Die Humanitäre Hilfe des Bundes schaut nicht weg 

BERN. Während die Kameras der Weltmedien vor allem auf die Konflikte im Nahen Osten und in Zentralasien gerichtet sind, treiben in der Region der Grossen Seen Afrikas Kriege gegen die eigenen Bürger sowie grenzüberschreitende Konflikte seit Jahren Millionen von Menschen in Misere, Flucht und in den Tod. Dies geht aus einem Bericht der DEZA hervor.

Das Massenmorden in Afrika tritt jeweils erst dann für kurze Zeit aus dem Schatten der Weltpolitik, wenn die unmenschlichen Bilder und schrecklichen Berichte von Massakern, Vertreibungen, Massenvergewaltigung nicht mehr erlauben, einfach wegzuschauen. Für die Humanitäre Hilfe des Bundes gilt die Region der Grossen Seen seit über 10 Jahren zu einem ihrer vorrangigen Einsatzgebiete in Afrika.

Die Region der Grossen Seen blieb auch 10 Jahre nach dem Völkermord in Rwanda ein komplexer Schauplatz lokaler, regionaler und internationaler Machtspiele. Ein unberechenbares Umfeld von Gewalttätigkeit, Misere, Unmenschlichkeit, von wirtschaftlicher, geschlechtlicher und sozialer Ungleichheit prägt den täglichen Überlebenskampf der Bevölkerung.

Über eine Million Menschen dieser Region leben immer noch als Flüchtlinge in benachbarten Ländern und mehr als 900'000 Familien wurden in ihrem eigenen Land vertrieben. Diese massiven Vertriebenenbewegungen bilden zudem ein zusätzliches regionales Krisenpotential.

In diesem zerbrechlichen Kontext unterstützt die Humanitäre Hilfe des Bundes seit 1994 zuerst über sein Kooperationsbüro in Kigali und seit 2002 über dasjenige in Bujumbura, Programme zu Gunsten der Zivilbevölkerung der Grossen Seen von rund 14 Mio. CHF jährlich. Nebst dem vorrangigen Anliegen, das Leid der betroffene Zivilbevölkerung lindern zu helfen, werden diese humanitären Programme wenn und wo möglich so geplant und durchgeführt, dass eine Übergabe an Akteure von längerfristigen Entwicklungszusammenarbeit optimal erfolgen kann.

Gemeinsam mit dem Wunsch nach Frieden, liegen die vorrangigen Bedürfnisse der Region der Grossen Seen in einer Zone der notwendigen humanitären Hilfe und der dringend benötigten Entwicklungszusammenarbeit. Die humanitäre Hilfe des Bundes wird deshalb auch in den kommenden Jahren bestrebt sein, eine Brücke zwischen Not und Entwicklung entlang folgender Aktionslinien zu schlagen:

Regionale Bereitschaft zur Soforthilfe in akuten Notlagen sind vorwiegend zu erwarten in Burundi, Uganda und den Gebieten entlang der ehemaligen Demarkationslinie quer durch die Demokratische Republik Kongo Schutz und Versorgung von Flüchtlingen (in Tansania) und intern Vertriebenen in Burundi, Uganda und der Demokratische Republik Kongo Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung von Rückführungs-, Wiederaufbau- und Reintegrationsprogrammen hauptsächlich in Burundi, teilweise auch in der Demokratische Republik Kongo

Burundi bereit sich auf die Rückkehr aus Tansania vor Foto. Peter Bommeli Um diese Aufgaben wirksam erfüllen zu können, kann die Humanitäre Hilfe des Bundes über ein starkes lokales und internationales Partnernetzwerk von humanitären Akteuren zählen. Die Finanzbeiträge an UNHCR und WFP werden zudem durch den gezielten Einsatz von Angehörigen des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (Stand März 2004: 3 Korpsangehörige) operativ verstärkt.

Konfrontiert mit der vermehrten Privatisierung der Gewalt und der Globalisierung von Verletzungen des internationalen humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte, ist sich die Humanitäre Hilfe des Bundes bewusst, dass sie in der Region der Grossen Seen immer mehr auf operative und Mandats-Grenzen. Den erwähnten Verstössen gegen die Menschlichkeit kann nur dann Einhalt geboten werden, wenn komplementär, simultan und koordiniert zur unentbehrlichen Not- und Wiederaufbauhilfe auch politische, wirtschaftliche und militärische Mittel lokal, regional und international angewendet werden.

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news box märz 2004