Radioaktiviätsmessübung "BRAUNBÄR"

Radioaktivitätsunfall - was nun?

BERN. Alle zwei Jahre führt die Einsatzorganisation bei erhöhter Radioaktiviät (EOR) eine grosse Messübung durch. Im Gegensatz zu Übungen der vergangenen Jahre geht die aktuelle Übungsanlage von morgen (Mittwoch) nicht von einem Vorfall in einem Kernkraftwerk aus. Im Rahmen der Übung 2004 müssen Quellen im Gelände geborgen werden. An der rund 30-stündigen Übung in der Westschweiz nehmen insgesamt rund 150 Personen teil.

Turnusgemäss findet morgen Mittwoch, die Messübung der Einsatzorganisation bei erhöhter Radioaktivität (EOR) statt. Die Messübung 2004 geht von einem Flugzeugabsturz im Jura aus. Da sich gemäss Drehbuch radioaktives Material an Bord des Flugzeuges befand und strahlende Trümmerteile über ein grösseres Gebiet verstreut wurden, wird die Messorganisation bei erhöhter Radioaktivität aufgeboten. Für die Messtrupps geht es zunächst um eine rasche und richtige Lagebeurteilung und in einer späteren Phase um die korrekte Messung der ausgetretenen Radioaktivität. Nicht geübt wird die Absperrung des Gebietes durch die örtliche Polizei und der Einsatz von Feuerwehr und Sanität. An der rund 30-stündigen Übung, die am Mittwoch um 06:00 h beginnt, nehmen vor Ort diverse Speziallaboratorien des Bundes mit ihren mobilen Messmitteln teil. Es sind dies das Institut de radiophysique appliquée (IRA) in Lausanne, das Labor Spiez, aus dem Kompetenzzentrum für ABC-Schutz der Armee das ABC Abwehrlabor 1 mit der Messorganisation Radioaktivität der Armee (MORA) und das Paul-Scherrer-Institut (PSI). Durch die Nationale Alarmzentrale (NAZ) werden zudem einzelne Atomwarnposten in der Westschweiz für Messungen an ihren Standorten aufgeboten. Um die Tätigkeit der Messtrupps real überprüfen zu können, werden am simulierten Schadensplatz schwach radioaktive Quellen ausgelegt. Diese stellen weder für Mensch noch Umwelt irgend eine Gefahr dar.

Herausforderung Radioaktivitätsunfall in abgelegenem Gelände In den vergangenen Jahren konzentrierten sich die Messübung der EOR vor allem auf Einsätze bei Kernkraftwerken. Bei der Messübung 04 geht es für die Übungsleitung vor allem um die Frage, ob die Einsatzorganisation auch in der Lage ist, ohne Vorwarnzeit an einem beliebigen Ort in der Schweiz einen Radioaktivitätsunfall zu meistern. Übungsleiterin Dr. Anna Leonardi, Bereichsleiterin Radioaktivität bei der NAZ: "Für die Übungsteilnehmer ist der Übungsort und die Art des Unfalls unbekannt. Nur so können wir überprüfen, wie rasch die einzelnen Messequipen bei einem Unfall tatsächlich vor Ort sind und wie die Koordination zwischen den einzelnen Equipen ohne Vorbereitung klappt."

Messungen auch aus der Luft 

Nebst zahlreichen Messteams am Boden wird auch ein Super-Puma Helikopter der Armee aufgeboten. Dieser erfasst aus einer Höhe von rund 100 Metern flächendeckend die Radioaktivität rund um den Schadensplatz. Bis der Helikopter am Schadensplatz eingesetzt werden kann, sind allerdings umfangreiche Vorarbeiten nötig. Nebst dem Aufgebot eines Piloten- sowie eines wissenschaftlichen Messteams müssen auch die Messgeräte in den Helikopter eingebaut werden. Der Helikopter wird um die Mittagszeit am Schadensplatz erwartet.

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news box märz 2004