Medizinische Strahlenquellen unsachgemäss entsorgt

Radioaktiver Abfall auf einer Alteisendeponie in Kaiseraugst: Als Herkunftsort stellte sich die Nuklearmedizin des Kantonsspitals Baden heraus, welche durch das Kantonsspital Aarau geführt wird. Die Kantonsspitäler bedauern den Vorfall und setzen alles daran, die Angelegenheit so rasch wie möglich aufzuklären

AARAU. Ein Altmetallhändler aus Kaiseraugst AG meldete den zuständigen Organen der Suva (Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt) am 3. Februar 2004, es sei beim Eingangsmonitoring auf seiner Deponie radioaktive Strahlung festgestellt worden. Sofort eingeleitete Messungen durch Spezialisten der Suva führten zu drei ca. 15 x 2 Millimeter grossen Stäbchen und einem Spezialbehältnis, wie es für die Aufbewahrung radioaktiven medizinischen Materials verwendet wird. Ein weiteres Stäbchen wurde durch die Suva-Spezialisten bei einem Entsorgungsunternehmen in Schönenwerd SO gefunden, wo der Container mit dem Altmetall zwischengelagert worden war. 

Auf Grund von Inventarklebern an Gegenständen im gleichen Container konnte die nuklearmedizinische Abteilung am Kantonsspital Baden als Herkunftsort des entsorgten Materials eruiert werden. Bereits früher waren Geräte und Material entsorgt worden. Dies erfolgte fachgerecht entsprechend den gesetzlichen Strahlenschutzbestimmungen. In den 25 Jahren seit Bestehen des Angebots der Nuklearmedizin in Baden hatte sich nämlich einiges an Geräten und Material angesammelt, welches nicht mehr in Gebrauch stand. Im Herbst 2003 wurde eine weitere Aufräumaktion durchgeführt und mehrere Gegenstände wurden zur Entsorgung frei gegeben. Dazu gehörte auch ein tresorähnliches Spezialbehältnis, welches der Aufbewahrung radioaktiven Materials diente. Darin waren drei Bleibehälter für die Lagerung von insgesamt 15 stäbchenförmigen Caesium-Quellen, von denen bisher 14 sichergestellt worden sind. Anfang Januar 2004 wurde das im Altmetallcontainer deponierte Material durch eine Entsorgungsfirma abgeholt. Warum der Spezialbehälter fälschlicherweise in das Altmetall gelangen konnte, wird gegenwärtig untersucht. Die Nuklearmedizin steht unter der Aufsicht der Strahlenschutzabteilung des BAG und wird durch ärztliche Fachpersonen des Kantonsspitals Aarau geführt. Radioaktive Substanzen werden in der Medizin aus diagnostischen und therapeutischen Gründen verwendet. 

Die aufgefundenen Materialien haben hinsichtlich Intensität und Reichweite der Strahlung eine geringe Aktivität, was ihrer Bestimmung als therapeutische Substanzen entspricht. Aus diesem Grund bestand bei der Entsorgung und Bergung des Containers und der Stäbchen nie eine gesundheitliche Gefährdung von Personal im KSB und der Entsorgungsfirma. Nach Auskunft von Experten des BAG wäre ein enger und permanenter Kontakt mit dem strahlenden Material von rund 100 Stunden oder 4 Tagen notwendig, um die Gesundheit gefährden zu können. Die Kontaktzeit zwischen der Strahlenquelle und dem an der Entsorgung beteiligten Personal war viel zu kurz, um schädliche Effekte erzielen zu können. Die jeweiligen Lagerplätze waren im Freien und nicht in unmittelbarer Nähe von Orten gelegen. Es ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen, ob eine 15. Caesiumquelle, die im Behälter theoretisch Platz gehabt hätte, zum Zeitpunkt der Entsorgung im Tresor gelegen hat und auf dem Transport verloren gegangen ist oder gar nicht mehr drin war. 

Die Untersuchungen des Entsorgungswegs durch das BAG haben jedenfalls bisher kein weiteres Stäbchen zutage gefördert. Personen, welche ein verdächtiges Stäbchen auffinden, werden gebeten, sich mit der nächsten Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen und das Material keinesfalls an sich zu nehmen, da bei dauerhaften Kontakt gesundheitliche Schäden auftreten können. Die weiteren Abklärungen des Falls werden von der Abteilung für Strahlenschutz des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und der Bundesanwaltschaft durchgeführt. Die Kantonsspitäler Aarau und Baden bedauern den Vorfall und setzen alles daran, die Angelegenheit so rasch wie möglich aufzuklären.

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news box märz 2004