf, dass der Gulag kein einmaliges Phänomen war. Die Einbettung des Themas in Geschichte und Gegenwart sei ein besonders verdienstvolles Element des Projekts, sagt Milena Mihajlovic, Russland-Verantwortliche bei der DEZA. Sie bezeichnet die Ausstellung als wichtigen Beitrag für die russische Vergangenheitsbewältigung und Identitätssuche.Allerdings wird sie weit weg vom eigentlichen Zielpublikum gezeigt. «In Moskau wäre es schwierig, ein solches Projekt durchzuführen. Genf aber ist eine internationale Stadt mit humanitärem Ruf, wo wir ein breites Publikum erreichen können», begründen die Projektverantwortlichen ihre Standortwahl.

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news box märz 2004