| Calanda-Zielhang wird
kontrolliert abgebrannt
BERN. In den nächsten Tagen werden versuchsweise etwa sieben Prozent der Trockenwiesen am Calanda-Zielhang auf dem Schiessplatz Rheinsand in Chur kontrolliert abgebrannt. Die Durchführung obliegt dem Betrieb des Churer Waffenplatzes. Der Beschuss des Calanda-Zielhanges auf dem Schiessplatz Rheinsand löst bei trockener Witterung im Sommer immer wieder Brände aus. Die Feuer konnten zwar jeweils rasch gelöscht werden, doch das Brandrisiko nimmt zu. Die Schafe, die während der Schiesspausen im Zielhang weiden, verschmähen die trockenen Gräser, was den Bestand an brennbaren Pflanzenteilen stetig erhöht. Die Brandsicherheit erhöht sich durch vorbeugendes Gegenfeuer, welches dem potenziellen Schadenereignis die Nahrung entzieht. In einer Vorstudie wurde die Kombination von Beweidung und kontrolliertem Abbrennen von Teilflächen im Winter daher als erfolgversprechendste Brandschutzlösung ermittelt. Im Sommer reduziert die Schafbeweidung den entzündlichen Pflanzenbewuchs, und im Winter sollen die verbliebenen dürren Halme auf jeweils wechselnden Flächen abgebrannt werden. Die Lösung verspricht folgende Vorteile: • Tiere und Pflanzen sind durch ihren Rückzug im Winter vor der Hitze eines kontrollierten Abbrennens sicher (siehe Temperaturprofile), soweit sie sich nicht auf Pflanzen- oder der Bodenoberfläche aufhalten. • Ein Abbrennen löst im Winter weniger Ozonbildung als im Sommer aus. • Das Feuer verschafft den seltenen und von den Schafen bevorzugten Kräutern wieder Raum und Sonnenlicht. • Einem möglichen Flurbrand wird mit dem kontrollierten Abbrennen einer Pufferfläche die Nahrung entzogen und damit die Sicherheit für umliegende Weide und Wald erhöht. Auf den ersten Blick mag der Einsatz von Feuer zur Verhütung von anderem Feuer paradox erscheinen und dem erfolgreichen Bestreben der Behörden zur Verhinderung wilder Feuer zuwiderlaufen. Das Zusammentreffen von Südexposition, Föhnlage, Hangneigung und Beschuss erzeugen jedoch ein für Schweizer Schiessplätze einzigartiges Brandrisiko, das mit aussergewöhnlichen Unterhaltsmassnahmen bekämpft und mit einem ausserordentlichen Feuerwehrdispositiv kontrolliert werden muss. Der nun im Rahmen eines Versuchs zu prüfende Lösungsvorschlag darf daher nicht als "Rauchzeichen" für einen künftig sorgloseren Umgang mit Feuer im Freien missverstanden werden. Die Möglichkeit der Verbandsausbildung begründet den schweizweit einzigartigen Standortvorteil des Waffenplatzes Chur und sein volkswirtschaftliches Plus für die Region. Dank der militärischen Nutzung hat sich der Natur- und Erholungswert des Gebietes besonders gut erhalten. Für eine moderne, realistische Ausbildung bedarf es des Gefechtschiessens als zentrales Element. Brandgefährdung und Umweltbelastung müssen dabei möglichst klein gehalten werden. Die jeweiligen Trockenperioden, insbesondere der vergangene Hitzesommer, zeigten den dringenden Verbesserungsbedarf im Brandschutz des Calanda-Zielhanges auf. Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) hat in den letzten Wochen in einer Güterabwägung unter Einbezug von Kantons- und Gemeindebehörden sowie dem Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) sowohl die einzigartige militärische Bedeutung wie auch das einzigartige Brandrisiko des Calanda-Zielhanges gewürdigt und den Abbrandversuch dieser Woche unter Auflagen genehmigt: Die Durchführung obliegt der Betriebsleitung. Der Versuch wird ökologisch begleitet. Im kommenden Sommer werden die Auswirkungen des Versuches auf Flora und Fauna sowie Massnahmen für ein wirksameres Weidemanagement genau geprüft. Die daraus resultierenden Erkenntnisse werden der Öffentlichkeit Anfang 2005 präsentiert. |